Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
547
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ületgnn 57 uchzte. 2...

s ſi 5Nein, flüſterte ſie, die ſchwarzen Scheitel aus der ſchönen

Stirn ſtreichend,das that ich mehr um meinetwillen, weil ich mich vor dem Abſchiednehmen fürchtete.

O nicht doch, Myl eine Dame von Welt, wie Sie, ſollte über dergleichen erhaben ſein.

Der kalte Spott ſeiner Worte ließ ſie eine unmuthige Bewe⸗ gung machen, aber ein anderes Gefühl erſtickte die Erwiderung, die

dihr auf den Lippen ſchwebte, und mit derſelben leiſen, demüthigen, beinahe abbittenden Stimme fuhr ſie fort:

Sie wiſſen noch nicht alles, lieber Doctor.

Noch eine Neuigkeit, Mylady? 5

Ja, noch eine, ich habe mich mit Lord Cowan verlobt.

Die Kryſtallvaſen ſchienen muſikaliſch zu werden, als er ſich über ſie beugte, um den Wohlgeruch einzuathmen, aber mit einer hef⸗ ligen Bewegung richtete er ſich plötzlich ſo farblos, ſo herausfordernd und verzweiflungsvoll empor, daß ſie unwillkürlich einige Schritte zurückwich.

Mylady, Sie ließen mich, wie Sie zum Tode krank waren, rufen, iſt dem ſo?

Ja, Herr Doctor!

Sie legten Ihr Leben, die Sorge für Ihre Geſundheit, die Obhut nach Ihrer Geneſung, die Geſtaltung Ihrer bisherigen Exi⸗ tenz ganz in meine Hand, iſt dem ſo?

Ja, lieber Doctor. 1

Sie nannnten mich Ihren Freund, Ihren treueſten Beiſtand,

izu weinen? utwortete ſien ſen will t verlaſſen. einem Augenl tte, er hätte n Vortes.

dem ſie die Be enden gutmüt

den Kies, anz atten vorüber, en Dame vort dank ſaß und

it über ſein inden, erwid

dabei ſo beſ andern Gemüß

noch einmal! Sie feſſelten mich an Ihr Haus, Sie machten mich ungefragt zum jungen Dan Vertrauten Ihres ganzen bisherigen Lebens, Sie fragten mich oft, ob

Und doch ich mich von Deutſchland trennen und Ihnen übers Meer folgen en, denn wen ſönnte, iſt dem fo?

Ausdruck em je äußere Et n, ſo war ei faſt zu ſchwer ten ein Paari whingebende

Ich glaube wohl.

Nun dann, Mylady, verflucht ſei die Stunde, wo ich den Fuß her die Schwelle dieſes Hauſes ſetzte!

Arthur!

Oder wollen Sie behaupten, daß Sie ſich unabſichtlich meines lanzen Herzens bemächtigt, daß Sie es nicht geſehen, wie all mein

ir ihn nur be Winſchen, Hoffen und Begehren nur ein Ziel kannte, daß Sie es licht beobachtet, wie eine Gewalt, gegen die ich ankämpfte, ankämpfte

ich geſpami nit dem Bewußtſein der künftigen Niederlage, mit der angſtvoll

hriten diete ehigenden und ach! doch ſo beglückenden Hoffnung, ihr zu unter⸗

ſchwand. iegen, mich unwiderſtehlich zu Ihnen hinriß, wollen Sie das be⸗

t verrathen, auoten, gnädige Frau?

e, welche er Sie verbarg das Geſicht in den Händen und antwortete nicht.

