67 —
lcht, das
Glar Blaubiger 1
h d d, die vom u erhalten
ſär,„man „ daß der ige daran?“ en Ver⸗
n eines Niemand.“
Mann ver⸗
nicht, wo
ſagte der
an Glauben
Lebensende ar ſchreibt,
Ich kenne felbſt geſagt,
erwiederte fen, und er
dadurch er⸗
————
——
———
—
——
— — 2——
— 2 ——
—
—
Illuſtrirte Chronik der Zeit.
343
Euer Leugnen, durch Euren Widerſtand gegen die Behörde ſelbſt in Gefahr bringt!“
Die Müllerin hielt den ſtarren Blick unverwandt auf den Trümmerhaufen gerichtet, aus dem noch immer die Flammen em⸗ porzüngelten. 3
„Ich kenne die Gefahr,“ erwiederte ſie mit dumpfer Stimme, „ich bleibe bei dem, was ich ausgeſagt habe. Kann das Geſetz ein armes Weib zwingen, wider den Gatten, den Vater ihres Kindes zu zeugen? Ich glaube es nicht, und dennoch verſucht man es.“
„Nun, in dieſer Aeußerung liegt ja der Beweis, daß Ihr Euren Mann ſchuldig haltet. Ihr werdet auch ſein geheimes Verſteck im Walde kennen.“—
„Ich weiß nichts davon, nun laſſen Sie mich in Ruhe. Ich
kann Sie nicht hindern, ihn zu ſuchen, aber verrathen werde ich
ihn nicht, weiß ich doch ſelbſt nicht, wo er iſt.“
Ueber die Wieſe, die vor der Mühle lag, eilte ein Trupp Bauern der Brandſtätte zu, in der Ferne ließ raſcher Hufſchlag ſich vernehmen, mit den Bauern zugleich langten Thusnelda und der alte Baron vor dem rauchenden Schutthaufen an.
„Die Sorge um Sie trieb mich hieher,“ wandte Thusnelda ſich an die Müllerin,„dem Himmel ſei Dank, daß Sie und das Kind gerettet ſind.“
„Liegt hier eine Brandſtiftung zu Grunde?“ fragte der Baron, während er ſich aus dem Sattel ſchwang.
„Der Blitz hat eingeſchlagen und gezündet,“ erwiederte der Kommiſſär.
„Können Sie das mit voller Sicherheit behaupten?“
„Ja wohl, ich war zugegen, als das Feuer ausbrach.“
„Nun, deſto beſſer!“
Gefolgt von den Beamten ſchritt der Baron auf die Brand⸗ ſtätle, auf der die Bauern rathlos in die Flammen ſtierten; Thus⸗ nelda blieb bei der Müllerin zurück.
„Sie haben nun kein Obdach mehr,“ ſagte ſie,„was wollen Sie beginnen?“
Trotzig erhob die Frau das Haupt, der rothe Widerſchein des Feuers beleuchtete ihr ſcharf markirtes Geſicht, aus deſſen Zügen nur Trotz und Bitterkeit ſprachen.
„Ich werde jetzt wohl mit meinem Kinde der Armenkaſſe zur Laſt fallen, bis mein Mann uns wieder ernähren kann,“ erwiederte ſie,„es iſt bitter, Almoſen nehmen zu müſſen, und wenn das Kind nicht wäre—“
„Sie ſind noch jung und rüſtig, Sie lönnen arbeiten!“
„Wer gibt mir Arbeit?“
„Ich,“ ſagte die Baroneſſe entſchloſſen.
