333 Itluſtrirte Chronik der Zeit.
Küſte zu ſein, die der Inſel Sanſibar gegenüber liegt. Auch Mozambique, Sofala u. ſ. w. haben dieſelben Verhältniſſe, aber der Reiſende iſt von hier aus ſeinem eigentlichen Ziel, dem unerforſchten Gebiete Centralafrika's, zu weit entfernt. Noch mehr iſt dies der Fall wenn der Reiſende Natal oder das Kapland zum Ausgangspunkt erwählt. Die ſüdliche Weſtküſte bietet durchaus keine günſtigen Verhältniſſe zum Stützpunkt einer Expedi⸗ tion; günſtiger iſt dieſelbe von Senegambien, doch würde von hier aus nur eine Reiſe nach Nordoſten von Intereſſe ſein, der ſich wieder die völlig geſetz⸗ loſen Zuſtände der Eingeborenen, ſowie ihr angeborener Hang zur Verrätherei als erſchwerendes Moment entgegenſtellen. Am günſtigſten erſcheint Tri p olis als Ausgangspunkt. Von hier aus laſſen ſich die äußerſten türkiſchen Grenz⸗ ſtationen ohne Schwierigkeit erreichen, Kameele, Maulthiere, Eſel und Pferde ſind billig zu haben, auch eine treue Dienerſchaft läßt ſich hier mit Leichtigkeit gewinnen. Sämmtliche Ausrüſtungsgegenſtände ſtnd in Tripolis zu haben, oder doch von dem nahen Malta zu erhalten, und— was nicht zu unterſchätzen iſt— durch den Weg durch die Sahara wird der Reiſende nicht nur mit dem Reiſen ſelbſt vertraut, ehe er ſein eigentliches Forſchungs⸗ gebiet erreicht, ſondern er gewöhnt ſich auch allmählig an das Klima. Tri⸗ polis ſcheint demnach als Ausgangspunkt für die afrikaniſche Forſchung am geeignetſten zu ſein. 3 R. Sch. Als der Polenkönig Johann Sobiesky, der tapfere Befreier Wiens von den Türken(1683), auf dem Sterbebette lag, forderte ihn der Biſchof, der ihm die letzte Oelung reichte, auf, ein Teſtament zu machen. Lächelnd erwiederte der Hinſcheidende:„Man hat mir, obgleich ich König war, im Leben ſo oft nicht gehorcht, wie kann ich mir einbilden, daß man mir gehorchen werde, wenn ich todt bin?“ R. Ameiſenhochzeit.— Eine der intereſſanteſten Erſcheinungen im Leben der Ameiſen iſt der Hochzeitsflug der geflügelten Männchen und Weibchen, den man im Auguſt eines jeden Jahres bei einiger Beobachtung eines Ameiſenſtaates wahrnehmen kann. Schon vor dem Ausfluge macht ſich die größte Beweglichkeit im Haufen bemerkbar. Unruhig laufen die Arbeiter hin und her, zwiſchen ihnen kommen die Langgeflügelten hervor und ſehen ſich verwundert um, da ſie für gewöhnlich im Innern der Wohnung ſich verborgen halten. Die Unruhe und Aufregung wächst mit jedem Augenblick, bis endlich ſich der ganze Schwarm in die Luft erhebt. Die Arbeiter ſuchen die Geflügelten zurückzuhalten, aber den meiſten gelingt es zu entkommen. In wilder Luſt ſchwirren ſie durch die Luſt, hin und wieder in ſolchen Mengen, daß man ſie ſchon für aufſteigenden Rauch gehalten hat. Die Chroniken alter Städte berichten öfter von ſolchen Schwärmen. Iſt der Zug ermüdet, ſo läßt er ſich zur Erde nieder und die Weibchen ſuchen nach einer Wohnung, während die Männchen ſehr bald zu Grunde gehen. Tauſende von Ameiſen werden bei dieſem Fluge von Vögeln verzehrt, ſo daß nur die wenigſten Weibchen zur Gründung eines neuen Staates gelangen. R. Sch. Ueber