350 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
2 5. ₰ 4 2 ½ 1. 7 Fald nach der Entdeckung der Goldfelder in Neuſüdwales
entdeckte man auch das werthvolle⸗Metall in der Pro⸗ vinz Viktorig und binnen Kurzem wurden durch die dort eröffneten Minen die älteren Diggings am Turon und bei Bathurſt in Schatten geſtellt.
Im Auguſt 1851 begann zuerſt die Arbeit des Gold⸗ waſchens an den Ufern des Fluſſes Laddon, am Fuße des Cluneshügels, der vulkaniſchen Urſprungs ſein ſoll und ſich weithin ſichtbar aus der Ebene erhebt. Das Gouvernement ſandte ſogleich einen Kommiſſär dorthin, um wie am Turon eine Abgabe für die Licenzen zu erheben. Aber das Wetter war ungünſtig, die Ausbeute vorläufig gering, und die Leute weigerten ſich, die hohe Abgabe zu zahlen. Sie brachen ihre Zelte ab und zogen ſich weiter in's Gebirge zurück, wo der Zufall ſie das reiche Goldlager von Ballarat entdecken ließ. Es wurde raſch ſehr viel Gold geſammelt. Das Wetter und damit auch die Stimmung der Leute beſſerte ſich, und Letztere bezahlten nun willig die Licenzen.
Im September gelangte ein einzelner Mann an den Berg Alexander und fand dort Gold in kleinen Nuggets dicht unter der Erdoberfläche. Mit ſeinem Taſchenmeſſer kratzte er die Klumpen heraus und als Ertrag einer Tagesarbeit brachte er einen ganzen Theekeſſel voll Gold-nach Ballarat, wo er ſich ſogleich in der Freude ſeines Herzens in einem Schenkzelt zu Tode trank. Eine ungeheure Menſchenmenge wälzte ſich nun von Ballarat nach dem Berge Alexander. Fünf Tage nach der Entdeckung waren dort bereits 8000 Menſchen bei der Arbeit. In dem nahe gelegenen Foreſt⸗ Creek wurde auch Gold gefunden und zwar in Klumpen bis zu 20 Pfund Schwere. Schon im November lagen drei Tons Gold im Zelte des Kommiſſärs, um unter Sicherheitsgeleit nach Melbourne transportirt zu werden. Die Nachricht von den neu entdeckten wunderbaren Reichthümern lockte die Goldgräber vom Turon in Schaaren herbei. Im Mai 1852 glich der Berg Alexander einem rieſigen Ameiſenhaufen. 40,000 Menſchen waren emſig beſchäftigt, dieſen mäßig hohen Hügel von oben bis unten zu durchwühlen und der durch die Wildniß zu dem neuen Eldorado gebahnte Weg war bedeckt mit Fuhrwerken, Reitern und Fußgängern. Eine Zelt⸗ ſtadt entſtand wie durch Zauberei am Berge ſelbſt und darin ſorgten Hunderte von Schenkwirthſchaften und Kaufläden für die Amüſe⸗ ments und Bedürfniſſe der Goldgräber.
In dem Gumwalde am Foreſt⸗Creek hatte in einer jähen Thalſchlucht eine kleine Geſellſchaft von Goldſuchern ſich zuſammen gefunden, beſtehend aus zwei deutſchen Brüdern Namens Karl und Hermann Vogel, einem Schotten Macgregor und einem holländiſchen ehemaligen Schiffskoch, der den berühmten Namen van Tromp führte, aber in nichts dem Seehelden dieſes Namens ähnlich war.
Die Deutſchen waren junge Leute von 25 bis 30 Jahren. Sie kamen als Matroſen mit einem Bremer Schiff nach Sydney, wo ſie ſich ablohnen ließen, da das Goldfieber ſie ergriff. In den Diggings bei Bathurſt hatten ſie übrigens nicht viel Glück gehabt und ſich nur mit Mühe durchhelfen können. Deshalb hatten ſie ſich dem neuen Eldorado zugewandt, in der Hoffnung, daß ihnen ein beſſerer Erfolg am Foreſt⸗Creek lächeln würde.
