Jahrgang 
14-26 (1877)
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DasTrainiren der Jockeys, Boxer, Läufer und

Taucher, d. h. das zum Wettrennen, Boxen, Laufen und Tauchen körper⸗

lich geſchickt und fähig Machen, wird wohl nur noch in England betrieben. Es beſteht in einer eigenen Erziehung durch Nahrung und Uebung, welche der Traineur(trainer) mit ſeinem Schüler vornimmt. Am leichteſten kommt der Jockey weg, er ſoll ja eben nur leicht werden; das geſchieht durch Schwitzen und Abführen. Damit beginnt übrigens das Trainiren überhaupt, nur wird den Boxern, Läufern und Tauchern noch mehr zu⸗ gemuthet. Ein Läufer, der zu Anfang 60 Kilogramm wog, hatte nach zwei Tagen Trainirens nur 51, nach fünf Tagen nur noch 47 ½ und nach

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Karl Sontag, königl. Hofſchauſpieler in Hannover. (Mit Porträt auf S. 321.)

Es gibt Familien, die in gewiſſen Berufsarten und Künſten durch mehrere ihrer Glieder und ſogar Generationen mit Auszeichnung vertreten ſind und an ihren Namen auf dieſe Weiſe einen kollektiven Ruhm heften. 8 dieſen berühmten Künſtlerfamilien gehören in der Malerei die Familie Vernet, in der Muſik die Familie Bach, in der Schauſpielkunſt die Fa⸗ milien Devrient, Löwe und Sontag. Auch der Mann, deſſen Bild wir S. 321 geben, iſt einer jener begabten Künſtler, der in zweiter Genera⸗ tion den Ruhm ſeiner Eltern und ſeiner Schweſtern zu theilen bemüht ge⸗ weſen iſt. Karl Sontag, königlich preußiſcher Hofſchauſpieler in Hanno⸗ ver, einer der beſten Darſteller von Liebhabern, Bonvivants, Charakter⸗ rollen u. ſ. w. und namentlich im feineren Luſtſpiel einer der trefflichſten deutſchen Schauſpieler, iſt ein Bruder der berühmten Henriette Sontag, der größten dramatiſchen Sängerin, welche Deutſchland je hervorgebracht hat, und der graziöſen und gemüthvollen Nina Sontag, welche nach kurzer, aber glän⸗ zender Laufbahn auf der Bühne ſich als Nonne in das Kloſter Marien⸗ thal bei Oſtritz in der ſächſiſchen Lauſitz zurückgezogen hat, wo Henriette Sontag und ihr Gemahl Graf Roſſi nun begraben liegen. Karl Sontag's Eltern gehörten Beide der Bühne an, ſeine Mutter war ſogar gleichzeitig mit ihren Töchtern von 1824 an in Berlin engagirt und als eine treff⸗ liche Schauſpielerin am Königſtädtiſchen Theater hochgefeiert. Er ſelbſt, mit dem wir hier uns ſpeziell beſchäftigen, iſt, wenn wir nicht irren, 1829 zu Dresden geboren, wohin ſeine Mutter ſich nach ihrem Abgang von der Bühne zurückgezogen hatte, und erhielt unter den Augen der Mutter eine ſorgſame Erziehung. Er war anfangs für die militäriſche Laufbahn beſtimmt, welche zwei ältere Brüder von ihm im öſterreichiſchen Heere ein⸗ geſchlagen hatten; allein da ſeine Mutter ſelbſt nach ihrem Abgang von der Bühne noch vorwiegend mit Schauſpielern und Sängerinnen verkehrte, ſo erwachte auch ſchon in dem Knaben Karl die unbezwingbare Sehnſucht, dereinſt die Schauſpielkunſt zur Lebensaufgabe zu machen, und er kannte kein größeres Vergnügen, als zu Hauſe auf ſeinem Puppentheater Stücke aufzuführen, die er ſich ſelbſt verfaßt oder zurecht gemacht hatte, und den vorzüglichen Aufführungen des Dresdener Hoftheaters anzuwohnen. Trotz aller Widerreden und Abmahnungen von Freunden und Bekannten gab er den Plan nicht auf, im gegebenen Alter und unter dem Schutze ſeines Selbſtbeſtimmungsrechts Schauſpieler zu werden; die Zwiſchenzeit verbrachte er nützlich damit, daß er den Buchhandel bei Gottſchalck in Dresden er⸗ lernte, aber bei ſonſtiger Pflichttreue alle ſeine Mußeſtunden auf Vorſtudien für ſeinen eigentlichen Zweck verwandte. Nach beendigter Lehrzeit und einigen Vorübungen auf Liebhabertheatern verwirklichte er ſeine Abſicht, ward Ende 1847 als Zögling des Dresdener Hoſthohters engagirt und betrat hier am 26. Januar 1848 erſtmals die Bühne. Seine Lehrjahre in Dresden waren aber nicht ſehr ermuthigend, obwohl ſein Talent überall Anerkennung fand. Er hatte dann aber das Glück, 1853 an das Burgtheater in Wien zu kommen und in jenem großartigen Rahmen ſich auszubilden, um dann eine ſelbſtſtändigere Stellung und paſſendere Verwendung am großherzog⸗ lichen Hoftheater in Schwerin zu finden. Die vielen Kunſtreiſen und Gaſt⸗ rollen, welche er von dieſen feſten Engagements aus nach den bedeutendſten Städten Deutſchlands gemacht, hatten ihm bald ein geſichertes Renommee verſchafft, und ſo fand er ſeit Herbſt 1862 in Hannover einen entſprechen⸗ den und lohnenden Wirkungskreis und gehörte trotz all' der verſchiedenen Ereigniſſe, welche im Lauf der Zeit über dieſe Bühne hingegangen ſind, derſelben noch bis vor Kurzem aktiv an. In jüngſter Zeit hat das Erſcheinen ſeinerBühnen⸗Erinnerungen(2 Bände, Hannover, Helwing'ſche Hof⸗ buchhandlung), welche in kurzer Zeit drei Auflagen erlebt haben, viel Staub aufgeworfen, aber auch ein ungewöhnliches Erzählertalent des Ver⸗ faſſers dargelegt, der im Gewande einer lebendigen, oft ironiſch gefärbten Plauderei ganz dankenswerthe Beiträge und Charakteriſtiken zur Geſchichte des neueren deutſchen Theaters geliefert hat.