„Sie? Wiſſen Sie denn nicht, welcher Verbrechen man meinen Mann beſchuldigt?“
„Haben Sie an dieſen Verbrechen ſich betheiligt?“
„Mit keinem Gedanken! Meine Hand und mein Gewiſſen ſind immer rein geblieben.“
„Dann wäre es ungerecht, wollte man Sie und das Kind für die Verbrechen des Mannes büßen laſſen.“
„So denken Wenige! Selbſt in der Bibel ſteht's, daß die
Sünden der Väter an den Kindern gerächt werden ſollen bis in's
dritte und vierte Glied.“
„Wenn das ſich erfüllt, ſo tragen wohl die Kinder ſelbſt die Schuld daran,“ erwiederte die Baroneſſe, deren herzliche Theilnahme auf die unglückliche Frau einen ſichtbar tröſtenden und ermuthigen⸗ den Eindruck machte.„Sie ſind auch nicht ſo ganz ſchuldlos an dem Unglück, welches Sie betroffen hat—“
„Nein, ich bin es nicht, ich hätte nachgiebiger ſein können, aber die Reue kommt jetzt zu ſpät.“.
„Sie können es an dem Kinde wieder gut machen; laſſen Sie es fortan Ihre Aufgabe ſein, einen guten, rechtſchaffenen Mann aus ihm zu erziehen, damit es nicht ſpäter Ihnen bittere Vorwürfe macht. Wollen Sie das?“
„Wenn ich es vermag!“
„Ich werde Sie unterſtützen. Und nun gehen Sie voraus nach Frankendorf, ich werde vor Ihnen dort ſein und für Ihre Unterkunft Alles anordnen.“
„Sie ſind ein Engel, gnädiges Fräulein!“ ſagte die Müllerin jetzt bewegt, und die Thränen, die ihren Augen entſtrömten, lösten den Bann, der ihr Herz verhärtet und ihr Gemüth umdüſtert hatte. „Hätten Sie früher mir die rettende Hand geboten, ſo wäre wohl Alles anders gekommen.“ 3
„Weshalb haben Sie ſich nicht an mich gewandt und mir Ihr Vertrauen geſchenkt?“
„Mein Mann—“
„Er wollte es nicht, weil er uns haßte, ich weiß es. Gehen Sie jetzt. Haben Sie gar nichts gercttet?“
„Nicht das Geringſte. Das Fcuer brach ſo plötzlich aus, und dann auch— was hätte ich retten ſollen?“
„Ihre Kleidungsſtücke!“
„Die ſind längſt verkauft, wir mußten Brod haben, um das Leben zu friſten.“
„Entſetzlich! Ihr Mann hat viel verſchuldet, er hätte ſeinen Stolz beugen und arbeiten ſollen! Gehen Sie!“
Die Müllerin zögerte, ernſte Bedenken waren in ihrer Seele aufgeſtiegen.
„Ich fürchte, der Herr Baron wird nicht damit einverſtanden ſein,“ ſagte ſie,„und wenn ich harte Worte hören müßte—“
„Ich habe mit meinem Vater ſchon geſprochen,“ unterbrach Thusnelda ſie,„wir ſuchen ſchon ſeit einiger Zeit eine tüchtige zu⸗ verläſſige Frau, die das Geſinde beaufſichtigen und die häuslichen Arbeiten überwachen ſoll. Ich hoffe, Sie werden dieſem Poſten ge⸗ wachſen ſein und unſer Vertrauen rechtfertigen.“
„Das lohne Ihnen Gott tauſendfach!“ rief die Müllerin, „wir wollen beten für Ihr Glück, ſo lange wir leben!“
Sie nahm das Kind an der Hand und ſchritt raſch mit ihm von dannen; gleich darauf kehrte der Baron von der Brandſtätte zurück.
„Eine weitere Gefahr iſt nicht zu befürchten,“ ſagte er,„inner⸗ halb der maſſiven Umfaſſungsmauern mag das Feuer verzehren, was es noch findet.“
„Der Wald iſt alſo nicht gefährdet?“ fragte Thusnelda.
