Jahrgang 
14-26 (1877)
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Juffahrt

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Illuſtrirte Chronil der Zeit.

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Gutes zeigte, oder daß ich ſonſt Ihnen in beſonderer Weiſe dienſt⸗ bar wäre, ſo würde er ſofort auspoſaunen, daß ich mich an ihm rächen wolle und ihn zu verderben trachte. Schon im Intereſſe Röschens möchte ich eine ſolche offene Feindſchaft vermeiden, dem armen Mädchen würde ich dadurch die bitterſten Stunden ſchaffen.

Das würde allerdings zu befürchten ſein, bemerkte hier der Baron,doch wird ſich wohl auch in einer Weiſe Ordnung ſchaffen laſſen, die für Euch weniger mißlich iſt, und iſt dann erſt wieder einmal reine Bahn gemacht worden, ſo ſeid überzeugt, daß ich auch dem Alten den Kopf zurecht ſetzen werde.

Ich würde Ihnen für Ihren gütigen Einfluß zeitlebens dank⸗ bar ſein, rief hierauf der junge Mann freudig erregt.Doch ich ſehe, daß wir ſchon am Ziele ſind, dort taucht der Thurm von Schloß Hochfeld hinter den Pappeln auf. es wird jetzt das Beſte ſein, ich ſteige, damit mich Weinert nicht ſchon jetzt in Ihrer Ge⸗ ſellſchaft ſieht, bereits hier ab und werde mir dann erlauben, mich morgen bei Ihnen zu melden.

Gut ſo, verſetzte der Baron,zunächſt meinen Dank und dann auf Wiederſehen!.

Der Jäger ſprang aus dem Wagen, grüßte noch einmal mili⸗ täriſch und ſchlug dann einen Fußweg ein, während die Reiſekutſche jetzt etwas ſchneller dem Schloſſe zurollte.

Als ſie über das Pflaſter des Schloßhofes raſſelte, ſchlugen die Hunde an und ſchauten die Knechte und Mägde neugierig aus den Stallthüren auf den ungewohnten Zug. Aus dem Hauſe des Verwalters aber trat ein Mann mit einem Lichte, halb mißmuthig, halb erſtaunt auf das Gefährt blickend.

Guten Abend Weinert, rief da der Baron aus dem Wagen, und in demſelben Augenblicke verzog ſich das Geſicht des Verwal⸗ ters zum freundlichſten Grinſen.

Gott zum Gruß, Gott zum Gruß, gnädiger Herr! rief er, indem er aus der Thüre trat,hätte ich mir doch heute Abend alles Andere träumen laſſen, als dieſen hohen Beſuch.

Ja, man hat ſo bisweilen ſeine Schnurren, verſetzte der Baron ironiſch,es geht doch Alles gut?

Alles gut, entgegnete der Verwalter,ſoweit das eben in den jetzigen ſchlechten Zeiten möglich iſt, und ich habe auch die Freude, den Herrn Baron wohlauf zu ſehen?

Nun, man muß eben zufrieden ſein, erwiederte Friedrich, indem er in das Haus trat.

In der Stube bot der Verwalter dem jungen Herrn devot den Ehrenplatz auf dem lederbeſchlagenen Lehnſtuhle an und fragte dann, womit er für das Nachteſſen dienen könne. Der Baron be⸗ ſtellte ſich das einfachſte Mahl und nachdem dann der Verwalter in der Küche die nöthige Weiſung gegeben hatte, ſetzte er ſich ſeinem jungen Herrn gegenüber und eine lebhafte Unterhaltung begann. Friedrich entwickelte eine ſehr joviale heitere Laune, er machte mit dem Verwalter ſeine Späße und fragte nur ſo hie und da einmal nach dem Zuſtande des Gutes, als wenn er nicht im Geringſten beſorgt oder ungehalten über die nachläſſige Verwaltung deſſelben ſei.