Jung und Alt. (Mit Bild auf Seite 324.)

Im bunten Wechſelſpiele des Lebens begegnen ſich die Kontraſte auf Schritt und Tritt; hier ſchreitet die hell lachende Freude an der ſchmerz⸗ vollen Trauer vorüber, dort ſteht der blendende Reichthum neben der bitteren Noth, und allerwegen trifft das müde Alter mit der hoffnungsreichen

vierzehn Tagen 40 Kilogramm Gewicht. Jetzt begann ſeine Kräftigung wieder durch reichlichere Ernährung, die jedoch verſchieden iſt bei Läufern, Boxern und Tauchern. Den Boxern führt man nach Entfernung der Fett⸗ und Flüſſigkeitsmengen fleiſchbildende Stoffe zu, ſtärkt ihre Muskeln, macht ihre Haut elaſtiſch. Den Läufern hängt man den Brodkorb ſchon höher, bei ihnen muß ſich die Haut an die Muskeln legen, denn über⸗ flüſſiges Blut und Fleiſch macht den Beinen und Lungen die Arbeit ſchwerer. Die Taucher meiden beſonders kohlenſtoffreichere Nahrung, um ſich mit möglichſt wenig Sauerſtoff aus der umgebenden Luft behelfen zu lernen. Das Trainiren dauert drei bis fünf Monate, während welcher der Schüler beſtändig unter Auſſicht des Lehrers iſt, bis dieſer ihn als tüchtig entläßt. N.

Bilder.