Wie konnten Sie mein Herz zum Leben erwecken und es dann eill tener Güter berauben, die dem Leben erſt Werth verleihen, wie Vutſten Sie einen Blüthenfrühling friſcher Hoffnungen hervorrufen, aun ihn unentfaltet durch einen eiſigen Froſt zu tödten, mit welchem Feeitt ſtahlen Sie zu niemandes Bereicherung und nur zu meinem eigeren Elend meiner Seele den Glauben, meiner Zukunft jede Aus⸗ ſſict auf Liebe, Glück und Vertrauen? 3

Bewältigt von dem nie geſehenen Feuer einer Leidenſchaft, die ſſch bis jetzt in ſo ernſten, ehrfurchtsvollen Schranken erhalten, er⸗ Ini dridt von dem Gewicht der Anklagen, deren Wahrheit ihr eitles, Rühe und lichſinniges Herz nur zu laut bezeugte, ſtreckte ſie abwehrend die er 9 Wände gegen ihn aus und rief: ieArthur, wie ſchlimm Sie auch von mir denken, und wie weh ich Ihren thue, glauben Sie mir, in dem einen täuſchte ich Sie nie, und u Bodel biich immer wahr, ich meine in der Liebe, die ich für Sie hege.

Läſtern Sie nicht, unterbrach er ſie.

1.Wenn die Stärke dieſer Neigung, fuhr ſie fort,mich eine Icte u Jeit für das wirkliche Leben, für meine Stellung und Pflichten in Ausflu 1 widomſelben blind gemacht, wenn ich monatelang wie auf einer einſamen meine rhInſel nur meinen Gefühlen gelebt habe, ſo ſollten Sie mir am we⸗ h afſt d mänugſten einen Vorwurf daraus machen. gern. Die heftige Erregung ſeiner Züge machte bei dieſen Worten czukeht a ſeiner kalten, fürchterlichen Ruhe Platz, nur die rechte Hand ballte ſich dem Li biſ feſt zuſammen. llirrten 5'Wenn ich mich endlich, fuhr Lady Reynolds, durch ſein

ſeinet Schweigen ermuthigt, fort,erinnere, daß das Leben keine bloße Juhle, daß man der Welt geben muß, was der Welt gebührt, und (danum den Antrag von Lord Cowan annehme, der der langweiligſte begütert und in jeder Higſicht eine

waren, an hau bedingt, undd haben, dc

iſerer Stiumnt g wandte 1 Rückn zuma

nückbleibe un fen und alllr Menſchen, aber altadelig,

Epiſode meines Lebens zu ſetzen, die die ſchönſte in meiner Erinnerungd und die mich zur glücklichſten Frau machen würde, wenn Sie mit ihm die Rollen tauſchen könnten, ſo ſollten Sie, Arthur, der letzte ſein, der mich darum tadelt.

Er dachte nicht mehr daran, es zu thun, er hätte eben ſo gut dem Marmor unter ſeinen Füßen, oder dem Papagei in ſeinem Käfig einen Vorwurf machen können. Durch ein Paar Worte war das Götterbild, das er mit allen Juwelen ſeines Herzens geſchmückt, von ſeinem Piedeſtal herunter zu Staub und Aſche zerfallen.Ach, ſagte er wie im Traum zu ſich ſelbſt, und machte mit der Hand eine Bewegung, als ſchleudere er etwas von ſich,und ich habe ſie ſo ſehr geliebt!

Dann aber, ſich aufraffend, trat er einige Schritte näher, und mit der alten Ruhe und Beſonnenheit und mit dem alten hochmüthi⸗ gen Ausdruck, nur verdoppelt und vervierfacht, ſagte er zu der erreg⸗ ten, in Thränen ſchwimmenden Frau:

Weinen Sie nicht, Mylady, die Welt und ihre Pflichten ver⸗ langen vor allem klare Augen. Sie ſehen, auch ich bin ruhig und habe mich durch Ihre überzeugungsvolle Sprache bekehren laſſen. Geſtatten Sie mir nur noch zu wünſchen, Mylady, daß Ihre neue, erhabene Stellung Ihnen volle Befriedigung gewähren und Sie bald den Wahnſinn eines armen deutſchen Doctors vergeſſen laſſen möge.

Ohne eine Antwort abzuwarten, hatte er ſich tief verneigt und war aus der Thür über die Terraſſe in den Garten geſchritten.