Das beruhigte Weinert außerordentlich; bei der Ankunft des Herrn hatte ihm ſofort das böſe Gewiſſen geſchlagen, allerlei Ver⸗ muthungen, der Baron könne mit der Abſicht kommen, ſeine Amts⸗ thätigkeit genau zu unterſuchen, waren ihm ſofort durch den Kopf geblitzt; jetzt ſah er, daß er wieder einmal zu ängſtlich geweſen war und daß der junge Baron gewiß nur zu einer unterhaltenden Abwechſelung die Fahrt gemacht hatte.

Als dann aber im weiteren Verlaufe des Geſprächs Friedrich ſo nebenbei fallen ließ, er beabſichtige den ganzen Sommer über auf Schloß Hochfeld zu bleiben, da ſtiegen wieder beunruhigende Gedanken in dem Verwalter auf; einige Tage lang vermochte er den jungen Herrn wohl zu blenden und über die Verhältniſſe im Unklaren zu erhalten, auch ein Treiben vor ihm zu verbergen, deſſen Geheim⸗ haltung er auf alle Fälle wahren mußte.

Sofort war er denn auch völlig im Klaren, daß er alle Mittel anwenden mußte, um den läſtigen Beſuch ſo bald als möglich wieder zur Abreiſe zur veranlaſſen. Guter Rath war ihm freilich vor⸗ läufig noch theuer. Es war auch dazu jetzt gar nicht die Zeit, er mufih den Baron bei dem Eſſen, das mittlerweile aufgetragen wor⸗ den war, bedienen, dann Sorge tragen, daß ein Schlafgemach für den Gaſt im Schloſſe hergerichtet werde und ſogar nach Diener, Kutſcher und Pferden ſehen. Schließlich, nachdem alle Obliegen⸗ heiten beſorgt worden waren, mußte er ſich noch ein Stündchen bei einem Glaſe Wein zu dem Baron ſetzen, um mit ihm über alte Zeiten zu plaudern. Dabei berührte Friedrich auch die kürzliche Mittheilung Weinert's, daß ſich neuerdings Geſpenſter im Schloſſe zeigten und erkundigte ſich dabei ſehr ernſthaft, ob das vielleicht Ahnen ſeiner Familie ſeien, die jetzt in dem alten Schloſſe umgingen.

So genau hat man die ſeltſamen Erſcheinungen noch nicht beobachten können, verſetzte Weinert,und wahrlich, ich muß es

afſen geſtehen, ich für meine Perſon hätte auch nicht den Muth. azu.

Der Baron blickte den Verwalter einen Augenblick ſchweigend an, dann aber lachte er auf, als amüſire ihn die ganze Geſchichte nur, und dann rief er:

Noch niemals haben mir Geiſter etwas angehabt, mit einem Menſchen von ſo geſundem Schlafe wie ich anzubinden, wird ihnen viel zu mühſam ſein, und ſo will ich denn auch hoffen, daß ſie mich hier hübſch in Ruhe laſſen.

Bei dieſen Worten ſtand er auf und bat den Verwalter, ihn in ſein Schlafzimmer zu führen.

Als die beiden Männer über den dunklen Schloßhof ſchritten, Weinert mit einer nur mattleuchtenden Laterne voran, warf Friedrich v. Hochfeld noch einmal einen Blick auf das alte düſtere Gebäude und eine gewiſſe Wehmuth überkam ihn bei dem Gedanken, wie ſehr der Glanz ſeines einſt ſo reichen und ſtolzen Stammſitzes verblichen ſei; und auf's Neue ſtieg in ihm der ſeſte Vorſatz auf, Alles daran zu wenden, ſeine Verhältniſſe wieder in beſſere Geleiſe zu bringen.

Das Schlafgemach, welches der Verwalter für den Baron hatte herrichten laſſen, lag mitten in einer Zimmerreihe, deren Fenſter nach dem Garten des Schloſſes hinausgingen. Den Haupteingang hatte es vom Korridor aus, doch ſtand es auch mit etwas kleineren Thüren mit den Zimmern rechts und links in Verbindung.

Der Baron fand Alles ganz behaglich, im Kamine glimmten noch einige Holzſcheite als die Ueberbleibſel eines Feuers, das dem Zimmer eine wohlige Temperatur gegeben hatte, und das große Himmelbett lud zum friedlichſten Schiammer ein.

