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In ſrüheren Zeiten war das Herüberſchaffen der Zierpflanzen in unſere Heimath zufällig. Diplomatiſche Perſonen, Kanfleute oder Reiſende, welche Sinn für die Blumenkultur hatten, ſandten eine oder die andere ſchöne Pflanze in ihre Heimath oder brachten ſie mit. Später übernahmen beſonders reiſende Botaniker dies Geſchäft, namentlich wenn ſie einen Gärtner als Begleiter hatten, welcher die Einſammlung und die Erhaltung des Eingeſammelten beaufſichtigen konnte. In neuerer Zeit erſt ſind es faſt ausſchließlich die Gärt⸗ ner allein, die uns die Blumenwelt der fremden Erdtheile vermitteln. Das größte Verdienſt in dieſer Hinſicht hat ſich unſtreitig der Schottländer David Douglas erworben, der allein aus Amerika 198 Gewächſe herüberſchaffte. Er fand mitten in ſeiner Wirkſam⸗ keit auf den Sandwichs⸗Inſeln den Tod. Er war damals erſt 36 Jahre alt.
Doch ſetzen wir unſere Wanderung über die heimiſchen Fluren fort und treten in den Obſtgarten. Auch er zeigt uns Fremdlinge, die auf anderen Fluren ihre Heimath haben. Unſere Birnen⸗ und Apfelbäume finden ſich noch heute wildwachſend in den Gebirgen des Kaukaſus und im mittleren Europa. Im Balkan bildet der wilde Birnbaum ſogar ganze Waldſtände, während der Apfelbaum ſtets vereinzelt vorkommt. Die Früchte dieſer Bäume ſind nur klein und haben einen zuſammenziehenden Geſchmack. Wo die Kultur derſelben zuerſt angebahnt worden, läßt ſich nicht mehr feſtſtellen. Jedenfalls iſt ſie aber uralt, denn ſowohl die Geſchichte als auche die Sprachforſchung deuten darauf hin. Theophraſt nennt nur drei⸗ Birnen⸗ und zwei Apfelſorten, Plinius dagegen weiß ſchon von 41 Bir⸗ nen⸗ und 36 Apfel⸗Varietäten zu berichten. Vielleicht ebenſo alt iſt die Kultur der Pflaumen, von denen man über 200 Spielarten kennt. Von der Kirſche haben wir genauere Nachrichten. Dr. Wilh. Kabſch berichtet darüber:„Nach der Beſiegung des Mithridates ließ Lukullus aus Ceraſunt im Pontus den erſten Kirſchbaum nach Italien bringen und führte ihn mit Früchten beladen im Triumph⸗ zuge vor ſich her(74 v. Chr.).“ Alle kultivirten Varietäten laſſen ſich auf gwei Stammarten zurückführen, von denen die eine im mittleren Europa, beſonders in Griechenland und die andere in den Gebirgswäldern des Kaukaſus heimathberechtigt iſt. Der Pfirſich iſt bis jetzt noch nicht in wildem, ſondern nur in verwildertem Zuſtande gefunden
worden. In der Bucharei, Perſien und auch in Japan gedeiht er vorzüglich. Schon im 10. Jahrhundert v. Chr. erwähnt Confucius
den Pfirſich. Die Römer erhielten ihn aus China, man vermuthet daher, daß dort ſein Vaterland zu ſuchen ſei. Die Aprikoſe brachte Alexander der Große aus Armenien nach Griechenland, von wo ſie ſpäter nach Italien kam.
