—
—
340 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
ſtaat und als einer der wenigſt beſuchten und beſiedelten in Europa noch verhältnißmäßig wenig bekannt, aber einer der landſchaftlich ſchönſten und maleriſcheſten iſt und außer dem Champlain⸗ noch mehrere andere Seen umſchließt und von den Green Mountains oder Grünen Bergen, die ihn als lang geſtreckte Kette mit einigen Berggipfeln von 4190— 4280 engl. Fuß Meereshöhe durchziehen, nicht nur ſeinen Namen, ſondern auch ſeinen wunderſchönen mannigfaltigen Charakter als Reihefolge von ungemein lieblichen und theilweiſe ſogar großartigen Landſchaften von Seen, Hügeln und Bergen mit prachtvollen Thälern und Wäldern erhalten hat. Der Staat Vermont erinnert ungemein lebhaft an das Allgäu und den Bregenzer Wald; er iſt kein induſtrieller, ja nicht einmal ein vorwiegend Ackerbau treibender Staat, wie mehrere andere Neu⸗England⸗Staaten, ſondern ſeine Bewohner betreiben vorwiegend Viehzucht und Milchwirth⸗ ſchaft, und eine der hübſcheſten und angeſehenſten Städte des Staats, St. Alban's, mit etwa 8000 Einwohnern, etwa drei engliſche Meilen oſtwärts vom Champlainſee gelegen, iſt der große Butter⸗ und Käſemarkt für den Norden der Vereinigten Staaten. Acht engliſche Meilen von St. Alban's liegt das Dörſchen Sheldon Springs, bei welchem inmitten einer wunderſchönen Gegend auf einem Flächenraum von wenig mehr als einem engliſchen Morgen nicht weniger als 13 verſchiedene Mineralquellen von chemiſch⸗verſchiedenem Gehalt und verſchiedenſter Waſſermaſſe ſprudeln und ſchon jetzt einen vielbeſuchten Kurort bilden. Sheldon Springs liegt im Thale des Miſſisquoi und zwar beinahe im lieblichſten und breiteſten Theile deſſelben. Für den Maler und Naturfreund aber gibt es nichts Lohnenderes und Intereſſanteres, als eine Fußwanderung am Miſſisquoi ſtromaufwärts gegen ſein Quellgebiet hin, wo die herrlichſte Mannig⸗ faltigkeit von Wald⸗ und Felſenlandſchaft den vielgewundenen raſch ſtrömen⸗ den Fluß umſchließt, wo ſich allenthalben die überraſchendſten Ausblicke nach den Kämmen der Green Mountains darbieten und wo überall in den kleinen Gehöften und Sägemühlen am Fluſſe, die den ungemeinen Holzreichthum dieſer Gegenden ausbeuten, eine patriarchaliſche Gaſtfreund⸗ ſchaft des Wanderers harrt.
