Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

¹ ¹ 7 1 4 2 5

304 war der Ruin unvermeidlich. Dieſe letzte Gefahr war freilich noch einmal abgewendet, aber konnte Robert Bogen nicht morgen ſchon ſeinen Entſchluß ändern und ſein Wort zurücknehmen?

Trübe Gedanken beſchäftigten die Seele des jungen Mannes, indeß die Droſchke in langſamem Trab ihn zur Stadt zurückführte.

Die Vorſchläge, die er ſeinem Chef gemacht hatte, und die nach ſeiner Anſicht allein dem Schiffbruch vorbeugen konnten, waren verworfen worden, er kannte den Grund, derſelbe ſteigerte ſeine Be⸗ ſorgniſſe.

Trotz aller bitteren Erfahrungen hoffte Heinrich Bogen noch immer durch gewagte Spekulationen das Verlorene wieder zu ge⸗ winnen, er wollte auf die Börſengeſchäfte nicht verzichten, weil er in ihnen das einzige Mittel ſah, den Ausbruch des Bankerotts zu verhindern.

4 Yhlimnmniinntannnnttntinannen 2

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Das Ende ließ ſich unter ſolchen Umſtänden mit ziemlicher Sicherheit vorausſehen, man mußte Alles aufbieten, den alten Mann zur Vernunft zu bringen und ihn von Schritten abzuhalten, die das Verderben nur beſchleunigen konnten. An ſich ſelbſt dachte Otto Wurzer dabei nicht, er fand immer wieder eine andere Stelle, und wenn die Verbindung mit Theodore dadurch hinausgeſchoben wurde, ſo war das eben nicht zu ändern, man mußte ſich geduldig fügen.

Der Vater Theodore's war von der geheimen Verlobung noch nicht unterrichtet, er ſchien noch immer die Hoffnung zu hegen, daß ſein Neffe um die Hand ſeiner Tochter werben werde, und es hatte ſich noch keine günſtige Gelegenheit geboten, ihm die Unerfüllbarkeit dieſer Hoffnung zu beweiſen.

Endlich hatte die Droſchke ihr Ziel erreicht, Wurzer ſtieg aus

LLILHAENIIHIININNAHEEAHAnNAnAInuAm

W

E

Mſfſgh

1

Der erſte Zahn. Nach dem Gemälde von H. Oehmichen.(S. 319.)

und ging in das Kabinet ſeines Chefs.

Er fand den alten Herrn ruhiger und weniger erregt, wie er erwartet hatte.

Ja oder nein? fragte Bogen, als Otto die Thüre hinter ſich geſchloſſen hatte.

Nein, erwiederte der junge Mann ebenſo lakoniſch.

Rundweg abgeſchlagen?

Mit dürren Worten!

Und die Gründe?

Sie ſind Ihnen bekannt, er ſagte mir, er habe ſie oft Ihnen genannt. 4

Ich dachte es mir, erwiederte der Kaufmann,es war Thorheit, daß wir unſere Hoffnung darauf bauten.

Otto ſah den alten Herrn befremdet an, es war ihm unbegreiflich, daß derſelbe bei dem Sturz ſeiner letzten Hoffnung ſo ruhig blieb.

Dann hätten Sie mich auch nicht hinſchicken ſollen, ſagte er vorwurfsvoll,ich habe harte Worte hören müſſen.

Und dennoch reut es mich nicht, daß es geſchehen iſt, wir brauchen uns nun ſpäter keine Vorwürfe mehr zu machen. Zu harten Worten war er nicht berechtigt, ich hoffe, Sie haben die⸗ ſelben zurückgewieſen.

Das habe ich, aber ich mußte auch die Berechtigung manches Vorwurfs zugeben!

Der Kaufmann ſtützte das Haupt auf den Arm, über ſein hageres Geſicht glitt ein finſterer Schatten.

Ackermann hat uns verleumdet, fuhr Wurzer fort,er hat ſeinem Schwiegervater vorgeſchwindelt, wir ſtänden vor dem Bankerott und das Vermögen Ihres Neffen ſei gefährdet.

Das iſt eine Infamie! fuhr der alte Herr auf.

Gegen die wir unter den augenblicklich obwaltenden Verhält⸗