4³⁸ Illuſtrirte Ehronil der Zeit. 3
reichlich zu erſetzen, ihm aber die Thränen dieſer Betrübten nicht anzurechnen.
Am 18. März 1715 wurde an ihm und vier ſeiner Genoſſen, die gleichfalls zum Tode durch's Schwert verurtheilt waren und reumüthig bekannt hatten— jenen vorhin genannten Sahrberg, Schickel, Eckoldt und Schöneck, die gerade die berüchtigſten und gefährlichſten waren— vor dem damals ſogenannten ſchwarzen, ſpäter Bautzener Thore, wo ſich zu jener Zeit eine waldige Haide befand, auf dem dort befindlichen hohen ſteinernen Galgen, von deſſen drei Etagen die oberſte zu einem Schaffote hergerichtet war, die Hinrichtung vollzogen. Nach einem Berichte in den„Dresdener Merkwürdigkeiten“ aus jener Zeit ſahen ihr mehr als 20,000 Menſchen zu und zählte man 144 Kutſchen und mehr als 300 Pferde. Tullian, der zuletzt an die Reihe kam, ermahnte, bevor er zum blutigen Streiche niederkniete, noch in einer kurzen Anrede die ver⸗ ſammelte Menge, ſich vor groben Sünden und Uebelthaten zu hüten,
Mannig
Ein wahrer Edelmann im ſchönſten Sinne des Wortes war der ruſſiſche Fürſt Gallitzin, Oberſt der Garde unter Peter dem Großen. Einſt ſchickte ihn Peter zum Sturm auf die ſchwediſche Feſtung Noteborg (jetzt Schlüſſelburg), die im Jahre 1702 von den Ruſſen belagert wurde. Gallitzin hatte ſich mit ſeinen Truppen auf Flößen den Verſchanzungen der Feſtung genähert, die ſich bis faſt an das Ufer des Fluſſes erſtreckten. Die Belagerten eröffneten aber ein ſo furchtbares Feuer, daß Gallitzin's Schaaren in kurzer Zeit auf das Bedenklichſte gelichtet waren. Peter ſelbſt ſchickte den Befehl zu ſchleunigem Rückzuge. Gallitzin weigerte ſich aber, dieſem Befehle zu gehorchen.„Sag' meinem Herrn,“ gab er dem Ueber⸗ bringer des Befehls zur Antwort,„daß ich mich einſtweilen nicht mehr als ſeinen Unterthan betrachte, ſondern mich unter den Schutz einer Macht begebe, die weit über der ſeinigen erhaben iſt.“ Er wandte ſich dann zu dem Reſte ſeiner Soldaten, ermunterte und befeuerte ſie durch Wort und That, drang mit ihnen bis an die Wälle, erſtieg dieſe und nahm
den Platz.— Peter war über dieſen Heldenmuth entzückt und ſagte dem Fürſten, als dieſer zurückgekehrt war:„Fordere was Du willſt, nur Moskau und meine Katharina nicht.“— Was erbat ſich aber Gallitzin
für eine Gnade? Keine andere, als die Begnadigung ſeines ehemaligen Nebenbuhlers, des Fürſten Repnin, den Peter vom Marſchall bis zum gemeinen Soldaten herabgeſetzt hatte. Peter gewährte dieſe Bitte und wandte dem trefflichen Gallitzin ſeine Neigung in noch viel höherem Grade zu, als es zuvor der Fall geweſen. B.⸗A. In den April ſchicken.— Dieſe Redensart ſoll entſtanden ſein, als im Jahre 1531 der Kaiſer Karl V. einen allgemeinen Reichstag behufs Schlichtung der Religionsſtreitigkeiten ausſchrieb. Karl V. hatte beſtimmt, daß der Reichstag am 1. April des gedachten Jahres zu Augsburg zu⸗ ſammentreten ſolle; die guten Augsburger trafen daher auf den 1. April alle Vorbereitungen zum Empfange der Gäſte; der Rath plante große Feſtlichkeiten, die Reichen und Vornehmen ließen ihre Wohnungen prächtig erneuern, die Wirthe beſtellten auf den 1. April große Vorräthe an Wein und Lebensmitteln, die Krämer, die Handwerker, die Muſiker und Pfeifer, ſie Alle, Alle ſpekulirten auf den 1. April und verſprachen ſich von der Eröffnung des Reichstages Wunderdinge und goldene Berge, reichen Ver⸗ dienſt und leichten Gewinn. Aber der 1. April erſchien und kein Reichs⸗ tag ward eröffnet; er ſchien vergeſſen zu ſein, kam wenigſtens erſt viel ſpäter zu Stande. Die großen Vorbereitungen der braven Augsburger waren aber nicht unbemerkt geblieben und als man erfuhr, daß ſie ver⸗ gebens des goldbringenden 1. Aprils geharrt hatten, ſo wurden ſie von ſchadenfrohen Reichsbürgern weidlich verlacht. Sie waren eben die Erſten, die in den April geſchickt worden waren; hätten ſie vorausſehen können, wie unendlich vielen Leuten es nach ihnen ebenſo ergehen würde, ſie würden ſich gewiß leicht getröſtet haben. B.⸗A. Durch Klugheit gerettet.— Unter der Regierung Ludwig Philipps hatte ein Pariſer Hutmacher eine große Spekulation in Hüten gemacht, die jedoch gänzlich fehlſchlug; alle ſeine Verſuche, die von ihm erfundene Form in die Mode zu bringen, blieben erfolglos; Niemand kaufte ihm ſeine Hüte ab. Der arme Mann gerieth darüber faſt in Ver⸗ zweiflung, denn den größten Theil ſeines Betriebskapitals hatte er auf die Herſtellung großer Maſſen jener Hüte verwandt. Um der drohenden Ver⸗ armung zu entgehen, faßte er endlich den Entſchluß, ſich an den König zu wenden. Er erhielt eine Audienz und flehte den Monarchen an, ihn zu retten.„Wenn ich nur wüßte, wie dies geſchehen könnte,“ entgegnete
Anſere Mar v. Schlägel.
