Jahrgang 
14-26 (1877)
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der Ballon

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

in dem großen Luftſtrome einigermaßen nach rechts oder links ſteuern ließ, und ſo hoffte er, die Richtung der Fahrt in ſeine Hand zu bekommen. Sein einziges Streben war jetzt nur noch, immer neue Verbeſſerungen in der Lenkung des Luftſchiffes auszudenken, und ſo oft er etwas gefunden hatte, machte er alsbald den prak⸗ tiſchen Verſuch.

Nun hatte er wieder eine Vervollkommnung ausgedacht und wollte ſie neulich, am 21. September, erproben. Aber ein Wirbel⸗ ſturm erhob ſich, der Ballon blieb an einem Baume hängen, Zambeccari ſtürzte herab und fand ſeinen Tod. Die Zei⸗ tungen ſprachen über das klägliche Ende des ſtrebſamen Mannes, ſtellten Betrachtungen an über den ſchrecklichen Tod, ich kann euch ſagen: ſeit unſerer wilden Fahrt vor neun Jahren iſt mir nichts mehr ſchrecklich. Mag ich hören oder leſen was ich will

Mannigfaltiges.

Ein glücklicher Ausweg. Ein franzöſiſcher Marquis und ein genueſiſcher Marcheſe beide von altem Adel ſaßen eines Tages, es war in den ſiebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, in einem Café des Palais Royal zu Paris und unterhielten ſich ſehr behaglich. Plötzlich jedoch trat eine Trübung der Stimmung ein, als ſich herausſtellte, daß Beide einen Ochſenkopf im Wappen führten. Jeder leugnete die Berech⸗ tigung des Anderen, dies Emblem zu uſurpiren, und eine Herausforderung war das Endreſultat des lächerlichen Wortgefechts. Als das Duell be⸗ ginnen ſollte, fragte der mittlerweile ruhig gewordene Genueſe:Warum ſchlagen wir uns eigentlich, Herr Marquis?Weil Sie mein Wappen ungebührlicher Weiſe in Anſpruch nehmen.Sie ſind im Irrthum, denn wie ich nachträglich entdeckt habe, iſt Ihr Kopf vom Ochſen und meiner von der Kuh. Der Franzoſe war betroffen, ſchaute dann gerührt ſeinen Gegner an, bot ihm die Hand zur Verſöhnung und Beide brachen nun nicht ſich, ſondern einigen Flaſchen des beſten Burgunders den Hals.

Th. B.

Die blaue Kornblume.Windet zum Kranze die goldenen Aehren, flechtet auch blaue Cyanen hinein! ſingt Schiller in ſeiner be⸗ rühmten Dichtung von der Kornblume, die wegen ihrer ſchönen blauen Farbe ſchon die Aufmerkſamkeit der alten Hellenen auf ſich lenkte. Die zur Sippe der Flockenblumen gehörende Centaurea Cyanus wurde ſeit Jahr⸗ tauſenden von den verſchiedenſten Völkern zum Schmuck benutzt, erſchien aber, weil ihre Farbe nicht ſtichhält, ſondern ausbleicht, als ein Symbol der Vergänglichkeit des Schönen, weshalb der dem Mittelalter entſtam⸗ mende Verfaſſer des BuchesBedeutung der Blume von ihr ſagt:Wer ſein Herz wandelt und ſelbſt nicht weiß, wobei er bleiben will und ſeinen Wankelmuth verhohlen trägt, der ſoll Kornblumen tragen, die ſind blau und luſtiglich und färben ſich weiß, ſie mögen nicht lange ihre Farbe be⸗ halten und zeigen ihren Wandel. In der ſogenanntenwilden Medicin ſpielt die Kornblume oder Tremſe keine unbedeutende Rolle. So heißt es z. B. in Süddeutſchland, daß gegen das Bluten einer offenen Wunde es augenblick⸗ lich helfe, wenn man eine ſolche Pflanze auflege, die am Fronleichnams⸗ tage mit Stamm und Wurzel ausgeriſſen worden. Man bewahrt ſie daher in Büſcheln in den Häuſern auf und wähnt, daß ſie mit der Wurzel in die Hand genommen ſchon helfe. Die am Fronleichnamstage ausgegrabene Kornblume ſoll auch angeblich das Naſenbluten ſtillen, wenn man ſie ſo lange in der Hand hält, bis ſie erwärmt iſt. Weil die Kinder aber der ſchöͤnen blauen Blumen halber allzu gern in's Feld und auf den Acker gehen, ſo hat die Volksphantaſie die Geſtalt derKornfrau oder der Tremſenmutter erſchaffen, die im Felde ſitzt, um die zudringlichen Kleinen zu verſcheuchen. S.

