Nachſtellung zu bewahren wiſſen; dort werden Sie auch glücklich leben, denn die Gräfin iſt gut und liebend, hat kein Kind und liebt mich zum Andenken an die Freundſchaft, die ſie für meine Mutter, ihre Jugendfreundin, hegte, als wäre ich ihr Sohn. Dort, Clelia, können Sie allen Stürmen trotzen— ich bleibe hier, ich werde ver⸗ ſuchen, dem Cavaliere Ihr mütterliches Erbe zu entreißen, und es wird mir ſehr leicht gelingen, denn niemand kann es Ihnen vor⸗ enthalten. Und dann— dann werde ich wieder in meine Heimat zurückkehren— dann, wenn Sie frei, unabhängig von allen daſtehen — dann werde ich Sie um eine Antwort bitten auf das Geſtändniß meiner Liebe, das ich Ihnen heute Abend gemacht!“
Je länger ich geſprochen, je ruhiger war ich geworden, die rau⸗ ſchende Leidenſchaft war in meinem Herzen gedämpft, und die Hoheit des Gefühls, welches meine Seele erfüllte, gab mir dieſe unendliche Ruhe, die mir bisher unbekannt geblieben war. Clelia ſtand regungs⸗ los vor mir— endlich erhob ſie ihren ſchönen tiefen Blick zu mir empor und ſchüttelte traurig den Kopf.
„Die Frauen meines Hauſes dürfen nicht lieben,“ ſagte ſie— „ihre Liebe bringt Tod und Verderben!“
„Was ſagen Sie, Clelia?“
„Meiner Großmutter zu Liebe— o Sie wiſſen es vielleicht nicht— ward mein Großvater zum Verräther an ſeinem Vaterlande, wie die Leute das nennen— meiner Mutter zu Liebe verlor mein Vater Familie, Stellung und.... Leben!— Und noch einmal wurde die trauernde Witwe von einem Manne geliebt, deſſen Liebe ſie nicht erwidern konnte, da ihre ganze Seele dem Todten gehörte, und was aus dem Manne geworden iſt, das wiſſen Sie, Sie, deren Freund er zu ſein ſcheint.“
„Wer? Palla Caſſotti?“ rief ich, und es fiel wie ein Schleier von meinen Augen.
„Ja, er liebte meine Mutter, und als ſie dem Geliebten ihrer Seele gefolgt, da ſtarb auch er für die Welt... o, ich erkannte ihn geſtern gleich in der Buchhandlung und errieth alles!— Sie ſehen, ich habe Recht— die Frauen meines Hauſes dürfen nicht lieben— es klebt Unglück und Verderben an ihrer Liebe!“
„O, könnte ich Ihnen die Worte richtig wiederholen, Clelia, die Ihr Vater mir einige Stunden vor ſeinem Tode ſagte, als er
Der deutſche Wald in ſeinen Jahreszeiten.
Von Hermann Waguer.
III. Das Leben des Frühlingswaldes.
Vor und nach Ewald von Kleiſt iſt der Frühling und insbeſon⸗ dere der Frühlingswald ſo unendlich vielmal beſchrieben und beſun gen worden, gereimt und ungereimt, daß man meinen könnte, es ſei eigentlich darüber nichts mehr zu ſagen. Und doch ſtehen wir immer noch ſo ziemlich am Anfange des A BC, wenn es ſich darum handelt, den Frühling zu— verſtehen und zu begreifen.
Die Herrſchaft der Sonne gewinnt nach der Nachtgleiche das Uebergewicht über das Reich der Finſterniß. Das Licht und mit ihm die Wärme und die verwandten andern phyſikaliſchen und chemiſchen Kräfte ſiegen über die Nacht, den Froſt und ihre Verbündeten. So wie jeder Wärmegrad ſeine eigene Chemie hat, ſo hat er auch ſeine eigene Phyſik und Naturgeſchichte..
D.r Froſt weicht aus dem Boden. Er hat ſeine Arbeit gethan. Das Geſtein zerbröckelt und wird aufgeſchloſſen. Es dehnt ſich am warmen Tage ſtärker aus, in der Nachtkühle zieht es ſich meßbar zu⸗ ſammen. Hier äußert ſich eine Naturkraft, die zwar theilweiſe be⸗ rechnet und ſtaunenerregend großartig befunden, aber noch nirgends prakliſch nutzbar gemacht worden iſt.