Der Schotte Macgregor war ein finſterer Vierziger, ein zäher, muskulöſer ehemaliger Schifſszimmermann, fleißig bei der Arbeit, ſchwe gſam und verſchloſſen in ſeinem Weſen, aber dabei reizbar und zum Jähzorn geneigt. Er hatte zuerſt mit einer Geſellſchaft von Eng ändern und Amerikanern zuſammen gearbeitet, doch ſich nicht mit dieſen Stammesverwandten vertragen können und ſich deshalb den Deutſchen zugeſellt, deren Friedfertigkeit ihm gefiel.
Der Holländer war ein munterer alter Burſche, ſchon an die 60 Jahre alt, der als Schiffskoch die ganze Welt bereist hatte, bis er in Melbourne, wie ſo viele Andere, von der Manie des Gold⸗ ſuchens ergriffen wurde und ſein Schiff im Stich ließ, um nach den Diggings zu marſchiren. Er beſorgte die Küchen⸗ und anderen häuslichen Geſchäfte. Wenn er damit fertig war, ſo puddelte er luſtig mit im Creek und in den Gruben, und er hatte dann ge⸗ wöhnlich das Glück, die beſten Funde zu machen. Sein einziger Fehler war, daß er ſich ſo oft wie möglich betrank. Darüber ſahen die Anderen aber gerne hinweg, weil van Tromp ein zu werthvolles Mitglied der Societät war, erſtens als vorzüglicher Koch und dann als glücklicher Finder.
Scechs engliſche Meilen von dem einſamen Zelt in der Schlucht befand ſich ein großeres Zeltlager mit einigen Stores und Schenk⸗ wirthſchaften. Von dorther mußten die Vorräthe an Lebensmitteln
1 X
Unter den Buſchrähndſchern.
Südauſtraliſches Lebensbild von Felix Lilla.
(Nachdruck verboten.)
und anderen Bedürfniſſen geholt werden. Es gehörte dies zu des
Holländers Geſchäften, deſſen Begleiter bei ſolchen Ausflügen ein alter ruppiger Laſteſel war, welchen die kleine Geſellſchaft billig von einer in's Elend gerathenen anderen Goldgräbertruppe gekauft hatte.
Es war an einem ſchönen Sommerabend nach vollbrachter Arbeit. Die ausgetrockneten Blätter der Gumbäume auf dem Ab⸗ hang raſchelten geſpenſtig im Lufthauch, das Waſſer im Creek mur⸗ melte leiſe und melodiſch, und der Vollmond ſtand hoch über der Schlucht, mit ſeinem bleichen Schimmer phantaſtiſch die eintönige auſtraliſche Landſchaft überfluthend.
Vor dem Zelt war ein Feuer angezündet, an welchem der ältere der beiden Deutſchen, nämlich Karl Vogel, eben Thee gekocht hatte. Jetzt lag er neben dem Bruder auf der Wollendecke aus⸗
geſtreckt und plauderte mit ihm von den Lieben daheim in Deutſchland.
Etwas abſeits ſaß der Schotte, ſchweigend ſeine Pfeife rauchend und wie gewöhnlich in finſtere, ſtille Betrachtungen vertieft.
Van Tromp war abweſend auf der Reiſe nach dem Zeltlager am Long Gully, um Mehl, Speck und Whiskey einzukaufen. Er hätte längſt zurück ſein können, aber man war es bei ihm ſchon gewohnt, daß er ſich in irgend einem Schenkzelt verſpätete.
