Jahrgang 
14-26 (1877)
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dem Sekretär den Schlüſſel zu meinem Geldſchrank anvertrauen? Das kannſt Du nicht glauben

Und weshalb nicht? unterbrach Bertha ihn.Dieſer Mann beſitzt eine Waffe, mit der er Dich zu Allem zwingen kann, das muß mich beunruhigen.

Du ſiehſt Geſpenſter, wo keine ſind! Du grollſt mir, weil ich Deine Neugier nicht befriedigen will, und dieſer Groll macht Dich ungerecht..

Ich grolle Dir nicht, aber es ſchmerzt mich, daß ich Dein Vertrauen nicht beſitze. Gib mir meinen Schein, ich werde Papa bitten, daß er ihn für mich aufbewahrt.

Ackermann hatte die Unterlippe zwiſchen die Zähne geklemmt, eine verzehrende Gluth loderte in ſeinen dunklen Augen.

Dieſes Mißtrauen iſt beleidigend, ſagte er,und dies umſo⸗ mehr, weil es jeder Begründung entbehrt. Ich werde Dir jetzt den Schein nicht geben, Bertha, denn man kann ja nicht wiſſen, ob Deine Krankheit ſo bald gehoben ſein wird; ſollteſt Du aber

ernſtlich erkranken, dann halte ich es für nöthig, auch Deine

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Schmuckſchatulle in meinen diebesſicheren Schrank zu ſtellen, bis Du wieder geneſen biſt.

Wozu wäre das nöthig? Jeanette iſt treu.

Ich wiederhole, was ich früher ſchon Dir ſagte, Gelegenheit macht Diebe, und ich ſchenke meinem Schrank größeres Vertrauen, als dem zuverläßigſten Menſchen. Ich bitte Dich ernſtlich, Bertha, quäle Dich nicht ſelbſt mit Vermuthungen, über die jeder ver⸗ ſtändige Menſch lachen muß, denke jetzt weiter an nichts mehr, was Dich aufregen könnte, damit Du bald wieder geſund biſt. Sobald Du Dich wieder wohl fühlſt, treten wir die projektirte Reiſe an, und nach unſerer Rückkehr will ich den Sekretär entlaſſen, falls Du es dann noch wünſcheſt. Und nun kein Wort mehr darüber, ich bin ja bereit, Alles zu thun, was Dich beruhigen kann und jeden Wunſch zu erfüllen, aber Geheimniſſe kann ich Dir nicht enthüllen, weil ich keine habe. Entſchuldige mich jetzt, ich muß einen Brief, den ich bereits angefangen habe, beenden, dann komme ich wieder zu Dir, um den Abend bei Dir zu verbringen.

Er küßte ſie auf die Stirne und nickte ihr lächelnd zu, dann

Jung und Alt. Nach einem Gemälde von C. Harburger.(S. 339.)

ging er hinaus, aber trotz dieſer beruhigenden Worte ſpiegelte ſich in dem Blicke, der ihm folgte, noch immer ein ſcharf ausgeprägtes Mißtrauen. Neunzehntes Kapitel. Forderungen der Ehre.

Im Park von Frankendorf ſchritten Kurt v. Plettenberg und Baron Theobald langſam auf und nieder. Die Sonne neigte ſich ſchon zum Untergange, der falbe Lichtſchein und die drückende Schwüle ließen erkennen, daß ein Gewitter im Anzuge war, darauf deuteten auch die Wolken, die im Weſten langſam emporzogen.

Die beiden Herren bemerkten davon nichts, das Geſpräch, welches ſie führten, feſſelte ihre Aufmerkſamkeit ausſchließlich.

Ja, er iſt täglich hier geweſen, und das beunruhigt mich, ſagte Theobald, indem er die Aſche von ſeiner Cigarre ſchnellte, ich begreife nicht, daß Du davon nichts gewußt haſt.

Pillnitz hat mir nichts davon geſagt, erwiederte Kurt,wir ſind überhaupt in der letzten Zeit nicht mehr ſo oft zuſammen gekommen.

Und worin hat das ſeinen Grund?

Ehrlich geſagt, Theobald, Eduard v. Pillnitz iſt nicht mehr der Alte, der Aufenthalt in der Reſidenz hat keinen guten Einfluß auf ihn geübt. Er iſt ſelbſtſüchtig geworden, und der Egoismus kaun niemals einen Charakter veredeln.

Ich mache ihm noch ſchlimmere Vorwürfe, erwiederte der Baron,er iſt nicht aufrichtig und dabei frivol in ſeinen Ge⸗ ſinnungen und Grundſätzen. Ich werfe ihm auch vor, daß er ein Hazardſpieler iſt und Andere zum Spiel verleitet.

Andere dazu verleitet?

Leider muß ich es wiederholen, ich habe das aus einer Quelle, die durchaus zuverläßig iſt. Ich behaupte nicht, daß er es aus Berechnung thut

Nein, Theobald, Berechnung iſt es gewiß nicht, denn ich habe nie bemerkt, daß er ſpielt, um zu gewinnen. Er geht über einen Verluſt leicht hinweg.

Und ich liebe die Menſchen nicht, die das thun und leicht⸗ ſinnig Schulden auf Schulden häufen!

In dieſem Punkte denkt nicht Jeder ſo ernſt wie Du!