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geren Durchfällen ein Klyſtier aus einem zerhackten Kalbsfuß mit einem eingequirlten Gelbei. Doch verſäume man nicht, ſich bald ärztlichen Rath zu holen.
Was die Inhaltsmenge eines zum Entleeren beſtimmten Klyſtiers anbelangt, ſo beträgt ſie bei kleinen Kindern etwa eine mäßige Ober⸗ taſſe, bei ſolchen von 3—8 Jahren anderthalb bis 2 mäßige Taſſen, bei größeren 2, bei Erwachſenen ungefähr 3—1 ſtärkere Taſſen voll.
Hiermit ſei der Artikel vom Klyſtiere beſchloſſen, und nur noch folgende dringende Bitte angefügt:
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In keinem Hauſe ſolltedieſe erſte Hilfe in vie großen undkleinen Leiden fehlenz beſonders auf d Lande, woderin ſchweren Krankheiten erſehnte ärzt⸗ liche Beiſtand ſo ſelten gleich zur Hand iſt, und in milien mit großem Kinderſegen ſollte jeder Ha vater auf Anſchaffung und in Standhaltung des ſtrumentes bedacht ſein, deſſen Zeit früher oder ſpäter docheinmal kommt, und das ſeine Koſten da
reichlich heimzahlt.
Am Familientiſche.
Nochmals das„Petit Journal“.
Im Jahre 1852 war der begabte Romanſchreiber Frédéric Soulié geſtorben und hatte ſeine Familie in den troſtloſeſten Verhältniſſen hinterlaſſen. Einige Freunde des Verſtorbenen beriethen miteinander, auf welche Weiſe ſie der Wittwe zu Hilfe kommen könnten, und Dumas ſchlug vor, daß man das Gerücht ausſprengen ſollte, es habe ſich in den Papieren des Ver⸗ ſtorbenen ein vollſtändig fertiger Roman aufgefunden, um ſo die Buch⸗ händler anzulocken, den Hinterbliebenen dieſes Werk abzukaufen. Dieſe Idee gefiel, und es wurde beſchloſſen, daß ſie zu zweien oder dreien ſich an die Arbeit machen und irgend ein phantaſtiſches Werk zuſammenſchreiben ſollten, das für das Publicum den ſtets feſſelnden Reiz des Poſthumen haben würde. Ein wohlthätiger Gedanke lag dieſem Plane zu Grunde, und die, welche ihn gehabt, mögen ſich wohl vorgenommen haben ihn auszuführen, zumal da ſie gleich am anderen Tage das Gerücht ausſprengten, es exiſtire ein ungedruckter Roman des verſtorbenen Soulié.— Indes blieb es bei der Idee— und nach⸗ dem man ſich ein Paar Tage damit herumgetragen, dachte niemand mehr daran, ſie zu verwirklichen.
Zu jener Zeit war wie heute Redacteur des literariſchen Theils des Sisele Herr Louis Desnoyers, ein äußerſt intelligenter Mann, der immer auf der Jagd nach Neuigkeiten war, die den blaſirten Geſchmack ſeines Prdih unns zu reizen im Stande waren. Er hatte bald erfahren— als authentiſcherfahren, daß Soulié einen Roman hinterlaſſen, und kaum war dieſe ſo wichtige Neuigkeit ihm überbracht, als er anſpannen läßt(in Frankreich haben die meiſten Re⸗ dacteure einen Wagen, der ihnen von den Verlegern zur Dispoſition geſtellt wird) und zur Wittwe Souliés fͤbrt um ihr das Manuſcript des Romans abzukaufen. Sie, die von dem 2 Vorhaben Dumas und ſeiner Freunde noch nichts wußte, behauptete, daß ſie keine Ahnung von einer ſolchen Hinterlaſſen⸗ ſchaft habe,— jedoch wenn ſie wirklich ein ſolches Werk in den zahlreichen Papieren ihres verſtorbenen Mannes fände, würde ſie ſich beeilen, es zu ver⸗ kaufen. Desnoyers, der ſich den leckeren Biſſen nicht entgehen laſſen will, zieht ein Tauſendfrankenbillet aus ſeiner Brieftaſche, gibt es der Wittwe und läßt die ihren Augen nicht Trauende ein Papier unterzeichnen, welches be⸗ kundet, daß das Siécle das alleinige Recht der Publication des poſthumen Romanes habe, für deſſen Honorar ſie eine Abſchlagszahlung von 1000 Franken erhalten. Von hier aus fährt Herr Desnoyers in die Druckerei, ſchreibt einige Zeilen, die er gleich ſetzen läßt, und am andern Morgen lieſt der Abonnent mit ſetten Buchſtaben gedruckt die Anzeige:„daß es der literariſchen Redaction nach unendlichen Anſtrengungen gelungen ſei, ein ungedrucktes Werk Souliés zu entdecken, welches zweifelsohnedasbedeutendſte ſei, welches der beliebte und leider zu früh dahingeſchiedene Schriftſteller verfaßt und daß beſagte Redaction keinerlei Geldopfer geſcheut, um den Leſern des Sisele dieſes außerordentliche Werk.