Der Kletterbarſch oder laufende Fiſch. (Mit Bild auf Seite 332. Es wird Manchem wie ein Märchen klingen und iſt doch unbeſtreit⸗
bare Thatſache, daß es in Indien Fiſche gibt, und zwar Süßwaſſerfiſche, welche ſich beim Austrocknen des Waſſerbeckens, worin ſie leben, einem anderen noch gefüllten Waſſertümpfel zuwenden und dabei über Land wandern. Hiezu befähigt dieſen Fiſch eine eigenthümliche Anordnung ſeiner inneren Organe, welche ihm gewiſſermaßen die Lungen erſetzt. In dem Schlundknochen dieſer Fiſche ſind nämlich eigenthümliche vielfach verzweigte Zellen mit blätterartigen Wandungen, welche beim Athmen im Waſſer durch die Kiemen mit Waſſer angefüllt werden, dieſes zurückbehalten und ſpäter, wenn der Fiſch außer dem Waſſer iſt, allmählig zur Befeuchtung der Kiemen verwenden. Dieſe Anordnung nennt man das Labyrinth, und die damit verſehenen Gattungen von Fiſchen, welche ausſchließlich der alten Welt, nämlich Afrika, Oſtindien und deſſen Inſeln bis zum Sunda⸗ Meere angehören, heißen Labyrinthfiſche, Labyrinthici. Zu dieſen Fiſchen gehört auch der merkwürdige Fiſch, den wir S. 332 abbilden, der Kletter⸗ barſch, Anabas scandens, welcher wegen ſeiner angeblichen Gewohnheit, zuweilen auf die ſeinem Standort benachbarten Palmen zu ſteigen, um das zwiſchen den Anſätzen ihrer Blattſtiele in der Krone angeſammelte Waſſer zu erreichen, bei den indiſchen Eingeborenen den Namen Pannei⸗ eri, d. h. Baumkletterer hat. Dieſer Fiſch erreicht eine Größe von etwa 6 Zoll rheinl. und kommt in Teichen, Sümpfen, Flüſſen und Altlachen in Menge vor. Er gleicht in ſeinem ganzen Habitus unſerem europäiſchen Barſch oder Börſich und hat ein angenehmes, ſchmack⸗ und nahrhaftes, ge⸗ drungenes Fleiſch. Die Gewohnheit des angeblichen Erkletterns von Bäumen iſt noch nicht durch zuverläſſige Beobachtungen neuerer Forſcher genau nach⸗ gewieſen, dagegen iſt es Thatſache, daß dieſe Fiſche oft große Strecken weit auf dem Erdboden hinlaufen. Sie ſchieben ſich dabei mittelſt der Stacheln des Kiemendeckels und der Afterfloſſe ziemlich leicht fort. Während dieſes Laufens halten ſie das Maul geſchloſſen und die Kiemen offen. Sie ver⸗ laſſen jedoch ihren Standort nicht eher, als bis der Schlamm deſſelben die Zähigkeit eines Hirſebreies hat und ihren Kiemen das Einſaugen von Waſſer unmöglich macht. Vertrocknet dieſer Schlamm zu ſchnell oder ſind ſie zu weit von anderem Waſſer entfernt, ſo wühlen ſie ſich tief in den Schlamm eir und laſſen denſelben über ſich vertrocknen. Dieſe Eigenthüm⸗ lichkeit kennen die Eingeborenen wohl und kommen nun mit Spaten und Hacken an die ausgetrockneten Teiche, graben deren tieſſte Stellen auf und holen die Fiſche aus dem Schlamme, welche ſich unmittelbar nach der Be⸗ rührung mit Waſſer wieder beleben. Auch während der Regenzeit, wo der Kletterbarſch augenblicklich in das waſſergefüllte Becken wieder empor⸗ ſteigt, fangen die Eingeborenen von Ceylon den Kletterbarſch dann zu Hunderten in den friſch gefüllten Tümpfeln, indem ſie cylindriſche Korb⸗ geflechte, die oben und unten offen ſind, in den Schlamm drücken und daraus die Fiſche nehmen, ſobald dieſe aus dem Schlamm in das Waſſer emporſteigen.
Das Columbus-Denkmal in Philadelphia.
