Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

einigermaßen brauchbaren Stand zu verſetzen. Dieſe Kapitalien be⸗ ſaß aber der junge Baron nicht, und ſo hatte er ſich entſchließen Die gelöste Summe war aber ſo äußerſt gering geweſen, daß ſie nur hinreichen

müſſen, die Beſitzung für ein Billiges zu verkaufen.

konnte, den jungen Edelmann kurze Zeit ſtandesgemäß zu erhalten.

Nun hatte Friedrich ſeine ganze Hoffnung auf ſein Stammſchloß Hochfeld geſetzt da war aber heute ein Brief von dem dortigen

Verwalter eingetroffen, der auch die Verfaſſung dieſes Gutes als eine ſehr klägliche ſchilderte. Die Felder, hatte der Beamte geſchrie⸗ ben, ſeien durch den Mangel an Arbeitskräften, den der Krieg her⸗ beigeführt, jetzt nur von ſehr geringer Ertragsfähigkeit und könnten nur dadurch gehoben werden, daß von jetzt ab die Bewirthſchaftung mit größeren Mitteln betrieben werde. Dies habe aber ſeine große Schwierigkeit, und zwar beſonders darum, weil viele Arbeiter ſich weigerten, auf den Gutsäckern, die ja alle in der Nähe des alten Schloſſes lägen, zu arbeiten, denn allgemein ſei der Glaube ver⸗

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mit rechten Dingen zugehen.

ſchloß der Verwalter in ſ

meiner Dienſtwohnung ging.

mehreren Jahrhunderten, wie man ſich erzählt, ein bildſchönes Burg⸗ fräulein von einem Ritter v. Strachwitz erdroſſelt worden ſein ſoll. Als ich erſchrocken die Front des Schloſſes hinaufblickte, gewahrte ich dann auch einen bläulichen Lichtſchimmer in den oberen Zimmern, der aber bald wieder verſchwand. Ich konnte nicht den Muth fin⸗ den, ſogleich das Schloß zu unterſuchen, aber nach einer ſchlafloſen

Nacht öffnete ich das Portal, welches ich noch ganz regelrecht ver⸗

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Blüchers Sturz in der Schlacht bei Ligny.(S. 400.)

ſchloſſen fand, und durchſchritt dann mit meiner Tochter ſämmtliche Säle und Zimmer, konnte aber nirgends eine Veränderung be⸗ merken.

Dieſem Briefe hatte der Verwalter nur eine ſehr kleine Summe als den Ertrag des letzten halben Jahres beigefügt. Gegen die Richtigkeit der beigeſchloſſenen Rechnung konnte der Baron nichts einwenden.

Das waren überaus trübe Ausſichten für die Zukunft, und Baron Friedrich empfand das Mißliche ſeiner Lage noch um ſo ſchmerzlicher, da er ſich mit der ſüßen Hoffnung getragen hatte, demnächſt einen eigenen Hausſtand gründen zu können. Sein Herz war für ein liebes ſchönes Mädchen erglüht, ein Fräulein Ida von Zſchachwitz, und er hatte die beſeligende Wahrnehmung gemacht, daß ſeine innige Neigung erwiedert wurde. Bei dieſen traurigen Vermögensverhältniſſen mußte er aber den Gedanken an eine Be⸗ werbung um Ida's Hand zunächſt völlig unterdrücken, umſomehr, da die Mitgift des Mädchens gewiß nur unbedeutend war.

Alles das zog dem jungen Manne durch die Gedanken, als er nach ſeinem kurzen Spaziergange nach Hauſe zurückgekehrt in dem Seſſel ſeines Wohnzimmers ſaß. Da weckte ihn plötzlich ein Ge⸗ räuſch im Nebenzimmer aus ſeinem Sinnen, und kurz darauf trat ſein alter weißhaariger Diener ehrerbietig grüßend bei ihm ein, ein altes Faktotum, das ſchon ſeinem Vater viele Jahre treu ge⸗ dient hatte.

Nun, Alles beſorgt? fragte Friedrich ziemlich intereſſelos.

Leider nicht Alles, Herr Baron, verſetzte der Alte mit be⸗ trübter Miene.

Der junge Herr ſchaute verwundert auf.

Ja, ich war auch des Todes erſchrocken, fuhr der Alte fort. Als ich bei dem Bankier Löwenthal das kleine Darlehen von zwanzig Dukaten bezahlen wollte, ſchaute der mehrere Goldſtücke mißtrauiſch an, dann beſah er die Gepräge, prüfte den Klang, wog und ſchließlich ſchob er mir acht Dukaten zurück. Sie ſeien falſch, ſagte er, aber er wolle den Herrn Baron nicht in Ungelegenheiten bringen,

breitet, in dem alten Baue könne es ſeit einiger Zeit nicht mehr Und ich ſelbſt muß ſogar geſtehen, einem Briefe,daß mich kürzlich Abends, als ich von einem Gange nach der nahen kleinen Stadt zurückkehrte, ein Grauen befiel, während ich an dem alten Schloſſe vorüber nach Es war mir, als hörte ich etwas ſchlürfen in dem großen Ritterſaale, und dann kam es mir wieder vor, als vernähme ich ein höhniſches lautes Lachen im oberen Stock⸗ werke, in den Gemächern der ſeligen Frau Tante, in denen ja vor