Jugend zuſammen. Dieſen letzteren Gegenſatz nun wählte der talentvolle Maler C. Harburger zum Vorwurfe eines höchſt anziehenden Gemäldes Jung und Alt, von dem wir auf Seite 324 eine ſehr wohlgelungene Holzſchnittkopie bieten. Der Frühling iſt in's Land eingezogen, die Wieſen und Raſenplätze haben ſich mit Blumen geſchmückt und auch das untere Gebüſch hat ſich bereits mit einem zarten Blätterkleide angethan. Da haben denn alle die Städter, deren Zeit es erlaubte, einen Spaziergang hinaus in die erwachende Natur gemacht, und dabei hat es ſich getroffen, daß ſich auf einer Ruhebank auf kurze Zeit ganz unabſichtlich eine Gruppe bildete, die von einer milden Wehmuth angehaucht, aber doch in freund⸗ lichſter Weiſe den Kontraſt zwiſchen Alter und Jugend veranſchaulicht. Das alte Ehepaar auf der linken Seite des Bildes hat den größten Theil des Lebensweges hinter ſich und der alte Mann ſchaut denn auch bereits recht lebensmüde vor ſich hin, während die Matrone noch reges Intereſſe für die Außenwelt hat und darum einen freundlich lächelnden Blick zu dem jungen Pärchen hinüberwirft, das auf der anderen Seite der Bank Platz genommen. Sie erinnert ſich vielleicht dabei einer ähnlichen Scene aus ihrer eigenen Jugendzeit, als auch ſie noch nicht wagte, ganz ſo wie das hübſche junge Mädchen, dem geliebten Manne in's Antlitz zu ſchauen; doch der Liebesfrühling täuſchte ſie nicht, vielmehr folgte demſelben ein innig beglückender Sommer, und ſo wünſcht ſie denn auch den beiden jungen Leuten, das iſt deutlich aus ihrem guten Geſichte zu leſen, den⸗ ſelben freundlichen Lebensweg, den ſie mit ihrem braven Gatten gewandelt iſt. Damit gibt ſie aber zugleich den Beweis, daß ſich das Alter nicht etwa der Jugend entfremdet, ſondern vielmehr wieder zu dieſer ſich hin⸗ neigt. L. S.

Das Krahnenthor in Danzig.

(Mit Bild auf S. 325.)

Danzig, die wichtigſte deutſche Seehandelsſtadt an der Oſtſee und Feſtung erſten Ranges, iſt nicht nur durch die gewerbliche und kommerzielle Rührigkeit ihrer mehr als 90,000 Einwohner, ſondern auch durch ihre Geſchichte und Baudenkmale merkwürdig. Die ganze Anlage der Stadt und der heute noch ſtehenden älteren Häuſer und Bauwerke, ſowie das Anſehen der Straßen, deutet noch unverkennbar auf die Geſchiehte der Stadt und ihre frühere Wehrhaftigkeit und Bedeutung, auf jene gewal⸗ tigen Kämpfe, welche die Einwohner von Danzig, welches unter dem polniſchen Namen Gdansk oder Gothenſchanze um 1198 zuerſt urkundlich vorkommt, von da an gegen die alten Preußen, die Polen, die Deutſch⸗ ordensritter, die Schweden und die Ruſſen führen mußten. Die meiſten der älteren Häuſer ſtammen aus dem 16. Jahrhundert und früher, ſteigen als ſolide Backſtein⸗ und Steinbauten ſchmal und hoch mit dicht beiſammen ſtehenden Fenſtern und hohen Giebeln empor, und haben etwas Thurm⸗ artiges, Wehrhaftes, was an dieSteinhäuſer oder Stadtburgen anderer mittelalterlichen deutſchen Städte erinnert. Derſelbe feſtungsartige wehr⸗ hafte Charakter iſt auch den verſchiedenen alten Thoren der Stadt aufge⸗ prägt, welche noch ſtehen. Zum Beweiſe dafür geben wir Seite 325 eine Anſicht des nordwärts gekehrten koloſſalen Krahnenthors, welches 1411 erbaut worden und von zwei gewaltigen Rundthürmen flankirt iſt. Um dieſes Thor, welches die umgebenden Gebäude mächtig überragt, haben ſchon manche Kriegsſtürme getobt, von der Errichtung des kleinen Frei⸗ ſtaats Danzig unter dem Schutz des Polenkönigs Johann Caſimir bis herunter zu den furchtbaren Belagerungen durch die Franzoſen 1806 und durch die vereinigten Ruſſen und Preußen 181314; aber noch ſteht es ſtolz und unverſehrt mit ſeinen dicken, unerſchütterlichen Mauern und dient nun mit ſeinem überdeckten Krahn entſchieden friedlichen Zwecken.

Landſchaft am Miſſisquoi. (Mit Bild auf S. 329.)

Beim Blick auf das reizende maleriſche Landſchaftsbild, welches wir auf Seite 329 bieten und das mit den Landſchaften des Schwarzwalds, der Vogeſen und der deutſchen Voralpen einige Aehnlichkeit hat und den⸗ noch wieder einen anderen Charakter trägt, wird mancher unſerer Leſer ſeine geographiſchen Erinnerungen vergebens darnach befragen: wo denn der Fluß Miſſisquoi liege? Darauf antworten wir ihm in Kürze: der Miſſisquoi iſt der größte Fluß im Staate Vermont, dem nordweſtlichſten der Neu⸗England⸗Staaten in Amerika, der als ein vollſtändiger Binnen⸗

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