Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

Tahte a N 4 4 Aacht die hon Man⸗ u erhalten⸗

da müſeen 4 eberdem: ſer groſer dem aufge⸗ wenn nicht

und drohte 8 zu necken

nach einem milientreiſe. tiefes Sin⸗ . die ſchöne a ſchlüpften des lauten blickte zu Dämmer⸗ delebt durch don der aus

rboten)

in gleichem en ein gutes

findung doch derden könne, ne aus und ahme an den ſich Sachver⸗ nittelſt deſſen

einen Ballon ollkommnung im die man⸗

hres 1803 in inhalt ſteigen fahrt begleiten 1 willkommen

vor der Auf⸗ af, für Graſ⸗ Dem Grafen on oft genug vagt, aber bei ierlei, was tens, daß man wählen muß, derſtandefähig

juhung

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

295

füllte; er war eben gar zu groß. Mittag kam herbei es wurde zwei, wurde vier Uhr wir hatten vielleicht 7000 Kubikfuß Gas gewonnen, und Zambeccari ſagte zu uns: Es iſt nicht mehr daran zu denken, daß wir heute noch aufſteigen; die Nacht bricht herein, ehe der Ballon gefüllt iſt, und wir ſahen ein, daß er Recht hatte. Was für Beobachtungen konnten wir denn auch in der Dunkelheit machen?

Wir waren jedoch nicht die Einzigen auf dem Platze; ganz Bologna war auf den Beinen, Alt und Jung, Reich und Arm; am Vormittage ſtrömte das Volk noch ab und zu, am Nachmittage aber lagerten ſich Alle feſt und erwarteten von Stunde zu Stunde das erſehnte Schauſpiel. 3

Die Sonne ging unter, der Abend brach an, die Zuſchauer wurden ungeduldig, fingen an zu ſingen und zu lärmen, und als uns der Graf endlich um Mitternacht verkündete, nun ſei die Ar⸗ beit gethan, wußten wir nicht, was geſchehen ſollte. Aufſteigen wolklten wir nicht, und doch ſahen wir recht wohl ein, daß ſich das Volk nicht ſo leicht um das erſehnte Schauſpiel werde bringen laſſen.

1Zambeccari ſtieg auf eine Tonne, verſchaffte ſich Gehör und kündigte den Zuſchauern an, in der Nacht laſſe ſich nichts beobach⸗ ten, er werde alſo erſt morgen aufſteigen; der Ballon ſei ja jetzt ge⸗ füllt, man möge ruhig heimkehren, am nächſten Morgen präzis um zehn Uhr ſolle die Auffahrt erfolgen. Aber welches Geſchrei erhob ſich! Wie tobte die Menge! ‚Was? ſchrie das Volk, ‚wir ſtehen 16 Stunden da und ſollen nichts zu ſehen bekommen?! Seit heute Morgen warten wir darauf und jetzt ſollen wir heim gehen? Aufſteigen! Aufſteigen! Sogleich abfahren!' Und ein Geheul erhob ſich, daß uns angſt und bange wurde.

Der Graf verſchaffte ſich zum zweiten Male Gehör.Ihr Leute, ſprach er, ‚ihr verliert ja nichts dabei, im Gegentheile, ihr gewinnt nur, wenn ihr euch bis morgen geduldet. Was ſeht ihr denn jetzt in der dunkeln Nacht? Nichts! In einem Augen⸗ blick ſind wir euren Blicken entſchwunden; morgen könnt ihr den Ballon meilenweit dahinfliegen ſehen. Wir können euch Zettel und Briefe aus der Luft herabwerfen; das Schauſpiel iſt ein ganz an⸗ deres. Man ließ ihn nicht ausſprechen. ‚Aufſteigen! Aufſteigen! brüllten tauſend Kehlen; die Fäuſte ballten ſich, die Maſſe drängte gegen unſere Barriéren, es drohte eine vollſtändige Zertrümmerung aller unſerer Vorrichtungen, und zum Ueberfluſſe wurden Steine nach dem Ballon geworfen. ‚Auffahren! Auffahren! heulte es

durch die Luft, Latten und Balken krachten, die Steinwürfe drohten

jeden Augenblick den Ballon zu zerſtören, ja unſer Leben war in Gefahr.

