Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
560
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und ſeinen Degen! hatte der letztere ausgerufen, als ſeine Clientin ihm ihr Vorhaben mitgetheilt. Dennoch kam der Notar am 8. März in das in der Rue Chanteraine, der heutigen Rue de la Victoire gelegene Haus einer Tante Joſephinens, um den Ehecontract abzufaſſen. Als er bei der Vorleſung deſſelben an den Satz kam:der Verlobte erklärt nichts mitzubringen als.... ses hardes(was er auf dem Leibe trägt, könnte man das überſetzen), unter⸗ brach ihn der General mit kurzem, gebietenden Tone:

Streichen Sie das aus; ich habe meinen Degen!

Der Satz iſt in der That in dem noch erhaltenen Contracte durchge⸗ ſtrichen geblieben.

Im J. 1804, als Napoleon nach der Krönung von der Municipalität, zu der der Notar gehörte, vorbeikam, ſtand er ſtill und ſagte lachend zu ihm: Eh bien! Monsieur! finden Sie noch, daß Joſephine einen Mann geheirathet hat, der nur ſeinen Mantel und Degen hat?

Am folgenden Morgen wird Herr Raguideau nach der Tuilerien befohlen. Er begibt ſich etwas verzagt dorthin.Ich habe Sie zum Notar meiner Familie ernannt, ſagt Napoleon zu ihm.

Das Burcau Raguideaus war damals Rue Saint⸗Honoré Nr. 348, an demſelben Orte, wo ſich heute wieder das des Notars der kaiſerlichen Familie, des Herrn Mocquard befindet. Raguideau hatte nur ein Jahr ſein Amt bekleidet; im J. 1805 war er geſtorben, ohne zu ahnen, welches Schick ſal ſeiner Clientin warte. P. J.

Ein ſpaniſcher Miniſter⸗ und Schmugglerpräſident.

Der heutige Miniſterpräſident Spaniens, Don Ramon Narvaez, Herzog von Valencia, gilt dort als der Patron aller Schmuggler, die ihr Handwerk mit einer ſo ununterbrochenen Beharrlichkeit von einem bis zum anderen Ende der Halbinſel treiben.Por todos los Santos y don Ramon!(bei allen Heiligen und Don Ramon!) iſt dort der gewöhnliche Ausruf der Schmuggler. Es iſt ein öffentliches Geheimniß, daß der Marſchall den größten Theil ſeines Vermögens, welches nicht unbedeutend iſt, dadurch erworben, daß er die großartigſten Schmuggelgeſchäfte mit ſeinem Namen bedeckte und dadurch ihre Verfolgung den Steuerbehörden unmöglich machte. Mehr als einem Douanieroſſicier in den cantabriſchen Bergen oder an der Küſte von Almeria nach Malaga iſt von Freunden und Gönnern die Warnung geworden, nicht allzuſtreng ſeine Pflicht zu erfüllen, dader Herzog bald das Miniſterium wieder übernehmen würde! Und man wußte, was das zu bedeuten habe! Dem Leſer wird es unerhört erſcheinen, daß in einem Lande, welches uns ſo nahe liegt, die Leiter der Regierung ſich auf Koſten des Landes, und indem ſie allen Geſetzen Hohn ſprechen, zu bereichern ſuchen. Aber es iſt ſchon einmal in dieſen Blättern erzählt worden, daß in Spanien das Schmugglerhandwerk für kein unehrliches gilt, und daß ſelbſt die älteſten und beſten Familien ſich darnn betheiligten, ohne zu glauben, ihrer Ehre dadurch zu nahe zu treten. Wir können die Autenthicität der nachfolgenden Thatſache verbürgen: In

den vierziger Jahren klagte die öffentliche Meinung den Marſchall Narvaez

an, welcher als Generalcapitän von Andaluſien ein Feldlager bei Sta. Maria in der Nähe von Cadix hatte errichten laſſen, die Artilleriekaſten, Gabel⸗ wagen, Pulverkaſten u. ſ. w. voll aus Gibraltar eingeſchmuggelter eng⸗ liſcher Waaren nach Madrid gebracht und dort an ein Handlungshaus, deſſen Namen man öffentlich nannte, abgeliefert zu haben. Dieſe Geſchichte machte doch ein gewiſſes Aufſehen in Madrid, und als man den Herzog bei dernächſten Soirée der Königin in glänzender Uniform und mit ſeiner großen Miene

wie ein Maurentödter(matamoros) ſagen die Spanier erſcheinen ſah, wandten ſich faſt alle Blicke der Königin zu, um zu ſehen, auf welche Weiſe dieſe den Schmugglergeneral empfangen würde. Sie ſtand in einer Fenſter⸗ vertiefung in eifrigem Geſpräch mit Sir Henry Lytton Bulwer, dem engliſchen Geſandten und Bruder des berühmten Romanſchreibers, als der Marſchall ſich ihr näherte und dieſem Diplomaten einen grimmigen Blick zuwarf, der ihn mit kalter Verachtung maß. Plötzlich verläßt die Königin ihren Platz, geht auf den Marſchall zu, und mit lachendem Angeſichte nimmt ſie ſeinen Arm und ſagt laut genug, um von allen gehört zu werden:Erzähle mir Herzog, auf welche Weiſe Du meine Finanzen betrogen haſt, und ſage mir aufrichtig, wie viel es Dir eingebracht hat! Dieſe Worte der Königin

riefen ein allgemeines Stillſchweigen hervor die Freunde des Marſchalls erbleichten und ſeine Feinde trumphirten. Der engliſche Geſandte u. a. lachte faſt hörbar! Doch Don Ramon läßt ſich nicht außer Faſſung bringen. Sich tief verbeugend, wirft er einen forſchenden Blick um ſich und ſagt dann mit gelaſſener Stimme:Erlauben Ew. Majeſtät, Sie an einen andren Ort zu führen, denn hier könnten uns die Finanzminiſter unddie Creaturen der ausländiſchen Preſſe belauſchen! Und ohne ſich um die wüthenden Blicke vieler Anweſenden zu kümmern, führt er die Königin von dannen.

