Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit. 351

und verſpeiste mit Begier die Damper. Man ſah ihm an, daß er Hunger hatte.

Ich ſchätze, Ihr wollt heute Nacht nicht mehr nach Long Gully? fragte Macgregor.

Das wäre eine etwas harte Strapaze für meine Knochen, denn ich habe ſeit heute Früh bereits 15 Miles gemacht im rauheſten Gebirge.

So übernachtet bei uns.

1Danke, Mate. Wenn Eure Kameraden damit einverſtanden ſind...

Gewiß, Sir, verſetzte Karl Vogel.Bei uns herrſcht Gaſt⸗ freundſchaft.

Ihr ſeid ein Deutſcher, Sir?

Ja. Von woher kommt Ihr?

Vom oberen Columbine.

Das iſt ziemlich weit von hier, meine ich.

Sechs tüchtige Tagemärſche.

Sind dort oben im Norden ſchon Minen aufgethan?

Einige wenige. Die Goldſucher ſind dort noch nicht ſo dicht geſäet, wie hier unten am Foreſt⸗Creek, wo ſie ſo zahlreich ſind, wie die Roſinen in einem engliſchen Hochzeitsplumpudding. Man kann am Columbine tagelang durch den Gumwald marſchiren, bevor man das Geräuſch einer Cradle(Wiege zum Goldwaſchen) oder einer Spitzhacke hört.

Habt Ihr allein in der Gegend umherproſpektet oder habt Ihr dort Geſellſchaft?

Ich habe Geſellſchaft, zwei Engländer, weggelaufene Matroſen.

Ihr ſeid auch Engländer?

Ja, Mate.

Und wie iſt Euer Name?

Ich heiße Jack Adams, doch genügt es im Buſch, mich Jack zu nennen, denn ich mache hier nicht Anſpruch darauf, als Gentleman zu erſcheinen.

Was iſt Eure eigentliche Profeſſion?

Ich bin Seemann. Zuletzt fuhr ich als Steuermann zwiſchen Neuſeeland und Sydney.

Unſere Geſellſchaft beſteht auch aus ehemaligen Seeleuten. Ich und mein Bruder waren Matroſen auf einem Bremer Schiff. Unſer Kamerad da fuhr als Schiffszimmermann.

Ihr ſeid zu Dreien??

Nein, wir ſind unſerer Vier. Ein Kamerad von uns, ein ehemaliger Schiffskoch, iſt abweſend. Er kauft im Store zu Long Gully Proviſionen ein.

Potz Blitz! rief der Schwarzbärtige vergnügt,da iſt hier ja eine ganze Maatſchaft zuſammengekommen! Man könnte glauben, in einem Vorderkaſtell zu ſitzen! Wie heißt ihr denn, meine luſtigen Theerjacken?

Die drei Goldgräber nannten dem Gaſte ihre Namen.

Wie geht es mit eurem jetzigen Geſchäft? fragte Letzterer darauf.Puddelt ihr viele von den goldenen Nuggets heraus?

Bis jetzt verwünſcht wenig, brummte der Schotte.Was wir gefunden haben, reichte hin für Eſſen und Trinken, für die

Licenz auch, und nicht viel weiter. Und dabei iſt die Plagerei

noch größer als auf der Sce. Zuerſt verſuchte ich das Glück am Berge Alexander, aber der iſt ſchon ſo fauber abgekratzt, daß man nicht den kleinſten Nugget mehr dort finden kann.

So ganz miſerabel iſt unſer Platz doch nicht, ſagte jetzt Karl Vogel.Wir brauchten nicht all' unſer Gold zu Einkäufen nach Long Gully zu ſchicken; einige Nuggets haben wir noch übrig, kleine niedliche Nuggets.

Dabei zog er aus der Taſche einen ledernen Beutel und ſchüttelte daraus in die hohle Hand etwa 20 Goldkörner von durchweg Erbſengröße.

Plunder! rief mit verächtlichem Lachen der Schwarzbärtige. Dergleichen Zeug nennt man alſo am Foreſt⸗Creek und Long Gully Nuggets! Ich ſage euch, Mates, am Columbine bückt man ſich gar nicht, um ſolche Kleinigkeiten aufzuheben. Seht her, meine Herzchen, und ſchaut, was man am geſegneten oberen Columbine Nuggets nennt. Ei ja, dort gibt es noch reiche Goldneſter aus⸗ zunehmen.

Er griff in die Taſche ſeiner zerlumpten Jacke und zog einen ſtarken ledernen Beutel von beträchtlicher Schwere hervor. Daraus ſchüttelte er eine Anzahl goldener Nuggets, vor denen ſich aller⸗ dings dieErbſen unſerer Goldgräber verſtecken mußten, in ſeine hohle Hand. Da war kein Klumpen unter Wallnußgröße.

Alle Wetter! rief Macgregor überraſcht,Ihr habt das richtige Loch in Auſtralien gefunden, Mate!

Auch die beiden Deutſchen betrachteten mit gierigen Blicken das funkelnde edle Metall und gaben ihrer Bewunderung durch überſchwengliche Worte Ausdruck.

