Jahrgang 
14-26 (1877)
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394 Paar in eine dichte Gaisblattlaube, die hart an die Giebelſeite des Verwalterhauſes ſtieß.

Hier berichtete nun der Jäger ſeinem geliebten Mädchen von ſeinem Zuſammentreffen mit dem Herrn Baron, von deſſen Leut⸗ ſeligkeit und freundlicher Zuſage, ihm bei ſeiner Herzensangelegenheit ein ſtets gern bereiter Förderer zu ſein.

Plötzlich jedoch brach er mitten in ſeiner Rede ab und Röschen ergriff erſchrocken ſeine Hand, denn drinnen im Hauſe wurde die Thüre der Wohnſtube, von welcher zwei Fenſter nach dem Garten hinausgingen, geräuſchvoll geöffnet und dann wieder heftig zu⸗ geſchlagen. Gleich darauf vernahm man deutlich, beſonders da das eine der Fenſter zufällig etwas offen ſtand, zwei Stimmen und zwar die von Röschens Vater und die des verhaßten ehemaligen Feldwebels Schmidt.

Das iſt eine ganz vermaledeite Geſchichte, rief der Verwalter, den ganzen Sommer will er hier bleiben, und ſo lange er hier iſt, können wir unmöglich fortarbeiten, die ſchweren Hammerſchläge würde er ſehr bald vernehmen.

Und ein ganzes halbes Jahr Ferien machen, verſetzte jetzt Schmidt,iſt wahrhaftig eine ſchwere Prüfung. Wir ſind jetzt kaum etwas in Fluß gekommen, in ſechs Monaten könnten wir es ſchon zu einem ſehr reſpektablen Vermögen gebracht haben.

Nun ja, wir können auch auf keinen Fall dieſe Störung ge⸗ duldig hinnehmen, nahm jetzt wieder der Verwalter das Wort, und ſo iſt mir denn ein Gedanke gekommen, über den wir einmal ernſtlich berathen müſſen. Die Stadtleute ſind ebenſo gut aber⸗ gläubiſch wie das Landvolk, nur hie und da etwas gewitzter, darum muß man mit ihnen etwas vorſichtiger umgehen.

Du machſt mich ſehr neugierig, warf hier Schmidt ein.

Mein Plan iſt höchſt einfach, fuhr der Verwalter fort,ich habe dem jungen Herrn bereits einmal nach Berlin geſchrieben, daß im Schloſſe jetzt Geſpenſter umgehen, ich hatte damals ſchon eine Ahnung, als könne er einmal Luſt verſpüren, hieher zu kommen und wollte ihm dieſelbe dadurch im Voraus nehmen. Meine Schreiberei hat nun freilich nichts genützt, trotzdem erſcheint mir der Gedanke noch immer zweckmäßig, ihn durch Geſpenſter wieder zu verſcheuchen.

Das iſt zwar ein köſtlicher Einfall, bemerkte Schmidt,aber kann ein ſolcher Coup nicht verhängnißvoller werden wie ſechs Monate Ferienzeit?

Wenn man freilich gleich ſo ein Haſenfuß iſt wie der Herr Feldwebel! rief der Verwalter höhniſch.

Nun, die Vorſicht habe ich von keinem Geringeren als dem großen Friedrich gelernt, und wenn mir Dein Plan einleuchtet, ſo ſollſt Du mit Beſtimmtheit auf mich rechnen können; alſo ſprich Dich genauer aus. Ich weiß ja, um welchen Preis ich Dir diene.

Bei dieſen Worten zuckte Georg draußen in der Laube leicht zuſammen und knirſchte mit den Zähnen.

Wir werden nicht gleich mit der Thüre in's Haus fallen dürfen, fuhr drinnen der Verwalter fort,und es wird ſich daher ein kleines Vorſpiel empfehlen. Ich habe mir gedacht, wenn wir

Bei dieſen Worten knarrte der Fenſterflügel, welcher bis dahin offen geſtanden hatte, und das Fenſter wurde geſchloſſen. Von der Unterhaltung der beiden Männer konnten nun Georg und Röschen nichts mehr vernehmen, aber ſie wußten auch ſchon genug: der Baron ſollte durch ſchmähliches Gaukelſpiel von ſeiner Beſitzung vertrieben und den ſchändlichſten Betrügereien preisgegeben werden.