den Urſprung des Halbmondes als Symbol des Islam, welcher dem Muhamedaner als daſſelbe gilt, was dem Chriſten das Kreuz, nämlich das Sinnbild des Glaubens, fehlen die genaueren Nachrichten. Es iſt jedoch nicht unwahrſcheinlich, daß ſein Urſprung in einer Legende zu ſuchen iſt, die der fromme Muſelmann von ſeinem Pro⸗ pheten berichtet. Im zehnten Jahre der Sendung des Propheten, ſo er⸗ zählt man, als noch die meiſten Araber an der Göttlichkeit derſelben zweifelten, verlangten ſie von ihm zur Beglaubigung ſeines Propheten⸗ thums die Verrichtung eines Wunders. Und ſiehe, da ſpaltete ſich plötzlich der Mond, welcher voll am Himmel ſtand, in zwei Theile, wovon die eine Hälfte verſchwand, während die andere zurückblieb, ſo daß die Un⸗ gläubigen das Wunder des Halbmondes anſchauten.— Das Wahre an dieſer Legende iſt wohl auf eine zur rechten Zeit eingetretene partielle Nonds⸗ finſterniß zurückzuführen, und ebenſo nahe liegt die Vermuthung, daß man darum das Bild des Halbmondes, durch welchen die göttliche Sendung des Propheten beglaubigt worden ſein ſoll, als Symbol ſeiner Lehre auf⸗ ſtellte. R. Sch. Schlachtgebet.— Vor der Schlacht bei Murten(1476) zwiſchen den Schweizern und Karl dem Kühnen von Burgund knieten die Alpen⸗ ſöhne zum Gebet nieder, und ihr Anführer ſprach:„Lieber Gott, haben wir Recht, ſo ſteh' uns bei; haben unſere Feinde Recht, ſo ſteh' ihnen bei; haben wir aber alle Beide Recht, ſo ſieh' einmal zu, wie wir uns ſchlagen werden!“ Und die Schweizer ſchlugen ſich ſo, daß ihr Sieg bei Murten bis heute eine ihrer glänzendſten National⸗Erinnerungen geblieben iſt und im Jahre 1876 in erhebender Weiſe gefeiert wurde. R. Der Wein in der Mythologie der Griechen.— Die Rebe erſchien den Griechen neben dem Getreide als eine der dankenswertheſten Gaben der Götter. Seit Homer'’s Zeit wird ihrer häufig Erwähnung ge⸗ than, die Kultur derſelben iſt alſo eine uralte. Bacchus brachte ſie, wie die Mythe berichtet, aus Indien nach Griechenland, von wo aus ſie die Römer empfingen. Er erfand die Bereitung des Traubenſaftes und lehrte dieſe Kunſt auf ſeinem drei Jahre lang dauernden Zuge durch die Welt. Nicht überall nahm man das neue Gewächs,„das die Menſchen den Göt⸗ tern näher brachte“, freudig auf, verſchiedene Könige ſuchten ſeine Kultur zu unterdrücken. So Pentheus, König in Theben, den Bacchus der Sage nach zur Strafe für ſeinen Widerſtand von den raſenden Weibern, unter
denen auch ſeine eigene Mutter war, zerreißen ließ. Auch der König der Thraciſchen Edoner, Lykurgus, war gegen den Weinbau und ließ alle Stöcke ausroden. In ſeinem Eifer gegen den Weinbau tödtete er ſogar ſeinen eigenen Sohn Dryas. Später, als man den Wein mit Waſſer miſchte, um ſeine Wirkung zu mildern, und als Lykurgus ſah, daß ſeine Unterthanen doch dem Bacchusdienſt huldigten, mußte er ſich fügen und den Weinbau geſtatten. Ein beſonders berühmter Weinbauer war Oeno⸗ pion auf Chios, der namentlich herrlichen Rothwein in den Handel brachte. Auch auf Rhodus gab es berühmte Weinberge und war die ganze Infel deswegen im früheſten Alterthum berühmt. Zu erwähnen ſind noch die
