Jahrgang 
14-26 (1877)
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296 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Korb halb zu füllen und uns ſelbſt bis auf die Haut zu durch⸗ näſſen. Jetzt hatte der Ballon nichts mehr zu tragen, als uns Drei, das Waſſer lief aus dem Korb ab und wir flogen wieder in alle Lüfte.

Aber, Herr Gott! das war eine Auffahrt! In einem Nu hatten wir die Wolken erreicht durch und hinauf! Jetzt ſchweben wir über den tiefgehenden Wolken, droben ſcheint blutigroth der Mond, beleuchtet die Dunſtmaſſen und uns arme Erdenkinder, die wir vor Froſt zittern in unſerem leichten Behältniß. Die Kälte ließ plötzlich alles Waſſer gefrieren; unſere vorher durchnäßten Kleider waren zum Theil dick mit Eis überzogen. Unſere Lage war gewiß höchſt romantiſch, aber verzweifelt peinlich. Wir empfanden heftiges Stechen in allen Gliedern, ächzten vor Schmerzen, Licht hatten wir nicht mehr, konnten auch keines mehr entzünden, kaum konnten wir uns noch bewegen, ſo ſteif waren wir und immer noch jagte uns der Wind nach Nordoſt.

Wie viel Uhr mochte es jetzt ſein? Der Mond ſchien hell genug, die Uhr zu erkennen, aber Keiner von uns konnte die Finger noch biegen, die ſeine aus der Taſche zu holen. Endlich gelang es,

daß Doktor Graſſelli dem Grafen die Uhr aus der Weſtentaſche zog, und unſerer vereinten Anſtrengung glückte es, heraus zu bringen, daß es zehn Minuten nach Drei war.

Als wir mit dieſer Aufgabe zu Stande gekommen und wieder um uns ſchauten, entdeckten wir, daß wir abermals fielen; doch nicht ſchnell, nicht beängſtigend; allein wir hatten jetzt auch nichts, gar nichts mehr hinaus zu werfen, es gab alſo keine Rettung mehr für uns.

Doch ſiehe, der Ballon ſenkt ſich immer langſamer und flog eine Zeit lang eltwa haushoch über dem Meere hin; allein noch⸗ mals ſollten wir eine Gefahr durchmachen, die ſicher noch kein Menſch ausgeſtanden. Der Ballon ſenkte ſich, der Korb ſchleifte auf dem Waſſer, mit Pfeilgeſchwindigkeit gezogen von dem voran jagenden Luftball. Wir hielten uns in Todesangſt an den Wänden des Korbes, wir ſchrieen, wir zitterten, wir krümmten uns, wir wichen ſo und ſo dem Tode aus, der ſeine Hand nach uns ſtreckte, uns zu erfaſſen ha, da flog der Ballon wieder 20 bis 30 Fuß höher und ſchleppte uns dicht über dem Waſſer noch höher haushoch jetzt ſank er wieder und ſchleifte uns auf den Wellen.

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Humoriſtiſches. V

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Aus der Inſtruktionsprüfung.

Oberſt(zum Musketier Knübbe, welcher bisher alle Fragen des Offiziers über das Gewehr unbeantwortet gelaſſen hat): Na, mein Sohn, Du mußt doch etwas vom Gewehr wiſſen, biſt doch lange genug dar⸗ über inſtruirt. Du mußt Dich nicht etwa ängſtigen, weil ich hier zu⸗ höre; nimm einmal an, daß Dich einer Deiner Kameraden fragt: Knübbe, ſage mir'mal, aus welchen Theilen beſteht das Gewehr, was würdeſt Du da antworten?

Knübbe(nach kurzem Beſinnen): Ick würde ſagen: Halt dat Maul, Kerl, wat geht Dich mine Flinte an! b

Fünf volle Stunden lang dauerte dieſer hölliſche

Tanz! Es war ein fortwährendes Hüpfen und Springen des Ballons, je nachdem die Windwellen ihn erfaßten. Blies der Wind ſchwächer, ſo ſenkte ſich der Ballon und unſer Korb wurde, auf der Seite liegend, über die Oberfläche des Meeres gezogen; aber jeder heftige Windſtoß ſchnellte den Ballon(und uns natürlich mit) in die Höhe, und mehr als einmal wurde Dieſer und Jener halb aus dem Korbe heraus geſchleudert, und es war ein wunderbares Glück, daß Keiner von uns wirklich in das Waſſer fiel; Rettung wäre ja nicht möglich geweſen.

Denkt euch dieſen entſetzlichen fünfſtündigen Kampf gegen den Tod! Nein, ihr könnt ihn euch nicht denken. Das vermag die ausſchweifendſte Phantaſie nicht. Auch ich begreife nicht, wie wir dieſes Ringen mit dem Tode fünf Stunden aushielten.

Um acht Uhr entdeckte uns zehn Meilen von der iſtriſchen Küſte ein Schiffer, Anton Pazol; der machte dem Hexentanz ein Ende. Er ſteuerte ſeine Barke ſo geſchickt, daß er uns auffiſchte, nachdem wir aus dem Korbe geſprungen waren. Der Ballon, dadurch erleichtert, erhob ſich in die Lüfte, jagte in derſelben

Immer praktiſch. Patient: Alſo mit wie viel Grad, Herr Doktor, ſagen Sie, ſoll ich baden? Doktor: Mit 25 Grad, Herr Kommerzienrath! Patient: Und wie viel Bäder werd' ich müſſen nehmen? Doktor: Nicht unter dreißig, Herr Kommerzienrath! Patient: Hm wiſſen Se, Herr Doktor, werd' ich baden zu 50 V Grad, brauch' ich dann doch zu nehmen nur fünfzehn Bäder.

Richtung weiter bis in die Türkei und ſoll, wie wir ſpäter hörten, bei der Stadt Bihacs in Bosnien zur Erde gekommen ein.

Pazol fuhr uns nach Pola(in Iſtrien), wo wir ärztliche Hilfe in Anſpruch nahmen. Hände und Füße waren erſtarrt und dick aufgeſchwollen, aber nach vier Tagen ſorgfältiger Pflege konnten wir doch nach Venedig abreiſen. Hier blieben wir einige Zeit, denn der arme Graf Zambeccari mußte ſich drei vollſtändig erfrorene Finger abnehmen laſſen.

Das war meine erſte und meine letzte Luftfahrt; ich habe nach keiner zweiten verlangt.

Mit Zambeccari war das anders. Schon im folgenden Jahre machte er wieder eine Luftreiſe und zwar eine große, die auch glück⸗ lich ablief. Er hatte beobachtet, daß die Luftſtrömung in ver⸗ ſchiedenen Höhen über der Erde oft eine ganz verſchiedene ſei bei uns war das allerdings damals nicht der Fall und daß man ſich alſo nach jeder Himmelsgegend treiben laſſen könne, wenn man nur die entſprechende Höhe in der Atmoſphäre aufſuche; dann

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hatte er eine Ruder⸗Vorrichtung erdacht, mit welcher ſich der Ballon

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