Jahrgang 
14-26 (1877)
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34² Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Nun denn, können wir uns darüber nicht einigen, ſo ſollen die Schüſſe zugleich fallen, alſo à tempo, das Kommando wirſt Du dann übernehmen.

Ich erkläre mich damit einverſtanden. Ich werde mit unſerem Arzt reden, er ſoll uns begleiten; für die Waffen ſorgſt Du wohl?

Meine Piſtolen ſind vorzüglich, nickte der Rittmeiſter.

Somit wäre alſo ſoweit Älles geordnet, und es bliebe mir, um dem Geſetz zu genügen, nur noch übrig, den üblichen Sühne⸗ verſuch zu machen.

Bitte, gib Dir keine Mühe, die Sache muß zum Austrag kommen und damit Baſta!

Ein blendender Blitz ſuhr aus den Wolken nieder, ihm folgte ein furchtbarer Donnerſchlag; die Pferde ſcheuten und bäumten ſich hoch auf, dann jagten ſie mit raſender Eile der Stadt zu.

Das Unwetter war losgebrochen, in Strömen goß der Regen nieder, die Pappeln an der Landſtraße beugten ſich unter der Wucht des Sturmes.

Endlich hatten die Offiziere, bis auf die Haut durchnäßt, die Stadt erreicht; Pillnitz hielt für einen kurzen Moment ſein Pferd an.

Werde ich Dich heute Abend noch ſehen? fragte er. falSchwerlich! erwiederte Kurt,in's Kaſino komme ich keines⸗ alls.

Und wann holſt Du morgen Früh mich ab?

Um ſechs Uhr.

Ich werde bereit ſein. Auf Wiederſehen!

Er winkte grüßend mit der Hand und ſetzte ſeinen Weg fort, Kurt v. Plettenberg ritt in düſterer, gedankenvoller Stimmung ſeiner Wohnung zu.

Zwanzigſtes Kapitel. Gefunden.

Als der Blitz, vor dem die Pferde der Offiziere ſcheuten, nieder⸗ fuhr, hatte der Kommiſſär Wittich eben die Mühle erreicht.

Der Polizeiſergeant, der hier auf Poſten ſtand, kam ihm ent⸗ gegen, die beiden Männer waren durch das ſekundenlange Feuermeer und den furchtbaren Knall des Donners im vollſten Sinne des Wortes betäubt.

Das hat eingeſchlagen, ſagte der Sergeant, mit der Hand über die Augen fahrend,ein heilloſes Wetter!

Wollte nur, daß es den Fuchs aus ſeinem Bau trieb', brummte der Kommiſſär.Nichts Neues?

Nein. Vor einer Stunde glaubte ich einen Schuß zu hören, aber mit Sicherheit kann ich es nicht behaupten.

Wo fiel dieſer Schuß?

Sehr weit von hier entfernt. Ich konnte das nicht näher unterſuchen, da ich meinen Poſten nicht verlaſſen durfte.

Der Kommiſſär trat unter einen Baum, um ſich, ſo gut dies anging, vor dem niederſtrömenden Regen zu ſchützen.

Und hier haben Sie nichts bemerkt? fragte er.

Nein, es iſt Niemand in die Mühle hineingegangen und Niemand herausgekommen. Aber was iſt das? fuhr der Sergeant in lebhafterem Tone fort.Sehen Sie dorthin, Herr Kommiſſär, die Mühle brennt.

Die beiden Beamten traten raſch aus dem Walde heraus, über ihnen rollte faſt unausgeſetzt der Donner, die Blitze blendeten ſie, und der Regen durchnäßte ſie, aber ſie achteten nicht darauf; be⸗ ſtürzt blickten ſie auf die Mühle, aus der dichte ſchwarze Rauch⸗ ſäulen, von züngelnden Flammen begleitet, emporſtiegen.

Ich ſagte ja vorhin, der Blitz müſſe eingeſchlagen haben, nahm der Sergeant endlich das Wort, während ſie auf das bren⸗ nende Gebäude zueilten.

Der Sturm trieb ihnen mit den Waſſermaſſen, die mit Hagel⸗ ſchloſſen untermiſcht waren, den erſtickenden Rauch entgegen, das dürfts ſie nicht zurückhalten, denn hier galt es, Menſchenleben zu retten.

Der Kommiſſär trat mit dem Fuß gegen die Hausthüre; trotz des Regens ſchlugen die Flammen hoch auf, binnen wenig Minuten hatte das Feuer ſchon den ganzen Dachſtuhl ergriffen, es fand im Innern des Hauſes in dem alten trockenen Gebälk reiche Nahrung.

Mit dem Kinde an der Hand erſchien die Müllerin auf der Schwelle, ein harter, trotziger Zug lag um die feſt auf einander gepreßten Lippen.

Beeilt Euch, ſagte der Kommiſſär in rauhem Tone.Das Dach kann in der nächſten Minute zuſammenſtürzen.

Und wenn es uns Beide zerſchmetterte, was läge daran! erwiederte die Frau, während ſie zögernd das Haus verließ,für uns hätte dann das Elend ein Ende.

Von Mutterliebe ſcheint Euer Herz nichts zu wiſſen

Was könnte ich dem Kinde Beſſeres wünſchen als den Tod? Die Schuld des Vaters wird ſich an ſeine Ferſen heften

Alſo gebt Ihr endlich zu, daß Euer Mann ſchuldig iſt?

Die Müllerin ſah ihn ſtarr an, dann blickte ſie hinauf zu dem brennenden Dache, und eine unſägliche Bitterkeit ſpiegelte ſich in ihrem bleichen Geſicht.

