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Der Yankee auf der anderen Seite des Sees hatte alſo rechtlich durchaus kein Mittel in Händen, das Konkurrenzgeſchäft zu erdrücken. Gleichwohl brütete er Tag und Nacht über Pläne, welche bezwecken ſollten, die Nachbarn zu verderben.
Die Deutſchen ruinirten ihm das Geſchäft, wie er meinte. In der That waren ſie beſſer eingerichtet und konnten alſo zu billigerem Preiſe Bauholz, Bretter und Schindeln liefern, was ſie auch thaten. Dadurch wurden Morris mehrere Kunden abſpenſtig und dies vermehrte naturgemäß ſeinen Groll.
Sie hatten ſich auf einem Grunde angeſiedelt, den er als ſeine ausſchließliche Domaine betrachtete. Zwar gab es am nördlichen Ufer des Büffelſees noch tauſende und abertauſende von vorzüg⸗ lichen Stämmen, aber ſein raſtloſer Geiſt ſpekulirte auch auf die ferne Zukunft, und weil die Deutſchen auf dem ſüdlichen Ufer eine Menge Bäume niederſchlugen, die er als ſein Eigenthum be⸗
Illuſtrirte Chronik der Zeit.
trachtet hatte, ſo war ihm dabei gerade ſo zu Muthe, als würde er beraubt.
Es fand alſo keine gute Nachbarſchaft zwiſchen den beiden Parteien ſtatt. Die Severins, ſobald ſie erkannt, daß ſie von dem Yankee gehaßt wurden, kümmerten ſich nicht weiter um ihn und mieden das nördliche Ufer, wobei ſie ſtillſchweigend vorausſetzten, daß die feindlich geſinnten Leute von Gegenüber ſich nicht auf die ſüdliche Uferſeite begeben würden.
Darin ſahen ſie ſich nun freilich getänſcht. Weiter oben am Fluß, wo ſchöne natürliche Wieſen ſich ausbreiteten, ließen ſie eine
kleine Heerde von fünf Kühen frei waiden— denn neben ihrer Sägemühle betrieben ſie auch eine ziemlich umfangreiche Farmwirth⸗ Saeanuül) 15. Lle e AunTIlrehee
ſchaft— und von dieſen Kühen fehlte ſeit einigen Tagen eine.
Anfangs glaubten die Eigenthümer, daß das Thier ſich verlaufen hätte in der Wildniß. Aber bald erfuhren ſie von einem ihrer Arbeiter,
Tilly, am Lech zum Tode verwundet.(S. 439.)
der ſich in einem Kanoe auf dem See befunden hatte, daß er geſehen, wie einer der iriſchen Arbeiter des Yankees auf dem anderen Ufer eine buntgefleckte Kuh an einem Stricke hinter ſich hergezogen habe.
Die fehlende Kuh war ein buntgeflecktes Exemplar; alſo deutete Alles darauf hin, daß der ſeindliche Nachbar drüben dieſelbe geſtohlen habe oder doch wenigſtens bei dem Diebſtahle betheiligt ſei. Einer ſolchen That hatten ſie ihn freilich bisher nicht für fähig gehalten, zumal da es ihm wohl bekannt ſein mußte, daß Vieh⸗ und Pferdediebſtahl zu den ärgſten Greueln im Weſten und Nordweſten der Union gehört und die gefährlichſten Folgen nach ſich ziehen kann. Einem Pferde⸗ oder Kuhdieb gegenüber bleibt die Jury mitleidslos und wo keine ſolche vorhanden iſt, da hat die Lynchjuſtiz geſchwind einen langen Strick und einen paſſenden Baumaſt bei der Hand.
Nun war der zuſtändige Richter allerdings fern, ja kaum erreichbar, eine geſetzliche Jury von zwölf geſchworenen Männern
hätte auf fünfzig Meilen in der Runde kaum zuſammengebracht werden können, und was die Lynchjuſtiz anbetraf, ſo waren die Deutſchen, welche zuviel von ihren heimathlichen ſtrengen moraliſchen Grundſätzen mit nach Amerika herübergebracht hatten, zuverläſſig vorläufig noch nicht die Leute dazu, auf eigene Fauſt einen Menſchen zu verurtheilen und aufzuhängen.
Auf dieſe ihre beſondere Gemüthsart hatte der ſcharfſichtige ſpitzbübiſche Dankee wahrſcheinlich ſpekulirt. Das war wohl anzu⸗ nehmen.
Jedenfalls mußte die Sache genauer unterſucht werden, das wurde in der Berathung über dieſen Gegenſtand beſchloſſen. Der Nachbar ſollte nicht glauben, daß er ungezüchtigt auf Raub aus⸗ gehen und ſonſtige Chikanen verüben könne. Wenn er wirklich ſchuldig war, ſo ſollte es verſucht werden, eine Klage gegen ihn anzubringen.
Ferdinand Severin, der junge Seemann, der nebenbei auch ein
Vormitt
zu prüg