(Mit Bild auf S. 333.) Am 12. Oktober 1876 iſt in Philadelphia das Standbild des
Chriſtoph Columbus enthüllt worden, von welchem wir S. 333 eine
Anſicht geben. Das Denkmal iſt ein Geſchenk der verſchiedenen Italiener⸗ Vereine in Amerika, hat ſcinen Standort im Fairmount⸗Park von Phila⸗ delphia an der Kreuzung der Alleen Belmont und Fountain, und iſt ein edles und impoſantes Kunſtwerk, das eine wirkliche Zierde des prachtvoll gelegenen Parkes dieſer rieſigen Stadt geworden iſt. Der Gedanke, dem Entdecker der neuen Welt ein ſeiner würdiges Denkmal auf dem Boden des amerikaniſchen Feſtlandes zu errichten, tauchte vor mehr als zwei Jahren in Philadelphia ſelbſt auf, und wirkte zündend unter den zahl⸗ reichen Italienern, welche in den Vereinigten Staaten eine neue Heimath gefunden hatten. Es trat ein Comité zu dieſem Zweck zuſammen unter dem Namen des„Vereins für das Columbus⸗Denkmal“, erließ einen Auf⸗ ruf an die verſchiedenen italieniſchen Vereine der Union und fand die begeiſtertſte Unterſtützung ſowohl von Seiten der Vereine ſelbſt, als vieler einzelnen Mitglieder derſelben, welche ſich zu namhaften Beiträgen ver⸗ bindlich machten. Sobald das Unternehmen geſichert war, wurde der Bildhauer Profeſſor Sala von Florenz zur Einſendung eines Entwurfs aufgefordert, welcher dann beifällig angenommen und alsbald ausgeführt wurde. Das Monument beſteht aus der zehn Fuß hohen Statue des großen Entdeckers im Gewande ſeiner Zeit und ſeines Landes, und aus einem Fußgeſtell von zwölf Fuß Höhe. Columbus iſt ſtehend dargeſtellt, die Rechte auf eine Weltkugel geſtützt, in der Linken eine Seekarte, zu ſeinen Füßen ein Anker und eine Rolle Taue. Die Statue ſchaut gen Süden, und auf dem achteckigen Theil unter dem Fußgeſtelle ſtehen einer⸗ ſeits die Worte in italieniſcher Sprache:„Der Stadt Philadelphia darge⸗ bracht von den italieniſchen Vereinen“; andererſeits:„Gewidmet von dem Verein für das Denkmal des Chriſtoph Columbus, am 12. Oktober 1876, zu Chren der Ausſchiffung des Columbus am 12. Oktober 1492“, und unter dieſem das Wappen der Stadt Genua und die Worte:„Zum Gedächtniß der erſten hundertjährigen Feier der amerikaniſchen Unab⸗ hängigkeit.“ Die Koſten des ganzen Denkmals belaufen ſich auf 18,000 Dol⸗ lars oder 72,000 Mark und ſind ganz durch freiwillige Beiträge aufge⸗ bracht worden.
Charade.
(Zwei Silbenpaare.) Sei, Erſtes, mir geſegnet! frohe Stunde, Da ich, der Welt geſchäft'gem Lärm entgangen, Der Liebſten nah', von ſehnendem Verlangen Ein Wunſch entquillt des Herzens tiefſtem Grunde⸗ Und ſie? ihr Zweites gibt mir ſel'ge Kunde Von ihrer Lieb' und ihrem ſüßen Bangen, Und es verſchließt, da ich die Braut umfangen, Die Lippe mir ein Kuß von ihrem Munde. Und wie das Zweite hold ihr Antlitz ſchmückt, So leuchtet's auf allüberall, entzückt Seh' ich im Ganzen ſich die Welt verklären. Wem füllten nicht das Auge Wonnezähren? Wer fühlte nicht, dem Erdenſtaub entrückt, Emporgetragen ſich zu höh'ren Sphären?
. Schönborn. Auflöſung folgt im nächſten Heft. R. Schönborn.
Auflöſung des Palindroms vom 16. Heſt: Eder— Rede.
Auflöſung des Logogriphs vom 16. Heft: Siegel— Spiegel.
Bilder⸗Räthſel⸗
Auftöſung folgt im nächſten Heft.
Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 16. Heſt: Ein eiferſüchtiger Ehemann iſt oft der Todesengel einer treuen Frauenliebe.
7 Alle Rechte vorbehalten.
Redaktion, Druck und Verlag von Hermann Schönlein in Stuttgart.
niß je Wie k
1
wenn
nicht! dern u ben— „N unterbe rüſtet. kenne uug, n nach de Du in macht im W Menſc ſchönen mir be de höhniſe ollte das 6. taſch der W
kennen Enttin ſein. zuten Scho als S um Dane Tode die;
gewi
Mut heiti
chlei
nn