Trankopfer der Alten, wozu nur unverfälſchter Wein genommen werden durfte. Wenige Tropfen davon ſchüttete man faſt bei jeder Mahlzeit auf die Erde, um hiedurch den Göttern für die herrlichſte der Gaben Dank zu bringen. R. Sch. Ein Brief von Beaumarchais.— Als„die Hochzeit des Figaro“ — nicht die Oper von Mozart, ſondern das franzöſiſche Luſtſpiel, nach welchem der Operntext erſt verfaßt iſt— auf der Pariſer Bühne erſch enen war und ungeheures Aufſehen erregte, ſchrieb ein Herzog an den Dichter, er möge ihm doch ſtatt einer großen Loge, die er(der Herzog) zur nächſten Vorſtellung gemiethet, eine kleinere verſchaffen, da einige Damen das Stück gern kennen lernen, aber ſich nicht öffentlich ſehen laſſen wollten. Beaumarchais antwortete dem Herzog:„Ich habe keine Achtung vor Frauen, mein Herr Herzog, die einer Komödie, welche ſie für unanſtändig halten, nur beiwohnen, wenn es insgeheim geſchehen kann. Solchen Launen füge ich mich nicht. Ich habe mein Stück dem Publikum gegeben, um es zu unterhalten und zu belehren, nicht aber, damit unverſchämten Weibern das Vergnügen wird, in einer kleinen Loge vortheilhaft davon zu denken, in Geſellſchaften dagegen nachtheilig darüber zu ſchwatzen. Das Vergnügen des Laſters und die Ehre der Tugend— das iſt die Koketterie unſeres Zeitalters. Mein Stück iſt gar nicht zweideutig; man muß es öffentlich ſehen oder es meiden. Ich grüße Sie und behalte meine Loge. Beaumarchais.“ R. Egyptiſche Mumien.— Das britiſche Muſeum zu London enthält u. A. die größte Sammlung egyptiſcher Mumien; zwei Säle ſind damit angefüllt. Die älteſten Ueberreſte hervorragender Menſchen ſind wohl das Gerippe eines der erſten Pharaonen(in ſeine urſprünglichen Todtengewänder ein⸗ gehüllt und in Berückſichtigung ſeines überaus hohen Alters wunderbar gut erhalten), welches im Jahre 1865 im Muſeum niedergelegt wurde und als der werthvollſte von all deſſen archäologiſchen Schätzen ange⸗ ſehen wird. Auf dem Deckel des Sarges war der Name ſeines Inhabers Pharao Mykerinus eingeſchrieben, welcher dem Erben des Erbauers der großen Pyramide, ungefähr 22 Jahrhunderte vor Chriſtus, nachfolgte. Der Monarch, deſſen zerbröckelnde Gebeine und lederartige Haut nun die Neugierde und Bewunderung der ſchauenden Menſchen erregen, regierte in Egypten, ehe Abraham geboren war, und nur⸗ ungefähr zwei Jahrhun⸗ derte, nachdem Mizraim, der Enkel des alten Vater Noah und der erſte der Pharaonen, zu ſeinen Vätern verſammelt worden war. Ja, die Zeichen der Waſſerhöhe der Sündfluth konnten kaum verwiſcht, die Krummhölzer der Arche auf dem Berge Ararat kaum verfault ſein, als dieſer Mann lebte und ſich ſeines Daſeins freute. Als er in der Blüthe ſeines Lebens ſtand, hatte die Zeit des fernen Alterthums eben erſt begonnen. S. Der erſte deutſche Fiſchzüchter iſt Stephan Ludwig Jakob, wie Dr. L. Häpke kürzlich durch biographiſche und literariſche Nach⸗ forſchungen feſtgeſtellt hat. Sein Geburtsort iſt Hohenhauſen in Lippe⸗ Detmold, wo er am 28. April 1709 das Licht der Welt erblickte. Im Jahre 1734 finden wir