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Früͤhlings einen Einzug
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Illnſtrirte Chronil der Zeit. 337
hält, durchzieht ſchon ein beglückendes Ahnen jede Bruſt. Die erſten Blüthen der noch mit der winterlichen Macht kämpfenden Pflanzen⸗ welt erwecken in uns die wonnigſten Gefühle und werden mit lautem Jubel begrüßt. Zwar ſind dieſe Vorläufer der kommenden ſchönen Jahreszeit nur unſcheinbare Blümchen, aber dennoch ſuchen wir ſie gerne auf, um bei ihrem Anblick von der glückverheißenden Zukunft zu träumen.
Oft entfalten ſie ſchon zwiſchen Schnee und Eis ihre Blüthen und bilden dann inmitten des Wintertobens ein gar liebliches Bild. Dort erhebt ſich aus dem fahlen Raſen des Wieſenteppichs das be⸗ ſcheidene Gänſeblümchen, zwiſchen der winterlichen Saat nicken die gelben Köpfchen des Jakobskreuzkrauts und hier grünt und blüht ſchon üppig die Vogelmiere, von der wir für unſere Kanarienvögel⸗ chen einige Zweige als Leckerbiſſen mitnehmen.
Auch Baum und Strauch rüſtet ſich ſchon zum Empfange des
Lenzes. Die Knoſpen der meiſten Bäume ſchwellen an, ja der
Haſelſtrauch iſt mit Blüthenkätzchen ſchon reich überhangen, und der fächelnde Wind ſtreut den goldgelben Staub derſelben weit umher auf Flur und Au. Neugierig ſchauen die purpurnen Stempel⸗ blüthen aus ihrem Knoſpenkleide; es iſt, als ob ſie ſich ſcheuten, ſchon ganz aus der ſchützenden Hülle zu treten. Die Sahlweide hat auch ihre Kätzchen herausgeſandt, um dem jubelnden Liede des heimgekehrten Staares zu lauſchen. Hin und wieder kommt ein Bienlein ſummend herbeigeflogen, auch der kecke Citronenfalter hat ſchon ſeinen winterlichen Sarg durchbrochen.
Doch iſt es noch nicht die rechte Frühlingsfeier, die ſich unſerm Auge erſchließt. Selbſt das Schneeglöckchen mahnt noch an den unfreundlichen Winter.
„Schneeglöckchen iſt des Winters Blüthenkind,
Es geht zu Ende eilend ſein Regieren:
Da will nach Schnee und Eis und rauhem Wind
Er ſich im Sterben noch mit Blüthen zieren,“ wie der Dichter Heinrich Seidel ſingt. Es ſchwingt ſeine Blüthen⸗ glocke und läutet den Winter zu Grabe und erweckt die Blumen rings umher auf der ſtillen Halde. Sie kommen alle herbei, um beim Empfange des Lenzes gegenwärtig zu ſein. Das Himmels⸗ ſchlüſſelchen im goldigen Glanze eröffnet den Reigen. Mit ihm zu⸗ gleich erſcheint das Veilchen und durchwürzt mit ſüßen Wohlgerüchen die reine Frühlingsluft. Roth erglänzt die junge Blüthe des Lungenkrauts, um ſpäter in violette Färbung überzugehen. Das blaue Leberblümchen begrüßt den röthlichen Lerchenſporn und ſchön gefärbte Anemonen ſchaukeln ihre Blüthenglocken im Winde.
Vom Berge ſtürzt ſchäumend der vom Schnee geſchwellte Waldbach und durchzieht wie ein Silberband die in friſches Grün ſich kleidende Waldwieſe. Erlen uniſäumen die Ufer und ſpiegeln ihre ſchwärzlichen Blüthenkätzchen in ſeinen Fluthen. Peſtilenzwurz und Milzkraut ſind hier zu finden, rings iſt die Wieſe mit gold⸗ gelben Dotterblumen und Hahnenfußblüthen überſäet, während vom Waldſaume her uns das zierliche Buſchwindröschen entgegen lacht.