Nein, erwiederte ſie,ich werde das nie zugeben, ſelbſt dann nicht, wenn ich Beweiſe für ſeine Schuld gefunden hätte! Wäle er in dieſer Stunde in der Mühle geweſen, ſo würde man ſagen, er habe ſie angezündet, einen Menſchen, den das Unglück verfolgt, hält man ja jedes Verbrechens fähig.

Der Kommiſſär zuckte die Achſeln und ſchritt an der Seite der Frau in den Wald zurück.

Dieſer Verdacht wäre durchaus nicht unbegründet, ſagte er, hat doch Euer Mann ſeinen Gläubigern oft damit gedroyt, er werde die Mühle anzünden, ſobald man Miene mache, ſie zu ver⸗ ſteigern.

1Worte! Weiter nichts! Weshalb verſuchen Sie nicht, das Feuer zu löſchen? Sie vertreten ja das Intereſſe unſerer Gläubiger, und ihnen gehört Alles, was das Feuer dort verzehrt.

Sie ſah mit düſterem Blick auf die praſſelnde Gluth, die vom Sturme gepeitſcht durch den Regen nur neue Nahrung zu erhalten ſchien, und ein ſchwerer Seufzer entrang ſich ihren Lippen.

Da iſt nichts mehr zu retten, ſagte der Kommiſſär,man muß den Krater ausbrennen laſſen, ein Glück iſt es, daß der Sturm den Wald vor dem Feuer ſchützt.

Und wenn auch ihn die Flammen ergriffen, was läge daran? erwiederte die Müllerin höhniſch.Der Baron könnte den Ver⸗ luſt verſchmerzen, und es würden ſich Leute genug finden, um das Feuer zu löſchen, handelte es ſich darum, das Eigenthum eines Adeligen zu retten. Um die armen Leute kümmert ſich Niemand.

Wenn der Wald in Brand geriethe, wäre Euer Mann ver⸗ loren!

Weshalb? fragte die Frau gelaſſen.

Wollt Ihr noch immer behaupten, Ihr wüßtet nicht, wo Euer Mann ſei?

Wiſſen Sie es?

Ich weiß, daß er ſich noch im Walde befindet, ſagte der Kommiſſär, ſie feſt anblickend.

Dann wiſſen Sie mehr wie ich! Ich halte an dem Glauben feſt, daß er auf dem Wege nach Amerika iſt.

Dann wäret Ihr ihm längſt gefolgt.

Amerika iſt groß, ich könnte dort bis an mein Lebensende ſuchen, ohne ihn zu finden. Nein, ich warte, bis er mir ſchreibt, dann iſt es immer noch früh genug, ihm zu folgen.

Mit furchtbarem Getöſe ſtürzte in dieſem Moment der Dach⸗ ſtuhl nieder, eine rothe Feuerſäule loderte hoch auf, dann breitete eine ſchwarze Rauchwolke gleich einer Rieſendecke ſich über die Ruine.

Euer Leugnen nützt Eurem Manne gar nichts, nahm der Kommiſſär wieder das Wort,im Gegentheil, es kann die Sache nur verſchlimmern. Laßt doch vernünftig mit Euch reden, was ge⸗ ſchehen iſt, das kann nun einmal nicht ungeſchehen gemacht werden. Sergeant, gehen Sie mit dem Knaben etwas tiefer in den Wald

Das Kind bleibt bei mir, rief die Müllerin in ſcharfem, ſchneidendem Tone.

Ich wollte es nur deshalb entfernen

Was Sie mir zu ſagen haben, kann der Junge hören, er weiß ja, daß ſein Vater verfolgt wird.

Nun denn, meinetwegen! Ihr kennt die Anklage, die gegen Euren Mann gerichtet wird

Und ihm nicht bewieſen werden kann, jawohl! Ich kenne ſie und finde ſie lächerlich, die Gerichtsherren haben ja ſelbſt geſagt, ſie hätten nicht einmal das Recht, ihn zu verhaften. 1

Die Gerichtsherren denken darüber jetzt anders, erwiederte

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der Kommiſſär,Euer Mann wollte die Flucht ergreifen, und er

hat mich, als ich dies zu verhindern ſuchte, angegriffen, dadurch er⸗ hält der Verdacht eine Beſtätigung, die zur Verhaftung in jeder Weiſe berechtigt. Iſt er ſchuldlos. dann kann er nichts Beſſeres thun, als ſich freiwillig zu ſtellen und die Unterſuchung zu beautra⸗ gen, iſt er ſchuldig, dann wird durch die lange Verfolgung nur der Ürtheilsſpruch hinausgeſchoben, denn entwiſchen kann er uns nicht.

Er iſt es ſchon, ſpottete die Frau.

Und ich ſage nein! Er ſteckt im Walde, ich weiß das mit voller Sicherheit. Es iſt möglich, daß er die Mittel zur Auswan⸗ derung von einem Freunde erhalten hat, aber überall ſind die Be⸗ hörden benachrichtigt, und ſobald er ſich blicken läßt, wird er ver⸗ haftet. hiWir müſſen das abwarken, ich möchte nicht unter Denjenigen ſein, die ihn hetzen, wie ein wildes Thier.

Er zwingt ja ſelbſt uns zu dieſer Hetzjagd, weshalb ſtellt er ſich nicht freiwillig, wenn er ſeinen Richtern mit gutem Gewiſſen in's Auge ſchauen kann? Ihr bedenkt nicht, daß Ihr Euch durch

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