15 ſn——— 3 8— ——— 2 1— un* 4 ͤ—
8 1 Ar——
8
294 Illuſtrirte Chronil der Zeit.
drei Kinder ſchenkte ihm Frau Meta— aber ſeltſam, obgleich die„Viel gäbe ich darum, könnte ich ergründen, was Wahres an Kleinen geſund und fröhlich heranwuchſen, ſo färbte kein fröhlich der Sache iſt und ob der Schimmel wirklich in jener Nacht die Roth die jugendlichen Wangen. Gelbbleich und todtenfarben blie⸗ Treppen erſtiegen und zur Bodenluke hinausgeſchaut hat?“
ben die Geſichter dieſer Kinder. Herr Mertens lächelte:„So wie Sie hat ſicher ſchon Man⸗ Waren doch auch die Roſen auf Frau Meta's Antlitz verblaßt cher geſprochen, ohne doch eine Antwort auf ſeine Frage zu erhalten auf immerdar, Leichenbläſſe deckte ihre Wangen und oft durch⸗— es iſt eben eine Sage, die übrigens ähnlich auch noch von ei⸗
ſchauerte die arme Dulderin noch die Erinnerung an die ausge⸗ nigen anderen norddeutſchen Städten erzählt wird, und da müſſen ſtandenen Qualen, denn während ſie ſtarr und kalt als Leiche auf wir den Thatbeſtand auf Treu und Glauben hinnehmen. Ueberdem: dem Paradebette gelegen, hatte ſie wie im Traum das Weinen„Das Wunder iſt des Glaubens liebſtes Kind', ſagt unſer großer ihrer Kleinen, die Klagen und Jammerrufe des geliebten Gatten Schiller, und ich meine, es gibt Niemand auch in unſerem aufge⸗ gehört, ohne es doch zu vermögen, ſich von dem entſetzlichen Banne klärten 19. Jahrhundert, der nicht ein wenig gläubig— wenn nicht
zu befreien, der ſie gefeſſelt hielt. gar abergläubiſch wäre, zumal unſere Frauen!“
Noch viele Jahre des reinſten Glückes waren dem Kaufherrn Die freundliche Matrone erhob ſcherzend den Finger und drohte und ſeiner Gattin beſchieden, ihr Name und Stamm vererbte ſich und dem Eheherrn, der ſie ſtets wegen ihres Wunderglaubens zu necken blühte und grünte fröhlich fort durch Generationen, ihr Andenken aber liebte. 5 ward geſegnet. Noch heute zeigt man in einem Seitengange unſeres Es war ſpät geworden, ich brach auf und ſchied nach einem berühmten und altehrwürdigen Gotteshauſes, der ſchönen Domkirche, kräftigen Abſchiedstrunke aus dem traulichen kleinen Familienkreiſe. ein Gemälde, auf dem Frau Meta mit ihren ſieben Kindlein abgebildet Auf dem Heimwege ſtand ich noch lange in ſtilles tiefes Sin⸗ iſt— das ſanfte liebliche Geſicht der Frau und ihrer jüngſt Ge⸗ nen verſunken vor dem Hauſe am breiten Wege ſtill, die ſchöne borenen deckt fahle Todtenfarbe. Straße war jetzt einſam und menſchenleer, nur hier und da ſchlüpften
Den treuen Schimmel ließ Herr Martinus von einem gar verſpätete Wanderer an den Häuſern entlang, der Lärm des lauten geſchickten Steinmetz⸗Meiſter in Stein hauen— er ziert noch jetzt Lebensmarktes war verſtummt und während ich ſo hinaufblickte zu die Giebelſeite des Hauſes am breiten Weg.“— dem Steingebilde, das die Mondſtrahlen in ein magiſches Dämmer⸗
Die alte Dame ſchwieg ein wenig erſchöpft, ich dankte ihr licht hüllten, ſtieg die alte Zeit vor mir empor, ſeltſam belebt durch herzlich für ihre intereſſante Erzählung und meinte dann kopf⸗ die Schattengebilde aus Frau Mertens' Erzählung von der aus ſchüttelnd: Grabesnacht erſtandenen holden Meta.