Der junge Jäger war auf's Tiefſte empört; zwar war er keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß er den Gefährdeten von der hinterliſtigen Attaque in Kenntniß ſetzen müſſe und ſprach dies auch rückhaltslos gegen Röschen aus, doch war er ſich auch anderer⸗ ſeits der überaus mißlichen Lage vollſtäudig bewußt, die für ihn aus dieſem Vorgehen erwachſen mußte, deun der, deſſen Schliche er aufdecken wollte, war ja der Vater ſeiner geliebten Braut. Es mußten hier eben alle Bedenken vor dem ſtrengen Rechtsgefühl zurücktreten und auch Röschen war darüber ſich vollſtändig klar.

Freilich ward dabei dem armen Mädchen tief traurig zu Muthe konnte dieſer Schritt ſie nicht für immer von dem Geliebten trennen, ſobald der Vater erfuhr, wer ſein Angeber geweſen. Ein ſchwerer Kampf tobte in ihr auf, ſie hätte in das Haus eilen und

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Sie drückte daher einen Kuß auf des Geliebten Mund und ſagte dann ſchließlich leiſe:

Zaudere keinen Augenblick, Georg! Theile dem Baron ſofort Alles mit. Das Bewußtſein, nur das Rechte zu thun, muß uns in der qualvollen Lage aufrecht erhalten.

Tief erregt drückte der Jäger dem edlen Mädchen die Hand, dann preßte er noch einen heißen Abſchiedskuß auf deſſen Lippen und verließ ſchnellen Schrittes die Laube und den Garten.

Röschen ſah ihm mit thränenden Augen nach, und als er hinter dem Buſchwerk des Weges verſchwunden war, eilte ſie hinauf in ihr Schlafſtübchen, verriegelte hinter ſich die Thüre, ſank auf ihr Bett und weinte bitterlich.

Der Baron war erſt erwacht, als die Sonne bereits recht ein⸗ dringlich durch die Vorhänge der Fenſter in das alterthümliche Gemach gelugt hatte; der lange Schlaf hatte ihn nun aber auch wieder völlig gekräftigt und jetzt ſaß er bereits, von dem lebhaften Wunſche beſeelt, energiſch in die Verwaltung ſeines Stammgutes einzugreifen, über die Spezialkarte ſeiner Ländereien gebeugt, um ſich deren Lage und Umfang wieder in's Gedächtniß zu rufen und bei dem dann mit dem Verwalter anzutretenden Rundgange durch Feld und Wald ordentlich Beſcheid zu wiſſen.

Da ward er in ſeinen Studien plötzlich unterbrochen, es klopfte an ſeiner Thüre. Auf ſeinHerein trat der königliche Förſter Georg Winkler in das Zimmer. Der Baron begrüßte ſeinen jungen Bekannten vom vorigen Tage auf's Freundlichſte, brach aber mitten in der Frage nach ſeinem Wohlergehen ab, als er in die tiefernſten Züge des jungen Mannes blickte.

Dieſer berichtete nun ſofort ohne Umſchweife das, was er in der Laube von dem Plane des Verwalters gehört hatte und ſetzte dadurch den Baron zunächſt in das größte Erſtaunen; war derſelbe auch mehr und mehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Ver⸗ walter durch und durch ein geriebener Gauner ſei, ſo hatte er ihn doch nicht eines ſo frechen Schurkenſtreiches für fähig gehalten.