O, ich habe mehr davon dort oben am Columbine, verſetzte darauf nachläſſig der Gaſt.Meine Kameraden und ich haben in den letzten drei Wochen mehr als 300 Pfund Gold herausgepuddelt, darunter Nuggets bis zu zehn Pfund Schwere. Ich konnte natür⸗ lich nicht alles mit mir ſchleppen, ſondern nahm nur ſo viel mit auf den beſchwerlichen Marſch, um eine ſehr reichliche neue Aus⸗ rüſtung für meine Geſellſchaft kaufen zu können. Wir haben keine Proviſionen, keine Munition und keine ordentlichen Kleider mehr. Unſere beiden Pferde haben ſich in der Wildniß verlaufen und unſere Zelte wurden von den Eingeborenen geſtohlen, als wir einmal auf der Jagd waren. Nur Gold haben wir, viel Gold!

Ihr ſeid glückliche Burſchen, ſagte Karl Vogel ſeufzend. Wenn wir hier nur erſt ſo weit wären! Doch das hat wohl noch gute Wege!

Teufel und Donner! ſchrie der Schotte aufgeregt.Was ſollen wir uns hier noch länger plagen, wenn das Gold am oberen Columbine in großen Klumpen liegt! He, Kamerad, Ihr habt wohl noch nicht alle hübſchen Nuggets aufgeſammelt? Es werden wohl noch einige übrig geblieben ſein für uns arme Schlucker!

Sollt' es meinen! verſetzte lachend der Schwarzbärtige.Ihr gefällt mir, meine luſtigen Jungen, und ich bin gerne bereit, eure Naſen auf die richtige Goldſpur zu bringen, denn ich gönne euch herzlich gerne ein bischen Glück. Ja, ich bin ſogar geneigt, mit euch auf ein Compagniegeſchäft mich einzulaſſen, ſofern meine Bedingungen euch recht ſind.

Laßt hören, Mate, was Eure Meinung iſt! Zunächſt verſteht es ſich, daß wir den neuen reichen Fundort ſtreng geheim halten. Das erfordert ja auch unſer eigenes Intereſſe.

Nun denn, Mates, meine Bedingungen ſind dieſe: Ihr helft uns, die reichen Goldneſter vollſtändig auszuräumen, dann erhaltet ihr Vier von der Geſammtausbeute zwei Fünftel, die anderen drei Fünftel bleiben für mich und meine zwei Kameraden. Ich garan⸗ tire aber Jedem von euch 5000 Pfund Sterling.

Angenommen! riefen die drei Goldgräber fröhlich.Wenn wir Jeder 5000 Pfund Sterling haben...

So iſt euch nichts mehr daran gelegen, in dieſem erbärmlichen verbrannten Auſtralien zu bleiben?

Nein! Dann verlaſſen wir ſogleich dieſes miſerable Land!

Wir Beide kehren nach Deutſchland zurück!

Ich nach Glasgow!

Vortrefflich! ſprach der Schwarzbärtige zufrieden.Denn eure Bereitwilligkeit, Auſtralien zu verlaſſen, iſt nothwendig für die hauptſächlichſte Gegenleiſtung, die ich fordere.

Wir willigen in Alles!

Wißt nämlich, ich bin mit der Polizei in Konflikt.

Nun, wenn's weiter nichts iſt! Dies Schickſal theilt Ihr mit Tauſenden in Auſtralien.

Kommt die berittene Polizei bisweilen hieher?

Nein, wir haben noch niemals einen dieſer Burſchen hier ge⸗ habt. Vermuthlich hat ſie genug zu thun weiter unten im Lager. Was habt Ihr denn eigentlich mit ihr zu ſchaffen, Mate?

Ich habe einen Schooner weggeſetzt in der Bucht von Geelong. Der Kapitän, der Angſt hatte, daß ſeine Mannſchaft deſertiren würde, wie ſo viele Andere beim Ausbruch des Goldfiebers, wollte uns nicht an's Land laſſen, ſondern verkehrte durch ein Lichterſchiff mit dem Hafen. Da verſchwor ich mich mit einigen Matroſen zu einer Meuterei, und nächtlicher Weile ſetzten wir den Schooner auf den Strand. Dann nahmen wir die Jolle und entflohen. Nun könnt Ihr denken, daß man mein Signalement in allen Häfen bekannt gemacht hat. Es iſt alſo Gefahr für mich, das Land mit meinem geſammelten goldenen Reichthum zu verlaſſen. Erwiſcht man mich, ſo werde ich beſtraft, und ſchlimmer noch, ich muß dann auch den Schooner und ſeine größtentheils zu Grunde gegangene Ladung er⸗ ſetzen. Mein Plan bei unſerem Compagniegeſchäft iſt, daß nachher ein kleiner Schooner gekauft wird für unſere gemeinſchaftliche Rech⸗ nung, auf dem ich dann mit meinen Kameraden mich heimlich ein⸗ ſchiffen kann. Wir ſegeln dann nach Neuſeeland, verkaufen dort dde Schiff, und dann mag Jeder ſeinen Kurs ſteuern, wohin er will.

Ihr könnt den Schooner ſelbſt führen?

Ja; ich habe als Steuermann ſchon mehrmals die Fahrt ge⸗ macht. Seid ihr mit meinem Vorſchlag einverſtanden?

Ja! riefen die Goldgräber.

Schön, ſagte Adams und ſchüttelte Jedem beſonders die Hand, wodurch auf auſtraliſche Weiſe der Kontrakt abgeſchloſſen war. Dann fuhr er fort:Wegen meines unangenehmen Handels mit der Po⸗ lizei muß ich es vorziehen, ſelber nicht nach dem Zeltlager am Long Gully zu wandern. Das Beſte iſt, ihr Drei geht hin und beſorgt die Einkäufe, darunter zwei gute Laſtpferde, nachdem ihr mein Gold zu einem möglichſt hohen Preis verkauft habt. Es braucht nicht