An den Obſtgarten ſchließt ſich der Gemüſegarten an, Auch in ihm halten wir Umſchau. Einige Gewächſe echt deutſchen Ur⸗ ſprungs ſehen uns dort zunächſt entgegen. Da iſt die Mohrrübe, deren Ahnen überall auf unſeren Wieſen zu finden ſind. Sie iſt aus der dünnen, holzigen und ſcharfſchmeckenden Wurzel durch die ſorgfältige Pflege des Gärtners in die ſchmackhafte Wurzelfrucht unigewandelt worden. Es iſt zwar nicht ganz ſicher, ob ſie bereits zu Tacitus' Zeit von den Deutſchen gezogen wurde, aber beſtimmt iſt es, daß ſie im achten Jahrhundert n. Chr. ſchon zu den Kultur⸗ gewächſen gezählt wurde. Auch die Paſtinack iſt von den Wieſen in die Gärten gebracht und hier ſeit alten Zeiten angebaut worden. Dagegen iſt die Runkelrübe ein fremder Eindringling. Sie iſt eine Abart des ſchon bei den alten Griechen angepflanzten Rübenman⸗ gold, deſſen Urpflanze an den Ufern des Mittelmeers und am Strande der kanariſchen Inſeln wild wachſend angetroffen wird. Der Spargel ſtammt wohl aus Südeuropa, wo er wild an den Fluß⸗ Ufern gefunden ſein ſoll. Auch ihn hat die Kultur erſt zu dem geſchätzten Gemüſe gemacht, das er heute iſt. Die Zwiebel iſt wohl eine Bürgerin des mittleren Aſien, obwohl ſie nicht mehr wild wachſend aufzufinden iſt. Der nächſte Verwandte der Zwiebel, der Knoblauch, iſt ein Bote aus der Kirgiſenſteppe der Songarei und über die ganze„alte Welt“ verbreitet. Der Anbau beider Gewächſe iſt ein uralter. Bei allen Völkern des Orients finden wir als charakteriſtiſches Zeichen eine große Vorliebe für dieſelben.
Bohnen und Linſen wurden ſchon von den Hebräern fleißig. angebaut und waren bei allen alten Kulturvölkern bekannt. Die Bohnen haben ihre wahrſcheinliche Heimath an der Südyeſtküſte des kaspiſchen Meeres, während man für die Linſen die Länder des nördlichen Kaukaſus oder auch Südrußland als Vaterland anſieht. Der Spinat iſt ein Urgeborener Arabiens, von wo aus er im 16. Jahrhundert zu uns kam. Die Peterſilie erzählt von Sardi⸗ niens rieſelnden Bächen, der Schnittlauch von Schwedens Fluren, der Kohl von Englands nebeliger Küſte. Freilich erkennt man die Mutterpflanze nicht wieder, wenn man eine Vorſtellung von dem zier⸗ lichen Blumen⸗- und Roſenkohl, dem Weißkohl und Kohlrabimitnimmt, wildwachſend iſt ſie eine ſtrauchartige Pflanze mit holzigem Stengel und bitter ſchmeckenden harten Blättern. Chronit ꝛc. 1877.
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Illnſtrirte Chronik der Zeit. 317
ſtammen aus dem Morgenlande, woher ſie Alexander der Große von ſeinen Feldzügen mitbrachte. Ebenſo die Melone und der ge⸗ wöhnliche Kürbis. Der Flaſchenkürbis dagegen nennt das ſüdliche Amerika ſein Vaterland, während noch andere Kürbisarten aus Japan zu uns gekommen ſind.
Der Weinberg, der ſich ſanft am Hügel hinter dem Gemüſe⸗ garten erhebt, zeigt ebenfalls in der Rebe einen Ausländer. Die Heimath des Weinſtocks iſt am Oſtufer des ſchwarzen Meeres, in dem Kolchis der alten Griechen zu ſuchen. Noch heute ſchlingt ſie ſich hier als wahre Liane in feſſelloſer Freiheit um die Kronen und Gipfel der Bäume und lockt durch ihre zwar nicht ſehr ſchmackhaften klei⸗ nen Beeren die Umwohner zur Zeit der Reife in die Wälder. In dieſer Gegend pflanzte auch der Erzvater Noah die erſten Reben und trank ſich ſein Räuſchchen, von dem die Bibel Mittheilung macht. Noch heute findet man am Ararat eine kleine Anſiedelung, deren Name„Arzuri“ wörtlich bedeutet:„Er hat die Rebe gepflanzt.“ Von hier aus hat ſie den Weg in alle Länder gefunden. Nach Deutſchland kam ſie 281 n. Chr. durch den Kaiſer Probus, der die erſten Weinberge um Speier, Worms und Mainz anlegte.
