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Illuſtrirte Ehronil der Zeit.
Jünger, gedenkt in ſeinen Geſprächen des Bernſteins als eines Wunderſpiels der Natur. Der berühmte Philoſoph Ariſtoteles ſchloß aus den im Stein gefangenen Inſekten, daß derſelbe zuvor eine flüſſige Maſſe geweſen ſein müſſe, und ein anderer natur⸗ forſchender Gelehrter, Theophraſtus Erectus, meinte, daß der Stein aus dem Innern der Erde gegraben ſein müſſe, während Philemon endlich behauptete, er ſei von den Strahlen der Sonne bei deren Auf- und Untergang am Rande der Erde ausgeſchwitzt worden. Auch die Fabel von dem Rhodiſchen Phaeton, welcher ein Bern⸗ ſteinhändler geweſen und Schiffbruch gelitten, weshalb ihn ſeine Schweſter Elektryon— ſo viel wie Bernſtein— betrauerte, gehört in den Sonnenmythos, der ſich den Bernſteinſagen anreiht; meinte man doch, daß das Harz, ſeiner lichten Farbe wegen, ein Kind der Sonne ſei, weshalb man dieſe ſelbſt Elektor nannte.
Die Elektroiden oder Bernſteininſeln ſollten nach Einigen das heutige briliſche Inſelreich geweſen ſein, nach Anderen lagen ſie im adriatiſchen Meer. Schließlich galt die Radaune bei Danzig, an deren Ufern zuweilen etwas Bernſtein geſunden worden, als die eigentliche Heimath des letztern. Da dieſes Flüßchen jedoch zu klein, um einen ſo großen Ruf zu verdienen, gab man zu, ſich geirrt und die Düna, die früher Radon geheißen und für die Weichſel galt, und von wo aus viel Bernſtein nach den griechiſchen Kolonien und Seeſtädten im Skytenlande verſandt wurde, gemeint zu haben. Beſonders im Gange war der Tauſchhandel mit podoliſchem Vieh gegen Bernſteinmünzen, und hat man vor nicht allzu langer Zeit, d. h. vor zweihundert Jahren, noch dergleichen Zahlmarken bei Fiſchhauſen an der Weichſel gefunden.
Diodor von Sicilien, welcher angibt, daß von Preußen das goldene Meererz komme, hat ſich ſonach weniger geirrt, als diejenigen Alten, welche Italien für deſſen Heimath, lediglich aus dem Grunde hielten, weil ſich die dortigen Bäuerinnen vorzugsweiſe mit Halsketten aus Bernſteinperlen ſchmücken, und weil man in einigen ausgegrabenen ſteinernen Särgen zu Ancona am adriatiſchen Meere einige Scheffel eigroßer Bernſteinperlen gefunden, womit man als Auszeichnung vor anderen die vornehmen Todten in den Steinſärgen zierte. Doch iſt unter einem italieniſchen Scheffel nur das Viertel des bei uns unter jener Bezeichnung üblichen Maßes zu verſtehen.
Als Handelsartikel ſollen zuerſt die längs dem Oſtſeeſtrande wohnenden Gothen den Bernſtein in Verkehr gebracht haben, die das koſtbare Gut anfangs ſehr gering achteten und als Brenn⸗ und Räucherungsmaterial verwandten, bis ſie ſich mit ſeinem Handel einen einträglichen Geſchäftsbetrieb gründeten.
Die Bezeichnung des jetzt gangbaren Kaufartikels wechſelte nun je nach Zeit und Ort. Harpax hieß er ſeiner Anziehungskraft wegen, da er nicht blos Blätter und Spreu, ſondern auch die Säume der Gewänder an ſich zog, und demzufolge nannte man ſogar alle Bern⸗ ſteinwaaren Harpaga, nach dem nämlichen Prinzip, wie die von Dädalus verfertigten künſtlichen Wachspräparate Dädala geheißen wurden.