Auch Anger und Feld erglänzen in prangenden Lenzesfarben. Das Frühlingsfingerkraut breitet ſeine Blumenkrone aus, auf ſchup⸗ pigem Schafte neigt ſich die Korbblüthe des Huflattichs, blaue
Mannig
Der große Muſiker Händel war bei ſeiner rieſigen Leibesgröße ein ſtarker Eſſer und Trinker. Einſt trat er in ein Londoner Speiſehaus und verlangte ein Mittageſſen für Drei. Er mußte lange warten und wurde endlich ungeduldig.„Warum kommt das Eſſen nicht?“ fragte er. —„Wir tragen auf, ſobald die Geſellſchaft kommt,“ antwortete der Kellner.—„Dann,“ ſprach Händel,„bringt das Eſſen prestissimo: ich bin die Geſellſchaft.“ R.
Froſchwanderungen.— Selbſt dem harmloſen Heere der Fröſche bleibt die Sorge nicht erſpart; mit Wehmuth ſehen ſo manche von ihnen den heimiſchen Moraſt durch Zufälle irgend welcher Art waſſerärmer und waſſerärmer werden und immer drohender die Gefahr ſich nahen, daß ſie eines Tages ganz auf das Trockene geſetzt ſind. So hatten auch vor Jahren die Fröſche in einem großen Teiche nahe der Stadt Windham jn Nordamerika bemerkt, daß der Teich mehr und mehr austrockne. Als der Waſſermangel zu fühlbar wurde, faßten die Fröſche den merkwürdigen Ent⸗ ſchluß, auszuwandern. Entweder durch Kundſchafter oder durch Inſtinkt mußten ſie erfahren haben, daß ungefähr eine deutſche Meile von ihrem Teiche entfernt der waſſerreiche Fluß Winnomantic im Staate Connecticut fließe; dahin beſchloſſen ſie zu ziehen. In einer Julinacht ging der Zug vor ſich; eine ungeheure Zahl von Fröſchen, voran die ſogenannten Ochſenfröſche, die eine ſehr ſtarke Stimme haben, hüpften auf den Wegen; eine volle Stunde währte es, bis ſie alle die Stadt Windham durchhüpft hatten. Der Mangel an Waſſer hatte ſie in gereizte und melancholiſche Stimmung verſetzt, der ſie
durch lautes Quaken, die Ochſenfröſche durch Brüllen, Ausdruck gaben B.⸗A.
Kurze Zeit nach dem Frieden von Tilſit(1807) beſchloß der Magiſtrat einer kleinen Stadt Oſtpreußens, welche durch franzöſiſche Ein⸗ Chronik ꝛc. 1877.
Ehrenpreisarten miſchen ſich mit dem unſcheinbaren Hungerblümchen und den duftloſen Goldſternblüthen.
Und wie lebendig iſt es ſchon in der Thierwelt rings umher! Spielenden Mückenſchwärmen begegnen wir überall, die erſten Falter neigen ſich mit Wohlgefallen auf den Frühlingsblüthen, emſig trägt ſchon das fleißige Bienchen den ſüßen Honigſeim ein, hungrig kriecht der Maiwurm in's ſaftige Saatfeld, hurtig eilen die mancherlei Raubkäfer beuteſuchend und mordluſtig durch's junge Grün des Feldes und Waldes. Die flinke Eidechſe huſcht durch's dürre Gras und verſteckt ſich im Brombeergeſträuch, die kupferbraune Blind⸗ ſchleiche ſchlängelt behaglich im Sonnenſchein. Die Fröſche im Weiher ſtimmen ihr Konzert an, und wenn es auch nur anfangs wenige Stimmen ſind, die den Frühling verkünden, ſo mehrt ſich doch tagtäglich die Zahl der luſtigen Sumpfmuſikanten, bis auch zuletzt die Unke mit ihrem eintönigen Rufe nicht länger zurückhält.
In der Vogelwelt offenbart ſich erſt recht die größte Regſam⸗ keit. Die Vögel, welche im Winter ſich zuſammenſchaarten, ziehen zurück in den Wald und in Parkanlagen, während die Sommer⸗ gäſte allmählig bei uns ihren Einzug halten. Die Lerche begrüßt mit jubelndem Triller den jungen Tag, Droſſeln und Zeiſige, Stieglitze und Finken ſuchen die heimlichen Niſtorte auf und ſingen von kommenden glücklichen Zeiten. Die Schwalbe ſitzt ſchon auf dem Fenſtervorſprung und begrüßt mit freudigem Zwitſchern das alte Neſt, während der Liebling der Dorfjugend, der alte Storch, eben ſein Weibchen in die liebgewonnene Heimath einführt.