„Jetzt nicht mehr. Uebrigens wird nun auch der Regen das Feuer erſticken, es ſieht ganz ſo aus, als ob es die ganze Nacht hindurch regnen wolle. Wo iſt die Frau?“
„Bereits auf dem Wege nach Frankendorf,“ ſagte die Baroneſſe, „ſie hat mit aufrichtigem Dank das Anerbieten angenommen.“
Der alte Herr ſchüttelte den Kopf und ſetzte den Fuß in den Steigbügel.
„Ich will nur hoffen, daß wir keine ſchlimmen Erfahrungen mit dieſer Frau machen,“ ſagte er.—
Schweigend blickte der Kommiſſär eine geraume Weile dem ſtatt⸗ lichen Paar nach, das langſam nach Frankendorf zurückritt, dann zuckte er die Achſeln. 3 „ Die edle Geſinnung muß ich anerkennen,“ ſagte er,„aber ich fürchte, daß die junge Dame bittere Erfahrungen machen wird.“
„Was nun?“ fragte der Sergeant, während er einen Blick auf ſeine Uhr warf.„Es iſt zehn Uhr vorbei—“
„Und es wird auch noch ſpäter werden,“ erwiederte der Kom⸗ miſſär ruhig.„Hat man uns Proviant gebracht?“
„Wollen Sie auch dieſe Nacht hier bleiben?“
„Das iſt meine ernſte Abſicht. Der Kerl ſteckt noch im Walde; er wird den Feuerſchein geſehen haben und im Laufe der Nacht wahrſcheinlich ſich überzeugen wollen, ob ſeine Mühle niedergebrannt iſt. Sie werden alſo hier auf Ihrem Poſten bleiben, ich patrouillire in der Nähe, um ſofort zur Stelle zu ſein, wenn Sie das verab⸗ redete Signal geben. Laſſen Sie den Burſchen ruhig bis zur Brand⸗ ſtätte vordringen, dann erſt geben Sie das Signal. Und nun holen Sie unſer Futter, mein Magen knurrt ſchon ſeit einer Stunde.“
Der Sergeant verſchwand hinter einem Baume und kehrte gleich darauf mit einem Korbe zurück, den er zwiſchen ſich und ſeinen Vorgeſetzten ſtellte.
Dieſer Korb enthielt Alles, was man unter den obwaltenden Umſtänden beanſpruchen konnte: Brod, kalten Braten, einige Würſte und zwei Flaſchen Wein, und die Beiden bewieſen durch wackeres Zugreifen, daß ſie einen beneidenswerthen Appetit beſaßen.
Nachdem dieſer Appetit geſtillt war, ſchärfte der Kommiſſär ſeinem Unterbeamten nochmals die größte Wachſamkeit ein, dann ging er in den Wald hinein.
Der Regen tropfte ſchwer und unaufhörlich von den Bäumen nieder, der pflichttreue Beamte achtete nicht darauf.
Es war wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß der Müller den Feuerſchein bemerkt hatte; dann aber mußte der Wunſch, ſich Ge⸗ wißheit über das Schickſal ſeiner Angehörigen zu verſchaffen, ihn aus dem Walde heraustreiben.
Von Zeit zu Zeit blieb der Kommiſſär ſtehen, um zu horchen, aber er vernahm nichts außer dem Rauſchen des Windes und dem
zeinförmigen Geräuſch des niedertropfenden Regens.
Der Morgen brach an, es hörte jetzt auf zu regnen, mißmuthig ſtand der Kommiſſär tief im Walde unter einem Baume, in jener fröſtelnden, unbehaglichen Stimmung, in der man nach einer durch⸗ wachten Nacht ſich zu befinden pflegt.
Sollte er wirklich ſich getäuſcht haben und der Flüchtling be⸗ reits über alle Berge ſein?
Er wollte heute noch die Brandſtätte bewachen laſſen, heute und die nächſte Nacht, blieb auch dies reſultatlos, dann war es nutzloſe Mühe, die Nachforſchungen auf dieſem Wege fortzuſetzen.
——
—
—
———
—
5