Hinter dem Weinberg führt uns die Straße ins freie Feld. Wie von einer Schaar uniformirter Soldaten wird ſie zu beiden Seiten von den ariſtokratiſch hochgereckten Pyramiden⸗Pappeln ein⸗ geſchloſſen. Schon dieſe„langen Müſſiggänger“ ſind hier nicht zu Hauſe, ſondern verrathen in dem vornehmen Anſtande ihrer Hal⸗ tung und in dem glänzenden Grün der feſten Blätter ſogleich die ſüdliche, die italieniſche Abkunft, wie Maſius ausführt. Das wogende Getreidefeld zu unſerer Linken lenkt unſere Blicke auf ſich. Blaue und rothe Blüthen miſchen ſich unter die nickenden Halme
und lächeln uns ſo heimathfreudig an, wenn die helle Sonne ihnen
den Thau aus den Augen trocknet. Seit früheſter Jugend kennen und lieben wir dieſe Blüthen, ja wir können uns kaum eine deutſche Au ohne ſie denken. Und doch ſind ſie eingewanderte Fremdlinge. Das beweist uns ihre innige Freundſchaft und Zuſammengehörig⸗ keit mit den Getreidearten, den„Vagabunden ohne Heimathſchein“, wie Prof. Schleiden ſie nennt. Und er hat Recht, denn ſo oft man auch glaubte, das Vaterland unſerer Cerealien gefunden zu haben, immer hat es ſich als Täuſchung herausgeſtellt. Die Geſchichte dieſer wich⸗ tigſten Kulturgewächſe iſt in ein undurchdringliches Dämmerlicht der Mythen und Sagen gehüllt. Jedenfalls ſind aber unſer Roggen und ſeine Verwandten nicht ſo hohen Urſprungs, wie die Sage glauben machen möchte, ſondern ſind wohl erſt durch die Kultur, die Kunſt und den Fleiß des Menſchen zu dem geworden, was ſie gegenwärtig ſind. Sie waren einſt ſchlichte Gräſer, die mit bunten Blumen und Blüthen zuſammen eine friſche Wieſe in ihrem Heimath⸗ lande bildeten. Dieſe Blumen ſind noch heute unzertrennlich von ihren Heimathsgenoſſen. Kornraden, Kornblumen und Klatſchroſen findet man überall, wo nur eine Hand das Samenkorn dem mütter⸗ lichen Schoß der Erde anvertraut. Unſern Roggen will zwar der Reiſende Bieberſtein am Kaukaſus wild gefunden haben, ebenſo be⸗ hauptet K. Koch, ihn im nördlichen Kleinaſien im Gaue Hemſchen bei dem Dorfe Dſchimil auf Bergen von 2000 Meter entdeckt zu haben. Aber beide Mittheilungen haben keine Anerkennung gefunden und beruhen wohl auf einem Irrthum, denn das Wahrſcheinlichere iſt, daß das Roggengras überhaupt von der Erde verſchwunden iſt.
Maſſiliſche Kaufleute brachten aus Taurien den Roggen nach Europa. Zu Plinius' Zeiten wurde er nur erſt wenig, z. B. bei Turin, angebaut. Sorben und Wenden führten den Roggen in Deutſchland ein, und Karls des Großen Kabinetsbefehle wirkten auf die Verbreitung ſeines Anbaues. Den Weizen will vor einigen Jahren ein franzöſiſcher Gärtner Fabre als einen Emporkömmling aus der am mittelländiſchen und adriatiſchen Meere häufigen Gras⸗ art Walch(Aegilops) durch zwölfjährige Züchtungsverſuche entdeckt haben. In dieſer Zeit war das ſchlichte Gras vollſtändig mit unſerem Weizen übereinſtimmend geworden, ohne auch wieder zurück⸗ zuſchlagen, ſo daß das herrlichſte Weizenfeld der Ernte entgegen⸗ reifte. Der Naturforſcher Gordon hat aber ſpäter gezeigt, daß dieſer neue Weizen, den man Aegilops triticoides nannte, nur ein Baſtard von der genannten Grasart mit dem Pollen des Weizens iſt. Wenn auch dieſer Verſuch über die Abſtammung unſerer Ge⸗ treidearten ſomit noch kein Licht verbreitet hat, ſo iſt es doch wohl mehr als wahrſcheinlich, daß auf dieſe Art und Weiſe unſere Cerealien von den Menſchen ſelbſt durch Züchtung erzeugt worden ſind. Jedenfalls reicht aber die Kultur des Weizens über. die ge⸗ ſchichtliche Zeit hinaus. Die Sanskritſprache hat für ihn kein eigenes Wort, ſondern bezeichnet ihn als„Barbareneſſen“, womit vielleicht auf den Urſprung von Nordweſten her hingewieſen ſein dürfte. Auch die Gerſte hat eine lange Geſchichte hinter ſich. Von Egypten iſt ſie nach Europa gekommen. Mit Sicherheit weiß man auch ihr Vaterland nicht anzugeben. K. Koch nennt die Steppen
Unſere köſtlichen Gurken von Schirvan im Südoſten des Kaukaſus, der Reiſende Meyer fand 48