Welches Gewicht und ein wie großer Werth dem Bernſtein bei⸗ gelegt wurde, geht daraus hervor, daß, obwohl die preußiſchen Strand⸗
ſteinhexe auf Uſedom entſtehen, einen Vorwurf, welchen der auf der Inſel geborene Schriftſteller A. Meinhold, der ſich in ihre Sagen⸗ welt eingelebt und durch ſie zum Dichter geweiht wurde, romantiſch und in einem Drama behandelte, das wir auf dem Swinemünder Theater erſt kürzlich in Scene gehen ſahen. Die junge ſchöne Paſtors⸗ tochter, welche bei nächtlicher Stunde die goldene Bernſteinader ent⸗ deckt, den Reichthum in ihrer Schürze nach Hauſe trägt und ſich und ihr Vaterhaus dadurch in böſer Kriegszeit vor Noth und Elend ſchützt, auch im Geheimen die Wohlthaten des Ambrazaubers den Kranken im Dorfe zu Theil werden läßt, mußte ſelbſtverſtändlich mit dem Teufel im Bunde ſtehen, mithin eine Hexe ſein und ver⸗ brannt werden. Der Dichter des erwähnten Drama’s läßt das ſchöne Mädchen aus den Händen der verdammenden Richter durch einen freiſinnig denkenden jungen Ritter befreit werden, und ſtatt der vermeintlichen jungen Hexe wird eine alte das Opfer des aber⸗ gläubiſchen Fanatismus.
Das als ſolches zuerſt bekannte Heimathland des Bernſteins iſt Preußen, wo dieſes Harz, von ſchwarzem, leicht bröckelndem Holz umſchloſſen, unweit des Oſtſeeſtrandes ausgegraben wurde. Das Meer wirft dieſes Holz, das man auch zuweilen ſchwimmen ſieht, mit dem Bernſtein aus, und wo die Kraft der Wogen die Arbeit an den bis zum Grunde hinab ſich erſtreckenden Adern nicht voll⸗ bringt, da muß ſie durch den Bernſteinfiſcher mit Lebensgefahr geleiſtet werden. Früher trug man die Netze an langen Stangen ſo weit in das Waſſer hinaus, bis dieſes dem Fiſcher an den Mund reichte, jetzt geſchieht das auf bequemere und praktiſchere Methode.
Die Bearbeitung des rohen Bernſteins vom erſten Fund bis zu den Harpaga oder den wie Gold glänzenden Halsbändern, den vielen Kunſtdrechſeleien aus der die Arbeit lohnenden Maſſe, iſt eine man⸗ nigfaltige und beſchwerliche, denn nachdem das Harz aus der Tiefe geholt worden, iſt es erſt in das rechte Licht zu ſetzen, was der ſo⸗ genannte Klarſieder zu vollbringen hat. Eine weitere Manipulation beſteht in dem Färben der Maſſe in allen Nüancen, von dem bleichſten Gelb bis zu dem tiefſten Braun, Purpurroth, Violett und Grün.
Die Eintheilung der Stücke geſchieht erſtens je nach der größeren Dichtheit und Durchſichtigkeit derſelben; man hat die bleichklaren, die waſſerhellen, die goldgelben, molkenfarbigen, flammigen, bunten und ſchaumigen, aus mehreren Stücken zuſammengeſetzten zu ſondern und zweitens in Berückſichtigung ihrer Formen in Hauptſtücke und Drehſtücke, letztere in allen Größen, von den ſogenannten Tonnen⸗ ſteinen bis zu dem kleinen Knöbel oder Schluckfirniß zu ſcheiden. Der Droguiſten⸗Bernſtein muß, entzündet, einen Balſamduft verbrei⸗ ten. Seit Jahrtauſenden wird Bernſtein gedrechſelt und gedreht, doch gießt und preßt man ihn erſt, ſeitdem es der Wiſſenſchaft ge⸗ lungen, die harte Subſtanz aufzulöſen und in ihre einzelnen Be⸗ ſtandtheile zu zerlegen.
