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Illuſtrirte Chronik der Zeit. 4³¹
digkeit vorwärts. Hole das Schiff ſo nahe wie möglich heran zum Landungsplatz und rufe die Arbeiter von der Sägemühle und den Feldern zuſammen zum Rettungswerk. Zwei von ihnen ſollen die Kühe hertreiben, die wir mit den Pferden und Schweinen auf die kleine Inſel draußen bringen müſſen, wo ſie hoffentlich geſichert ſein werden, wenn ſie nicht im Qualm erſticken. Ich will unter⸗ deſſen ſchnell nach der nächſten Hügelkette hinreiten, um das Feuer zu beobachten.
Er ſattelte eiligſt ſein Reitpferd und galopirte dann davon, durch den Wald nach Süden.
Der junge Seemann lief in's Haus und gab Kunde von der nahenden Gefahr. Sodann rief er die Arbeiter zuſammen und theilte ihnen mit, was geſchehen müſſe, um der Wuth des Feuers zu entrinnen.
Frau Severin und ihre Kinder geriethen in Todesangſt und beeilten ſich, mit zitternden Händen die Werthſachen und Familien⸗ koſtbarkeiten auf zweckmäßige Art einzupacken.
Ferdinand ſchickte zwei Männer fort, die das Vieh herbeitreiben ſollten, bevor es die Gefahr wittere und ſich in der Wildniß ver⸗ laufe, um doch ſchließlich elendiglich zu verbrennen. Er ſelbſt mit den vier anderen Arbeitern holte die große trefflich gebaute Scha⸗ luppe ſo dicht wie möglich heran und ließ die darin untergebrachte dhand Bauholz raſch hinauswerfen, um für Wichtigeres Platz zu ſchaffen.
Sie waren noch damit beſchäftigt, als der ältere Severin auf ſchaumbedecktem Roſſe zurückgeſprengt kam und meldete, daß die Ge⸗ fahr ſich raſch nähere. Der ganze abgeſtorbene Tannenwald im Süden ſei bereits ein einziges Flammenmeer und es ſei zu befürch⸗ ten, daß bis zum Einbruche der Nacht das Feuer bis zum Büffel⸗ ſee dringe.
Hier galt kein Zaudern mehr. Alle Hände mußten ſich rühren in fieberhafteſter Thätigkeit..
Die Kühe hatten ſich glücklicherweiſe noch nicht verlaufen. Sie wurden herbeigetrieben und mit den Schweinen an Bord der Scha⸗ luppe gebracht, die demnächſt unter Ferdinands Führung nach der kleinen, eine halbe engliſche Meile vom Ufer entfernten Grasinſel ſteuerte, wo die Thiere ausgeſetzt wurden. Die Pferde machten nicht ſo viele Umſtände, man ließ ſie hinüberſchwimmen.
Sodann wurden die Mobilien, die Thüren, Fenſter, Oefen, Geräthe, Kiſten und Kaſten, die Maſchinen aus der Sägemühle und alles Uebrige, was nicht niet⸗ und nagelfeſt, vermittelſt der Scha⸗ luppe nach der Inſel geſchafft.
Die werthvollſten Sachen, ſowie ein Proviantvorrath wurden in den Raum des Schiffes geſtaut.
Eine große Parthie fertig geſchnittenen Bauholzes wurde eiligſt zu Flöſſen zuſammengefügt, auf das Waſſer hinausbugſirt und draußen an der Grasinſel feſtgelegt.