(Mit Porträt auf S. 421.) Unter den neueren deutſchen Erzählern hat ſich durch Friſche und Lebendigkeit ſeiner Dichtungen namentlich Max v. Schlägel hervor⸗ gethan. Sein Name und ſeine feſſelnden Romane, welche vornehmlich durch ihre treuen und anſchaulichen Schilderungen von Landſchaften und Volks⸗ typen, wie durch ihren ſenſationellen Inhalt feſſeln, dürften vielen unſerer Leſer ſchon bekannt geworden ſein und den Wunſch rege gemacht haben, etwas Näheres über die äußeren Lebensverhältniſſe des Schriftſtellers zu erfahren. Max v. Schlägel, mit deſſen Porträt wir das vorliegende
wie er ſie begangen, und ſich an ihm ein Beiſpiel zu nehmen; er habe große Strafe auch durch den Ungehorſam gegen ſeine Eltern ver⸗ dient und erinnere ſich gar wohl, daß ihm ſein Vater ſelbſt geſagt, er würde noch, weil er ihm nicht folgen wolle, dem Scharfrichter folgen müſſen; ſchließlich bat er Alle, welchen er in dieſem Leben Uebels gethan, um Verzeihung. Nach der Sitte jener Zeit wurden die Körper der Hingerichteten auf Rädern befeſtigt, mit dieſen auf aufgerichtete Säulen gebracht, den Raubvögeln preisgegeben und Lanif Zeit zur Warnung und zum Bleichen an dieſem Orte gelaſſen.
Doch die Greuelzeit Lips Tullian's hatte mit dieſer blutigen Exekution ihr Ende noch nicht erreicht; erſt 1718 wurde der letzte ſeiner Raubgenoſſen, von denen noch viele, grauſame Mord⸗ und Raubthaten verübend, ohne daß man ihrer habhaft werden konnte, Kurſachſen bis dahin in Furcht und Schrecken ſetzten, gefangen und hingerichtet.
f ſ— t 1 9 L g.(Nachdruck verboten.)
Ludwig Philipp.„O, Sire,“ bemerkte der Hutmacher beſcheiden, „auf eine ſehr einfache Weiſe. Tragen Sie einen einzigen Tag einen von meinen Hüten; ſobald Sie ſich dem Volke mit meinem Fabrikate zeigen, bin ich gerettet!“ Der König lächelte und erfüllte die Bitte, an einem der nächſten Tage ging er ſpazieren mit einem Hute aus der Niederlage des Bittſtellers. Das Publikum ſah dies, kam zu dem Hutmacher und kaufte ihm binnen wenigen Tagen den ganzen Vorrath ab. Ueberglücklich be⸗ richtete er dies dem Könige und dieſer war hoch erfreut, einem Menſchen geholfen zu haben, ohne daß es ihn etwas koſtete— was bei dieſem guten Monarchen bekanntlich einigermaßen in's Gewicht fiel. B.⸗A. National⸗Hiebe.— Ein Engländer und ein Ruſſe befanden ſich neulich als Paſſagiere auf einem Schiffe, das von Danzig nach Kopen⸗
hagen ſegelte. Hier geriethen ſie, ohne jedoch dabei heftig zu werden, in Streit, welche von ihren Nationen im Fauſtkampfe die beſte Methode inne hätte. Keiner konnte den Anderen durch Worte überzeugen und ſo einigte man ſich ganz verſtändig darüber, es auf eine Probe durch gegen⸗ ſeitige Verabreichung des wirkſamſten„National⸗Hiebes“ ankommen zu laſſen. Von der ſämmtlichen Schiffsgeſellſchaft, als Zuſchauern, umgeben, ſtellten ſie ſich einander gegenüber und der Ruſſe überließ dem Engländer den erſten Schlag. Dieſer warf ſich in Poſitur, drehte in ſchnellem Boxerwirbel die Fäuſte um einander und verſetzte dem Ruſſen einen ſo heftigen Schlag, daß er mit aufgeſperrtem Munde rückwärts zu Boden ſtürzte und beide Beine gen Himmel ſtreckte. Man eilte, ihm beizuſpringen, und als er ſich durch eingegoſſenen Rum ſoweit erholt hatte, daß er wieder athmen und ſprechen konnte, nickte er dem Engländer beifällig zu und ſtöhnte, ſich den Magen reibend:„Hol' mich der Satan— gut, ſehr gut!