Jahrgang 
14-26 (1877)
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der Aecker habe. Ja, dieſer kam ſogar ſchließlich zu der Meinung, der junge Herr ſei ein ziemlich beſchränkter Menſch, dem man, wenn man nur einigermaßen geſchickt operire, gehörig mitſpielen könne.

Auf dieſe Weiſe verging der Vormittag; den Nachmittag wid⸗ mete man einem Beſuche der Waldungen des Gutes, wo die lieder⸗ liche Wirthſchaft noch greller zu Tage trat, ſo daß der Baron einen Ausbruch des Zornes nur mit Mühe unterdrücken konnte.

Am Abend zog ſich Friedrich ſehr früh auf ſein Zimmer zurück, es war ihm zu unbehaglich, vor Weinert noch länger die läſtige Maske zu tragen..

In ſeinem Schlafgemach revidixte er noch einmal ſeine ge⸗ ladenen Piſtolen und ging dann ziemlich erregt auf und ab; es war ihm in der That etwas unheimlich, einer Kataſtrophe entgegen zu ſehen, bei der nicht offen und ehrlich der Feind demn Feinde gegenüberſtand, wie dies bei ſeinem mehrjährigen Kriegsdienſte immer nur der Fall geweſen war. Doch durfte er ſich ſchließlich von der⸗ artigen Gedanken nicht weiter beeinfluſſen laſſen, es galt hier, auf geſchickte Weiſe kurzen Prozeß zu machen, bei dem, täuſchten ihn ſeine Vermuthungen nicht völlig, noch mehr zu Tage gefördert werden würde, als die Aufdeckung der verſchiedenen Betrügereien bei der Bewirthſchaftung des Gutes. Die falſchen Goldſtücke ſpielten bei dieſem Ideengange keine geringe Rolle.

Aus dieſen mannigfachen Gedanken ward er plötzlich durch einen vom Garten herüberſchallenden halblauten Pfiff in die Gegen⸗ wart zurückgerufen; verwundert gewahrte er, daß es ſchon in wenigen Minuten Zehn ſchlagen werde, ſein treuer Gefährte für die Nacht war es alſo wohl, der ſich draußen durch das verabredete Signal meldete. Er beeilte ſich daher, das kleine Pförtchen zu öffnen und den Jäger einzulaſſen.

Der Eintritt des ernſten beſonnenen Mannes wirkte zwar etwas beruhigend auf die Gemüthsſtimmung des Barons, doch gewann bald wieder die Beſorgniß, es könne die Afſaire einen unheilvollen blutigen Ausgang nehmen, die Oberhand. Beide Männer ſuchten nun übrigens ihr Lager auf und erwarteten ſo, nur ſelten ein leiſes Wort wechſelnd, die Geſpenſterſtunde.

Die Viertelſtunden ſchlichen nur ſehr langſam dahin; es dauerter den Harrenden ſehr lange, ehe es elf Uhr ſchlug, und nachdem die melancholiſche Glocke vom Thurme des Schloſſes dieſe Stunde in die dunkle Nacht hinein verkündigt hatte, ſchien die Zeit noch träger zu ſchleichen. Da, als es eben dreiviertel auf Zwölf geſchlagen hatte, zuckten ſowohl der Baron wie der Jäger leicht zuſammen: ein leiſes Rollen begann über ihren Häuptern. Ueber dem Schlaf⸗ gemache befand ſich der große Feſtſaal des Schloſſes, in welchem auch alle Ahnenbilder der Familie v. Hochfeld hingen; da er ſeit vielen Jahren nicht mehr benützt wurde, ſo war er ſtets verſchloſſen, der junge Baron hatte ihn ſeit vielen Jahren nicht mehr betreten.

Das eigenthümliche dumpfe Geräuſch ſchien mehr und mehr zuzunehmen, bald hörte es ſich wie das dumpfe Grollen eines Ge⸗ witters, bald wie das Raſſeln eines ſchweren Wagens an.

