Jahrgang 
14-26 (1877)
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396 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

tadelloſer Rechtlichkeit und feſter Energie, treu unterſtützt durch Röschen, die er ſehr bald als ſeine geliebte Gattin heimführte. Durch die Umſicht Georgs hob ſich das Gut ſehr bald wieder,

warf ſchon nach wenigen Jahren faſt das Doppelte der früheren

Erträge ab und ſetzte ſo Baron Friedrich v. Hochfeld bald in den Stand, um die Hand der ſchönen Gräfin Ida v. Zſchachwitz an⸗ halten zu dürfen, die ihm denn auch nicht verſagt ward und ihn ſein ganzes ferneres Leben hindurch hoch beglückte.

Fran Leiſeſchlich.

Naturwiſſenſchaſtliche Skizze von Hngo Sturm.

Es iſt ein charakteriſtiſcher Zug aller Völker indo⸗germaniſcher Abkunft, die Thiere, mit denen ſie in näherer Verbindung ſtehen, in Sagen und Märchen zu verherrlichen. Selbſtverſtändlich treten dabei diejenigen in den Vordergrund, mit denen der Einzelne tag⸗ täglich in Verbindung ſteht die Hausthiere. Es ſpielt daher auch die Katze, der wir hier einmal eine kurze Betrachtung widmen möchten, im deutſchen Sagenſchatze eine hervorragende Rolle. In der altgermani⸗ ſchen Götterlehre war die Katze der Göttin Freya beigeſellt, deren Wagen von zwei Katzen durch die Wolken gezogen wird. Später nahm die Katze im Volksglauben einen dämoni⸗ ſchen Charakter an. Die drei⸗ farbige Katze wird dagegen in einigen Gegenden als heilbringend betrachtet. Die weiße Katze ſpielt in den Märchen die Rolle eines ſchützenden Gei⸗ ſtes, ſie iſt alſo ganz das Ge⸗ gentheil ihrer ſchwarzen Ge⸗ noſſin, die man darum ja von den Wiegen fern

halten muß.

Setzt letztere ſich auf das Bett eines Kranken, ſo iſt deſſen Tod als ſicher voraus⸗ zuſetzen, und ſieht mnan eine ſolche auf einem Grabe, ſo befindet ſich die Seele des dort Ruhenden ſicher in den Händen des Herrn der Finſterniß. In der Walpurgis⸗ nacht haben die ſchwarzen Katzen anſtrengende Arbeit, indem viele Hexen auf ihren Rücken zum Blocksbergfeſt reiten. Die Katze weiß auch die Zu⸗ kunft vorher, wie es ja allgemein bekannt iſt, daß die ſich putzende Katze Beſuch andeutet.

Die erſten zuverläſſigen Nachrichten über die Katze finden ſich bei dem griechiſchen Schriftſteller Herodot, der um 450 vor Chriſtus lebte. Dieſer erzählt, daß dieſelbe bei den Egyptern ſehr beliebt ſei. Nach ihm begegnet man der Katze öfter. So ſoll nach der grie⸗ chiſchen Kosmogonie die Sonne den Löwen, der Mond die Katze hervorgebracht haben. Ovid berichtet, daß Diana, die Göttin der Jagd, bei der Flucht der Götter vor den Titanen Katzengeſtalt an⸗ genommen habe. Eine äſopiſche Fabel läßt einen jungen Mann ſich in eine Katze verlieben; er bittet die Venus, dieſelbe in eine Frau zu verwandeln. Die Göttin erhört ſeine Bitte, jedoch kann die junge Frau ihre Katzennatur nicht verleugnen und läuft den ſich zeigenden Mäuſen eifrig nach.

Die größte Verehrung hat aber die Katze bei den alten Egyp⸗

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ie Colibri⸗Sylve und ihr Neſt.(S. 400.)

(Nachdruck verboten.)

tern genoſſen. Entſteht irgendwo eine Feuersbrunſt, ſchreibt Herodot, ſo kümmern ſich die Egypter nicht um's Feuer, ſondern um ihre Katzen; ſie ſtellen ſich um dieſe herum und halten Wache; aber die Katzen entwiſchen ihnen doch oft, ſpringen auch über ſie weg und ſtürzen ſich in die Flammen. Geſchieht dies, ſo kommt über die Egypter große Trauer. Stirbt eine Katze von ſelbſt, ſo ſcheeren alle Bewohner des Hauſes ihre Augenbrauen ab. Die todten Katzen werden in heilige Gemächer ge⸗ ſchafft, einbalſa⸗ mirt und in der Stadt Bubaſtis beigeſetzt.

Man begegnet ſehr häufig der Meinung, daß die Hauskatze von unſerer Wildkatze herſtamme. Die Unterſuchungen der Zoologen be⸗ ſtätigen dieſe An⸗ nahme nicht, ſon⸗ dern führen auf die in Inner⸗ afrika lebende Falbkatze, die heute noch bei den Niamniam als halbes Haus⸗ thier zu finden iſt. Die Katzen⸗ bilder auf den Tempelruinen in Theben und die zahlreichen Mu⸗ mien von Katzen weiſen unzweifel⸗ haft auf dieſe Katzenart hin. Nehmen wir an, daß die Falbkatze die Stammmut⸗ ter unſerer Haus⸗ katze iſt, ſo wird dies auch noch durch die Ge⸗ ſchichte der Ver⸗ breitung derſel⸗ ben beſtätigt. Von den Egyp⸗ tern, die ſie aus Innerafrika er⸗ halten, drang ſie zu den Arabern vor, kam von hier nach Italien und Griechenland und bürgerte ſich bei den nördlich davon wohnenden Völkern immer mehr ein. Heute iſt ſie faſt auf der ganzen bewohnten Erde ein geſchätztes oder doch geduldetes Hausthier. Nur dem höchſten Norden iſt ſie nicht eigen. Nach Amerika brachte man die Katzen gleich nach der Ent⸗ deckung und ſind ſie jetzt dort allenthalben heimiſch; nur dem höchſten Andesgürtel Südamerika's fehlen ſie, weil ſie, wie der Reiſende Tſchudi bemerkt, die kalte und dünne Luft nicht vertragen können. dn naurobin iſt die Katze in den bewohnten Gebieten ziemlich

häufig.

Der Körper der Katze iſt in allen Theilen wohl proportionirt. Jedes Glied ſteht zu dem andern im richtigen Verhältniß, keines iſt zu groß, keines aber auch zu klein. Der runde Kopf ſcheint die Grundform für die übrigen Körpertheile abgegeben zu haben, denn auch bei ihnen iſt dieſelbe durchaus vorherrſchend. Die Farbe des Fells i*ſt ſehr verſchiedenartig und durchaus nicht charakteriſtiſch, da ſie ſich nicht vererbt. Am häufigſten ſieht man hellgrau gefärbte Katzen