“— Hierauf bildete ſich der Zuſchauerkreis von Neuem und beide Gegner traten ſich wieder gegenüber. Der Ruſſe ſah dem Engländer ſcharf in die Augen und ſchnell wie der Blitz gab er ihm mit den Knöcheln der geballten Fauſt einen ſo zerſchmetternden Schlag auf die Naſe, daß dieſer mit einem Fluche zurücktaumelte, beide Hände vor das Geſicht ſchlug und das Blut ihm über Mund und Kleider floß. Er faßte ſich jedoch augenblicklich wieder, hielt ſich mit einer Hand die blutende Naſe zu, reichte die andere dem Ruſſen und ſagte kaltblütig:„Auch nicht übel.“ Hierauf ging er in die Ka⸗ jüte, um Wäſche und Kleider zu wechſeln und ſeiner zerſchlagenen Naſe Beiſtand zu leiſten. Auf eine Fortſetzung der Probe verzichtete man. O. Mir. Ein reich gewordener Großhändler, der mit dem Reff auf dem Rücken als Hauſirer ſeine Laufbahn begonnen hatte, wünſchte, da er genug Geld erworben, daß ſeine Kinder ſich Bildung aneigneten. Er ließ ſie von den beſten Lehrern unterrichten, und eine ſeiner Töchter faßte beſondere Vorliebe für Geographie. Dem Vater war dieſe Paſſion unbegreiflich, deshalb ſagte er eines Tages zu dem jungen Mädchen:„Aber, liebes Kind, was thuſt Du mit der Geographie, da Du doch nicht Poſtillon werden kannſt?“ R. Der Komiker Weidmann am Wiener Hoſtheater begann ſeine Laufbahn als Statiſt für einen Siebener den Abend und kam aus den ſtummen Rollen nicht heraus. Eines Abends gibt er einen Vehmrichter hinter dem Tiſch. Der Freigraf trägt die Sache vor und heiſcht der Andern Meinung. Natürlich ſchweigt Alles, und er improviſirte, wie es damals noch vom alten Hanswurſt⸗Theater her Sitte war:„Da ſitzt Ihr nun und bringt kein Wort heraus!“ worauf Weidmann ſich erhob und ſagte:„Nun will Der noch, daß wir für einen Siebener viel diſchkuriren ſollen!“ Ungeheures Gelächter und Weidmann's Glück war von dieſem Augenblicke an gemacht. R.
Bilder.
Heft ſchmücken, iſt am 1. April 1840 als der Sohn eines königl. bayri⸗ ſchen Lieutenants geboren und wollte eben ſeine Studien an der Münche⸗ ner Univerſität beginnen, als der italieniſche Krieg von 1859 ausbrach und Bayern ſeine Armee mobiliſirte. Von der allgemeinen patriotiſchen Begeiſterung und kriegeriſchen Stimmung ergriffen, glaubte auch Max von Schlägel ſeinen Arm dem Dienſte des Vaterlandes widmen zu müſſen und trat bei dem königl. bayriſchen 1. Küraſſier⸗Regiment als Kadett ein. Der Krieg ging bekanntlich am deutſchen Bundesheer vorüber; es blieb bei der Mobilmachung, und als nach dem Frieden von Villafranca wieder abge⸗ gerüſtet wurde, ſah ſich Schlägel in die neu errichtete Kriegsſchule berufen, aus welcher er nach Jahr und Tag als Chevauxlegers⸗Lieutenant hervor⸗
—— S
anke ſeine! debütirte nun („Feuerſee en ſchaulichkei Während er platze des ſeinen treffl der Krieg vo ſchreiben, wo aber leider d dern hakte dc oſen in die und dort un werden, was draſtiſh beſch ausgetauſcht! Nach den reichen Thätig Genferſce, bal ſeiner Gattin tende Thätigt an volksthüm den Männern weibliche und kaäſtigſten F Volk, für d und Edle he welche ſie in zeichnet.
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Der let Juratalks, u Fichtelgebirge Hochplateau chem man de hat. Natürl birge, Alpen ſteht eigentli die jäh abfa ſteigenden F grauen Dolo Landſchaft v tiſches, daß ſich gelentt viele Höhlen 6. B. die M Ceognoſliſch will, der trer an, wende biſichtige hie⸗ uber Gößwei Schönheit ſo neo das Sch dann nach d uie Doo⸗ d bieten. Rüine, ſond
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