Nun, hier muß es ſich ja ganz köſtlich ſchlafen! rief er daher angenehm berührt aus.

Gebe es der liebe Gott, verſetzte der Verwalter, die Kerzen anzündend,daß dem Herrn Baron die Unholde fern bleiben. Ich für meine Perſon ich weiß nicht, ob das ſchon in meinem Alter liegt habe rechte Sorge; man iſt ſo gar nicht bei der Hand, wenn etwas paſſiren ſollte. Es wäre am Ende das Beſte, wenn ich mit einigen Knechten hier nebenan im Zimmer

Das wäre noch ſchöner, fiel ihm der junge Herr in's Wort, die unſauberen Geiſter ſollen nur kommen, ich bin nicht umſonſt des großen Friedrichs Offizier geweſen!

Der Verwalter erſchrak faſt.Nun, ſo wünſche ich eine recht geruhſame Nacht, brachte er dann hervor, ergriff ſeine Laterne und verließ mit einem tiefen Bückling das Zimmer.

Der Baron unterſuchte jetzt die Thüren zu den Gemächern rechts und links, ſie waren beide verſchloſſen, er verriegelte hierauf auch die nach dem Korridor führende Thüre, legte zwei geladene Piſtolen auf ſein Nachttiſchchen und begab ſich zur Ruhe.

Anfangs gingen ihm noch allerlei Gedanken durch den Kopf, das unangenehm freundliche Weſen des Verwalters hatte ihm gar nicht gefallen dann aber forderte die Natur ihr Recht und er fiel in einen tiefen traumloſen Schlaf.

Am andern Morgen ergoß ſich ein freundlicher warmer Früh⸗ lingsſonnenſchein über das alte düſtere Schloß Hochfeld und die es umgebenden Baumgruppen, Felder und Wieſen. Die ganze Land⸗ ſchaft ſah daher wie umgewandelt aus und Jeder athmete freier auf, denn nun mußte ja endlich der Lenz mit ſeinem Blüthen⸗ ſchmuck, auf den man ſchon ſo lange wartete, erſcheinen. Auch der junge Jägersmann, welcher jetzt, es mochte etwa acht Uhr ſein, von ſeiner Amtswohnung am Ende des Dorfes einen Wieſenſteig entlang nach dem Schloſſe ſchritt, ſah friſch und wohlgemuth aus; doch dies verurſachte nur zum geringſten Theil der Frühlingsſonnenſchein; neben dem Frühling da draußen in der Natur hegte er auch noch einen beglückenden Liebesfrühling im Herzen und der Weg, den er jetzt verfolgte, ſollte ihn wieder einmal zu ſeinem geliebten Mädchen führen. Aber er konnte leider nicht direkt auf das Haus zuſchreiten, in welchem Röschen Weinert an Stelle der Hausfrau ſchaltete und waltete, bog daher rechts in einen Pfad ein und blieb endlich, als er den Zaun des Gartens, welcher dicht an das Weinert'ſche Wohn⸗ haus ſtieß, erreicht hatte, ſtehen, um leiſe den Ruf eines Raub⸗ vogels nachzuahmen. Dies war das verabredete Signal, auf welches hin Röschen, wenn es nur ihre Zeit irgend erlaubte, in den Garten ſchlüpfte, um den Geliebten zu begrüßen.

Auch heute ſollte der junge Jägersmann ſeinen Ruf nicht ver⸗ gebens haben erſchallen laſſen, ſchon nach wenigen Minuten hörte man auf dem kiesbeſtreuten Wege des Gartens leichte raſche Schritte und eine halblaute jugendliche Stimme rief:

Biſt Du es, Georg?

Jawohl, liebſter Schatz, verſetzte der Jäger ebenfalls leiſe, komm, öffne die Gartenthüre, ich habe Dir Manches zu erzählen.

Der Riegel an der Thüre wurde jetzt zurückgezogen und gleich darauf umſchlang der junge Mann die zierliche Mädchengeſtalt und drückte einen Kuß auf ihren roſigen Mund. Dann trat das junge