Jahrgang 
14-26 (1877)
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450 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

bauen, in welchem ich dann die von den Ruſſen und Türken erbeu⸗ teten Waffen, Fahnen und Monturen aufſtellen laſſen will. Doch davon ſpäter; zunächſt alſo der Pavillon.

Ich glaube dieſen zur Zufriedenheit Eurer Majeſtät herſtellen zu können, erwiederte der junge Baumeiſter,und bitte nur, mir einmal den Platz zeigen zu laſſen, auf welchem er errichtet werden ſoll, da beim Bau derartiger kleiner Gebände ja ſtets auf die Um⸗ gebung Rückſicht genommen werden muß.

Sehr recht, nickte der König,es iſt mit den Bauwerken gerade ſo wie mit den Menſchen, auch die wirken nur dann am erfolgreichſten, wenn ſie in die richtige Umgebung geſetzt werden. Das habe ich auch ſtets bei allen meinen Beamtenplacirungen im Auge gehabt. Werde meinen Schloßhauptmann, Nikolaus Wodinski, beordern, daß er Dir im Parke die ungefähre Stelle zeige; finde Dich morgen Früh um neun Uhr wieder im Schloſſe ein, wo Du dann den Hauptmann für Dich bereit finden wirſt.

In zwei, drei Tagen, fuhr Andreas Schlüter hierauf fort, hoffe ich ſodann den Plan des kleinen Baues entworfen zu haben, um ihn dann mit Eurer Majeſtät Erlaubniß unterthänigſt vorlegen zu können. Ich würde mich dann hochbeglückt fühlen, fände dieſe meine erſte Arbeit Eurer Majeſtät Beifall.

Nun, denke wohl, daß Du etwas Ordentliches zu Stande bringen wirſt, biſt Du doch meines geſchickten Freundes Sapovius wohlempfohlener Geſell.

Bei dieſen Worten grüßte der König freundlich verabſchiedend mit der Hand, der junge Baumeiſter verbeugte ſich tief und verließ das Audienzzimmer.

Als er auf den Schloßhof trat, athmete er tief auf, das Herz klopfte ihm heftig vor freudiger Erregung; von ſeinem Abſchiede aus Danzig an bis zum heutigen Tage hatte er ſtets mit Bangen an ſeine Vorſtellung beim Könige gedacht. Wenn es in ſeinem Fache zu arbeiten und zu ſchaffen galt, ſo war er niemals in Sorge, konnte er doch auch ſeinen Kenntniſſen und ſeinem Talente vertrauen; aber im Umgange mit großen Herren fühlte er ſich unſicher, um die höfiſche Turnüre hatte er ſich nie gekümmert, ver⸗ ſpürte auch keine Luſt, ſich die feineren Umgangsformen, die ihm höchſt unbequem waren, anzueignen. All' ſein Sinnen und Trachten ging nur darauf hin, dermaleinſt ein tüchtiger Baumeiſter und Bildhauer zu werden; gelang es ihm, dieſes Ziel zu erreichen, ſo hoffte er, daß man auch an feinem ſchlichten Weſen keinen Anſtoß nehmen werde. Dieſe Vorausſetzung hatte ſich ihm denn auch heute ſchon als eine richtige erwieſen, ohne viel Formenweſen hatte ihn König Sobieski empfangen und war, wie es ſchien, von ſeinem ſchlichten Weſen nicht im Geringſten unangenehm berührt worden. Alle Bangigkeit vor der Hofaudienz war mithin ganz überflüſſig geweſen und er mußte jetzt faſt lachen über ſeine knabenhafte Angſt.