Nächtliche Luftfahrt. Nacherzählt von Karl Oppel.(Rachdruc verboten)
n einem freundlichen Herbſtabende im Oktober des Jah⸗ und die Sucht, Ballone ſteigen zu laſſen, verbreitete ſich in gleichem res 1812 hatten ſich in einem Wirthsgarten der Stadt Maße über alle Nachbarländer. Die Aöéronauten machten ein gutes Ancona zahlreiche Gäſte eingefunden, nach des Tages Geſchäft.
Hitze und Staub hier Ruhe und Erholung zu genießen.„Die Gelehrten aber erkannten, daß die neue Erfindung doch Der Garten ſtieß unmittelbar an das Meer, und die auch für die Wiſſenſchaft von großer Bedeutung werden könne, meiſten der Beſucher hatten ſich vorn an kleinen runden und Regierungen und reiche Private rüſteten Ballone aus und Tiſchchen niedergelaſſen, tranken ihr Aqua café, rauchten warben Meteorologen und andere Gelehrte zur Theilnahme an den und ſchauten, mit Wohlgefallen die Seeluft einathmend, Expeditionen. Mit nicht minderem Eifer widmeten ſich Sachver⸗ hinaus auf die blaue Adria. Ganz vorn am Zaune ſtanden einige ſtändige der Aufgabe, einen Mechanismus zu finden, mittelſt deſſen
3 8 5
Gruppen junger Leute, rauchten ebenfalls und ſahen den ein⸗ und man den Ballon nach Belieben in der Luft ſteuern könnte. auslaufenden Fahrzeugen zu, oder blickten nach den am fernen Hori⸗„Keiner war bei all' dieſen Beſtrebungen eifriger, als der Graf zonte hinziehenden Schiffen. Zambeccari. Er war der Erſte, der in England einen Ballon
Hinten im Garten ſaßen in einer Laube vier Männer, drei ſteigen ließ; er unterſtützte jeden Schritt zur Vervollkommnung jüngere und ein älterer. Jene horchten vorgebeugt mit geſpannter der Aéronautik und ſcheute keinen Koſtenaufwand, um die man⸗ Aufmerkſamkeit der Erzählung des älteren Herrn zu, lauſchten be⸗ nigfachſten Verſuche anzuſtellen. gierig ſeinen Worten und ſchienen für nichts Anderes Auge und„So wollte er denn auch im Sommer des Jahres 1803 in Ohr zu haben. Bologna einen Rieſenballon von 14,000 Kubikfuß Inhalt ſteigen „Ja,“ fuhr dieſer— es war der Signor Pasqual An⸗ laſſen und ſuchte geeignete Männer, die ihn auf der Fahrt begleiten dreoli— nach einer kleinen Pauſe fort,„ja, er iſt todt, der ſollten. Die ſich nun dazu bereit fanden und ihm willkommen arme Graf; er iſt umgekommen im Dienſte der Wiſſenſchaft, ge⸗ waren, waren Doktor Graſſetti von Rom und ich. fallen als ein Opfer ſeiner Verſuche, und wenn ihr mir zuhören„Ihr könnt euch denken, daß die letzten Wochen vor der Auf⸗ wollt, will ich euch wohl erzählen, was wir mit einander durch⸗ fahrt, während Jeder von uns ſeine Vorbereitungen traf, für Graſ⸗ gemacht haben. Die entſetzlichſten Stunden meines Lebens, ſo grauſig, ſetti und mich eine Zeit größter Aufregung waren. Dem Grafen daß wohl unter Millionen nicht Einer ſolche zu koſten bekommt, machte das kein Herzklopfen mehr, er hatte ſich ſchon oft genug habe ich an ſeiner Seite verlebt. dem leichten Fahrzeuge anvertraut und ſein Leben gewagt, aber bei „Graf Franz Zambeccari gehörte einer alten, edlen Fa⸗ uns war das doch etwas Anderes. Es iſt ja Zweierlei, was milie in Bologna an und war ein ſtrebſamer, unternehmender die Luftſchifffahrt