König Friedrich II. von Preußen, ſo vorurtheilsfrei er ſonſt war, hielt doch an der Meinung feſt, daß Adel und Chre a priori zu⸗ ſammenfallende Begriffe wären. So wollte er nach dem ſiebenjährigen Kriege ausſcheteßlich adelige Offiziere in ſeiner Armee haben und entfernte alle Bürgerlichen, die wegen Bravour vor dem Feinde befördert worden waren. Danach war es natürlich, daß der Offizierſtand der erſte und be⸗ vorzugteſte im Staat wurde. Als einſt ein Rangſtreit zwiſchen dem Le⸗ gationsrath Grafen v. Schwerin(Neffen des Feldmarſchalls) und einem Fähnrich ſo heftig geführt wurde, daß Erſterer ſich beim König beklagte, entſchied Friedrich:Darüber kann kein Streit ſein, dieweil es ſich von ſelbſt verſteht, daß die Fähnriche den Rang vor allen Legationsräthen haben. In Folge deſſen trat Schwerin aus ſeiner bisherigen Stellung und wurde Fähnrich. E. Nr.

Sarazeniſche Brieftaubenpoſt. Roger Guiscard I., Graf von Sizilien, trug einen großen und glänzenden Sieg im Jahre

.1063 davon und vernichtete ein Sarazenenheer von 35,000 Mann faſt

gänzlich. Unter der unermeßlichen Beute, welche dort in die Hände der tapferen Normannen fiel, befanden ſich nicht nur vier Kameele, welche der Graf dem Papſte, ſeinem Gönner, als eine Seltenheit ſchenkte, ſondern auch einige Vogelbauer mit eingeſperrten Tauben. Dies ſetzte Roger in Verwunderung und er fragte die gefangenen Mauren, zu welchem Zwecke ſie ſolche Thiere mit ſich führten. Man erzählte ihm nun, daß man ſie mitgenommen hätte, um im Nothfalle der Regierung Nach⸗ richten von den Ereigniſſen zu geben. Es geſchehe dies auf die Weiſe, daß man einen kleinen Zettel den Tauben um den Hals oder unter die Flügel binde und ſie dann fliegen laſſe. Als der Normannengraf dies vernahm, ließ er auf Arabiſch die Nachricht von dem Mißgeſchick ſeiner Gegner niederſchreiben, welche Botſchaft die Tauben dann auch richtig nach Chronik ꝛc. 1877.

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immer ſage ich mir: noch lange nicht, was wir damals durch⸗ gemacht. Von einer Tod drohenden Menge in den Kahn gejagt werden, dann aus Himmelshöhe bei Nacht in's Meer ſtürzen, mit Blitzesſchnelle wieder auffliegen in die Region des Eiſes, ſteif frieren, wieder hinunter ſtürzen, fünf Stunden lang auf brauſenden Wellen geſchleift, in die Höhe geriſſen, untergetaucht, in der Luft umher geſchleudert werden das iſt diaboliſcher, als es die Einbildungs⸗ kraft eines Menſchen erfinden kann.

s iſt vorbei! Es liegt ſeit neun Jahren hinter mir, und wie jedes überſtandene Abenteuer ſeinen Reiz hat, ſo ſage ich jetzt auch: Um tauſend Goldſtücke möchte ich dieſes Aben⸗ teuer nicht miſſen in meinem Leben; aber ich füge auch mit aller Entſchiedenheit bei: Für hunderttauſend möchte ich

es nicht zum zweiten Male durchmachen.

(Nachdruck verboten.) Palermo brachten, dem damaligen Sitze der mauriſchen Regierung, die darob in die äußerſte Beſtürzung verſetzt wurde. Th. B.

Ein weiblicher Herold. Der Nürnberger Patrizier Willibald Pirkheimer, welcher dieGeſchichte des ſogenannten Schwabenkrieges im

Jahre 1499 in fließendem Latein beſchrieben hat, erzählt uns, daß, als Kaiſer Maximilian l. nach Zerſtreuung ſeines Heeres von Neuem 20,000 Mann um ſich verſammelte, die Schweizer den Antrag auf ſchiedsrichter⸗ liche Ausgleichung ſtellten. Die Eidgenoſſen gaben die Erklärung, daß wider Willen ſie genöthigt ſeien, die Freiheit, die ſie von ihren Vorfahren empfangen hätten, zu vertheidigen, würden ſie weiter bedrängt, ſo wären ſie entſchloſſen, wie es Männern gezieme, den Tod der Knechtſchaft oder einem ſchimpflichen Frieden vorzuziehen. Dieſe Deklaration wurde nach der in dieſem Kriege gebräuchlichen Weiſe durch eine Jungfrau ſtatt eines Herolds überbracht; als dieſelbe gefragt wurde, wie groß die Zahl ihrer Landsleute, die unter den Waffen ſtänden, ſei, gab ſie zur Antwort: ſo viele ihrer genug ſind, euren Angriff abzuwehren. Ein roher Krie⸗ ger bedrohte die Schöne wegen ihrer kühnen Rede mit dem Tode. Da zeigte die Unerſchrockene auf die in geringer Entfernung ſtehenden Vor⸗ poſten und ſprach die trefflichen Worte:Du willſt ein unbewaffnetes, harmloſes Mädchen erſchrecken; gehe dorthin, wo Dir Männer begegnen werden, die nicht mit Worten, ſondern mit Waffen kämpfen. Th. B.

