Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

4²⁷

Ihnen gebe! Suchen Sie den Brief zurück zu erhalten, ſelbſt wenn Sie ein Opfer dafür bringen müſſen.

Der alte Mann ſchüttelte ärgerlich den Kopf.

Haben Sie ihn vielleicht in der Taſche? fragte er.

Nein.

Aber Sie wiſſen, wo der Gefangene ihn verſteckt hat?

Auch das nicht.

Glauben Sie nicht, es erforſchen zu können?

Na, möglich wäre das ſchon.

Und wenn Ihnen das gelingt, wollen Sie mir den Brief bringen? Auf ein ſehr gutes Trinkgeld ſoll es mir nicht an⸗ kommen.

Ich darf das nicht, ſagte der Schließer zögernd.Finde ich den Brief, ſo muß ich ihn dem Unterſuchungsrichter abliefern.

Sie dürfen auch nicht vermitteln zwiſchen mir und einem Gefangenen, erwiederte Becker mit ſcharfer Betonung,alſo kann ich dieſe Entſchuldigungen nicht gelten laſſen. Suchen Sie den Brief, Sie können ein hübſches Stück Geld damit verdienen.

Vielleicht gibt Derjenige, der den Brief geſchrieben hat, mir noch mehr dafür, warf der Schließer ein.

Der alte Mann erhob raſch das Haupt, Hohn und Verachtung ſprachen aus jedem Zuge ſeines fahlen Geſichts.

Glauben Sie das? fragte er mit beißendem Spott.Dann ſuchen Sie ihn und laſſen Sie mich ungeſchoren. Vielleicht werden Sie eine weite Reiſe machen müſſen, um ihn zu finden, aber hoffen Sie nicht, daß ich Ihnen den Weg zeige.

Es ſcheint, der Brief iſt doch gefährlicher, wie Sie zugeben

Durch eigene Schuld. Lebensbild aus Wisconſin von Felix Lilla.

Perrichtet, manche darunter ſind ſogar ſehr bedeutende Etabliſſements.

1. ie Auguſtſonne warf ihre heißen Strahlen über die unermeßlichen Fichten⸗ und Tannenwälder im nörd⸗ lichen Wisconſin weſtlich von der Greenbay. Seit vielen Wochen war kein Tropfen Regen vom Himmel gefallen; Dürre herrſchte weit und breit in der Gegend, ob⸗ gleich dieſelbe nicht waſſerarm iſt. Im Gegentheile, eine Menge von Seen und Teichen ſind zerſtreut weit⸗ hin durch die ſchweigende Waldeinſamkeit und funkelnde Ströme und

rechtzeitig zu fliehen vermag. In der Gegend weſtlich von der Greenbay ſind an den Strömen und Bächen, welche genügende Waſſerkraft haben, viele Sägemühlen

wollen, ſagte der Schließer, ſich erhebend,deshalb thäten Sie am beſten, der Forderung des Müllers nachzugeben. Nehme ich ihm durch Liſt oder Gewalt das Dokument ab, ſo zeigt er die Sache an und dann ſitzen wir Beide in der Tinte.

Darum iſt es beſſer, wir kümmern uns nicht darum! Ich meine, die Unterſuchung ſei ſchon geſchloſſen?

Das iſt ſie allerdings; aber wenn der Gefangene noch eine Eröffnung machen will, ſo kann er das jeden Tag thun.

Hm, welche Eröffnungen könnte er über mich machen wollen! ſagte Becker, der jetzt einen anderen Entſchluß gefaßt zu haben ſchien denn es klang genau ſo, als ob er einlenken wolle.Ich habe leider den dummen Streich begangen, ihm die Mittel zur Aus⸗ wanderung zu verſchaffen, das ermöglicht ihm allerdings, mich zu verdächtigen, und ich leugne auch nicht, daß ich den Brief zurück⸗ zuerhalten wünſche. Aber die Forderung, die er an mich geſtellt hat, kann ich ſo raſch nicht beantworten. Ich will darüber nach⸗ denken und über acht Tage ihm meinen Entſchluß mittheilen.

Ueber acht Tage? Für einen Gefangenen iſt das eine lange Zeit.