Frohen Muthes ſchritt er nun den Hügel, auf welchem das ſtolze Königsſchloß ſtand, zur Stadt hinab und wandte ſich nach der Maſurenſtraße. Sein ihm in väterlicher Liebe zugethaner Meiſter hatte ihn nicht nur mit einem Empfehlungsſchreiben an den König von Polen ausgerüſtet, ſondern auch mit einem Briefe an ſeinen Jugendfreund, den reichbegüterten und hochangeſehenen Kaufherrn Johann Georg Bialonski, der in der Maſurenſtraße ein großes Wohnhaus und weitläufige Waarenhäuſer beſaß. Sein erſter Gang, als er geſtern in der fremden Stadt angekommen, war daher zu dieſem einflußreichen Manne geweſen, und derſelbe, ſichtlich erfreut, wieder einmal ein Lebenszeichen von dem einſtigen Jugendgenoſſen empfangen zu haben, hatte den jungen Geſellen freundlich auf⸗ genomnien, ihm ſogar ein Zimmer in ſeinem Hauſe einräumen laſſen und ihn ſo zu ſeinem Gaſte erhoben. Dieſes freundliche Entgegen⸗ kommen war Andreas natürlich im höchſten Grade angenehm ge⸗ weſen, denn die lange Reiſe hatte ſeinen ſchmalen Beutel ſchon ſehr in Anſpruch genommen. Trotzdent aber konnte er ſich gleich von der erſten Stunde an in dem vornehmen Hauſe nicht recht wohl fühlen; anfangs meinte er, daß die reich ausgeſtatteten Zimmer, der ungewohnte Luxus beklemmend auf ihn gewirkt hätten, doch ſchon bei der erſten Mahlzeit, an welcher er geſtern Abend Theil ge⸗ nommen, hatte er bemerkt, daß er durch die allgenteine Stimmung, welche unter den Bewohnern des Hauſex herrſchte,*dieſe Eindrütke empfangen hatte. Der reiche Kaufherr, obgleich von weltmänniſcher Freundlichkeit, ließ doch bei Allem, was er ſprach und that, durch⸗ blicken, daß er riner der bedeutendſten und einflußreichſten Kaufleute des Königreichs war, und daß feine Anſichten und Wünſche von Jedermann zu reſpektiren ſeien. Darum duldete er auch nirgends Widerſpruch, weder bei ſeinem Geſchäftsperſonal noch bei den Mit⸗ gliedern ſeiner Familie. Seine Gattin durfte nie wagen, eine andere Meinung zu äußern, als die, welche er für die richtige erklärt hatte, und ſeine Tochter Maria mußte ſich ſo ängſtlich nach dem ſtrengen Willen des Vaters richten, daß ihr irgend welches ſelbſtſtändiges Handeln faſt ganz unmöglich war. Es konnte daher nicht Wunder

nehmen, daß bei dieſem herriſchen Regimente ſich eine gewiſſe Ge⸗ drücktheit bemerkbar machte, die jeden froheren und freieren Herz⸗ ſchlag, beſonders bei der Tochter, dämpfte. Andreas war ein ſolcher Ton bisher völlig fremd geweſen, trotzdem war er nicht ſo von dem⸗ ſelben abgeſtoßen worden, wie man vielleicht hätte vermuthen können, deun ſeine eigenen Intereſſen hatten ſein ganzes Sinnen und Denken erfüllt.

Auch jetzt, da er dem ſtolzen reichen Hauſe wieder zuſchritt, war er wieder ſo mit ſeinen Plänen beſchäftigt, daß alles Andere bei ihm in den Hintergrund trat. Auf das Sorgfältigſte wollte er den Plan des Pavillons ausarbeiten, der feinere Geſchmack ſowohl, wie die Bequemlichkeit ſollten dabei zu ihrem Rechte kommen und über dem Eingange ſollte das Wappen des Königs prangen, ruhend auf einem zerbrochenen Halbmonde. Mit dieſer Allegorie wollte er auf die verſchiedenen ruhmvollen Siege hindeuten, die der tapfere Sobieski über die Türken errungen hatte.

Bei ſolchem Sinnen war er bis an die Hausthüre des Bia⸗ lonski'ſchen Hauſes gelangt, als dieſe plötzlich von Innen aufgeriſſen wurde und ein junger, höchſt elegant gekleideter Mann in faſt burſchikos ritterlicher Haltung auf die Straße trat. Unwillkürlich zog Andreas, ein Mitglied des Hauſes in dem Heraustretenden ver⸗ muthend, höflich den Hut, doch ſein Gruß wurde nur mit einem herablaſſenden Nicken des Kopfes erwidert.

Ah, Ihr ſeid wohl der junge Baumeiſter, von dem mir mein Vetter ſoeben erzählte, begann ſodann der Fremde, Schlüter vom Kopfe bis zu den Füßen muſternd.