In Serbien machen die Porträtmaler ſchlechte Geſchäfte. Allgemein iſt dort der Aberglaube verbreitet, man müſſe ſterben, wenn man ſichab⸗ ſchreiben, d. h. porträtiren läßt. Aus dieſem Grunde verweigerten cinige

Deputirte der Skuptſchina ihre Theilnahme an dem photographiſchen Gruppenbilde der Verſammlung. Auch die Rumänen theilen dieſelbe Furcht, und als einſt der Reiſende F. Kanitz einen Bauerabſchrieb, brach Letzterer in höchſter Unruhe in den Ausruf aus:O Gott, was muß mir heute vom Himmel widerfahren! Nichts vermochte ihn über die übeln Nachwirkungen dieſesZaubers zu beruhigen. R.

Ein ſeltſamer Kriegskamerad wurde kürzlich in Minden zu

Grabe getragen, nämlich der Hund Milo. Derſelbe hatte ſich während des Feldzugs 1864 zur erſten Kompagnie des weſtphäliſchen Infanterie⸗ regiments Nr. 15 gefunden, war dann nach Minden mit zurückgekehrt, machte von hier aus den Feldzug von 1866 mit und wurde bei Kiſſingen ſchwer verwundet, aber wieder hergeſtellt. Als der Krieg von 1870 ausbrach, blieb er nicht zurück, er zog mit, kehrte aber mit viel Rheumatismus be⸗ haftet heim und ſtarb an dieſem Uebel. Eine Abtheilung der Kompagnie begleitete ihn bis zur letzten Ruheſtätte, und mit Platzpatronen gab man ihm die letzte Ehre für ſeine Treue..

Eine neue Induſtriepflanze. Das Eſparto⸗Gras, aus den

Blättern des Graſes Stipa tanacissima beſtehend, bildet ſeit einigen Jah⸗ ren einen Handelsartikel, der eine große Bedeutung erhalten hat. Das genannte Gras wächst auf wüſten Plätzen in Algier, aber auch im ſüd⸗ lichen Europa, namentlich in Spanien, wild und iſt anfänglich in den ge⸗ nannten Ländern nur zu gewöhnlichen Flechtarbeiten benützt worden. Jetzt dient es im rohen, unzertheilten Zuſtande in den meiſten Ländern Europa's zu feinen Korbflechtereien, im grobzerfaſerten Zuſtande zu feſten Tauen und anderen Seilerwaaren, in Spanien und England zur Papierbereitung.

In Oeſterreich fand es anfänglich unter dem unrichtigen NamenReis⸗ ſtroh oderStroh von Alicante nur eine beſchränkte Verwendung als

Durchzugſtroh der Virginier⸗Cigarren; ſeit dem Jahre 1869 wird es in Wien in großem Maßſtabe zur Herſtellung feiner Korbwaaren benützt, welche an Zierlichkeit die aus Rohr verfertigten Arbeiten weit über⸗ ragen. S.

Muſikfeſte in großem Maßſtabe ſind bereits vor Jahrhunderten vorgekommen. Kurfürſt Johann Georg von Sachſen veranſtaltete am

13. Juni 1615 ein Monſtrekonzert in Dresden, bei welchem eine Art OratoriumHolofernes zur Aufführung kam. Der Text dieſes großen Werkes war von Dichter Pflaumenkern, die Muſik von Grundmauer. Es kamen zu dieſem Feſte 1495 deutſche, ilalieniſche, polniſche und Schweizer Spielleute nach Dresden. Aus Krakau kam der Contrebaſſiſt Rapotzky mit einer über zwei Meter hohen Baßgeige. Die Hauptparthie ſang ein Wittenberger Student Namens Runder. Anſtatt der Pauken bediente man ſich einer Kanone, die rechtzeitig an den betreffenden Stellen von den kurfürſtlichen Konſtablern abgefeuert wurde. R.

Herrliche Abſchiedsworte eines großen Königs. Dinig der Weiſe(Dionyſius der Gerechte), König von Portugal von 1279 bis

1325, immerdar bemüht, das Wohl ſeiner Unterthanen vielſeitig zu för⸗

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