Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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des dreißigjährigen Krieges den Anfang unſeres Jahrhunderts hinein, 8

ſind unſere Verbrecher wahre Böſewichter, welche ſich di

nur in dichten Maſſen überallhin verbreitet,

von ihnen beſetzt oder ſtanden mit ihnen in

Helfershelfer.

dieſer Böſewichter; Richter und Nachrichter

ſchreiber aber hatten überreichen Stoff

Formen, Sitten und Gebräuchen

aufgezeichnet.

Etwas Weiteres von dieſ

2 Ein

EE iewohl es auch unſerer Zeit nich Verbrechern fehlt, von denen di

2 ſelten die haarſträubendſten G

* können ſie doch nicht im Entfern

M. 4 1

fahren in Betracht kommen,

Guillotine ſein Verbrecherleben endete, die öffen Deutſchland in erſchreckendem Grade gefährdeten. Kinder an Macht und Bosheit. Jene zefährdung des Lebens und Eigenthums ihrer Mitmenſchen förmlich zur Lebensaufgabe gemacht, waren nicht

ſondern hatten ſich auch in ganzen Genoſſenſchaften zuſammengethan, ja ganze Dörfer waren

Gemeinſchaft, und auch ſonſt hatten ſie unter den anſäſſigen Bewohnern überall ihre

und vor den Städten erblickte man an weite Galgen und Pfähle, die mit den blutigen Opfern der G ſchmückt waren. Ueberall, am Kachelherde des adeligen Schloſſes wie am Küchenfeuer der Dorfhütte, unterhielt man ſich von frechen Ein⸗ brüchen und greulichen Morden, oder las mit Andacht Berichte über Hinrichtungen nebſt den angehängten Warnung ; denn ein ſ wie verwildert und ruchlos es auch war, hatte willigen Abgeſchiedenheit von dem Alltagsleben, mit deſſ es überall in Widerſpruch ſtand, mit ſeinen Gefahren, denen man ſich mit einer heldenartigen Ver⸗ zichtung bloßſtellte, ja mit ſeinem gleichſam vertrauten Verkehre mit dem Tode unleugbar auch ſeine poetiſchen Seiten, wie es denn die Räuber ſelbſt zu poetiſchen Verſuchen anreizte und es Ungewöhnliches iſt, daß Räuber gute Dichter und Sänger waren. So hat der gelehrte Serbier Vuk Stephanovich Karadgich z. B. aus dem Munde von Räubern die ſchönſten Lieder ſeiner Sammlung

gabe der P

berüchtigter Kulturgeſchichtliche Skizze von Wilhelm Girſchner.

t an Dieben und e Zeitungen nicht eſchichten melden, ſo war Lieutenant unter den kaiſerlichen Truppen in Lothringen und

iteſten mit ihren Vor⸗ fiel ſpäter im Jahre 1683 bei der Belagerung von Wien durch die

welche von der Zeit 5 an, aus deſſen privi⸗ d legirten Raubſchaaren hervorgegangen, bis noch in wo ein Schinderhannes als der Letzte ihres Geſchlechts in Mainz unter dem Beile der tliche Sicherheit in ganz

Ihnen gegenüber

Die Grauſamkeit dieſer Räuber, ihre kühnen Wagniſſe, ihre Kunſt zu verſchwinden überſteigt alle Begriffe. war vor ihnen mehr ſicher, kein Schloß, kein für ihre Nachſchlüſſel und Brecheiſen verwahrt und feſt genug, nicht einmal die Mauern, die Wachſamkeit und der rege Verkehr großer und volkreicher Städte und die Heiligkeit der vor ihrer Raub⸗ und Mordwuth, während die einzelnen Gehöfte und Mühlen in ſteter Beſorgniß ſtehen mußten, durch Einbruch, Mißhandlung oder Brandſtiftung an Eigenthum und Leben durch ſie gefährdet zu werden und mit Zittern und Zagen ihr Nachtlager aufſuchten. Schrecken und Unruhe hielten die fried⸗ lichen anſäſſigen, durch andere Nachwehen des großen Krieges ohnehin ſchon arg darniedergedrückten Bewohner beſtändig in Athem, und was Wunder, daß ſie häufig zur Selbſthilfe oder andere griffen und allgemeine Jagden ganzer Dorfſchaften, ohne oder mit obrigkeitlicher Aufſicht, gegen Räuberbanden geſchahen. Auch die Behörden, als ſie ſich unter einem kräftigeren Schutze des Staates zu ermannen vermochten, begannen den Kamp