Sehr intereſſant iſt die, den neueſten Nachrichten aus dem Li⸗ banon zufolge, von Dr. Landberg, einem ſchwediſchen Naturforſcher, gemachte Entdeckung eines vier Stunden von Sidon entfernten Bern⸗ ſteinlagers, in welchem ſich nicht nur das Harz, ſondern auch die
bewohner denſelben ſo roh verkauften, wie ſie ihn fanden, ſie von den römiſchen Abgeſandten zu ihrer eigenen Verwunderung doch Rollen Goldes dafür erhielten, und daß auch Plinius gelegentlich einmal bemerkt, wie eine kleine Bernſteinſtatue, aus einem Stück gearbeitet, höher bezahlt worden ſei als ein lebendiger Menſch, während Homer ein Halsgeſchmeide aus Bernſtein und Gold beſchreibt, das geleuchtet habe wie die Sonne. Insbeſondere iſt der Heilkraft gedacht, die dem Bernſtein wider Rheumatismen und ähnliche Leiden inne wohne, und wie man ſich durch das Anhängen von dergleichen Perlen heilen könne. Die als Wunderheilungen betrachteten Einwirkungen von Bern⸗ ſteinräucherungen auf kranke Glieder ließen die Sage von der Bern⸗
Mannig
Eine eigenthümliche Walfiſchart.— In der Moretonbai an der Oſtküſte Neuhollands erſcheint zu Zeiten ein kleiner Walfiſch, den man anderwärts nicht ſieht. Dies Thier wird von den Eingeborenen „Dugong“ genannt und die Koloniſten am Brisbanefluſſe und an der Küſte haben dafür die Bezeichnung„Seeſchwein“, weil der Kopf deſſelben von ſonderbarer Geſtalt und mit einer Schnauze verſehen iſt, die einem Schweinerüſſel gleicht. Das Dugong hat eine dicke weiche Haut, die auf dem Rücken bläulich, auf Bruſt und Bauch weiß iſt. Ausgewachſene Exemplare ſind 18 bis 20 Fuß lang. Zu einer beſtimmten Jahreszeit kommt dieſes Thier an die Küſte, um ſich von Waſſerpflanzen zu nähren, die in der Moretonbai in Menge wachſen. Dann verſammeln ſich auch die Eingeborenen an Ort und Stelle und machen mit Wurfſpeeren Jagd auf die Thiere, welche ſie leicht zu erlegen wiſſen. Das Fleiſch gleicht gutem Ochſenfleiſch und wird von den Schwarzen roh oder geröſtet ver⸗ zehrt, nachdem ſie das Oel ausgepreßt haben, welches ſie an die Kolo⸗
niſten verkaufen. Dieſes Oel iſt außerſt klar und flüſſig, ſo ſchön wie
foſſilen Bäume vorfinden, in denen es erzeugt wurde. Mehrere ſolche mit Bernſtein durchkruſtete Baumſtämme ſind von dem Ent⸗ decker dem Muſeum in Stockholm bereits zugeſandt und demnach gleichzeitig im ſüdlichen und im nördlichen Theil der Erde neue Lager ſeit Jahrtauſenden verſunkener Wälder aufgefunden worden, wodurch die Befürchtung, der viel verbrauchte Stoff könne erſchöpft ſein, ſich als grundlos erweist. Auch braucht der Morgenländer nun fürder nicht mehr nach der Oſtſee zu ſchiffen, um ſich das wunder⸗ bare Meerharz zu holen, deſſen er für die Spitzen ſeiner Tſchibuks ſo ſehr bedarf; er hat nur in dem eigenen Boden ſeines Heimath⸗ landes nachzugraben, um das Erſehnte zu gewinnen.
f 1 t 1 g e S.(Nachdruck verboten.)
Spermaceti, und ganz frei von dem unangenehmen Geſchmack, der dem animaliſchen Oel meiſtens anhaftet. Es wird jedoch nicht in ſo beträcht⸗ licher Quantität gewonnen, daß es einen erheblichen Handelsartikel bilden könnte. Vor einigen Jahren machte ein Friſeur in Sydney den Verſuch, aus dieſem ſchönen Oel ein neues Haarwuchsmittel zu fabriciren, und ver⸗ ſprach ſich im Voraus goldene Berge von ſeiner Erfindung, für die er bereits einen prächtig klingenden Namen ausgedacht hatte. Unglücklicher⸗ weiſe zeigte ſich aber bei dem erſten Verſuch, den er an ſich ſelbſt und ſeiner Frau machte, daß das Oel des Dugong gerade die gegentheilige Wirkung hervorbrachte. Der Friſeur und ſeine Frau, nachdem ſie hoff⸗ nungsvoll die neue weltbeglückende Pomade auf ihren eigenen Köpfen probirt, verloren in wenigen Tagen ihre Haare und blieben auch kahl⸗ köpfig, ſo daß ſie fortan Perrücken tragen mußten. Das vermeintliche Haarwuchsbeförderungsmittel war alſo eigentlich ein Haarwuchsvertilgungs⸗ mittel und mußte nun als ſolches angeprieſen werden. F. L. Treffliche Empfehlung.— Der Commis einer Seidenwaaren
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