Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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AA Vieters Fleiſchtheile zer

waren wir auf dem Heck nicht unthätig. Ein zweiter Schuß hatte die Lillakanone der ſchon beſchädigten Prau demontirt, allein die an⸗ dere, größere, war inzwiſchen immer näher gekommenz; ſie führte zwei ſtärkere Geſchütze, ſchon praſſelten die Splitter um uns, mehrere Ge⸗ ſchoſſe hatten in die Kajüte geſchlagen immer aber zögerten wir noch, die unſeren auf den wilden Menſchenknäuel zu richten, in deſſen Mitte die rührende Geſtalt des gebundenen Mädchens mit vorgeneig⸗ tem Haupt, offenbar ohnmächtig oder gar vielleicht ſchon todt, uns mahnend entgegenſtarrte. Dicht neben ihr, über alle andern erhöht, ſtand ein finſterer, weißbärtiger Greis in prächtigen Gewändern, einen blitzenden Kris in der Hand, offenbar der Befehlshaber der Prau. Eben ſchwang er mit triumphirenden Geberden die Mordwaffe, als wolle er ſie in den Buſen der Unglücklichen ſtoßen, da klang dicht vor uns ein kurzer, ſcharfer Knall, und wir ſahen den Nacoda rück⸗ wärts ſtürzen mitten unter ſeine Leute, welche ein verzweiflungsvolles Wuthgeheul ausſtießen. Van der Boſch war es, der geſchoſſen hatte, ſein unvergleichliches Gewehr hatte auf eine faſt unglaubliche Ent⸗ fernung hin ſeine Schuldigkeit gethan, unterſtützt von einem ſicheren Arm und einer Empfindung, welche das Unmögliche möglich macht. Gleich darauf erklangen die Muſchelhörner, erloſchen die Leucht feuer ſchon ſchwammen die Bandongs in weiter Ferne, auch die Prauen wandten ſich zur Flucht. Da kräuſelte ſich mit einem Male die Fläche des vorher ſpiegelglatten Meeres, die Morgenkühlte friſchte auf.An die Daviden! Nieder mit den Booten! klang das Commandowort, niemals liefen ſie ſo raſch aus den Taljen; in weni⸗ gen Augenblicken waren die Jolle und das Langboot im Waſſer, die Riemen peitſchten die Flut, wir nahmen die Jagd auf, während der Mariner die Segel zu ſtellen und uns bei der immer friſcher auf⸗ laufenden Kühlte langſam zu folgen begann. Ich befand mich mit Mynheer van der Boſch, welcher der erſte hinabgeſprungen war, im Langboot, natürlich ſetzten wir der Prau mit dem Mädchen nach. Tauſend Guineen der Mannſchaft, wenn wir ſie retten! hatte der Holländer gerufen, aber deſſen brauchte es nicht, um uns anzufeuern. Leider war die Prau ſchon weit voraus, ſie war