Jahrgang 
14-26 (1877)
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Um das zu ſehen, müßte ja aber Hugo in dem Schlafgemach der Tante geweſen ſein und dann wäre ihm doch nicht entgangen, daß die Kranke Gift bekommen?

Seine Gegenwart in dem Sterbezimmer war nicht vonnöthen, Fräulein, um zu beobachten, was darin vorging. Hugo konnte ja die Thüre, welche aus dem Salon in das Zimmer der Tante führt, in ähnlicher Weiſe durchbohrt haben, wie dies mit den anderen Thüren geſchehen iſt!

Eliſe ſchloß die Augen, ſie ſchien einer Ohnmacht nahe, aber die Verzweiflung gab ihr Kraft, noch einmal raffte ſie ſich auf Wer wer hätte denn den Mord begehen ſollen und warum? fragte ſie.

Fernthal legte ſeine Hand ſchwer auf des Mädchens Arm und ſprach feierlich:

Das weiß nur Gott und Sie, denn Sie ſind die Mörderin!

Ein unterdrückter Schrei, der wie ein Röcheln klang, war Eliſens einzige Antwort, mit faſt verglasten Blicken ſtarrte ſie den Ankläger an, der mit feſter Stimme fortfuhr: 1

Sie waren die Veranlaſſung, daß Hugo's Verlobung gelöst ward, indem Sie deſſen erſter Braut Briefe voll verleumderiſchen

Illuſtrirte Chronik der Zeit

Inhaltes ſchrieben, denn Sie liebten Hugo, ſpäter traten Sie ſelbſt

zu ihm in ein Verhältniß, nachdem Ihre ſchändliche Abſicht ge⸗ lungen. Als dann der junge Mann ſeine Beziehungen zu Ihnen löste, gaben Sie ihn noch nicht auf, ſondern erwarteten geduldig das Wiedererwachen ſeiner Liebe zu Ihnen. Erſt nachdem Sie aus ſeinem eigenen Munde erfahren, daß er ſich mit einer Anderen verlobt, wandelte ſich Ihre Neigung in den bitterſten Haß. Sie ſannen auf Rache! Bei einem Beſuche im Atelier Wallberg's entwendeten Sie das Fläſchchen mit Cyankali als er dann ſeine Braut in das Haus gebracht, die heftigen Scenen mit der Tante ſtattgehabt, und auch Ihr letzter Verſuch, Hugo anderen Sinnes zu machen und ihn zu bewegen, von dem Mädchen abzulaſſen, fehl⸗ geſchlagen war, da überwältigten Sie die böſen Leidenſchaften. Die Umſtände waren günſtig, das Opfer Ihrer Rache konnte Ihnen nicht entgehen. Deshalb nun mußte die Unſchuldige die erſte Beute Ihres Haſſes werden die arme Räthin Wallberg empfing aus den Händen ihrer Pflegerin den Todestrank! Nach vollbrachter That ſchlichen Sie hinaus, um ſich zu überzeugen, daß Niemand Sie belauſcht, Sie fanden den Handſchuh Hugo's und legten ihn vor das Lager der Todten, um den Verdacht noch zu vermehren, der den Neffen treffen mußte, ſpäter beobachteten Sie Hugo, als er das Giftfläſchchen, das Ihre Hand auf ſeinen Schreibtiſch geſtellt,

Humoriſtiſches. V

a⸗ D, 1M

V P mm SD V Sie: Sag mal, Männchen, von was für Bildern iſt denn da die

Rede beim Wittenberger Bilderſtreit? Er: Hm, hm, Bilder? Streit!? ſagſt Du hm na dann

jedenfalls von Weibsbildern.

thörichterweiſe in der Kaſſette verbarg. Ein anonymer Brief machte das Gericht mit dieſer Thatſache bekannt daß alle dieſe Briefe von Ihnen geſchrieben wurden, haben Sachverſtändige bereits konſtatirt, Sie

Fernthal brach ab eine plötzliche Veränderung in Eliſens Zügen zeigte ihm, daß ſie das Bewußtſein verloren. Einer der Herren, die ſtumme Zeugen der ſchrecklichen Scene geweſen, rief Hilfe herbei; Henriette erſchien und wandte alle in ſolchen Fällen gebräuchlichen Mittel an. Endlich erholte ſich Eliſe und bat mit matter Stimme, man möge ſie allein laſſen.

Es wurde ihr darauf ſchonend mitgetheilt, daß ſie ſich bereiten ſolle, in das Gefängniß zu folgen, da ihre Verhaftung geboten erſcheine unter den obwaltenden Umſtänden, auch gebe man ihr zu bedenken, daß ein offenes, reumüthiges Geſtändniß das Einzige ſei, was ihre große Schuld mildern und ſie mit Gott und den Menſchen verſöhnen könne..

Eliſe hörte ruhig alle die Worte an, welche jetzt auch von den Uebrigen an ſie gerichtet wurden, nur als man von ihrer ſofortigen Verhaftung ſprach, zuckte ſie zuſammen und murmelte vor ſich hin: Die Schande die Schande!

Darauf verfiel ſie wieder in ihre vorherige Apathie, und als

Hat unſer alter Magiſter ümmer geſagt e Sprichwort:Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Ach, das iſt e graußer Errthum. Wie ich war e Hänsche, hob' ich net gelernt zu zeichne, was war werth ain rothen Heller; als ich aber bin geworden nu e graußer Hans, kann ich doch zeichne e ganze Milliaun.

Fernthal noch einmat in ſie drang, ein offenes Bekenntniß abzu⸗ legen, erwiederte ſie leiſe:

Jetzt nicht, hier nicht dort!

So folgen Sie uns, ſagte der Polizeibeamte.

Geſtatten Sie mir, daß ich meinen Anzug wechſele und einige Wäſche zuſammenpacke, ſprach Eliſe, ſich ſchwankend auf⸗ richtend.Einen Fluchtverſuch kann ich nicht wohl machen, ſügte ſie bitter hinzu.

Dieſe Bitte konnte nicht wohl abgeſchlagen werden, Fernthal, dem es jedoch nicht rathſam ſchien, das Mädchen ganz allein zu laſſen, verſprach ihr eine halbe Stunde Zeit zu gewähren, wenn Henriette, die er vorher inſtruirt hatte, mit im Zimmer bleibe. Er fürchtete, daß Eliſe Papiere verbrennen wolle, die vielleicht geeignet ſeien, ſie zu kompromittiren, und daß ihre ſcheinbare Fügſamkeit erheuchelt ſei.

Wider Erwarten ging Eliſe ſogleich auf dieſen Vorſchlag ein, die Männer entfernten ſich, dann trat Henriette in das Gemach.

Sobald die Thüre geſchloſſen, ſetzte ſich Eliſe wieder an ihren Schreibtiſch und begann mit feſter Hand ein Blatt Papier zu be⸗ ſchreiben. Ihr Antlitz war todtenblaß und die Augen hatten einen

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