Keine Landſtraße

Riegel, kein Gewölbe

Gotteshäuſer ſchützten Bewohner der Dörfer,

n Ungeſetzlichkeiten

f mit vielen Tauſenden hatten vollauf zu thun, hin ſichtbaren Orten erechtigkeit ge⸗

Bverſen. Die Roman⸗ olches Räuberleben, doch mit ſeiner frei⸗ en üblichen

Zur Charakteriſtik jenes Unweſens, das einen nicht unwichtigen Theil der Kulturgeſchichte ſeiner Zeit bildet, den Kriminalakten geſchöpfte, von aller Bei Schilderung des Lebensganges und der Schi und Räuber geben, der in der Gallerie derſelben unter den erſten ſich befindet und auch vom pſychologiſchen Standpunkte aus manches Merkwürdige und Intereſſante bietet. Es iſt der berüchtigte Lips Tullian, der im erſten Viertel des vorigen I lich in Kurſachſen ſein Weſen trieb. Den meiſten Leſern iſt ſein Name aus der Gellert'ſchen Fabel vonPhylax bekannt, in

Phylax, der ſo manche Nacht Haus und Hof getreu bewacht, Und oft ganzen Diebesbanden Durch ſein Bellen widerſtanden; Phylax, dem Lips Tullian, Der doch gut zu ſtehlen wußte, Selber zweimal weichen mußte: Dieſen fiel ein Fieber an. em berüchtigten Spitzbuben und Banden⸗ führer werden indeſſen wohl die Wenigſten wiſſen.

wollen wir eine aus hantaſie freie ckſale eines jener Diebe

ahrhunderts hauptſäch⸗

gar nichts

der es heißt:

Spitzbube.

(Nachdruck verboten)

Lips(Philipp) Tullian oder, wie er eigentlich hieß, Elias Erasmus Schönknecht, wurde in einem Orte unweit Straßbufrg, der uns nicht genannt wird, im Jahre 1675 geboren. Sein Vater

Türken. Seine Mutter war die Tochter eines Amtmannes. Auf der Schule war er träge, nachläſſig und unordentlich und lernte weder Leſen noch Schreiben, gegen ſeinen Vater ungehorſam und widerſpenſtig, weshalb ihm ſchon damals dieſer prophezeite, ey werde noch dem Scharfrichter folgen müſſen. Um ihn unter ſtrenge Zucht zu bringen, beſtimmte ihn der Vater dem Militärſtande, und als er dem Knabenalter entwachſen war, wurde er Burſch, dann Fourierſchütze bei einem General Heidersdorf; ſpäter trat er in das Daffiſche und nachher in das Vaubaniſche Regiment als Friiwilliger ein. Die tödtliche Verwundung eines Kameraden durch ſeine Hand im Duell trieb ihn 1702 zur Flucht. In Prag, wohin er kam, ſchloß er ſich, der Noth und dem Mangel preisgegeben, einer Diebes⸗ genoſſenſchaft an, wozu mehrere Juden und ein ebenfalls entlaufener Soldat, der in Venedig einen Obriſtlieutenant erſtochen hatte und mit ſeinem Spitznamender kleine Fourier hieß, ſowie der ſo⸗ genannteLieutenant Wittorf gehörten, der unter dem Diebesgeſindel jener Gegend eine nicht unbedeutende Rolle ſpielte. Im Verein mit dieſen Genoſſen beging er in Prag und Umgegend verſchiedene Diebſtähle und Kirchenräubereien. Doch bald glaubte er ſich in Prag nicht mehr ſicher, da ihm die Polizei auf ſeiner Spur zu ſein ſchien, und er begab ſich deshalb mit Wittorf nach Dresden. Unterwegs beraubten die Beiden zwei Kirchen: die zu Grottau bei⸗ Zittau, indem ſie durch ein ausgebrochenes Fenſter einſtiegen und