Bah, er muß ſich gedulden. Es nützt ihm ja nichts, wenn ich Verſprechungen mache, die ich ſpäter nicht einlöſen kann, das werden Sie einſehen. Kommen Sie heute über acht Tage wieder, bis dahin ſoll der Gefangene ſich jeder Feindſeligkeit gegen mich enthalten. Sie können ihm aber doch ſagen, ich hätte Beſſeres von ihm erwartet, und es ſchmerze mich tief, daß er ſein Wort gebrochen und mir mit Undank gelohnt habe.

Der Schließer lachte verächtlich.(Fortſetzung folgt.)

(Nachdruck verboten.)

Dort werden Bauhölzer, Bretter und Schindeln geſchnitten für den Bedarf der umliegenden Staaten. Die Verfrachtung auf dem Waſſerwege, entweder nach dem Miſſiſſippi oder nach den kanadiſchen Seen hin, iſt äußerſt bequem.

Ein vorzüglicher Fichtenholzdiſtrikt befand ſich am Buffalo⸗ Lake(Büffelſee), einer ſchönen waldumſäumten Waſſerfläche von etwa zehn engliſchen Meilen Länge und drei Meilen Breite. Der⸗ ſelbe ſteht in Verbindung mit einem ähnlichen kleinen Sre, aus welchem der Fox⸗River(Fuchsfluß) ſeinen Abfluß hat.

Für kleinere Fahrzeuge und Holzflöße iſt dieſer Waſſerweg bis nach der Greenbay und dann weiter bis in den Michiganſee zur Sommerzeit zur Noth paſſirbar. Zur Zeit des Hochwaſſer⸗ ſtandes in der Regenzeit können aber ſelbſt bedeutende Holzflöße und größere Fahrzeuge dort flußabwärts gleiten. Auch die weſt⸗ liche Verbindung nach dem Wisconſinfluß hin iſt ſehr nahe.

Am nördlichen Ufer des Büffelſees, dort, wo ein raſch fluthen⸗ der Creek ſich in denſelben ſtürzt, hatte ein ſpekulativer Yankee eine Sägemühle erbaut. Er hieß John Morris und war ein Mann von etwa vierzig Jahren mit einem gelblichen, hageren Geſicht und von finſterem gallſüchtigem Temperament. Seine noch junge Frau ſah nicht aus, als ob ſie an ſeiner Seite glücklich ſei. Sie und ihre beiden kleinen Kinder waren meiſtens allein in dem ſchlechten Blockhauſe, welches von einem unbedeutenden Maisfelde und einem noch kleineren Kartoffelacker begrenzt wurde, deren Fenzen in einem liederlichen und verwahrlosten Zuſtande ſich befanden, obgleich die Sägemühle täglich Material genug lieferte, welches zur zweckmäßigen Ausbeſſerung hätte benutzt werden können. Der Mann hatte den ganzen Tag in der Sägemühle zu thun, um ſeine vier iriſchen Arbeiter zu beaufſichtigen. Möglichſt raſch möglichſt viel Geld zu verdienen, das war ſein ſteter Gedanke vom frühen Morgen bis zum ſpäten Abend.

Deshalb gereichte es ihm zu großem Aerger, als eine Kon⸗ kurrenzſägemühle auf der anderen Seite des Büffelſees errichtet wurde..

Einem jungen eingewanderten Deutſchen, der mit Weib und Kind von Milwaukee gekommen war, gehörte das neue Ctabliſſe⸗ ment. Er hieß Karl Severin und verfügte über beträchtliche Geldmittel, die ihm erlaubten, gleich recht großartig anzufangen. Seine Brüder Hermann und Ferdinand waren mit ihm in Compagnie, der Eine als Kaufmann in Milwaukee, der Andere, von Haus aus Seemann, beſorgte die Verſchiffung des geſchnittenen Bauholzes auf dem Fluſſe und den Seen.

Dieſe energiſchen und unternehmenden Deutſchen hatten ein großes Areal am Büffelſee in der Landoffice des Städtchens Green⸗ bay gekauft und baar bezahlt, auch damit zugleich das Recht erworben, in den umliegenden Wälderw ſo viel Holz zu ſchlagen,

wie ihnen immer beliebte.