Dieſer ſchaute höchſt verwundert auf den Fremden, wie konnte dieſer ihm völlig Unbekannte einen ſolchen Ton ihm gegenüber anſchlagen.

Dies bin ich allerdings, verſetzte er daher kühl,wünſcht Ihr etwas von mir?

Der Fremde lächelte vornehm.

Nicht das, erwiederte er,ich hatte nur ſo einiges Intereſſe an Euch, da mir mein Vetter ſagte, er habe Euch für einige Zeit in ſein Haus aufgenommen.

Damit nickte er abermals wie zum Gruße und ſchritt weiter.

Entrüſtet ſchaute Andreas dem Unverſchämten nach, gern hätte er ſeinem aufwallenden Zorn Luft gemacht; bei aller Beſcheidenheit war er doch weit davon entfernt, derartige Mißachtungen ſich ge⸗ fallen zu laſſen; dennoch ſchwieg er, da ſich der Fremde als einen Verwandten der Bialonski'ſchen Familie genannt hatte. Er trat daher ſchnell in's Haus und ſtieg raſchen Schrittes die Treppe zu ſeiner Stube hinauf, um in ſeiner momentanen Mißſtimmung nicht Jemandem zu begegnen. Dort vertiefte er ſich bald wieder in Bau⸗ pläne und Ornamente, entwarf ſogar Arabesken, die er da und dort an Fenſtern und Niſchen ſeiner künftigen Bauten anbringen könnte, bis ihn ein Diener zur Mittagstafel rief..

Der Herr des Hauſes war natürlich geſpannt, wie die Audienz beim Könige abgelaufen ſei und zeigte ſich ziemlich überraſcht, als Andreas ein ſo günſtiges Reſultat zu berichten wußte. Er mochte das wohl nicht erwartet haben und zeigte unverhohlen, daß ſein junger Gaſt dadurch in ſeiner Achtung erheblich geſtiegen ſei. Als Andreas bemerkte,-daß der Schloßhauptmann Wodzinski beauftragt ſei, ihm am nächſten Morgen diejenige Stelle des Parkes zu zeigen, an welcher nach dem Wunſche des Königs der Pavillon erbaut werden ſyllte, rief der Kaufherr lebhaft:

Der alte Nikolaus Wodzinski? Der iſt ja ein häufiger und lieber Gaſt bei mir und erſt heute Vormittag machte uns ſein Sohn, der Kaſimir, einen kleinen Beſuch. Das trifft ſich ja prächtig; es iſt ömmer gut, wenn man bei Hofe gleich einige Berührungs⸗ untte dar⸗ denn es iſt nicht ſo leicht, dort oben zu verkehren, als es vielleicht dem Uneingeweihteren ſcheinen mag..

Andreas ſchien von den vielfachen Vortheilen, die ihm aus der

Bekanntſchaft mit dem Schloßhauptmann und deſſen Sohne erwachſen

könnten, nicht ſonderlich Pberzeugt zu ſein, er ſtimmte nur ſo viel als es die Höflichkeit gegen Herrn Bialonski erheiſchte dieſen zu und verſchwieg auch, um jede Mißſtimmung zu vermeiden, ſein Rencontre mit dem jungen Nechen Stutzer, der ganz wahrſcheinlich jener Kaſimir geweſen war.

Nach Tiſche Uhrte Herr Binlonski ſeinen Gaſt in ſeinen Garten, der hinteddem Wohnhanſe gelegen war. Der Kaufherr pflegte denſelben mit beſonderer Sorgfalt, zog ſeltene Blumen und werthvolls holländiſche Tulpenzwiebeln wedeund hörte,&s dann ſehr gern, wenn der prächtige enfünn aßſtend galobt würde. Andreas geleitete er zu eineft Paar. oben agage rochenger Büſchel prächtiger

Kaiſ

erkronen, dann zu einem Stock üppiger Vefüllter gelber Narziſſen

und wollte dänn den, Gaſt eben noch auf Iie. N Art ſammtener

Primeln aufmerkſom machen, als ſeine Tochter in den Garten trat und ihm meldete, daß ein vornehmer Herr aus der Stadt gekommen

ſei, um ihn in Geſchäften zu ſprechen. Er bat daher ſeinen Gaſt,

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