Illuſ
geſpart zu werden. Wir können morgen zuſammen überlegen und aufſchreiben, was gekauft werden muß.“
Die Deutſchen und ihr ſchottiſcher Kamerad waren ſehr zu⸗ frieden mit den Vorſchlägen des Schwarzbärtigen. Wurde ihnen dadurch doch die ſichere Anwartſchaft auf Reichthum eröffnet. Daß der Gaſt früher ein Schiff weggeſetzt und alſo ein Verbrechen be⸗ gangen, kümmerte die ſorgloſen Seeleute nicht ſonderlich. Derartige Streiche paſſirten damals häufig an der auſtraliſchen Küſte.
Es wurde noch vielerlei von den vier Männern beſprochen. An Schlafen dachte vorläufig Niemand, obgleich Mitternacht nahe war.
Plötzlich erſcholl Geräuſch vom Abhang.
Van Tromp und ſein Eſel kamen in die Schlucht. Das Grau⸗ thier ganz nüchtern und ernſthaft, der ehemalige alte Schiffskoch da⸗ gegen höchſt betrunken.
„Dachte ich's doch!“ rief Karl Vogel ärgerlich.„Tromp hat gewiß wieder die Hälfte der Whiskeyflaſchen unterwegs ausge⸗ trunken!“
„Nicht ſo viel, Charley, mein Herzchen!“ ſtammelte der kleine dicke Koch vergnügt.„Wen haben wir da? Das iſt ja ein Gentle⸗ man, den ich kenne. He, Male, hat man Euch nicht einmal vor fünf Jahren in Syd⸗ ney aufgehängt?“
„Dummkopf!“ rief Macgregor,„wie kann man den Mann auf⸗ gehängt haben, da er doch leibhaftig hier am Feuer ſitzt?“
„Das iſt richtig!“ murmelte der Alte ver⸗ Zutzt.„Aber wirklich, Mate, mit Eurem ſchwarzen Bart ſeht Ihr ſo aus wie Bob Hawkins, der Pirat, und Ihr könntet ſein Geiſt ſein.“
„Ich bin nicht Bob Hawkins, der Pirat, nuch nicht deſſen Geiſt, ind auch hat man mich niemals aufgehängt,“ prach der Schwarz⸗ zärtige ruhig.„Schlaft Furen Rauſch aus, al⸗ ter Burſche!“
„Schwatze keine Dummheiten weiter, Tromp!“ rief der Schotte.„Der Gentle⸗ man iſt unſer Freund und Compagnon und wird uns an einen Ort führen, wo wir Jeder einen Scheffel Goldaus⸗ puddeln können!“
„Ich ſage kein Wort weiter,“ brummte der Holländer.„Es iſt wohl richtig, ein Ge⸗ hängter kann nicht mehr in der Welt herumſpazieren, alſo haben meine alten Augen mich getäuſcht. Na, packt den Eſel ab, Mates! Ich lege mich ſchlafen.“
„Und wir wollen auch die Ruhe ſuchen,“ ſprach Adams. „Morgen können wir uns weiter beſprechen. Gebt mir eine gute Decke!“
Man beeilte ſich, ſeinem Wunſche zu willfahren. Die Deut⸗ ſchen nahmen dem Laſteſel die Ladung ab und ließen das Thier dann nach dem gewohnten Waideplatze hintraben. Demnächſt ſuch⸗ ten auch ſie ihre Lagerſtätten auf. Eine Viertelſtunde ſpäter um⸗ fing ein geſunder Schlummer die fünf Abenteurer.
Eine Frau vom Stamme der Pölh.(S. 359.)
„ Am folgenden Morgen beſchäftigte man ſich ſogleich mit den
Vorbereitungen zu dem beabſichtigten Zug in die Wildniß am oberen
Columbine..
Zunächſt ſchaute Adams ſich die Grube unſerer Goldſucher an und erklärte dann verächtlich, daß es nicht der Mühe werth ſei, ein ſolches Loch auszubeuten. Da wolle er ihnen ganz andere Goldneſter zeigen, wenn ſie erſt das Ziel der Reiſe erreicht hätten.
Einſtweilen aber war es nothwendig, ſich mit Vorräthen zu
trirte Chronik der Zeit.
verſehen, und Karl Vogel notirte alſo auf ein Blatt Papier das Verzeichniß der Gegenſtände, welche gekauft werden ſollten.