Wir wandeln am ſonnigen Waldrande entlang und ſind entzückt über die Frühlingsflora, die ſich zu unſeren Füßen ausbreitet. Die duftenden Veilchen und goldenen Himmelſchlüſſel begrüßen wir jedes Jahr wieder mit Luſt, wie die erſte Schwalbe und den Kuckuksruf. Wir erinnern uns daran, welche Aehnlichkeiten ſtattfinden zwiſchen unſern Frühlingsblumen und zwiſchen jenen des Polarkreiſes und jenen der Hochalp in der Nähe der Schneegrenze. Wir führen uns in Gedanken die Liſten vor, welche man ſowohl über die Blüthezeit derſelben Gewächſe in entlegenen Gegenden, wie auch über das Keimen der geſtreueten Samen angefertigt hat. Es ergibt ſich aus jenen
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ie Ener von der Seligkeit ſeiner Liebe ſprach!— Wer war glücklicher, Clelia Di nue — Ihr Vater, der den Tod fand— aber geliebt wurde oder Palla, Zween baicht Caſſotti, der langſam dahin welkt, den ſelbſt die Religion kaum z bin zuß! tröſten vermag um ſeine verlorene Erdenliebe?“ tinet 1 Sie ſchwieg, doch ihr Buſen wallte, und ihr Geſicht röthete ſich uürrin i ſi wieder leicht. masſtne „Gehen Sie nach Frankreich,“ bat ich—„gehen Sie, ent⸗ Lufſeigen gric ſchließen Sie ſich— glauben Sie mir, Sie werden glücklich ſein!« ezänge bu Sie antwortete nicht— langſam erhob ſie ſich, ging ans Fenſter de Ausgl
eniſch Thäig dls wikknde l in ihrer Väſe 1 thäiig ſin lnne herigen Erllärun de Säſt der R
und ſtarrte in den ſchwarz bewölkten Himmel. Ihre Hände hatten ſich gefaltet... ſo ſtand ſie unbeweglich einige Minuten da. Endlich wandte ſie ſich um— Thränen perlten in ihren ſchönen Augen. „Nun“— fragte ich—„haben Sie einen Entſchluß gefaßt— werden Sie meinen Bitten willfahren?“ „Ja!“ antwortete ſie mir mit ruhiger, aber tief vibrirender Stimme— ich werde thun, was Sie mir rathen; aber“... und ſie dat noc am wurde mit einem Male wie mit Purpur übergoſſen. Iu Gewüchſe n „Aber?“ fragte ich athemlos. Lär und Win „Die Frauen meines Hauſes,“ ſagte ſie mit erhobenem Haupte viſte Shmu —„verlaſſen den, den ihr Herz erwählt, in der Stunde der Gefahr noc nicht din nicht.— Ich will gern nach Frankreich— aber ich gehe nicht allein Frühlng iſti
—
von dannen— laſſen Sie Salviati mein Erbtheil... beginnen Sie Onde an In keinen neuen Kampf mit dieſem Dämon— begleiten Sie mich;— ſſalliiches For oder wenn Sie bleiben wollen— dann bleibe auch ich!“ Dad alt Ich zitterte... ich glaubte mißverſtanden zu haben. Stürme der A „Clelia!“ rief ich,„Clelia, war das eine Antwort?“ ſpringenden K Sie ſtreckte mir die Hand entgegen. Zugleich aber „Ja! das war meine Antwort!“ erwiderte ſie. ralicch ob aller „Dem Freunde ihres Vaters... dem Sie Ihre Dankbarkeitnuſt kum bea beweiſen wollen?“ fragte ich, immer noch nicht an mein Glück glaubend. ſilken zu Bod
Bäumen und die Laubblätte
Sie lächelte.... ihre Wangen wurden immer röther— ſie wußte keine Antwort— endlich verbarg ſie ihr Geſicht in ihre Hände
und ſtotterte: SCs her „Nein... nicht dem Freunde meines Vaters... ſondern... wieffältige T ſondern... dem Reiſenden von St. Jean de Maurienne!“ welche in For Purzelſtöcken
(Schluß folgt.) uuſen, die E in andere Forn Safte beigemiſ
weig⸗ und T
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laa Alüthenſt
Annern der
vieljährigen, genauen Beobachtungen, daß jedes Gewächs zur Voll⸗ ſiig auch ein bringung gewiſſer Lebensverrichtungen, zum Erwachen aus der Sa⸗ ingen und a menruhe und dem Winterſchlafe, zum Oeffnen der Blütenknospen tenſſe das En
und zum Entfalten der Blätter ein gewiſſes, feſt beſtimmtes Quantun li vie ſe⸗ von Wärme nöthig hat. Jene Wärme geht nicht verloren, wie über⸗ den,in riflſe haupt keine Kraft je verloren geht,— ſie nimmt nur eine andere Form an. Daſſelbe gilt auch vom Licht. Es iſt bekannt, daß die Bildung des Blattgrüns im jungen Laube, die Entſtehung der Far⸗ benpracht in den Bluͤthen nur durch Einfluß des Lichtes vor ſich geht. Man hat neuerdings ſogar die verſchiedene Wirkungsweiſe der ein⸗’ zelnen Strahlen des Spectrums hierbei zu verfolgen geſucht, ſelbſt
die der unſichtbaren chemiſch kräftigen. Wärme und Licht werden in Das S8 den Blumen und Blättern des Frühlings in Pflanzentheile umgeſetzt. ſamen Vorzug 4 a K
Wende maͤn mir nicht ein, daß eine ſolche Analyſe die Poeſie der
Frühlings beeinträchtige! Iſt die Blüthe des blauen Ehrenpreis
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oder des duftenden Veilchens etwa weniger ſchön, weil ich weiß, daß ainen ſo dah ein Theil des goldenen Sonnenlichtes darinnen gefangen ſchlummert! lhe Au
Der Winterſchnee iſt geſchmolzen; warme Regen träufeln aus oßen Refal den Wolken. Von allen Bergen rieſelt das lebenſpendende Naß deeinda Pm herab. Nicht ſelten treten die Flüſſe, durch den Ueberfluß ange⸗ aazeſtmicte ſchwellt, über ihre Ufer.— Ein ähnlicher Waſſerſtrom ſteigt aber ſſ perſi auch im Frühjahr aus der Tiefe nach oben. Aus allen Wurzeln ledden Knder
dringt's in die Stämme, Zweige und Knospen. Der Frühlingsſaft den etigen d tritt in die Gewächſe. Man ſetzte eine 7 Zoll über dem Boden ab⸗ den dernu 5 geſchnittene Weinrebe mit einer Glasröhre in Verbindung,— der ſigefelt me ausſtrömende Saft ſtieg bis 30 Fuß hoch. Er hielt einer Qued. acſil ſilberſäule von 38 Zoll, einer Waſſerſäule von 43 Fuß das Glei d⸗ 6 get gewicht. Er zerſprengte eine über die Wunde gebundene thieriſch
Blaſe mit lautem Knall. 4