ihn in Marburg, wo er Jurisprudenz, Philoſophie und Mathematik zugleich ſtudirte. Vier Jahre ſpäter kehrte er nach Hohen⸗ hauſen zurück, wo er ſich der Bewirthſchaftung des väterlichen Gutes an⸗ nahm. Nach des Vaters Tod(1741) verwaltete er daſſelbe ſelbſtſtändig und begann auch ſogleich ſeine Verſuche der künſtlichen Fiſchzucht. Noch 1805 waren 12 Teiche vorhanden, die er zu dieſem Zwecke angelegt. Alle Naturforſcher ſeiner Zeit bemühten ſich, von ihm Belehrungen über ſeine Liebhaberei zu empfangen, die er ihnen auch willfährig gab. Auch um die Hebung der Landwirthſchaft überhaupt hat er ſich in ſeinen Kreiſen verdient gemacht. Er ſtarb am 22. April 1784. Von ſeinen 12 Kindern ſetzte ſein Sohn Gerlach Ferdinand die künſtliche Fiſchzucht fort, bis er 1825 vom Tode abgerufen wurde. R. Sch Unſere Seiden⸗Cylinderhüte ſtammen direkt aus China, dem Mutterlande der Seidenkultur. Der erſte Seiden⸗Cylinderhut wurde vor etwa 50 Jahren von einem chineſiſchen Kappenmacher nach dem Muſter eines Filz⸗Cylinderhutes auf Beſtellung eines franzöſiſchen Reiſenden und Naturforſchers verfertigt und kam durch dieſen nach Europa, wo ſich zu⸗ nächſt Duport in Paris dieſer Erfindung bemächtigte, welche in Frank⸗ reich jetzt eine jährliche Einnahme von etwa 60 Mill. Fres. ergibt. R. Unter Ludwig XIV.(1643—1715) ſtanden ſehr viele Schweizer als Söldner im franzöſiſchen Heere. Als der Schweizer⸗Hauptmann Stüppa einſt wegen einer Soldforderung Audienz beim König hatte, ſagte ein Miniſter, der ebenfalls zugegen war:„Mit dem Gold und Silber, das die Schweizer nun ſchon von Sr. Majeſtät bekommen haben, könnte man den Weg von Paris bis Baſel pflaſtern. Stüppa erwiederte, ſeine Ant⸗ wort an den König richtend:„Das iſt möglich, Sire, aber mit dem Blut, das meine Landsleute im Dienſte Frankreichs vergoſſen haben, kann man einen Kanal von Paris bis Baſel ausfüllen.“ Der Monarch nickte und der Miniſter war geſchlagen und ſchwieg. R. Die Miſchraſſen in Mexiko bieten den anthropologiſchen For⸗ ſchungen große Schwierigkeiten. Man findet dort: Meſtizen, von einem Spanier und einer Indianerin abſtammend; den Caſtiſa, von einem Meſtizenweibe und einem Spanier; den Mulatten, von einer Spanierin und einem Neger; den Moniſken, von einer Mulattin und einem Spanier; den Albino, von einer Moniſkin und einem Spanier; den Tornatras, von einem Albino und einer Spanierin; den Tintinclaire, von einem Tor⸗ natras und einer Spanierin; den Lovo, von einer Indianerin und einem Neger; den Caribujo, von einem Coyoten und einer Mulattin; den Grifo, von einer Negerin und einem Lovo; den Albarazado, von einem Coyoten und einer Indianerin; den Chaniſa, von einer Meſtizin und einem In⸗ dianer; endlich den Mechino, von einer Lovo und einem Coyoten. R. Der gelehrte ſächſiſche Theologe Spalatinus erzählte einmal einem Edelmanne: Der römiſche Geſchichkſchreiber Tacitus berichte, das Zechen Tag und Nacht hindurch ſei bei den alten Deutſchen durchaus keine Schande geweſen.„O, lieber Herr!“ rief da der Edelmann vergnügt,„iſt
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