noch ſo gefährlich macht: Erſtens, daß man Charakter. Seinem hochfliegenden Geiſte genügte nicht die breite, zur Herſtellung der Maſchine ein leichtes Material wählen muß, vielbetretene Bahn des Alltagslebens; ihn reizte das Un gewöhnliche, das darum ader auch wenig dauerhaft, feſt und widerſtandsfähig das Außerordentliche. Als er ſeine Univerſitätsſtudien beendigt iſt, und zweitens, daß man bis jetzt noch ganz und gar von dem hatte, trat er in die ſpaniſche Marine ein, und weil er da zu wenig Luftzuge abhängig iſt. Wohin er uns führt, und wie er uns Beſchäftigung fand, ſpäter in die ruſſiſche. Hier hatte er Gefahren treibt, ob langſam, ob ſchnell, ob mit todbringender Sturmeseile und Abenteuer vollauf zu beſtehen, aber ein tollkühnes Wagniß— wir müſſen's annehmen und können nichts dagegen thun. Ich brachte ihn in die Hände der Türken; er wurde gefangen genommen bin feſt überzeugt, ehe hundert Jahre vergehen, werden wir den und drei volle Jahre internirt, bis er endlich ſeine Freiheit wieder Ballon ſo ſicher lenken, wie das Schiff, und werden mit derſelben erhielt. Ruhe durch die Luft ſteuern, wie jetzt durch den Ocean; was Zam⸗ „Da er über ungezählte Summen zu verfügen hatte, bedurfte beccari nicht gelungen, werden Andere fertig bringen, aber— bis er keiner Anſtellung, keines Erwerbes und entſchloß ſich, als freier jetzt haben wir es noch nicht, und ihr könnt euch darum vor⸗ Mann die Welt zu ſehen. Den größten Theil Europa's hatte er ſtellen, daß Graſſetti und ich mit Aufregung der Ausführung des bereits beſucht, ſo durchzog er jetzt Vorderaſien und ganz Nord⸗ Planes entgegen ſahen. afrika und kehrte dann nach Bologna zurück.„Die Herſtellung des rieſenmäßigen Ballons koſtete mehr Zeit,
„Unterdeſſen hatten, wie ihr Alle wißt, am 5. Juni 1783 die als man gedacht hatte; die Auffahrt verſchob ſich dadurch bis zum
Gebrüder Montgolfier, Papierfabrikanten zu Annonay, den 7. Oktober.
erſten Luftballon ſteigen laſſen, und ſchon am 27. Auguſt deſſelben„Es war ein Tag wie heute. Am frühen Morgen begannen Jahres ließ Profeſſor Charles in Paris auf dem Marsfelde einen wir die Füllung des Ballons, zu der wir 200 Pfund Eiſenfeile, mit Waſſerſtoffgas gefüllten aufſteigen. Anfangs war Alles nur 6000 Pfund Zink und 8500 Pfund Schwefelſäure angeſchafft hat⸗ eine intereſſante Spielerei; als aber Perſonen mit auffuhren, wurde ten; allein Stunde um Stunde verging, die Gasentwicklung war
die Luftſchifffahrt in Frankreich der Stoff des täglichen Geſpräches,] eine ſehr bedeutende, und doch ſah man kaum, wie der Ballon ſich
kündigte der ten, er wer füllt, man fehn Uhr eihob ſich wvir ſtehen Seit heute then? Au beheul erho „Der Leute, ſpre ihr gewinn ihr denn je blich ſind Ballon me Briefe aus deres. M brüllten tau gegen unfer aller unſere nach dem durch die L. jeden Augen „Meir iſt toll ger Spiele! T der herab, Die Balken willen, ſtei den Korb⸗ in die Höt ravo, bra nerte zu un Andnoli ſe und aber te „Vald Kapitän um uns auch nicht lande ſteigen iſ s windſtill iſt Lebensg rend weiten entfernt, ſe geſchleudert von Glück Vaden gü duch dos beſchaffe ii gar ni .„Wir