Bei allen dieſen haſtigen Arbeiten verging die Zeit mit er⸗ ſtaunlicher Schuelligkeit. 1
Der Abend näherte ſich. Die Sonnenkugel tauchte in den glühenden trübrothen Dunſt im Weſten. Ungeheure dichte Rauch⸗ wolken zogen nach nordöſtlicher Richtung hin und umflorten den ganzen Himmel. Der brenzliche Geruch wurde immer unerträglicher, erfüllte die Atmoſphäre und erſchwerte das Athmen. Am ſüdweſt⸗ lichen Horizonte aber ſeigte ſich immer deutlicher, je mehr die nächt⸗ liche Dunkelheit hereinbrach, der verhängnißvolle rothe glühende Feuer⸗ ſchein und bot einen ſchrecklich⸗ſchönen Anblick. Ein ſeltſames, unheimliches, beängſtigendes Geräuſch drang durch die ſtille Nacht⸗ luft. Es war das Praſſeln, Krachen und Kniſtern des brennenden Waldes, welches ſich vernehmlich machte, obgleich es noch meilen⸗ weit entfernt war. Der durch Inſektenfraß abgeſtorbene Tannen⸗ forſt brannte wie Zunder, und von dieſem ungeheuren Feuerherd aus verbreiteten ſich die Flammen nach allen Richtungen, die todten voct wie die lebenden Bäume in den umliegenden Wäldern blitz⸗
chnell gierig erfaſſend. Die fortdauernde Trockenheit der letzten Wochen, die Alles ausgedörrt hatte, begünſtigte außerordentlich die⸗ ſen furchtbaren, von ruchloſer Hand hervorgerufenen Waldbrand.
Um Mitternacht hatten die Bedrohten alles gethan und ge⸗ borgen, was in ihrer Macht ſtand.
Das Flammenmeer wälzte ſich mit reißender Schnelligkeit im⸗ mer näher heran. Die Dunſt⸗ und Rauchwoltken rollten in gigan⸗ tiſch zuſammengeballten Maſſen über das waldige Seeufer hin, daß ler Aufenthalt für Menſchen und Thiere dort kaum mehr mög⸗
ich war. 5 Frau Severin und ihre Kleinen befanden ſich bereits an Bord. Ihr Mann, deſſen Bruder und die ſämmtlichen Arbeiter folgten
nun. Die Segel wurden gehißt und mit ſchmerzlichen Blicken Ab⸗
ſchied genommen von der dem Untergange geweihten Stätte menſch⸗ lichen Fleißes. Sanft getrieben von der nächtlichen ſchwachen Briſe glitt das Fahrzeug auf den See hinaus.
Als ſie an der Grasinſel vorbei ſegelten, gewahrten ſie beim Schimmer der Schiffslaterne, daß das ſämmtliche Vieh im Schilfe ſtand und die Köpfe in's Waſſer hängen ließ, um ſich vor dem Dunſt und Rauch zu ſchützen. Die Pferde wieherten, die Kühe brüllten, die Schweine grunzten und die Kälber blökten gar kläg⸗ lich vor Angſt.
Ferdinand, der Seemann, führte an Bord ſelbſtverſtändlich das Kommando. Er ließ in der Mitte des Sees den Anker auswerfen, denn es war beſchloſſen, der auf der Inſel geborgenen Sachen wegen in der Nähe derſelben ſo lange auszudauern wie möglich. Sollte es nöthig werden, ſo konnten ſie ja noch immer auf das nördliche Ufer flüchten, ſofern der Waldbrand ſich nicht dorthin verbreitete.
An Schlaf dachte natürlich Niemand. Alle waren an Deck und ſtaunten ſchreckensbleich das grandioſe Flammenſchauſpiel an.
Obgleich das Feuer noch nicht ſo weit vorgerückt war, ſo ſchien doch das ganze ſüdliche Seeufer bereits eine einzige Flammenwand zu ſein, aus der feurige Funkenwolken hoch emporſtiegen und ſich in ſchwarzem Qualm verloren. Das Praſſeln, Krachen und Kni⸗ ſtern tönte immer dämoniſcher und grauenvoller in die Ohren der Zeugen dieſer entſetzlichen Scene. Die Luft auf dem See war be⸗ reits ſo erhitzt, daß der Schweiß von den Geſichtern der Leute auf dem Schiffe troff, aber ſie waren ſo aufgeregt, daß ſie kaum darauf achteten. In Rauch gehüllt ſtanden ſie da; auf der einen Seite die feurige Wand, auf der anderen dicke ſchwarze nächtliche Dunkelheit.
