Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronil der Zeit.

Bitte, ſagen Sie mit dürren Worten, was man von mir for⸗ dert, unterbrach Bogen ihn.Mein Bruder iſt wieder einmal in Verlegenheit, und da ſoll ich aushelfen, iſt es nicht ſo?

Nicht ganz, erwiederte Wurzer, während er die Gläſer ſeines Lorgnons abrieb.Vielleicht iſt es Ihnen bekannt, daß wir mit einiger Beſtimmtheit darauf rechneten, Herr Ackermann werde ſich mit uns aſſociiren; auf dieſe Erwartung geſtützt haben wir uns in größere Unternehmungen eingelaſſen, die unſere geſammten Fonds in Anſpruch nahmen. Nun aber lehnt Herr Ackermann die Ver⸗ bindung ab, und in Folge deſſen ſitzen wir feſt.

Ich wußte es ja

Erlauben Sie, die Sache iſt gar nicht ſchlimm, es gilt nur, den Kredit wieder zu befeſtigen, dann können wir die Anker wieder lichten und mit vollen Segeln hinausfahren.

Der Vergleich iſt ſehr gut, ſpottete der Gutsbeſitzer,das Hazardſpiel an der Börſe hat Alles verſchlungen, nun ſoll ich des Spielers Börſe wieder füllen, damit er auf's Neue ſein Glück am grünen Tiſch verſuchen kann!

Ich gebe Ihnen die Verſicherung

Ich verzichte darauf, ich würde Ihnen ja doch keinen Glauben ſchenken. Wo iſt das Kapital, welches ich für meinen Sohn ein⸗ gelegt habe? Verſchwunden bis auf den letzten Groſchen! Und jetzt glaubt man, ich werde ſo thöricht ſein, eine zweite Summe in den Abgrund hinunter zu werfen? Wenn ich das thäte, verdiente ich unter gerichtliche Vormundſchaft geſtellt zu werden.

Aber das Kapital iſt ja noch vorhanden! Unſere Magazine ſind gefüllt

Ach was, mir ſoll man keinen Sand in die Augen ſtreuen! Man ſpricht ja bereits öffentlich darüber, daß der Bankerott dem⸗ nächſt ausbrechen wird!

Herr Bogen!

Wollen Sie es leugnen?

Ich verlange, daß Sie mir die Perſon, die Ihnen das geſagt hat, namhaft machen.

Gehen Sie an die Börſe, Sie können es dort mit eigenen Ohren hören. Und wenn ſo etwas öffentlich geſagt wird

Oeffentlich? Ich muß das als eine boshafte Verleumdung be⸗ zeichnen, erwiederte der junge Mann entrüſtet,und ich errathe, aus welcher Quelle dieſe Verleumdung gefloſſen iſt. Der Mann, der vorhin hier war, hat Ihnen die Mittheilung gemacht, er war dazu beauftragt; man möchte Ihren Herrn Sohn gerne für ein an⸗ deres Geſchäft gewinnen.

Wollen Sie meinen Schwiegerfohn verdächtigen?

Ich verdächtige Niemand, Herr Bogen, ich warne nur, und für meine Warnung habe ich Gründe! Wir fordern keine große Summe

Keinen Groſchen gebe ich Ihnen!

Das kann und wird Ihr letztes Wort nicht ſein!

Glauben Sie mich zwingen zu können

Nein, aber ich hoffe mit Zuverſicht, daß Sie Ihren Sohn nicht im Stich laſſen werden.

Bewahre, ich werde heute noch den Vertrag kündigen und Rückzahlung des eingelegten Kapitals fordern.

Wenn Sie das thun, dann ruiniren Sie Ihren Bruder und ſchänden den eigenen Namen, ſagte Wurzer mit gehobener Stimme, das werden Sie hoffentlich vorher reiflich überlegen, die Verant⸗ wortung, die Sie auf ſich laden, iſt zu groß. Sie haben mir Ver⸗ trauen geſchenkt

Ihre Perſon wird dabei nicht berührt, lenkte der Gutsbe⸗ ſitzer ein,ich habe keine Veranlaſſung, mit Ihnen unzufrieden zu ſein, im Gegentheil, ich bin Ihnen dankbar dafür, daß Sie ſo freundſchaftlich meines Sohnes ſich angenommen haben. Anfangs war ich allerdings etwas beſorgt, als Guſtav ſo ſehr mit dem Ritt⸗ meiſter befreundet wurde, ich erfuhr, daß im Kaſino geſpielt wird und fürchtete, es könnten verderbliche Leidenſchaften geweckt werden.

Sie werden die Ueberzeugung erlangt haben, daß dieſe Be⸗ ſürchtung unbegründet war.

Gott Lob ja! Der Verkehr mit den Offizieren iſt, wie Guſtav ſelbſt mir erklärte, abgebrochen, und er ſcheint kein Bedauern dar⸗ über zu empfinden. AÄnerkennen muß ich ferner, daß dieſer Um⸗ gang für ihn ſehr vortheilhaft geweſen iſt, ich finde ihn nicht mehr ſo ſchüchtern, er tritt freier auf und iſt auch geſprächiger geworden. Nur möchte ich wiſſen, wie er jetzt die Abende verbringt, wie er mir ſagte, bleibt er zu Hauſe

Er ſtudirt!

Alſo ſind es wieder die Bücher

Keine ſchlimmen Bücher, Herr Bogen, handelswiſſenſchaftliche Werke, deren Studium ihm auf der kaufmänniſchen Bahn vorwärts helfen ſoll.

Ach was, er hat das nicht nöthig!

Darüber habe ich andere Anſichten, ſagte der junge Mann ruhig,tüchtige Kenntniſſe ſind jedenfalls ein Schatz, den man nie verlieren und immer gebrauchen kann.