Der Baron wurde ungeduldig, wollte ſich ſchon erheben und wo möglich Licht anzünden, um nach der Urſache zu ſehen; Georg rieth jedoch, noch abzuwarten, was ſich wohl noch aus dem ſelt⸗ ſamen Lärm entwickeln könne. Darauf legte ſich Friedrich wieder in die Kiſſen zurück, doch ſchon im nächſten Augenblicke fuhr er wieder empor: in dem Nebenzimmer links ließ ſich ein Geräuſch

vernehmen. Der Baron wie der Jäger griffen inſtinktiv nach den Piſtolen. Gleich darauf knarrte leiſe die Thüre des Nebenzimmers

und eine lange weiße Geſtalt trat in's Schlafgemach; in demſelben Augenblicke ſchlug es draußen auf dem Schloßthurme Zwölf.

Die beiden Männer warteten athemlos, was wohl die Geſtalt beginnen werde; dieſe ſchien ſich erſt etwas orientiren zu müſſen, dann trat ſie langſam einige Schritte vorwärts, wich aber, ſichtlich überraſcht, wieder etwas zurück, als ſie wohl gegen ihr Erwarten⸗ zwei Perſonen erblickte.

Jetzt hielt es der Baron für geeignet, einzuſchreiten, entrüſtet ſprang er auf, aber ſchon eilte das Geſpenſt der offen gebliebenen Thüre zu. Doch nun war auch mit einem mächtigen Satze der Jäger zur Hand, er erfaßte die weiße Geſtalt im Genick und ſchleu⸗ derte ſie ſo heftig zu Boden, daß ſie einen kläglichen Schrei aus⸗ ſtieß. Zugleich hörte oben im Saale das Getöſe auf.

Ein ſauberes Geſpenſt, wahrhaftig! brach jetzt der Baron das Schweigen,nun, glücklicherweiſe iſt es nicht zu Haſenfüßen ge⸗ kommen! Dabei ſchlug er Feuer, zündele eine Kerze an, riß der Geſtalt, die ſich unter des Jägers kräftigen Händen vergeblich be⸗ mühte, wieder auf die Beine zu kommen, die weiße Hülle vom Kopf und das angſterfüllte Geſicht des Verwalters ſtarrte ihm entgegen.

Mit dieſer Entlarvung war der Stab über Weinert gebrochen; nur ein ganz gemeiner Gauner konnte zu ſolchen Mitteln greifen, um ſich alle für ſeine Betrügereien und Verbrechen unbequemen Perſönlichkeiten aus dem Wege zu räumen.

Illnſtrirte Chronil der Zeit.

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Jetzt war er freilich wie zerſchmettert, einen ſolch' grellen Miß⸗ erfolg mochte er nicht erwartet haben. Der Baron und der Jäger machten jedoch kurzen Prozeß mit ihm, befahlen ihm aufzuſtehen und ſtiegen ſodann mit ihm hinauf in den Speiſeſaal, um nach der Urſache des vorhin vernommenen Geräuſches zu ſehen.

Die Hauptthüre war nur leicht angelehnt, in dem weiten Saale ſelbſt war jedoch nichts Auffälliges zu entdecken. Als Georg aber noch einmal an der Seite der Fenſter aufmerkſam dahin ſchritt, wurde er unwillkürlich veranlaßt, einen Blick auf den dunklen Gar⸗ ten hinaus zu werfen, denn dort fiel ein dünner heller Lichtſtreif über eines der Beete. Dieſe außergewöhnliche Beleuchtung mußte von einem Kellerfenſter des Schloſſes ausgehen, und da der finſter vor ſich hinblickende Weinert über dieſelbe keine Auskunft geben konnte oder wollte, ſo ſtiegen die beiden Männer mit ihm in das Souterrain hinab. Dort leuchtete ihnen ſofort hinter einer halb offenſtehenden Thüre der helle Schein einer Laterne entgegen.

Als ſie in den verhältnißmäßig kleinen Kellerraum, in welchem die Laterne ſtand, traten, wußten ſie kaum, was ſie vor Ueberraſchung denken und ſagen ſollten: da ſtanden auf dem Fußboden kleinere und größere Schmelztiegel herum, in einer Ecke zeigte ſich ein eiſerner Dreifuß mit halbverbrannten Kohlen, mehr nach dem Fenſter zu präſentirte ſich ein kleiner Amboß mit verſchiedenen Hämmern und auf dem Tiſche endlich lagen in buntem Durcheinander halbfertige Münzen, Feilen, Matrigen und andere Handwerkszeuge. Es war zweifellos, man hatte hier eine Werkſtatt von Falſchmünzern vor ſich.