Meine Freunde, liſpelte uns Zambeccari zu, ‚das Volk iſt toll geworden. Laßt uns einſteigen! Alles ſteht auf dem Spiele! Wir fliegen eine halbe Stunde weit und laſſen uns wie⸗ der herab, um morgen die eigentliche Expedition anzutreten. Krach! Die Balken brachen! Der Strom drang ein ‚Um Gottes willen, ſteigt ein! Steigt ein! In Todesangſt ſprangen wir in den Korb die Stricke wurden gelöst hui, flog der Ballon in die Höhe, uns der Hand der Wütheriche entreißend, und bravo, bravo! ſcholl uns von unten nach.Vivat hoch! don⸗ nerte zu uns herauf. ‚Zambeccari ſoll leben! Graſſetti ſoll leben! Andreoli ſoll leben! Hoch der Graf! Der Jubel von tauſend und aber tauſend Stimmen begleitete uns.

Bald hatten wir uns von unſerem Schrecken erholt; allein der Kapitän unſeres Bootes machte uns eine neue Mittheilung, die uns auch nicht freute: ‚Der Wind iſt viel zu heftig; wir können nicht landen, ohne Gefahr, zerſchmettert zu werden. Das Auf⸗ ſteigen iſt nämlich keine Kunſt, aber das Niederlaſſen. Iſt es windſtill, ſo geht das ganz leicht, bläst aber der Wind ſtark, ſo iſt Lebensgefahr damit verbunden. Der Ballon wird ja fortwäh⸗ rend weiter gejagt; iſt er einmal nur noch 60 Fuß vom Boden entfernt, ſo wird das Boot an Häuſer, Bäume, Felſen ꝛc. nieder⸗ geſchleudert, zerſchmettert, die Paſſagiere ſtürzen heraus und können von Glück ſagen, wenn ſie mit dem Leben davon kommen. Iſt der Boden günſtig, ſo wirft man einen Anker aus und verhindert da⸗ durch das Weiterfliegen des Ballons; allein dann muß der Boden ſo beſchaffen ſein, daß der Anker ſich feſthängen kann. Bei Nacht iſt gar nichts zu machen.

Wir waren alſo in einer recht üblen Lage und mußten gedul⸗ dig den Anbruch des Tages erwarten. Aber davon waren wir noch weit entfernt; die Sonne erſchien etwa ein Viertel vor ſieben Uhr am Horizont, und es war ein Viertel vor Eins, als wir aufſtiegen. Und mit raſender Schnelligkeit flogen wir hinauf, hin⸗ auf, immer hinauf, und der Wind pfiff und ſauste aus Südweſt und jagte uns fort, fort, immer weiter. Wie ſchnell war uns Bologna entſchwunden. In ganz kurzer Zeit ſahen wir nichts

Wolken lagen zwiſchen uns und der Erde.

Das Magiſche, das wunderbar Zauberhafte unſeres Schwe⸗ bens bei Mondenſchein zwiſchen den Wolken vermag ich nicht zu ſchildern. Wir waren in einem Feenreiche, und wenn wir ganz freien Herzens und ganz ohne Sorge den Anblick hätten genießen, ganz ohne Bangigkeit ſo durch die Lüfte ſchweben können es wäre göttlich ſchön geweſen, und ich erinnere mich auch deutlich, daß ich einmal auf wenige Augenblicke an die alten griechiſchen Götter dachte. Allein ganz andere Gedanken drängten ſich mit un⸗ widerſtehlicher Gewalt uns auf: die Wuth des Sturmwindes trieb uns mit Blitzesſchnelle in die weite, weite Ferne, niederlaſſen konnten wir uns nicht, und der Ballon ſtieg unerbittlich immer in die Höhe, den Regionen zu, in welchen menſchliches Leben nicht mehr möglich iſt, in welchen das Athmen ein Ende hat.

Nur zu bald empfanden wir die Einwirkung der Kälte und der Dünne der Luft. Wie hoch wir waren, weiß ich nicht, habe auch nicht die geringſte Ahnung davon; aber wir zitterten vor Froſt, unſere Zähne klapperten, wir drängten uns an einander. Bald wurde dem Doktor Graſſelli unwohl, er fing an zu gähnen, ſchwankte, dann fiel er um, ſchloß die Augen und regte ſich nicht mehr.