aus einem Schranke die Monſtranz und die Abendmahlsgeräthe ent⸗

wendeten, und die zu Köln bei Meißen, aus welcher ſie, ebenfalls durch ein ausgebrochenes Fenſter einſteigend, das baare im Gottes⸗ kaſten aufbewahrte Kirchenvermögen und die alten koſtbaren Altar⸗ kelche mitnahmen. In Dresden ſetzten ſie ſich wieder mit mehreren ausgelernten Dieben in Verbindung und verübten im Verein mit ihnen von Neuem verſchiedene Diebſtähle in der Stadt ſelbſt wie auf dem Lande. So drangen ſie in der Nacht des 2. November 1702 in der Stärke von ſechs Mann, nachdem ſie die Hunde auf dem Hofe vergiftet, in das Schlafgemach des Pfarrers Rauch in Groß⸗ bothen ein, in welchem derſelbe mit Frau und Kindern ſchlief. Unter den heftigſten Drohungen erpreßten ſie von den geängſtigten Eheleuten die Angabe des Verſtecks ihrer Gelder und Werthſachen, worauf dieſelben, ſowie die Kinder und Dienſtboten ſich anziehen mußten und von den Räubern in den Keller geſperrt wurden. Um jeden Fluchtverſuch, jeden Hilferuf zu verhindern, den ſie überdies mit dem Tode bedrohten, verſchloſſen dieſe die Fallthüre des Kellers, beſchwerten ſie mit Steinen, verſtopften das Kellerloch mit Stroh und ſtellten eine Wache davor. Während der unglückliche Pfarrer mit ſeiner Gattin, ſeinem Geſinde und ſeinen vor Angſt und Furcht zitternden Kindern hier gefangen ſaß, durchſtöberte die Rotte das ganze Haus und ſchleppte alle Gelder und Werthſachen, die ſie vorfand, mit hinweg. Erſt am frühen Morgen wagte der Pfarrer aus dem geöffneten Kellerloche um Hilfe zu ſchreien und

wurde befreit. Auch in Dresden ſelbſt verübte Lips Tullian

dieſen Namen, den eines verkommenen und verſchollenen Sohnes einer ihm bekannten Familie, hatte er zur Schonung ſeiner Familie angenommen, ſeit er die Verbrecherlaufbahn betreten mit ſeinen Genoſſen mehrere bedeutende Diebſtähle. Unter Anderem erbrachen ſie in der Nacht vom 16. zum 17. November 1702 gewaltſam das in dem gräflich Breuchlingen'ſchen Hauſe am Altmarkte zu ebener Erde gelegene Gewölbe und raubten daraus das geſammte höchſt werthvolle Silberzeug der Familie. Den Raub in Geld umzuſetzen, begab ſich Tullian mit einenn Genoſſen nach Halle und ging hier zu dem Juden Aſſor Marx. Dieſen trafen ſie jedoch nicht zu Hauſe und machten daher den Handel mit deſſen Frau ab, die ſich von ihnen, den Werth der zum Kauf angebotenen Silberſachen nicht kennend, übervortheilen ließ. Als daher Marx nach Hauſe kam und ſeine Frau ihm den Handel berichtete, war er keineswegs damit zufrieden und ſuchte, um das zu viel Gezahlte zurück zu verlangen, der beiden Verkäufer habhaft zu werden. Er erfuhr, ſie hätten ſich

nach Leipzig begeben, eilte ihnen unverzüglich nach und hatte das

Glück, ſie dort im Gaſthofezum ſchwarzen Kreuz zu treffen. Er verlangte nun von ihnen die Herausgabe des zu viel gezahlten Kaufpreiſes, und als die Diebe dies verweigerten, nahm er ent⸗ ſchloſſener Weiſe gerichtliche Hilfe in Anſpruch. Das Gericht ſchöpfte ſogleich Verdacht gegen die Angeklagten und ließ ſie verhaften. Die Silberwaaren wurden alsbald als die aus dem Beuchlingen'ſchen Hauſe

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menſchliche ſein eigentl berüchtigt etzte ganz anälthe Lande hinah ſchralicen, nüttlerer G. geſtattet, äu kunſt ſich ſe Vrßſunge ſchaften, die Thenwele E geeignet, ihn zu ſichern. beſaß ein vo außerordentl und Wege z nehnrungen. Weſſe zu e zu verſchwi verbeißen u Glieder ein⸗ abzulegen. ſo tief geſun bildung und ſeines Chau Leben als f bordirtem) Seine dielnehr, it einige ſoga kamen nur, oder Dieſe⸗ hatte, in

ihnen im

in ſeinen nehmungen geſchmiedete Verwegenhe die Seele d waren die 7 ömmdes. e ſlch gleich ſe en der Wache Süſeſe derſchie Fulett l odient. N nommen, ind im S ärüben u als Soldat wegen Tie geleugnet: zogene To in Schille ſchmitter