Der Baron ſagte darauf dem Verwalter auf den Kopf zu, daß er an dieſem ſchändlichen Gewerbe betheiligt, ja daß das ganze plumpe Geſpenſterpoſſenſpiel nur unternommen worden ſei, um ihn, den Herrn, wieder aus ſeinem eigenen Hauſe zu vertreiben, damit die Falſchmünzerei, von der er ihm ja ſogar bereits einige Proben nach Berlin geſendet, auch ferner ungeſtört betrieben werden könne.

Der Verwalter, leichenblaß und an allen Gliedern zitternd, vermochte zuerſt kein Wort zu ſprechen, endlich aber brachte er her⸗ vor, daß er durch den Feldwebel Schmidt, der früher Mechanikus geweſen, zu dieſer Fälſcherei verleitet worden ſei, daß er in Folge deſſen ſein Amt vernachläſſigt habe und ſich ſchließlich, aus Furcht vor der Entdeckung, zu der heute Abend beabſichtigten Täuſchung habe beſtimmen laſſen. So viel er aber ſehe, müſſe ſich Schmidt bereits auf und davon gemacht haben; er ſei es geweſen, der oben im Saale durch Auf- und Niederrollen von großen ſteinernen Kugeln das donnerartige Geräuſch gemacht, um den Herrn Baron zunächſt auſzuwecken und zu ängſtigen, darauf müſſe er wohl den Lärm unten im Schlafgemach gehört haben, ſei in Folge deſſen wahrſcheinlich hinab in den Keller geeilt, habe dort ſämmtliche fertig geſtellte falſche Dukaten denn dieſe ſeien verſchwunden an ſich genommen und ſei nun gewiß mit ihnen flüchtig geworden.

So ſtellte es ſich denn auch am anderen Morgen heraus; ein Bauer, der erſt ſpät aus der nahen Stadt heimgekommen, war dem Feldwebel begegnet, als er eben in ſchnellen Schritten das Dorf verließ. Man hat nie wieder etwas Genaueres von ihm erfahren, nur ſo viel ſteht feſt, daß er um 1770 in Paris eines Raubmordes wegen hingerichtet wurde. Seine falſchen Dukaten muß er aber vorher ſämmtlich ausgegeben haben, viele wurden bald in den ver⸗ ſchiedenſten Städten angehalten, andere kurſirten dagegen noch Jahr⸗ zehnte lang und waren unter den Geldwechslern und Bankiers unter dem NamenHochfelder Dukaten bekannt.

In Anbetracht der Verhältniſſe ging der Baron mit Weinert nicht allzu ſtreng in's Gericht, er ließ bei der gerichtlichen Anzeige den Verwalter aus dem Spiele und lenkte den Verdacht nur auf den Feldwebel, welchem er, damit ſeine Ausſagen den Verwalter nicht kompromittiren konnten, auch Zeit gab, ſich in Sicherheit zu bringen, ehe der Baron die Behörde benachrichtigte. Letztere ver⸗ hörte ſogleich den Verwalter und ſprach dieſem gegenüber ihr Er⸗ ſtaunen aus, daß er von der Sache nichts gewußt haben wolle. Da aber die Falſchmünzerwerkſtatt ſich in dem Keller eines ſeit langer Zeit nicht bewohnten Theiles des Schloſſes befand, ſo gelang es dem Verwalter, ſeiner Ausſage bei der Behörde Glauben zu verſchaffen, daß er von dem nächtlichen Treiben des Feldwebels an⸗ geblich keinerlei Kenntniß gehabt und ſelbſt von dieſem bei Annahme der dem Baron Hochfeld zugeſchickten Dukaten betrogen ſein wollte. Die Apparate zum Falſchmünzen müſſe der Feldwebel heimlich und Nachts in das Schloß geſchmuggelt haben. Selbſtverſtändlich konnte der Baron den Verwalter, troß des für dieſen günſtigen Ausgangs der Unterſuchung, aber doch nicht an der Spitze der Verwaltung ſeines Gutes ferner belaſſen; er bot daher Georg Winkler, der ihn ſo treu⸗ bei der Enthüllung der Betrügerei unterſtützt hatte, dieſe Stelle an.

Dem jungen Manne konnte natürlich ein angenehmeres Offert gar nicht gemacht werden, er gab mit Freuden ſeine kärgliche Förſter⸗ ſtelle auf und leitete fortan die Bewirthſchaftung des Gutes mit