Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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Sie ſind mit Wurzer befreundet, alſo hätten Sie es wiſſen können.

So ſehr bin ich nicht mit ihm befreundet. Uebrigens iſt es

noch nicht aller Tage Abend, ich werde über ein Mittel nachdenken,

die beiden Aſſociés zu trennen. Der Mann wünſcht noch heute abzureiſen, ich rathe Ihnen, ihm das Geld zu geben.

Weshalb geben Sie es ihm nicht?

Ich kann es nicht entbehren.

Sie ſind durch mich ein vermögender Mann geworden!

So groß iſt mein Vermögen nicht, und ich habe auch weiter fein Intereſſe daran, ob der Mann auswandert, oder ob er hier eibt.

Das ſcheint mir doch der Fall zu ſein, ſagte Ackermann mit einem ſcharfen, forſchenden Blick auf ſeinen Sekretär.

Der Mann iſt mein Freund

Und die Polizei verfolgt ihn?

Nein; er glaubt drüben das Glück zu finden, das er hier

vergeblich geſucht hat.

Ackermann hatte einen Bogen Papier vor ſich hingelegt, er ſchrieb haſtig einige Zeilen nieder, und nachdem er den Brief ge⸗ ſchloſſen und adreſſirt hatte, öffnete er den eiſernen Schrank, aus dem er einige Banknoten nahm.

Ich will Ihrem Rathe folgen, ſagte er, indem er Geld und Brief ſeinem Sekretär übergab,aber ſeien Sie vorſichtig und ver⸗ rathen Sie nicht, daß dieſes Geld von mir herrührt.

Sie dürfen mir das Weitere getroſt überlaſſen.

Wiſſen Sie, ob der Polizeirath nach Wien abgereist iſt?

Er hat die Reiſe heute Morgen angetreten.

Und bis wann kann er zurückkehren?

In den erſten vierzehn Tagen ſchwerlich, dann ſind Sie auf der Badereiſe.

Ich weiß noch nicht, ob ich ſie wirklich machen werde, er⸗ wiederte Ackermann achſelzuckend,vielleicht laſſe ich meine Frau allein reiſen.

Der alte Mann befand ſich ſchon auf dem Wege zur Thüre, als dieſe plötzlich geöffnet wurde und Jeanette in fieberhafter Er⸗ regung eintrat.

Die gnädige Frau iſt plötzlich erkrankt, ſagte ſie, nach Athem ringend,ich fürchte

Na, na, nur nicht gleich das Kind mit dem Bade ausſchütten! fiel Ackermann ihr in's Wort.Gehen Sie, Becker, ich erwarte Sie morgen Früh zur beſtimmten Stunde.

Der Sekretär zögerte, erwartungsvoll ruhte ſein lauernder Blick auf der Zofe.

Wenn ich vielleicht zum Arzt gehen ſoll, ſagte er, aber cernninn befahl ihm durch einen gebieteriſchen Wink, ſich zu ent⸗ ernen.

Daniel iſt ſchon fort, um den Doktor zu holen, ſagte Jeanette;er wird ſogleich hier ſein.

Wer hat den Befehl gegeben, den Arzt zu rufen? fragte Ackermann ſcharf.

Die gnädige Frau

So hätte man zuvor mich fragen ſollen!

Aber die gnädige Frau iſt ernſtlich krank.

Ach was, es wird ſo ſchlimm nicht ſein, der Arzt mit ſeinen Pulvern und Mixturen

Ackermann beendete den Satz nicht, er ſchritt haſtig in das Boudoir ſeiner Gattin.

Bertha lag auf dem Divan, ihr ſchönes Geſicht war todesbleich, Fieberfroſt ſchüttelte ihren Körper und in hellen Tropfen perlte der Schweiß auf ihrer Stirne.

Kommt der Arzt noch nicht? fragte ſie mit zitternder Stimme.

Geduld, liebes Kind, erwiederte Ackermann, während er einen Seſſel zum Divan rollte und ſich niederließ,ich hoffe, es wird nur eine leichte Erkältung ſein.

Eine Erkältung? ſagte ſie.Wo ſollte ich ſie mir geholt haben? Dieſes furchtbare Kopfweh iſt unerträglich.

3Der Arzt wird es lindern. Iſt denn das ſo ganz plötzlich gekommen?

Vor einer Stunde hatte ich noch keine Ahnung davon, er⸗ wiederte die junge Frau, ihre Hand auf die Stirne preſſend.Ich trank ein kleines Gläschen von dem Ungarwein, den Du mir ſo ſehr empfohlen haſt, und nach einer Viertelſtunde begann das Kopfweh..

Aber der Wein iſt rein, ich habe ſelbſt ihn gekauft und vor⸗ her geprüft, um ganz ſicher zu ſein, einen reinen Naturwein zu erhalten.

Du kannſt trotzdem betrogen worden ſein. Wo iſt die Flaſche? wandte Ackermann ſich zu der Zofe.

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Ich werde ſelbſt den Wein verſuchen. Uebrigens kann der Wein, auch wenn er gefälſcht wäre, nicht wohl die Urſache dieſer Er⸗ krankung ſein. Du ſcheinſt Fieber zu haben.