ſtärker bemannt, und hatte vielleicht zweimal ſo viele Ruderer; dagegen war unſer ſcharf⸗ kieliges Boot weit leichter und britiſche Eichenherzen darin. Die Jolle ſahen wir der Morgen graute herauf die andere Prau erreichen und in Beſitz nehmen, ſie ſchien von der Bemannung ver⸗ laſſen; unverdroſſen folgten wir der unſrigen, welche ſüdoſtwärts abhielt und eben ihre Segel ſtellte, welche ſie in wenigen Minuten unſerem Bereich entrücken mußten. Verzweifelnd war Van der Boſch mit gefalteten Händen niedergeſunken und barg den Kopf in den Schoß ſeines treuen Dieners, dem die Thränen aus den Augen rannen; ſie beteten und niemals iſt ein Gebet ſchneller und ſchöner erhört worden. Denn horch! was war das? Ein Kanonen⸗ ſchuß unzweifelhaft und zwar leewärts! Und dort, in den erſten Strahlen der auftauchenden Sonne, welch ein Qualm! Ein Dampfer, kein Irrthum möglich hurrah, es iſt der Thun⸗ derer! Nun iſt ſie unſer, drauf ihr Männer, drauf mit hip, hip, hip, hurrah für Alt⸗England! In der That, es war Hilfe zur rechten Zeit; der Dampfaviſo brauſte heran und ſchnitt die Prau vom Lande ab, windwärts ſtand der Kutter unter voller Leinwand, und zum Ueberfluß kam auch noch die Jolle, um ihren Theil der Jagd nicht zu verlieren; ſie hielt ſich nur auf, um da und dort einen verlaſſenen Bandong in Grund zu bohren, alle Inſaſſen derſelben waren verſchwunden, ins Meer geſprungen und ſuchten ihr Heil im Schwimmen. Die Bemannung der verfolgten Prau war einen Augenblick rathlos, dann aber ahmte ſie das Beiſpiel ihrer Genoſſen nach, wir ſahen eine Menge dunkler Körper in die Fluten ſpringen, dann ſchwankte das verlaſſene Fahrzeug ungeſchickt auf den immer erregter werdenden Wellen. In wenigen Minuten lagen wir Bord an Bord; Van der Boſch ſchwang ſich hinauf aber mit einem Schwerzensſchrei bebte er zurück. An dem Fockmaſt(die großen Prauen führen zwei Maſte mit je einer Raa, ungefähr nach Art der Felucken) hing das gebundene Mädchen, über und über mit Blut be⸗ goſſen, aus ihrer Bruſt ragte der Griff eines Kris hervor, zu ihren Füßen lag der erſchoſſene Nacoda. Ein eiſiger Schauer überlief uns bei dem Anblick; glücklicherweiſe war der Wundarzt mit im Langboot, er trat hinzu:Sie lebt! rief er,ſie iſt nur ganz leicht ver⸗ wundet! Und er zog den Kris heraus und ſchwang ihn triumphirend in der Luft; die gefährliche Waffe war unter dem Arme durchgegangen,