Achtzehn Monate ſpäter war Don Ramon Narvaez, Herzog von Valencia Miniſterpräſident und ſchickte als ſolcher dem britiſchen Geſandten, Sir Henry Bulwer ſeine Päſſe mit dem Befehl, Madrid in 48 Stunden z der. laſſen.

Auflöſung der Näthſel in No. 35. I. Rauch. II. Nachtſchatten.

Briefkaſten.

Eine unſerer fleißigſten, uneigennützigſten anonymen Correſpondentinnen, die uns bald mit Proſa, bald mit Verſen beglückt, bittet uns dringend um Aufnahme(und zwarmit etwas großer Schrift) eines poetiſchen, Receptes für ſorgſame und getreue Haus⸗ frauen. Opgleich Poeſie und Küche ſich nun ſonſt wohl nicht gut zu reimen pflegen, auch böſe Zungen den dichtenden Frauen nachſagen, daß ſie die Suppe öfter als billig anbrennen laſſen, wollen wir doch um des guten gemeinnützigen Zweckes willen eine Stelle aus dieſem vier Quartſeiten langen culinariſchen Poem unſern Leſerinnen zu etwaigem Gebrauche mittheilen. Sie lautet:

Man nimmt eine Flaſche leichten Moſelwein,

Thut drei Loth ſchwarzen Senf binein,

Geſtoßen die Flaſche mit Kork verwahrt,

Die Sonne ſcheint drauf nach ihrer Art

Drei Tage dann in die Finſterniß,

Im Keller hält es ſich gut gewiß.

Und Abends vor dem Schlafengehn

Da muß die Hausfrau auf der Wacht ſtehn

Und bringt ein Weinglas dem müden Mann,

Was ſie viel Monat ſo reichen kann

Der Rheumatismus flieht entſetzt,

Der Senf hat ihn zu Tode gehetzt ꝛc. Zu beſonderem Schwunge erhebt ſich das Gedicht zuletzt, wo es heißt:

Die Kanonen ladenden Kriegeswüther

Ach! wollten ſie deutſchen Senf genießen,

Es gäbe wirklich kein Blutvergießen! Somit wäre das Untwerſalmittel zur Herſtellung des Völkerfriedens alſo gefunden! Der Aufſatz über denBerufder Lehrerinnen enthält manche gute und wahre Gedanken, die wir gern unterſchreiben; aber die Form macht ihn doch ungeeignet für unſer Blatt, ab⸗ geſehen davon, daß auch der Gegenſtand ſelbſt uns etwas fern liegt. Nicht verwendbar ſind die Einſendungen von M. v. K. in S. A. V. in H. V. in B. Dem Schach⸗ freunde wollen wir nicht verhehlen, daß ſich ein Paar Druckfehler in den Aufſatz über ſein Lieblingsſpiel(No. 33) eingeſchlichen haben. Die italieniſche Schachautorität heißt: Ponciani und nicht Pagiani, der Spanier: Lucena, und in dem mitgetheilten Problem muß es No. 32(Anderßen) heißen B7 ſtatt 87.

Den Freunden des Rettungsweſens zur See, die daſſelbe durch unſere Vermitt⸗ lung bisher ſo reichlich unterſtützt haben, theilen wir noch folgende Beſcheinigung mit, die uns ſo eben von dem Vorſtande der Deutſchen Geſellſchaft zur Rettung Schifſ brüchiger in Bremen zugeht:

Der unterzeichnete Vorſtand beſcheinigt hierdurch mit dem wärmſten Danke, von der Verlagshandlung der ZeitſchriftDaheim die Gabe von 1323 Thlr. für die Caſſe der Geſellſchaft empfangen zu haben. Dieſer Beitrag iſt in das Verzeichniß ihrer Stiftungs⸗ gelder als das Ergebniß der zweiten Sammlung*) desDaheim eingetragen worden. Möge das Unternehmen, dem im deutſchen Vaterlande ſchon ſo viele Hände ſich geöffnet haben, auch fernerhin gedeihen, zur Ehre unſerer Nation und zum Segen für unſere Schifffahrt. Gott ſegne das deutſche Rettungswerk!

*) Die erſte betrug: 1651 Thlr. Wir ſind natürlich nach wie vor zur Entgegennahme von Betträgen für dieſes vortreffliche Werk gern bereit.

Inhalt: Die Frau des berühmten Mannes. Novelle von E. Junker. Zur Erinnerung an Kreutzberg und ſeine Menagerie. Mit Illuſtr. von H. Leutemann. Die Feldherren des zweiten Kaiſerreiches. II. Mac Mahon. Auguſtin und Rouſſeau(Schluß). Von Dr. Kögel. Stillleben in be⸗ wegter Zeit. Mit Illuſtr. von Wieſchebrink. Meine kleine Hausapotheke. VI. Milch und Molken. Von Dr. Dyrenfurth. Am Familientiſch.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leinzig, Poſtſtraße Nr. 17.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher Wittig in Leipzig.