Viele Vögel haben ihre Neſter ſchnell gebaut, andere brauchen mehr Zeit, um für ihre Jungen ein warmes Bett zu bereiten, alle aber erheben ihre Stimmen zu lautem Jubelgeſang. Ein Sänger erweckt den andern, es iſt ein Singewettkampf unter ihnen ausge⸗ brochen, der erſt endet, wenn die dunkle Nacht ihr Schleiergewand über die knoſpenden, keimenden Fluren deckt.
So iſt unvermerkt der Frühling eingezogen. Mit jedem Tage bietet die Natur neue Schönheiten, gewährt ſie uns neue Luſt. Immer ſchönere Kinder ſendet Flora auf die Erde, immer lautere Stimmen erwachen im Wald. Und tritt gar erſt die ſchon ſo oft und vielfach beſungene Zeit der Obſtblüthe ein, die unſerer immerhin beſcheidenen nordiſchen Natur faſt ein tropiſches Anſehen verleiht, dann ſchwelgt wohl jedes Herz im Vollgenuſſe des Lenzes. Sehr ſinnig nennen die Dichter die Blüthen der Bäume die Kerzen des Frühlings. Ja, es ſind wirkliche Kerzen, die den Einzug des Königs Mai beleuchten. In ſeinem Gefolge iſt auch die Nachtigall, die mit ſüß flötender Stimme ihm ihre Huldigung während der Nacht und beim Schimmer des Frühroths darbringt.
Der Frühling iſt da!— Es ſagt's uns nicht nur der Kukuks⸗ ruf aus dem Walde, jeder Sonnenſtrahl, der die Erde küßt, jede Blume, die ihre Knoſpenaugen zum azurblauen Himmel aufhebt, jede Stimme, die aus der beglückten Vogelbruſt dringt, mahnt uns daran. Mit Recht ſingt daher der Dichter Otto Roquette:
„Und das iſt ein Blühn und Sprießen, Waldesduften, Quellenfließen,
Und die Bruſt wird wieder weit— Frühling, Frühling, goldne Zeit!“
f ſ 1 t 1 9 e g.(Nachdruck verboten.)
quartierung viel gelitten hatte, eine nächtliche Straßenbeleuchtung auf Koſten der Bürgerſchaft einzurichten. Da die Väter der Stadt vorher, als der Ort noch wohlhabend geweſen war, nie an eine ſolche koſtſpielige Einrichtung gedacht hatten, ſo fand ſich eines Morgens über der Rathhaus⸗ thüre folgendes Gedichtchen angeklebt:
„Als unſ're Sundt im Wohlſtand war,
Da blieb ſie finter ganz und gar;
Nun, da ſie faſt zu Grund gegangen,
Denkt man Laternen aufzuhangen,
Damit der arme Bürgersniann
Des Nachts zum Betteln ſehen kann!“ R.
Ausgangspunkt für Afrikareiſende.— Im„Auslande“ wird
die afrikaniſche Küſte in Bezug auf ihre Eigenſchaften als Ausgangspunkt für die afrikaniſche Forſchung einer Unterſuchung unterzogen. Von Ma⸗ rokko aus geſtattet der blinde Haß der Bevölkerung keinem Chriſten das Eindringen in das Innere des Landes, da die Regierung zu ſchwach iſt, den Reiſenden genügenden Schutz zu gewähren. Auch Algerien empfiehlt ſich nicht, da die Bewohner ſüdlich davon die größte Abneigung gegen Alle hegen, die aus Algerien kommen. Man hält Jeden für einen Franzoſen oder doch mindeſtens für einen Spion derſelben. Tunis iſt gar nicht zu er⸗ wähnen, auch Egypten bietet ſeine Schwierigkeiten. Das Nilthal iſt zwar ſehr günſtig zum Ausgangspunkt, doch haben alle neueren Reiſenden, die von hier aus vordringen wollten, ſchlimme Erfahrungen machen miüſſen, namentlich wenn ſie der Regierung nicht vollſtändig unabhängig gegenüber ſtanden. Abeſſinien hat auch wenig Verlockendes, daſſelbe gilt von den
ſüdlichen Küſtenlandſchaften. Am günſtigſten ſcheint von dieſen noch die . 51
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