In der feinen, dünnen Luft athmet man viel ſchneller und dadurch wird die Kraft mehr aufgezehrt; es entſteht Uebelbefinden, Herzweh, Schwindel, Oynmacht, endlich muß der Tod erſolgen, wenn der Menſch nicht wieder in eine Luft kommt, deren Dichtig⸗ keit ſeinem Organismus entſprechend iſt. Wenige Minuten nach Graſſelli fiel auch Zambeccari zu Boden und gab kein Lebenszeichen mehr von ſich. Nun denkt euch meine Lage! Das Wachslicht in unſerer Laterne war erloſchen; vergebens verſuchte ich, es mit Phos⸗ phorkerzchen wieder anzuzünden ſie entflammten nicht; mit vieler Mühe machte ich Licht und zwar mit einem ganz gewöhnlichen Feuerzeuge. Kaum war mir dieſes gelungen, als ſich bei mir Reiz zum Erbrechen und Schwindel einſtellten; es erforderte meine ganze Willenskraft, mich auf den Beinen zu halten wer war je in ähnlicher Situation? In der Nacht zwiſchen Himmel und Erde pfeilſchnell dahin fliegend, an der Seite zweier Ohnmächtigen oder Todten, und ohne irgend ein Mittel, mich aus dieſer entſetzlichen Lage zu befreien!

Doch, es kam noch grauſiger. 3

Horch! Was rauſcht da unten ſo dumpf? Das war die Brandung des Meeres! Es konnte nichts Anderes ſein. Wir mußten einen Weg von 25 bis 30 Stunden durchjagt und, nach der Richtung des Windes zu ſchließen, jetzt in der Gegend der Po⸗ Mündung die See erreicht haben. Was nun? Ein Herablaſſen war jetzt überhaupt nicht eher möglich, als bis wir wieder über Land waren. Vergebens bemühte ich mich, nach dem Barometer zu beſtimmen, wie hoch wir aufgeſtiegen meine Augen erkannten nichts mehr; ſchwankend ſtarrte ich vor mich hin in die Finſterniß und nach den vom Monde beſchienenen Wolken. Damit ich nicht umſank, hielt ich mich mit beiden Händen an den Wänden des Korbes, in welchem wir uns befanden.

Es war etwa ein Viertel über Zwei, unſere Fahrt hatte andert⸗ halb Stunden gedauert, da ſchien es mir, als flögen alle Wolken aufwärts. War das eine Täuſchung, hervorgebracht durch mein körperliches Befinden? Auf einmal kommt mir ein gräßlicher Ge⸗ danke: die Wolken ſchweben nicht aufwärts, ſondern wir ab⸗ wärts. Ich beuge mich über Bord ja, ja, ich höre deutlicher und lauter das Brauſen des Meeres hu, wie fahren wir hin⸗ unter! Wie das kam, ich weiß es nicht; hatte der Ballon oben eine Oeffnung bekommen und das Gas ſtrömte aus, oder was ging ſonſt vor ich ſchaue wieder hinab Herr, allmächtiger Gott, ſei uns gnädig und barmherzig! Wir ſinken in's Meer. Ich faſſe den nächſten meiner Schickſalsgenoſſen, rüttle ihn und rufe ihn an: Wacht auf! Wacht auf! Wir fallen in's Waſſer!: Dann beuge ich mich wieder weit hinaus und ſtarre hinab ja, da wogt die graue Maſſe, da kocht's und ſiedet's und ziſcht's einen Moment noch, wir ſind in die Fluthen begraben ‚Zambeccari! ſchreie ich und faſſe ihn krampfhaft an,Zambeccari! Wir ſtürzen in' Meer! und ſehe wieder hinab in unſer naſſes Grab.

Der Graf erhebt ſein Haupt, liſpelt: ‚den Ballaſt hinaus, richtet ſich langſam auf, faßt mechaniſch nach dem Sack mit Sand, den wir als Beſchwerung in unſerem Korb hatten, ich packe ſogleich auch mit an Zambeccari erholt ſich ſchnell wir arbeiten den Sack in die Höhe, wir haben ihn oben am Rande der Doktor kommt auch zu ſich, findet ſich augenblicklich in die Situation und ſchleudert energiſch Barometer, Kompaß, ſämmtliche Inſtrumente und Lebensmittel, Alles, Alles über Bord nur noch einen kurzen Augenblick nein! Tſch! Wir ſinken in's Meer und werden durch⸗ näßt. Aber in demſelben Momente fällt auch der Ballaſt in die See, und huil fliegen wir mit der Schnelligkeit eines abgeſchoſſenen

mehr von ſeinen Lichtern, hörten nichts mehr von ſeinem Getöſe V Pfeiles wieder in die Höhe.

Wir waren nur ſo lange im Waſſer, als nöthig war, unſern