„Ich glaube, es iſt nutzlos, noch länger auf Tromp zu warten,“ ſagte Hermann gähnend.„Wahrſcheinlich kommt er erſt morgen Früh. Wir haben heute ein gutes Stück Arbeit hinter uns und wollen nun der Ruhe pflegen. He, Mac, ſeid Ihr nicht meiner Meinung? Worüber denkt Ihr jetzt ſo tiefſinnig nach?“
„Ich denke, daß wir in dem verwünſchten Loch nicht viel finden werden, brummte der Schotte mürriſch.„Der blaue Thon, den wir nun endlich erreicht haben, ſieht nicht vielverſprechend aus.“
„Nun, bisher haben wir doch in dieſer Schlucht mit einigem Erfolg gearbeitet,“ bemerkte Karl.„Wir ſind auf unſere Koſten gekommen und haben auch noch etwas übrig.“
„Es iſt aber doch kein Lohn für die Hundearbeit. Wenn's nicht bald reichlicher kommt, gehe ich wieder nach Melbourne und verdinge mich auf ein Schiff!“
„Ha!“ rief Karl nach einer kleinen Pauſe,„da kriecht was im Buſch herum! Hörtet Ihr dies Geräuſch? Das muß Tromp ſein!“
„Nun, der weiß doch den richtigen Weg zu finden.“
„Wahrſcheinlich hat er des Guten zu viel gethan.“
„Kuih, kuih, kuih!“ erſcholl jetzt der auſtraliſche Waldruf oben vom Abhang herunter.
„Es iſt ein Fremder!“ ſagte der Schotle. Er ſprang auf die Füße und ließ ſeinerſeits ein kräftiges„Kuih!“ erſchallen.
Gleich darauf zeigte ſich die fremde Perſönlichteit, welche unter den Bäumen hervortrat und ſich dem Lagerplatz näherte.
„Kommt zum Feuer, Fremder!“ rief Macgregor mit rauher Herzlichkeit.„Die Damper ſind heiß und ein guter Schluck Thee iſt auch noch im Keſſel!“
Der Ankömmling war ein ſchlanker hochgewachſener Mann mit bleichem hagerem Antlitz, funkelnden Augen und lang herab⸗ hängendem ſchwarzem Bart und Haupthaar. Er mochte etwa 45 Jahre zählen und zuletzt eine ſtrapazenreiche Reiſe durch den Buſch gemacht haben, wie ſeine ſchrecklich zerriſſene Kleidung andeutete. Ein langes Meſſer hatte er im Gürtel ſtecken und eine alte Kugelbüchſe in der Hand.
Obgleich er in ſeiner zerlumpten Jacke und dem rothen zer⸗ fetzten Flanellhemde recht wie ein Strolch ausſah, der nicht einmal eine Kopfbedeckung beſaß, wurde er doch herzlich willkommen geheißen, denn zur Zeit des Goldfiebers ſah ja ſo ziemlich Jedermann im auſtraliſchen Buſch wie ein Vagabund aus und auch die vier Perſonen unſerer kleinen Minergeſellſchaft machten von dieſer Regel keine Ausnahme.
„Wie weit iſt's von hier noch zum Lager am Long Gully?“ fragte der Fremde.
„Sechs Miles,“ verſetzte der Schotte.
„Iſt der Weg paſſabel?“
„Für Leute unſerer Art recht gut. Freilich ein bischen über⸗ wuchert mit Geſtrüpp und Dorngeſträuch. Aber es kann Euch ja nichts daran gelegen ſein, wenn Ihr mit Euren Lumpen ein paar⸗ mal hängen bleibt.“
„Durchaus nicht, Mate.“
„Nun, ſo nehmt vorlieb, Fremder. Hier ſind Damper und da bringt Euch Charles einen Becher Thee.“
„Danke, Mates! Dieſe Erquickung kommt mir gerade recht, denn meine Proviſionen waren ganz aufgegangen.“
Der Schwarzbärtige trank in langen Zügen den heißen Thee
—————
——
am Co man d einer S
Jadk Gentlen
ehemali Gully
6 4 9 ¹ ja eine in eine
nach 9 kleiner
D ſchüttel durchwe