Als der junge Seemann aber einmal ſeine Augen, um ſie zu erfriſchen, von der Flammenwand abwandte und nach der anderen Seite in das Dunkel ſchaute, da gewahrte er auch dort in der Ferne einen hellen Schein.
Es war nicht der milde Schimmer eines Sternes, nicht das Flackern eines Lagerfeuers. Bald orientirte ſich der Beobachter über die unheimliche Erſcheinung.
„Heiliger Gott!“ ſchrie er auf.„Das Feuer kommt auch von Norden! Das iſt ein zweiter Waldbrand! Wir befinden uns zwiſchen zwei Feuern! An's nördliche Ufer können wir im Falle der Noth nicht flüchten! Wir müſſen aushalten auf dem See!“
Frau Severin und die Kinder ſtießen Schreie des höchſten Entſetzens aus. Die Männer wandten ſich um und ſtarrten beſtürzt die neue Gefahr an....
3.
Jetzt müſſen wir uns auf das nördliche Seeufer begeben, um zu ſehen, wie der Nankee und ſein Spießgeſelle ſich befinden.
Man kann ſich denken, mit welchem Intereſſe ſie das Fort⸗ ſchreiten des Waldbrandes beobachteten. Als nach Mitternacht das ganze jenſeitige Ufer in Flammen zu ſtehen ſchien, rieb ſich Morris mit ſataniſchem Lächeln veranüdt die Hände.
„Da geht die deutſche Sägemühle zum Teufel!“ murmelte er vor ſich hin.„An dieſe Ausräucherung werden die Tröpfe ihr Leben lang denken! Kalkulire, ſie werden genug haben vont ame⸗ rikaniſchen Buſch!“
Bisweilen, wenn die Rauchwolken auf dem Waſſer ſich zer⸗ theilten, konnte man wie einen ſchwarzen Schatten die Schaluppe draußen auf dem See erblicken. Daraus erkannte er, daß die Nach⸗ barn ſich vor dem Brande gerettet hatten. Er bezweifelte jedoch
nicht, daß ihre Habſeligkeiten ein Raub der Flammen geworden,
denn er traute ihrer Unerfahrenheit die nöthige ſchnelle entſchloſſene Umſicht nicht zu.
Frau Morris und ihre Kinder waren zum Tode erſchrocken bei dem Anblick der entſetzlichen Feuersbrunſt am jenſeitigen Ufer. Der
Yankee kümmerte ſich nicht darum. Er und Pat, der Irländer,
tranken viel Whiskey und freuten ſich wie ein paar Dämonen des hölliſchen Werkes.
Sie ahnten nicht, daß das Verderben hinter ihnen ſei.
Der Feuerſchein im Norden, den man vom See aus bemerken konnte, blieb ihnen verborgen, da der dichte Wald am Ufer wie ein Vorhang ihnen den Anblick des zweiten Feuers entzog.
Auch während des folgenden Tages entdeckten ſie nicht das Ver⸗ hängniß, welches bald über ſie hereinbrechen ſollte. Die dichten von Süden heraufziehenden Rauchwolken vermiſchten ſich mit dem Rauch im Norden und die ganze Atmoſphäre war ſo dunſterfüllt, daß die Sonnenſtrahlen nicht durchdringen konnten. Wie eine roth⸗ glühende Kanonenkugel ſtand der Feuerball am Himmel.
Aber als es Nacht wurde und der Feuerſchein von Neuem glanzvoll hervortrat, da endlich leuchtete der Flammenſchein von Norden her durch die Dunkelheit.
„Feuer hinter uns, Sir!“ ſchrie plötzlich der rothe Irländer, zähneklappernd vor Angſt.„Der ganze Wald hinter uns brennt Das Feuer iſt kaum zwei Meilen von uns!“
Morris wurde von Schauern des Entſetzens durchrieſelt, als er ſich nun gleichſam in ſeiner eigenen Falle gefangen ſah. Als
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