Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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belohnen, und als er ſich getäuſcht darin ſah, zog er ſich zurück, es war ihm ſogar unangenehm, daß der Polizeirath ihn beſuchte. Und dennoch könnte dieſer Mann, wie ich glaube, ganz genaue Mittheilungen machen, ſagte der Kommiſſär. Feldern blickte ihn erwartungsvoll an. Woraus ſchließen Sie das? fragte er. Sie erinnern ſich des Müllers, der verhaftet worden iſt?

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Gewiß.

Man hat jetzt bei dieſem Gefangenen eine namhafte Geld⸗ ſumme und einen Brief gefunden. Das Geld will er durch Ver⸗ mittelung Becker's von Ackermann erhalten haben, über den Brief verweigert er hartnäckig jede Auskunft.

Und hat dieſer Brief Bezug

Leſen Sie ihn!

Der Juſtizrath entfaltete das Schriftſtück, maßloſes Erſtaunen

iegelte ſich in ſeinen Zügen.

ſ ge d e hen Veir h Fan bei dem Müller gefunden? ſagte er.

Entſchuldigen Sie, das Original liegt bei den Unterſuchungs⸗ akten, dieſes Schriftſtück iſt nur eine Kopie, die ich genommen habe Ich vermuthe, daß der Gefangene, der im Begriff ſtand auszu⸗ wandern, dieſen Brief von Becker erhalten hat, kann das aber frei⸗ lich mit Sicherheit nicht behaupten. Der Müller gibt zu, daß er beauftragt geweſen ſei, den Brief drüben zur Poſt zu geben, aber er will den Mann nicht nennen, der ihn ihm gegeben hat.

Feldern hatte ſich erhoben, er wanderte auf und nieder, um ſeiner Erregung Herr zu werden. 1

Der Zweck liegt auf der Hand, ſagte er,man wollte durch dieſen Brief die Behörde irre führen.

Sind die Beweiſe gefunden, daß Kramer der Mörder Frei⸗ muth's iſt?

Nein, aber man weiß jetzt, daß Woldemar Kramer ſchon früher einen Raubmord verſucht und dafür drei Jahre im Zucht⸗

haus geſeſſen hat, daß er aus dem Zuchthauſe ausgebrochen, wieder eingefangen und ſpäter nach Amerika ausgewandert iſt.

So, ſo, alſo ein ſolcher Vogel iſt es? ſagte der Kommiſſär. Na, wir haben ihn noch nicht, Herr Juſtizrath, und die Netze müſſen außerordentlich geſchickt geſtellt werden, wenn wir ihn fangen wollen. Der Gefangene wird nichts verrathen, das ſteht feſt, nach dieſer Seite hin dürfen wir uns keinen Hoffnungen hingeben. So⸗ dann iſt es möglich, daß Becker den Brief geſchrieben hat, um, wie Sie vorhin behaupteten, die Behörde irre zu führen, lediglich zu dem Zwecke, ſpäter einen höheren Preis für ſeine Mittheilungen zu fordern.

Aber dann müſſen dieſe Mittheilungen doch Hand und Fuß haben und ihrem Zweck entſprechen!

Bah, wenn der Mann, wie es den Anſchein hat, ein Schwindler iſt, dann wird er das Alles verſuchen!

Aber könnte Woldemar Kramer nicht ſelbſt den Brief ge⸗ ſchrieben haben?

Hm, daran habe ich auch ſchon gedacht. Vermuthen Sie, daß Becker ſelbſt der Verdächtige iſt?

Nein, obſchon ich die Möglichkeit zugeben will.

Der Polizeirath würde ihn erkannt haben!

Er kennt Kramer nicht perſönlich.

Ah, dann hätte ein anderer Beamter hieher kommen ſollen! ſagte der Kommiſſär ärgerlich.Von hier aus iſt die erſte und vielleicht auch die einzige Antwort auf jene Aufforderung erfolgt, alſo muß hier auch mit aller Energie nachgeforſcht werden!

Wir können Becker leider nicht zwingen

Das wollen wir ſehen, Herr Juſtizrath! Wir beſchuldigen ihn eines Erpreſſungsverſuchs, dann zwingt ihn das eigene Intereſſe, der Wahrheit die Ehre zu geben.

Ackermann wird ſeinen Sekretär ſchützen!

(Fortſetzung folgt.)

er Frühlingswind fegte durch die Straßen von Berlin und rüttelte an den Aeſten der Linden, welche die ſtatt⸗ lichſte Straße der Hauptſtadt ſchmücken, als wolle er die Blätterknoſpen, die nur erſt vorſichtig herauslug ten, auffordern, ſich ſchneller zu öffnen, um den heran⸗ nahenden Lenz würdig zu empfangen. Aber die Lockungen halfen nur wenig, der Winter war ſehr ſtreng ge⸗

weſen, und auch jetzt noch, es war mitten im April des Jahres 1763, gab es allnächtlich Fröſte was Wunder alſo, daß es mit der Vegetation nicht recht vorangehen wollte.

Auch die Menſchen trauten dem Frühlingswinde nicht recht, ſie ſchritten noch in ihrer vollſtändigen Winterkleidung daher, und wenn ſie auf das Frühlingswetter zu ſprechen kamen, ſchüttelten ſie ungläubig mit den Köpfen. Dabei ſahen ſie aber keineswegs ver⸗ drießlich aus, vielmehr lag auf jedem Antlitze ein frohes beglücken⸗ des Hoffen es war ja jetzt Friede im Lande! Am 15. Februar hatten ſich Preußen und Oeſterreich zu Hubertusburg verſöhnend die Hände gereicht und nach ſieben langen, ſchweren, angſtvollen Jahren konnte man nun wieder aufathmen.