Na, meinetwegen! erwiederte Bogen achſelzuckend.Wie geſagt, ich bin Ihnen dankbar für die Freundſchaft, die Sie meinem Sohne erwieſen haben. Aber das zwingt mich nicht, den Wunſch meines Bruders zu erfüllen, wenn Sie auch der Fürſprecher des⸗ ſelben ſind. Lieber wäre es mir, wenn Sie mir einen klaren und wahrheitsgetreuen Bericht über die Lage des Geſchäfts geben wollten.

Sie haben vorhin erklärt, Sie würden mir keinen Glauben ſchenken

Weil ich an Ihre Aufrichtigkeit in Bezug auf dieſen Punkt eben nicht glauben kann.

Sie können von mir auch nicht verlangen, daß ich den Ver⸗ leumdungen zuſtimmen ſoll, die über meinen Chef in Umlauf ge⸗ ſetzt werden.

Sind es nur Verleumdungen? fragte der Gutsbeſitzer ſcharf. Die Ehre eines Kaufmanns wird niemals ohne Grund ange⸗ taſtet, das müßten Sie ſelbſt wiſſen! Ich habe meinen Bruder oft vor der Börſe gewarnt, er hat mir ſogar verſprochen, keine Speku⸗ lationsgeſchäfte mehr zu machen, aber ihm fehlt die Kraft, Leiden⸗ ſchaften zu beherrſchen. Und ſo lange er an der Spitze dieſes Ge⸗ ſchäfts ſteht, kann ich dem letztern kein Zutrauen ſchenken, ich muß ja die Ueberzeugung hegen, daß er alle Summen, die ihm anver⸗ traut werden, dem Hazardſpiel an der Börſe opfert.

Das iſt ein ſehr ſchlimmes Urtheil! ſagte der junge Mann kopfſchüttelnd, der gleichwohl demſelben nicht entgegentreten konnte, da es zu viel Wahrheit enthielt.

Aber kein ungerechtes, die Erfahrungen, die hinter uns liegen, beweiſen ſeine Richtigkeit, und wenn Sie gerecht ſein wollen, müſſen Sie mir zuſtimmen. Das Geld, welches ich meinem Bruder geben wollte, wäre zum Fenſter hinausgeworſen, mögen Andere auch ein anderes Wort dafür haben, ich nenne ihn einen Hazardſpieler!

Otto Wurzer erhob ſich.

Ich habe harte Worte hören müſſen, ſagte er.

Sie galten nicht Ihnen, ſondern der Sache, die Sie vertreten, fiel Bogen ihm raſch in die Rede,ich kann nun einmal den Leicht⸗ ſinn meines Bruders nicht billigen und bin nicht geneigt, demſelben auch noch Vorſchub zu leiſten. Sagen Sie ihm das, es iſt nur eine Wiederholung der Worte, die ich ſelbſt ihm ſchon oft geſagt habe.

Der junge Mann verbeugte ſich und nahm ſeinen Hut.

Warten Sie noch einen Augenblick! rief der Gutsbeſitzer. Ich möchte noch eine Frage an Sie richten. Sie werden meine Nichte Theodore kennen, Sie werden ſich auch erinnern, daß ich derzeit den Wunſch ausſprach, Guſtav möge nicht über die freund⸗ ſchaftlichen Beziehungen zu Theodore hinausgehen

Sie dürfen auf die Erfüllung dieſes Wunſches vertrauen, unterbrach Otto ihn, und ein ironiſches Lächeln glitt dabei über ſeine Lippen.

Ich hoffe, Sie werden dieſen Wunſch nicht mißverſtehen. Theo⸗ dore iſt ein prächtiges, liebenswürdiges Mädchen, aber

Aber ſie iſt unbemittelt!

Das wäre das Wenigſte, mein Sohn hat nicht nöthig, auf eine reiche Mitgift zu ſehen. Aber eine eheliche Verbindung mit Theodore würde ihn zwingen, einen großen Theil ſeines Vermögens zu opfern, um die Ehre des Schwiegervaters zu retten.

Sie können ſich beruhigen

Kann ich das wirklich?

Ich gebe Ihnen mein Wort darauf!.

Nun deſto beſſer! nickte der Gutsbeſitzer befriedigt,ich ver⸗ traue darauf, daß Sie mich nicht hintergehen werden..

Und ich hoſſe, Sie werden den Vertrag nicht kündigen und das Kapital nicht zurückfordern, wenigſtens jetzt noch nicht, ſagte der junge Mann ernſt,wollen Sie mir das verſprechen?

Nun ja, ich verſpreche es Ihnen, aber ich wiederhole Ihnen auch, daß ich keinen Thaler weiter opfern werde..

Otto Wurzer mußte mit dieſer letzten Erklärung ſich entfernen. Er hatte eine Niederlage erlitten, und er wußte auch, daß er in der Hauptſache ſie dem Schwiegerſohne des Gutsbeſitzers und deſſen Sekretär verdankte, die auffallende Gereiztheit Bogen's hatte ihm das ſofort bewieſen.

War er auch nicht mit ſicheren Erwartungen nach Plettenberg hinausgefahren, ſo hatte er doch gehofft, es werde ihm gelingen, den Gutsbeſitzer noch einmal den Wünſchen ſeines Bruders geneigt

zu machen, und es fiel ihm ſchwer auf die Seele, wenn er daran

dachte, wie viel von dieſem Gelingen abhing.

Er hatte mit ſeinem Chef eine lange Unterredung gehabt und dabei die Gefahr, die der Firma drohte, in ihrem ganzen Umfange erkannt; kündigte nun auch noch der Gutsbeſitzer den Vertrag, dann

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