Was nun? war die Frage, die ſich ihm aufdrängte, als er durch die wohlbekannten Gänge des Gartens ſchritt, der eben ſo friſch, eben ſo blühend und wohlgepflegt wie immer war, und für ihn doch ein fremdes, unheimliches Ausſehen gewonnen hatte. Beſſer für ihn, ſie wäre geſtorben, oder durch ein zwingendes Geſchick ihm entriſſen worden. Der Schmerz hätte ſein Herz erweicht und milderen Ge⸗ fühlen zugänglich gemacht, während es ſich jetzt in Kälte, Bitterkeit und verletztem Stolz zuſammenzog. Frei, ſelbſtändig und unabs hängig, wie ſie war, konnte er nicht eine Entſchuldigung finden, welche ihren Entſchluß rechtfertigte. 8.

Man würde irren, wenn man glaubte, er habe ſich dieſen Empfindungen mit Verzweiflung hingegeben. Es war für eine ſo ſtarre, verſchloſſene und in ſich fertige Natur genug, daß er einen Augenblick von ihr erfaßt worden, aber mit dieſem Augenblick ſchloß auch dieſer Theil ſeines Lebens und jede Ausſicht auf ähnliche Wünſche und Hoffnungen für immer ab. Was ihn jetzt am meiſten beſchäf⸗ tigte, war das Urtheil der Welt. Ein Menſch, mag er auch noch ſo unzugänglich und abſtoßend ſcheinen, einen Punkt hat er immer, wo er verletzlich und leicht zu treffen iſt. Seine Achillesferſe war Stolz. Hätte eine zärtliche Mutter ſeine Erziehung überwacht, eine Schweſter ihm zur Seite geſtanden, dieſer Stolz, das Grundelement ſeines We⸗ ſens, hätte veredelt, gemildert, richtig geleitet, eine eben ſo wohl⸗ thuende, glückliche Charaktereigenſchaft werden können, als er durch die ſtrenge Zucht ſeines Vaters und nach deſſen frühzeitigem Ableben durch die noch ſtrengere der öffentlichen Schulen, eine ſchroffe, ja ge⸗ fährliche Bedeutung angenommen hatte. So kalt er äußerlich er⸗ ſchien, litt er doch empfindlich bei dem Gedanken, ſich lächerlich ge⸗ macht und den Spott auf ſich gelenkt zu haben. Wenn er ſich ver⸗ gegenwärtigte, wie ſeine wahre Neigung von der wetterwendiſchen Menge, welche immer nur nach dem äußeren Erfolge urtheilt, als eine mißlungene Speculation angeſehen werden würde, ſchwoll die Flut ſeiner Bitterkeit, und er hätte Jahre ſeines Lebens geopfert, um aus dieſer Lage zu kommen.

Während er in dieſen peinlichen Zweifeln planlos vorwärts ſchritt, ſah er durch eine Hecke das weiße Kleid der vorher begrüßten jungen Dame hervorſchimmern. Welche neue Ideenverbindung blitzte plötzlich bei dieſem Anblick in ihm auf, hemmte einen Moment ſeine Schritte und breitete über die finſtern Züge ein triumphirendes Lächeln? Man kann nicht ſagen, daß er durch dieſes Lächeln ge⸗ wonnen hätte; wie ein froſtiger Sonnenſtrahl den grauen Winter⸗ himmel nur noch grauer macht, verlieh es vielmehr ſeinem unbeweg⸗ lichen Geſicht einen grauſamen Ausdruck.

Der heiße Tag hatte einem ſtillen, friedlichen Abend Platz ge⸗ macht und die Natur ihr müdes, erſchöpftes Ausſehen abgeworfen, um ihren Glanzmoment in heiterer Klarheit zu feiern. Alle Blumen richteten die geſenkten Köpfchen auf, und ſtrömten den verhaltenen

rho n, ſ in Duft in die würzige Atmoſphäre. Die Vögel, welche die Hitze ſtumm pagſende Partie iſt, wenn ich das thue, um damit ein finis unter eine gemacht, ſchmetterten ihr Abendlied, die ſcheid 4 8