Zwar ſah es noch allerwärts ſchlimm aus, Handel und Wandel lagen noch ſchwer darnieder, in der Hauptſtadt ſowohl wie in den Provinzen trieb ſich eine Menge abgedankter Soldaten herum und die Gaſthöfe der Reſidenz waren überfüllt von Offizieren, die ihren Abſchied erhalten oder erbeten hatten, und nun auf Civilverſorgungen, kleine Stellen an den Miniſterien oder ſonſt eine Anſtellung war⸗ teten und dabei die Wirthe in Bezug auf das Berichtigen ihrer Rechnungen auf eine harte Probe ſtellten.

Alle dieſe Mißſtände und Unzuträglichkeiten vermochten aber die frohe Stimmung des Volkes nicht zu beeinträchtigen, ſie waren gegenüber den Drangſalen und Aengſten des Krieges viel zu unbe⸗ deutend, und zudem mußte ſich ja nun Alles in der nun begonnenen Friedenszeit regeln und beſſern.

Dieſe Ueberzeugung war auf den Geſichtern aller Spaziergänger zu leſen, die jetzt in der Nachmittagsſtunde trotz des wenig günſtigen Wetters die Linden entlang nach dem Thiergarten wanderten. Um ſo mehr mußte daher das tiefernſte Antlitz eines jungen Mannes auffallen, der, völlig unberührt von dem Geplauder der Vorüber⸗ gehenden, langſam dahinſchritt. Die meiſten der Spaziergänger warfen verwunderte, fragende Blicke auf ihn, denn wer in ganz Berlin kannte nicht den jungen, einſt ſo luſtigen Baron Friedrich v. Hochfeld, der mit der Offiziersuniform, die er jetzt nach dem Frie⸗

Hochfelder Dukaten.

Hiſtoriſche Novelle von Eduard Brannfels.

(Nachdruck verboten.)

densſchluſſe mit dem Civilrock vertauſcht hatte, auch ſeine ganze frühere fröhliche Laune abgelegt zu haben ſchien.

Baron v. Hochfeld ſchien denn auch bald die Aufmerkſamkeit, die man ihm widmete, zu bemerken, ja ſie ſchien ihm ſogar läſtig zu werden; er ſetzte daher ſeinen Spaziergang nicht weiter fort, bog in eine Nebenſtraße und trat bald darauf in ein ſtattliches, wenn auch etwas altmodiſches Haus, in welchem er, ſeit er aus der Armee geſchieden, miethweiſe den erſten Stock inne hatte.

Als er die Treppe hinauf ſtieg, athmete er mehrmals tief auf, als laſte auf ihm eine beklemmende Schwere. In ſeinem Wohn⸗ zimmer angekommen, warf er ſich in einen Seſſel und blickte ſtarr vor ſich hin; dabei lag eine tieſe Traurigkeit in den hübſchen männ⸗ lichen Zügen.

Und der junge Baron hatte auch ein Recht, ſo melancholiſch ernſt zu ſein. Von Hauſe aus ſehr wohlhabend, hatte er das Un⸗ glück gehabt, ſeine Eltern ſehr früh zu verlieren, worauf die Ver⸗ waltung ſeiner beiden anſehnlichen Beſitzungen, des Rittergutes Raudorf unweit Küſtrin und des Schloſſes Hochfeld am Fuße des Harzes, fremden Leuten übergeben werden mußte. Dabei war Vieles rückwärts gegangen, und als er dann das Alter erreicht hatte, in welchem er die Verwaltung hätte ſelbſt in die Hände nehmen, wenig⸗ ſtens überwachen können, da war der lange ſchwere Krieg ausge⸗ brochen, Friedrich hatte als junger Edelmann in die Armee ein⸗ treten müſſen und an eine Ueberwachung ſeiner Güter war nun erſt recht nicht zu denken geweſen. In dem friſchen, wechſelvollen Kriegsleben waren dann bei dem jungen Baron die Sorgen um ſeine Beſitzungen weit in den Hintergrund getreten, die ſpärlichen Einkünfte hatten im Verein mit dem Servis ja immer gereicht, und ſo war er ſtets fröhlich und guter Dinge geweſen. Jett aber geſtalteten ſich die Dinge ganz anders; der Krieg hatte endlich nach ſieben langen Jahren im Hubertusburger Frieden ſein Ende erreicht und alle Offiziere, die nun nur einigermaßen entbehrlich waren, mußten jetzt ihren Abſchied nehmen, denn Friedrich II. ſah ſich zur größten Sparſamkeit gezwungen. Auch der junge Baron Hochfeld war da⸗ her aus dem aktiven Dienſte getreten und hatte ſich nun theils dem geſelligen Leben der Reſidenz, theils der Bewirthſchaftung ſeiner Güter widmen wollen, dabei hatte er aber gewahr werden müſſen, wie bitter er ſich in ſeinen Berechnungen getäuſcht hatte. Sein Gut Raudorf er hatte es kürzlich ſelbſt beſucht war von den Ruſſen ſo gründlich zerſtört worden, daß ſehr erhebliche Kapitalien erforderlich waren, um die Wohn⸗ und Wirthſchaftsgebäude in nur