chnitten und ſich in den Maſtegebohrt. des Sultans halten, deſſen ungeheuerer, aus den Goldminen vn 1* 4 8 1⅓⅛¾⅓ 5

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Während der alte Pieter mit Hilfe des Arztes die Unglückliche losſchnitt, der letztere einen Verband anlegte, uns aber während deſſen in Entfernung wies, hatte ſich auch Van der Boſch wieder erholt; der Uebergang vom tiefſten Schmerz zur höchſten Freude machte ihn ſtumm; er ſank auf die Knie wir umſtanden ihn und vereinigten, ehrfürchtig die Mützen in der Hand, unſer herzliches Gebet mit dem ſeinigen. Als er ſich erhob, ſtreckte ſich ihm aus der Hülle eines übergeworfenen grauen Soldatenmantels eine weiße, zitternde Hand entgegen, lächelten ihm blaue, in Thränen ſchwimmende Augen zu.

Die Jolle hatte mittlerweile im Verein mit dem Thunderer und deſſen herabgelaſſenen Böten unter den ſchwimmenden Piraten fürch⸗ terlich aufgeräumt; wenige von ihnen mögen das Land erreicht haben, wo mittlerweile ſchon, von Sarawak aus beordert, die Detachements der Strandwachen auf ihren wilden Ponies hin und wieder ſprengten, um niederzuhauen, was den Wogen, den Flintenkugeln und den Cut⸗ laſſen entging; Gefangene wurden nur ein Paar gemacht, welche das Schickſal der auf dem Mariner ſchon befindlichen theilten; ſie bau⸗ melten vor Sarawak an den Raaen. Der Dampfer, welchen der Reſident uns entgegengeſandt hatte, um uns bei der Windſtille zu ſchleppen, und welchen unſere Kanonade zu beſchleunigter Eile ge⸗ trieben, nahm den Holländer und ſeine gerettete Braut an Bord, die genommene Prau ins Schlepptau; Langboot und Jolle kehrten zu dem Kutter zurn*. Auf ihm, der nur ganz geringe Beſchädigungen, keinen Veriuo a Menſchenleben und nur ein Paar ungefährliche Verwundungen der Mannſchaft aufzuweiſen hatte, fanden wir auch ſchon den auf der andern Prau an den Maſt gebundenen Mann vor, leider in troſtloſem Zuſtande. Es war Capitän Shaw von der Bark Ospray, ihn hatte der Kris beſſer getroffen, ſein Wächter hatte ihm den Stahl in die Weichen gebohrt, ihm blieben vielleicht nur noch Stunden zu leben, und er war völlig bewußtlos. Von Miſſ van Gaasbeck, der Braut des Mynheer van der Boſch, erfuhren wir ſpäter die näheren Thatſachen. Die Dame hatte ſich in Begleitung von zwei holländiſchen Kammerfrauen und einem Malayenmädchen in Batavia auf dem Oſpray eingeſchifft, welcher auf der Fahrt nach Shanghai in Singapore anlegen wollte; hier ſollte ſie mit ihrem Verlobten getraut werden, um dann ſpäter mit demſelben nach Japan zurückzukehren. Widrige Winde hatten die Bark außer Cours ge⸗ bracht und ſie der Nordweſtküſte von Borneo zugetrieben. Hier wurde dieſelbe am hellen lichten Tag von einer Seeräuberflotille unter der nämlichen Führung, wie der gegen uns gerichteten, angegriffen und nach verzweifelter Gegenwehr genommen; die ganze Bemannung wurde erbarmungslos niedergemetzelt; was aus ihren Begleiterinnen wurde, iſt niemals erfahren worden, nur der Capitän Shaw und Miſſ van Gaasbeck blieben verſchont; beſonders von letzterer hoffte man ein hohes Löſegeld zu erzielen, da aus ihrer reichen Equipage ſelbſt dieſen Barbaren der hohe Rang und Wohlſtand der Gefangenen leicht erſichtlich ſein mußte. Es wurde ein Bote mit der Forderung an den holländiſchen Reſidenten in Pontianak abgeſandt, die Unglück⸗ lichen aber, nachdem der Ospray völlig ausgeplündert und niederge⸗ brannt worden war auf eines der Pirateneilande gebracht, wahr⸗ ſcheinlich die Inſel Haycock; hier waren ſie in abgeſonderten Hütten wenig ſtreng bewacht und ziemlich gut verpflegt worden, bis, ehe noch der Abgeſandte von Pontianak zurück ſein konnte, die Nachricht von dem Erſcheinen unſeres Kutters zu den Piraten gelangte; was dann weiter geſchehen war, wußten wir.

Die Vervollſtändigung dieſes Berichtes lieferte die Leiche des Nacoda der großen Prau. Wir liefen noch an demſelben Abend auf der Rhede von Sarawak ein und erhielten ſofort den Beſuch des Radſchah Sir J. Brooke, der uns auf ſeiner prächtigen Jacht ent⸗ gegengefahren kam. Er ſowohl, als die meiſten ſeines zahlreichen, abenteuerlich bunten Gefolges erkannten in jener den lebloſen Körper des Pangerang(Prinzen) Anom. ſeit mehr als dreißig Jahren die ganze Nordweſtküſte von Borneo in ſteter Furcht und Spannung erhalten, und es gab keinen gekannteren, man darf ſogar ſagen, unter dem Volke geprieſeneren Namen, als den ſeinigen. Er war der fünfte Sohn des Sultans Uman Aka Mudia von Sambas. Nach ſeines Vaters Tod rebellirte er gegen den Thronfolger, ſeinen älteren Bruder; er gewann die chineſiſchen Gold⸗ gräber für ſich, namentlich die kräftigen Petombangs, konnte ſich jedoch bei aller Tapferkeit und Schlauheit nicht gegen die Uebermacht

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