Jahrgang 
14-26 (1877)
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390 IJlluſtrirte Chronil der Zeit.

Nun, dann kann man ja noch nachkommen, der wird wohl noch wiſſen, von wem er ſie hat, verſetzte der Alte ſichtlich beruhigt.

Hoffentlich, entgegnete der Baron,aber vorläufig fehlt mir denn doch das Geld, und das iſt mir ſehr fatal. Ueberhaupt ſcheint es mir, als ſtände ich unter einem grauſamen Verhängniß, Alles rings um mich verdüſtert ſich, jeder Ausblick in die Zukunft, den ich habe, iſt trüb nun verfolgen mich auch noch ſolche läſtige Zwiſchenfälle, die oft unangenehmer ſind als größere Unglücksfälle. Ich ſühle es, ich muß irgend etwas thun, etwas unternehmen, aber was, ich bin rathlos!

Ja, ja, warf hier der alte Johann ein,es ſind ſchlechte Zeiten. Er wußte nichts Beſſeres zu ſagen; gern hätte er rathen mögen, aber guter Rath war theuer.

Hier kann ich mich nicht mehr länger halten, fuhr der Baron fort.Ich könnte zwar meinen Freund Arthur v. Bonin auf ſei⸗ nem Gute in Pommern aufſuchen, er hat mich ſchon mehrmals eingeladen; allein damit würde ich das Uebel nicht bei der Wurzel faſſen, und ſo wird es das Beſte ſein, ich verzichte einmal eine Zeit lang auf alles geſellſchaftliche Leben und ſchaue in Hochfeld gründ⸗ lich ſelbſt nach. Ein unerklärbares Mißtrauen plagt mich, ich weiß nicht aus welchem Grunde, es könnte dort nicht Alles ſo zu⸗ gehen, wie es ſoll.

Das freut mich von Herzen, fiel hier der alte treue Diener ein,es iſt mir ſchon lange geweſen, als müßten der Herr Baron einmal hin nach dem alten Schloß, als wäre dort nicht Alles ſo,

wie es ſein muß.

Siehſt Du, Alter, rief Friedrich, und etwas von ſeiner früheren friſchen Laune flammte in ihm auf,wir ſtimmen doch immer zuſammen. Ja, es muß ſich dort eine dumpfe Luft aufge⸗ ſammelt haben, zweſchen die man einmal fegen muß; ſchreibt mir der Weinert da allerlei dummes Zeug von Spuk und Geſpenſtern, in Folge deren die ganze Bewirthſchaftung des Gutes ſtocke. Da wir hier nichts zu verſäumen haben, wollen wir ſchon morgen aufbrechen und dann dort gleich ſagen, wir hätten die Abſicht, den ganzen Sommer über auf dem Schloſſe zu bleiben.

Der Alte war über den raſchen Entſchluß ſehr vergnügt, eilig packte er alles Nöthige zuſammen, und ſo konnte man denn am nächſten Morgen völlig gerüſtet den ſchwerfälligen Reiſewagen be⸗ ſteigen, um dem fernen Stammſchloſſe zuzurollen.

Zwei Tage waren mittlerweile vergangen, der Tag neigte ſich langſam zu Ende und in dem dichten Walde, in welchem ſich der Reiſewagen des Barons v. Hochfeld langſam dahin bewegte, däm⸗ merte es bereits.

Wir müſſen doch nun bald in die Hochfeld'ſchen Forſten kom⸗ men, rief endlich der Baron, nachdem er mehrmals forſchend um ſich geblickt hatte;wie man doch ſeiner Heimath fremd werden ann!

Ein Stück Weges werden wir noch zu fahren haben, verſetzte der Kutſcher,ich bin hier auch nicht genauer bekannt.

So! rief hier Johann verwundert, der neben dem Kutſcher mit auf dem Bock ſaß,dann werdet Ihr uns doch nicht etwa in der Irre herumkutſchiren?

