344 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
An den Sekretär Ackermann's dachte der Kommiſſär auch, aber er ſetzte keine beſonderen Hoffnungen auf die Ausſagen dieſes Mannes, der Müller konnte ſich ja durch Vermittlung des Sekretärs an den Schwiegerſohn des reichen Herrn Bogen gewandt haben, um von ihm die Mittel zur Auswanderung zu erhalten.
Die Stunden verſtrichen, der Beamte dachte eben daran, zur Mühle zurückzukehren, als er plötzlich Stimmen vernahm. Das bewog ihn, die Richtung zu ändern, und er hatte eben den großen moosbewachſenen Stein erreicht, als der ſcharfe Knall zweier faſt gleichzeitig abgefeuerten Schüſſe ihn zu größerer Eile antrieb.
Der Schauplatz war bald erreicht, entſetzt blieb der Kommiſſär ſtehen, aber im nächſten Augenblick begriff er auch, daß hier ein Duell ſtattgefunden hatte.
Der Rittmeiſter v. Pillnitz lag lang ausgeſtreckt auf dem Boden, die Hand hielt das Piſtol noch gefaßt, ſein Gegner, der junge Baron v. Frankendorf, lag bewußtlos in den Armen des Adjutanten
v. Plettenberg, und der Militärarzt war eben beſchäftigt, die Wunde zu unterſuchen.
„Es iſt keine leichte Verwundung,“ hörte der Kommiſſär den Doktor ſagen,„die Kugel ſitzt noch in der Schulter.“
„Und Pillnitz?“ fragte der Adjutant leiſe.
„Möge er in Frieden ruhen, er hat die Schuld mit ſeinem Leben bezahlt.“
„Er iſt todt?“ erwiederte Kurt beſtürzt.
„Die Kugel hat das Herz durchbohrt, ein ſanfteres Ende kann Niemand ſich wünſchen. Ich werde jetzt einen nothdürftigen Verband anlegen, dann fahre ich mit dem Verwundeten nach Frankendorf; Sie reiten wohl voraus, Herr v. Plettenberg, um die Angehörigen vorzubereiten. Sie, Herr Graf Schulenburg, reiten zur Stadt und ſchicken Leute hieher, um die Leiche holen zu laſſen. Wen haben wir da?“
„Kommiſſär Wittich,“ erwiederte der Beamte, dem die letzte Frage galt.
„Ich wollte, Sie wären früher gekommen! Hat man Sie hieher geſchickt, um das Duell zu verhindern?“
„Nein, ich durchſtreife aus einem anderen Grunde den Wald
In der Schlinge gefangen.(S. 359.)
die Schüſſe führten mich hieher.“
Theobald erwachte aus ſeiner Ohnmacht; als ſein Blick auf die Leiche fiel, bedeckte er die Augen mit der Hand.
„Ich wollte das nicht,“ ſagte er,„es iſt ſeine eigene Schuld.“
Graf Schulenburg drückte ihm die Hand und verſicherte ihn, er habe ſich benommen wie ein Ehrenmann, dann entfernte er ſich, um den erhaltenen Auftrag auszuführen.
„Einen Augenblick, Doktor,“ ſagte Kurt v. Plettenberg, dann ſchritt er haſtig auf den Kommiſſär zu.
„Bleiben Sie hier,“ flüſterte er,„ich habe eine Entdeckung gemacht, erwarten Sie mich an dieſem Orte, ich kehre ſofort zurück.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, eilte der Offizier dem Freunde nach, der auf den Doktor geſtützt den Schauplatz des Duells verlaſſen hatte. Der Kommiſſär blieb bei der Leiche allein zurück. Er war entſchloſſen, zu warten, wie hart auch die Probe ſein mochte, auf die ſeine Geduld geſtellt wurde; die Entdeckung konnte ſich ja nur auf den Müller beziehen.
Er deckte den Mantel des Todten über die Leiche und wanderte
langſam auf und nieder.
Es war ſeine Pflicht, auch von dieſem Duell Anzeige zu machen; wollte Herr v. Plettenberg ihn vielleicht beſtimmen, ſeiner Amts⸗ pflicht untreu zu werden? Hatte er aus dieſem Grunde ihn ge⸗ beten, hier auf ihn zu warten?
Er konnte das nicht wohl annehmen, der Tod des Rittmeiſters ließ ſich ja nicht verheimlichen, und die Urſache des Todes mußte ebenfalls bekannt werden.
Welche Entdeckung mochte der Adjutant gemacht haben? Er fand keine Antwort auf dieſe Frage, und er war noch mit ihr be⸗ ſchäftigt, als der Sergeant aus dem Gebüſch heraustrat.
Betroffen ſah ihn der Kommiſſär an.
„Was iſt vorgefallen?“ fragte er haſtig.
„Nichts,“ erwiederte der Sergeant,„ich hörte die Schüſſe und glaubte Sie im Kampfe mit dem Müller.“
„Sie haben ſich getäuſcht, aber Sie ſind nun einmal hier, bleiben Sie jetzt. Ein Duell hat hier ſtattgefunden, vielleicht einer Lappalie wegen liegt dort ein tüchtiger Offizier erſchoſſen!“
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