Noch war es aber Zeit, dieſen ſchändlichen Abſichten ein Paroli zu bieten, und ſo beriethen denn auch beide Männer ſofort, welche paſſendſten Maßregeln zu ergreifen ſeien, die gefährlichen Menſchen unſchädlich zu machen. Direkt vorzugehen, erſchien ſowohl dem Baron wie dem Jäger unzweckmäßig, vielmehr beſchloß man nach einigem Ueberlegen, ſich zunächſt nicht das Geringſte merken zu laſſen und abzuwarten, was denn nun von den beiden Biedermännern in Scene geſetzt werden würde. Um jedoch jede Gefahr au-zuſchließen, erbot ſich der Jäger, in den nächſten Nächten in dem Zimmer des Barons zu ſchlafen, natürlich ohne daß ſonſt irgend Jemand davon Kenntniß erhielt.

Der Baron nahm das Anerbieten dankbar an, verabredete dann mit dem Forſtmanne, daß er dieſen, ſobald er ſich durch einen Pfiff, ſo etwa gegen zehn Uhr Abends, angemeldet, durch ein kleines⸗ Pförtchen, welches vom Garten aus in das alte Schloß führe, ein⸗ laſſen werde, und ſo ſah er nun den Dingen, die da kommen ſollten, weit ruhiger entgegen.

Die beiden Männer trennten ſich jetzt, Georg Winkler führten die Pflichten ſeines Amtes in den königlichen Forſt, während Baron Friedrich zur Verwalterwohnung hinüberging und hier von Weinert mit der devoteſten Freundlichkeit begrüßt wurde. Der Feldwebel befand ſich nicht mehr bei dem Verwalter. 1.

Es gelang dem jungen Herrn ſehr gut, ſeinen Grimm vor dem Heuchler zu verbergen, ja er gab ſich ſogar, um ihn ſicherer zu machen, den Anſchein, als ſei er von ſeiner Treue und Chrlichkeit völlig ülerzeugt und als ſei er nicht gekommen, um zu inſpiciren, weil er eine ſchlechte Verwaltung vermuthe, ſondern um die Stätten ſeiner Kindheit einmal wieder zu ſehen und dabei auch da ja nun einmal ſchlechte Zeiten ſeien den Sommer über hier auf Schloß Hochfeld billiger zu leben als in der Reſidenz. Die Rechnungsbücher, die ihm Weinert geſchäftig brachte, durchzuſehen, lehnte er ab, dagegen plauderte er über einige kleine Veränderungen, die er im Schloſſe vorzunehmen beabſichtige und leitete dabei das Geſpräch auf die alte, winkelige Bauart deſſelben, die ſeinem Ge⸗ ſchmacke durchaus nicht entſpreche, ihm unbehaglich, ja ſelbſt un⸗ heimlich ſei und ihn immer wieder an die Spukgeſchichten erinnere, von denen Weinert ihm nach der Reſidenz berichtet habe. Sei ſeine Phantaſie einmal durch derartige Geſchichten erregt worden,

den Vater auf den Knieen bei Allem, was ihm heilig, beſchwören mögen, von ſeinem ſchändlichen Vorhaben abzuſtehen, aber doch mußte ſie ſich ſagen, daß ſie dabei nur eine entſetzliche Scene hervor⸗ rufen werde, die das war bei dem hitzigen Temperament des Vaters wohl möglich für Georg und für ſie nur von den ver⸗ derblichſten Folgen ſein und den Vater ſogar zum Verbrecher machen konnte. Denn daß der jähzornige Mann in ſeiner blinden Wuth möglicherweiſe zur Flinte greifen und Georg meuchleriſch erſchießen werde, erſchien ihr gar nicht ſo unmöglich.

ſo könne er ſich nur ſchwer wieder von dem Einfluſſe derſelben frei machen.

friedigung, was natürlich dem Baron nicht entging.

Bei dem hierauf angetretenen Gange durch die Felder des Gutes gewahrte Friedrich mit tiefem Unwillen, daß überall nur eine ſehr mangelhafte Ordnung herrſchte; er hütete ſich aber, irgend welchen Tadel auszuſprechen und erhielt ſo den Verwalter in dem Glauben, daß er durchaus kein Auge für den verkommenen Zuſtand

Der Verwalter hörte dieſe Bemerkungen mit ſichtlicher Be⸗

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