Es ſoll immer geradeaus gehen, hat mir der Hausknecht in dem Wirthshauſe geſagt, wo wir zuletzt fütterten, entgegnete der Kutſcher.

Das iſt nun freilich ein ſehr allgemeiner Beſcheid, warf hier der Baron ein,der nicht ausſchließt, daß wir auch ſonſt wohin kommen, ſtatt nach Hochſeld.

In demſelben Augenblicke fiel ein Schuß im Walde und zwar ſo nahe von dem Gefährt, daß der Schütze kaum zweihundert

Schhritte von demſelben entfernt ſein konnte.

Hollah, rief da erfreut der Baron,das Schickſal ſendet uns einen Retter.

Darauf ließ er halten und rief noch einmal laut:Hollah! in den Wald hinein.

Bald darauf theilten ſich die Tannenzweige an der rechten Seite des Weges und ein junger Förſter, in er einen Hand das Gewehr, in der anderen einen Raubvogel, trat leicht grüßend auf die Fahrſtraße.

Auch der Baron grüßte jetzt freundlich.

Junger Freund, ſagte er ſodann,wir ſind nicht recht ſicher, ob dieſer Weg hier nach Schloß Hochfeld führt, könnt Ihr uns vielleicht genügende Auskunft geben?

Sehr gern, verſetzte der junge Forſtmann,ich bin ſoeben im Begriff, nach dem Dorfe Hochfeld, wo ich meine Dienſtwohnung habe, zurückzukehren, und ſo kann ich Ihnen den Weg bis zu Ihrem Ziele zeigen. Jetzt ſind Sie ſchon eine kurze Strecke falſch ge⸗ fahren, etwa fünfzig Schritte von hier zurück biegt rechts ein Weg ein, den Sie hätten verfolgen müſſen.

Dann können wir ja von großem Glück ſagen, daß wir Euch

zmgetroffen haben, entgegnete der Baron,eine nächtliche Irrfahrt würde uns ſehr übel gefallen haben. Aber nun bitte ich Euch auch, einzuſteigen und mit uns zu fahren.

Der Jäger kam der Einladung nach, der Kutſcher lenkte um, bald zeigte ſich der richtige Weg und wohlgemuth fuhr man nun mit dem behaglichen Gefühle der Sicherheit ſeinem Ziele entgegen.

Der Baron befand ſich ſehr bald mit dem Jäger, einem be⸗ ſcheidenen jungen Manne, in lebhaftem Geſpräche; er ſagte ihm, daß er der Beſitzer von Schloß Hochfeld ſei und den Wunſch habe, das durch den Krieg und andere mißliche Verhältniſſe herabgekom⸗ mene Gut wieder ſoviel wie möglich zu heben, worauf der Jäger bemerkte, daß er da ein reiches Arbeitsfeld finden werde. Die Felder ſeien nur mangelhaft beſtellt worden und in den Forſten des Gutes habe man ohne Syſtem immer nur darauf los gefällt, ſichtlich einzig von dem Gedanken geleitet, Geld herauszuſchlagen. Doch beurtheile er das vielleicht zu ſchroff, da er in ſeinen könig⸗ lichen Forſten nur nach den ſtrengen Regeln der Forſtwirthſchaft verfahren dürfe.

Den Baron berührten dieſe Berichte natürlich höchſt unan⸗ genehm, ſo ſchätzenswerth ſie ihm auch waren. Im weiteren Ver⸗ laufe des Geſpräches berührte er auch die Geſpenſtergeſchichten, von denen ihm der Schloßverwalter geſchrieben hatte und fragte den Forſtmann, ob ihm darüber etwas Näheres bekannt ſei.

Der Jäger lächelte etwas verlegen.