Zwei kräftige Pferde ſtanden obenan als erſter Artikel, dann zwei Zelte, Decken, Kleider, Lebensmittel, vornehmlich Mehl, Speck, Salz, Kaffee, Zucker, Thee und Whiskey, endlich Waffen. Adams beſtand darauf, daß mehrere theure Sharp'ſche Büchſen, einige Colt'ſche Revolver, ſechs lange Bowiemeſſer, ſowie eine entſprechende Menge Munition gekauft werden ſollte. Die Deutſchen gaben ihre Ver⸗ wunderung über dieſen großen Waffenvorrath zu erkennen, allein darauf erklärte Adams gelaſſen, daß es nothwendig ſei, ſich für längere Zeit zu verſorgen, erſtlich um der Jagd willen, und dann, um etwaige Angriffe der Eingeborenen erfolgreich zurückzuſchlagen.
Die Brüder Vogel und Macgregor nahmen den größten Theil des Goldes in Empfang und machten ſich mit dem Laſteſel auf den Weg nach Long Gully. Als ſie dort in dem angeſehenſten Store des Zeltlagers ihre Nuggets verkauften und dann eine Menge Waa⸗ ren einhandelten, erregte dies einige Aufmerkſamkeit. Man ver⸗ muthete, daß die bisher wenig beachtete Minergeſellſchaft einen reichen Placer entdeckt habe. Es gelang unſeren Goldgräbern für ſehr theu⸗ ren Preis ein paar ſtattliche kräftige Pferde zu erwerben, welche ſammt dem Eſel mit den angeſchafften Gegenſtänden ſchwer beladen wurden. Spät am Abend kehrten ſie heim
nach der einſamen Schlucht, wo Adams ſeine Zufriedenheithin⸗ ſichtlich der guten Ver⸗ wendung ſeines Goldes ausſprach und dann mit lebha tem Eifer die Büchſen und Revolver unterſuchte, deren Vor⸗ trefflichkeit er laut rühmte.
Macgregor ſchlug vor, daß der Aufbruch in der Frühe des an⸗ deren Tages ſtattfinden ſolle, damit nicht ſpio⸗ nirende Gambuſinos vom Long Gully noch in letzter Stunde her⸗ beikommen und ſie un⸗ angenehm beobachten könnten. Mit dieſem verſtändigen Vorſchlag waren alle Betheiligten einverſtanden.
Als die Sonne von Neuem aufging, ſetzte ſich der Reiſezug in Bewegung. Voraus ſchritt als Führer der ſchwarzbärtige Adams, der jetzt nicht mehr wie ein Vagabund aus⸗ ſah. Denn er trug ei⸗ 1 nen ganz neuen Miner⸗ anzug, ein flammendrothes Flanellhemde, hohe weiche Stiefel, einen breitrandigen Strohhut und in ſeinem Gürtel ein neues Bowiemeſſer, ſowie zwei Revolver. Die alte Flinte hatte er zum Gepäck geworfen
Ein Mann vom Stamme der Pölh.(S. 359.)
und dafür eine der koſtbaren Sharp'ſchen Büchſen auf die Schulter
genommen.—
Die beiden Deutſchen, der Schotte und der Holländer folgten ihm als Leiter der Laſtpferde und des Eſels, welche häufig nur mit Mühe über das unwegſame Terrain geführt werden konnten. Denn
Bäche und Sümpfe mußten durchwatet, Schluchten durchkrochen und
ſteile Höhen überſtiegen werden. Das ſtachelichte Geſtrüppe ſtand bisweilen ſo dicht, daß die Reiſenden mit den Bowiemeſſern Bahn hauen mußten, um die Thiere durchzubringen. Trotz aller dieſer Schwierigkeiten, die namentlich Adams vortrefflich zu überwinden verſtand, kamen ſie raſch vorwärts und legten am erſten Tage ſech⸗ zehn engliſche Meilen zurück. In der Gegend gab es hie und da an den Ufern der Creeks und in den Schluchten Stellen, wo ver⸗ einzelte kleine Minergeſellſchaften ihr Glück verſuchten. Solche Pla⸗ cers wurden behutſam umgangen. Galt es doch für politiſch in den Golddiſtrikten, die reichen Fundſtätten geheim zu halten und nicht andere Leute auf die Spur zu locken.
Auch an den drei folgenden Tagen war der Weg beſchwerlich, denn noch befand man ſich im rauhen Gebirge, deſſen nördliche
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