Der Froſt ſchüttelt mich.

Alſo muß es Erkältung ſein.

Wenn nur kein Nervenfieber im Anzug iſt.

Denke doch nicht gleich das Schlimmſte! ſagte Ackermann lächelnd,der Typhus iſt die Krankheit des Proletariats. Biſt Du nie krank geweſen?.

So viel ich mich erinnern kann, nicht!

Nun, dann begreife ich Deine Ungeduld und Deine Angſt. Da kommt der Arzt, er wird Dich jedenfalls beruhigen.

Ackermann hatte ſich erhoben, er ging dem alten Herrn ent⸗ gegen, der ſeine Freude darüber, daß er in dieſes vornehme Haus gerufen worden war, nicht verbarg.

Er war ſehr aufmerkſam und ſehr rückſichtsvoll, er prüfte den Puls und betrachtete die Zunge, forſchte nach Dieſem und Jenem und zeigte ſeiner beſorgten Patientin die heiterſte Miene.

Sie werden wahrſcheinlich irgend etwas genoſſen haben, was Ihnen eine Indigeſtion zugezogen hat, ſagte er,dem Ungarwein können Sie die Schuld nicht beimeſſen, im Gegentheil, dieſer Wein, mäßig genoſſen, kann der Geſundheit nur dienlich ſein.

Ich habe das auch geſagt, erwiederte Ackermann,aber ich will dennoch den Wein prüfen, die Weinhändler von heute ſind die größten

Ja, allerdings, in der Fälſchung dieſes Artikels ſind wir ſehr weit fortgeſchritten, unterbrach der Doktor ihn, während er ſich an den Schreibtiſch ſetzte, um ein Rezept zu ſchreiben,aber ein einziges kleines Gläschen kann ſolche Erſcheinungen nicht hervor⸗ rufen. Nehmen Sie dieſe Arznei ſtündlich, gnädige Frau, und ver⸗ halten Sie ſich ruhig, ich werde morgen nachſehen und hoffe, Sie dann wieder wohl zu finden.

Ackermann begleitete ihn hinaus, ſeine Stirne zeigte ſorgenvolle Falten.

Was halten Sie von dieſer plötzlichen Erkrankung? fragte er mit leiſer Stimme.Ich verhehle Ihnen nicht, daß ich doch nicht ſo ganz ruhig bin. 3

Der Arzt war ſtehen geblieben, ſein Geſicht zeigte einen ernſteren Ausdruck.

Ich muß Ihnen offen geſtehen, daß ich eine ſichere Diagnoſe noch nicht ſtellen kann, ſagte er,wir müſſen eben abwarten, wie die Sache ſich entwickelt.

Fürchten Sie eine Gefahr? 4

Mein geehrter Herr, wir Aerzte dürfen nicht fürchten, wir müſſen der Gefahr in's Auge ſehen und den Kampf mit ihr auf⸗ nehmen. Mir gefällt dieſes ſtarke Fieber nicht, hat Madame dar⸗ über früher nie geklagt?

Nein, aber ich glaube in der letzten Zeit oft eine fieberhafte Haſt und Erregung an ihr bemerkt zu haben

Alſo hat dieſe Krankheit ſich langſam vorbereitet, nickte der alte Herr,ich dachte es mir.

Meine Frau fürchtet den Typhus

Na, ſo weit gehen meine Befürchtungen doch nicht, warten wir's in Geduld ab, jedes Ding will ſeine Zeit haben.

Ackermann ſchüttelte dem alten Herrn die Hand, dann kehrte er in das Boudoir zurück.

Biſt Du nun beruhigt? fragte er lächelnd.Der Arzt hat über Deine Befürchtungen gelacht, Du wirſt morgen wieder ganz geſund ſein.

Ich glaube es nicht, erwiederte Bertha.

Du mußt daran glauben, das iſt die beſte Arznei. Iſt das Rezept ſchon fortgeſchickt?

Daniel bringt's zur Apotheke, ſagte Jeanette⸗

Es iſt gut, gehen Sie in die Küche und ſorgen Sie dafür, daß meine Gemahlin heute Abend eine leicht verdauliche Waſſerſuppe erhält.

Die Zofe verließ das Boudoir, Bertha goß in die hohle Hand eine wohlriechende Eſſenz und wuſch damit die Stirne.

Ich hatte Dich gebeten, mir den Depoſitenſchein über meine Werthpapiere zurückzugeben, ſagte ſie,Du haſt dieſe Bitte noch nicht erfüllt.

Weshalb verlangſt Du ihn zurück? fragte er. meinem Schrank ſicherer, als in Deiner Schatulle.

Seitdem Du den Sekretär engagirt haſt, kann ich dieſer An⸗ ſicht nicht mehr zuſtimmen.

Du willſt damit doch nicht behaupten

Ich behaupte nichts, Richard, ich wünſche den Schein zurück⸗ zuerhalten.

Ich muß darin ein wiederte Ackermann vorwurfsvoll.

Er liegt in

Mißtrauen gegen mich erblicken, er⸗ Glaubſt Du denn, ich werde