Was ſoll ich Ihnen darüber ſagen, verſetzte er,ich glaube natürlich an dergleichen dummes Geſchwätz nicht, das heißt daran, daß Geſpenſter im Schloſſe hauſen ſollen; ob ſonſtige unſaubere Geiſter vielleicht in dem alten Bau ihr Unweſen treiben, habe ich noch nicht herausbekommen können. Der Argwohn, daß dort etwas vorgeht, was die Oeffentlichkeit und das Licht des Tages ſcheut, plagt mich ſchon lange. Doch habe ich meine Neugier immer im Zaume gehalten, ich bin ein königlicher Beamter und muß mich daher wohl vorſehen, meine Hände in Privatverhältniſſe zu ſtecken, die mich nachher mit in das Gerede der Leute brächten.

Der Baron hatte immer geſpannter zugehört, als der junge Mann nun ſchwieg, ergriff er die Hand deſſelben und ſagte:

Ich danke Euch recht herzlich, Eure Mittheilungen ſind mir außerordentlich viel werth und ich werde mein Handeln darnach einrichten. Sehr lieb wäre es mir aber, könnte ich mich auch fer⸗ ner hie und da bei Euch über die Verhältniſſe unterrichten; gewiß werde ich in der erſten Zeit öfter dieſen Wunſch haben.

Wenn Sie auf dem Schloſſe wohnen, gnädiger Herr, ver⸗ ſetzte der Jäger höflich,ſo liegen ja auch die Verhältniſſe ganz anders; wenn ich zu Ihnen komme, ſo kann mir das Niemand verargen.

Eure Bereitwilligkeit freut mich, entgegnete der Baron,und ich werde wohl auch einmal Gelegenheit finden, mich erkenntlich zu zeigen. Vorläufig werde ich gegen Andere unſere Unterredung verſchweigen, um jedem unnützen Gerede vorzubeugen.

Das würde mir ſehr angenehm ſein, erwiederte hier der Jäger raſch, ſo daß der Baron verwundert aufſchaute. Der junge Mann erröthete.

Sie werden dies ſonderbar finden, fuhr er dann fort, allein er ſtockte.

Vertraut mir ruhig an, was dabei für Euch im Spiele iſt, nahm nun der Baron wieder das Wort,ich werde von Eurer Offenheit durchaus keinen unwürdigen Gebrauch machen.

Ich bin überzeugt davon, verſicherte der junge Mann mit Wärme,und ſo will ich denn auch nicht länger zögern, Ihnen die eigenthümliche Lage darzulegen, in der ich mich befinde, ſobald ich Ihre Intereſſen theile. Auf der einen Seite drängt mich mein Rechtsgefühl, Ihnen Mißſtände bloßzulegen, die Sie arg ſchädigen, auf der anderen Seite hält mich eine gewiſſe Pietät zurück und verurtheilt mich zum Schweigen; denn das wackere Mädchen, das ich dereinſt als Gattin in mein Haus führen möchte, iſt die Tochter Ihres Verwalters Weinert. Unſere Herzen fanden ſich ſchon vor Jahresfriſt, allein ein früherer Feldwebel, Martin Schmidt, der ſich ſeit etwa anderthalb Jahren in der hieſigen Ge⸗ gend aufhält und beſonders enge Freundſchaft mit dem alten Wei⸗ nert geſchloſſen zu haben ſcheint, trat wie ein böſer Geiſt zwiſchen Röschen und mich, und neuerdings hat ſogar der Verwalter die Abſicht ausgeſprochen, ſeine Tochter mit dem Feldwebel zu ver⸗ heirathen. Das arme Mädchen hat nun zwar ihrem Vater wieder⸗ holt erklärt, daß ſie den ihr im höchſten Grade widerwärtigen Schmidt niemals zum Manne nehmen werde: Weinert aber ſcheint ſich um dieſe Verſicherung vorläufig wenig zu kümmern, ſein Ver⸗ hältniß zu Schmidt iſt intimer denn je geworden und bei mir forſchte er nach allen möglichen ſchlechten Seiten, um mich der Tochter gegenüber herabzuſetzen. Würde er nun bemerken oder erfahren, daß ich Ihnen die Mängel ſeiner Bewirthſchaftung des

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