im nächſten Quartale. zu bringen.“ Dieſe Annonce erſcheint 8 Tage lang an der Spitze des Feuilletons und ſetzt wirklich ganz Paris in Bewegung, Herr Desnoyers iſt der lüc ichſte Redacteur in Paris, und ſeine Collegen vom Conſtitutionel, Pays, der Preſſe werden krank vor Neid.— Von Zeit zu Zeit läßt er bei der Wittwe anfragen, ob ſie das bewußte Manu ſcript gefunden und erhält ſtets eine verneinende Antwort, jedoch mit der Be⸗ merkung, daß man immer noch nicht mit dem Aufräumen fertig ſei. Während deſſen erhält Dumas, der zu jener Zeit äußerſt ſchlecht mit dem Sisele ſtand, Wind von der ganzen Affaire— und wenn er und ſeine Freunde je die ernſte Abſicht gehabt haben, einen Roman für die Wittwe Souliés zu ſchreiben, ſo geben ſie dieſelbe jetzt gewiß auf, um Desnoyers in der Klemme zu laſſen! Unterdeſſen rückt auch der Abſchluß des Quartals mit Rieſeunſchritten heran— und eines Tages erhält der dedö ur des Sièele die ihn zu Boden ſchmetternde Nachricht, daß Frau Soulié jetzt mit Beſtimmtheit wiſſe, ihr Mann habe keinen Roman hinterlaſſen und die 1000 Franken ſeien beinahe ver⸗ zehrt!— Solch einen Schlag am Ende des Quartals nach ſolchen pomp haften Annoncen kann nur ein Verleger beurtheilen!— Was thun?— Nach⸗ dem Herr Desnoyers die bitterſten Vorwürfe bekommen, ſagt man ihm, er ſolle Rath ſchaffen— um jeden Preis, da das Publicum mit der größten Spannung der annoncirten Veröffentlichung entgegenſehe!— Aber wie?—
Zu der Zeit befand ſich eines Morgens unſer Gewährsmann bei Herrn Desnoyers und hörte zu, wie dieſer ihm ſeine herbe Noth klagte und nicht aus, nicht ein wußte, als der Diener die Karte eines Herrn brachte, der ihn zu ſprechen wünſchte.—„Kennen Sie einen Herrn Leo Lespés?“ fragte er unſeren Freund, und auf deſſen verneinende Antwort gibt er Befehl, den Fremden ein⸗
zuführen.— Ein junger Mann,— ziemlich sans géne gelleidet, tritt, Rolle Papier in der Hand, ein, und ſich vor Desnoyers verneigend, ſagt* „Herr Redacteur! ſeit drei Jahren verſuche ich eine Stellung in der Schri ſtellerwelt mir zu erwerben und habe bis jetzt nur das Ziel erreicht, mein klei I Vermögen aufzuzehren. Jetzt habe ich die Gelegenheit gefunden, viel G oder viel Ruhm oder auch beides durch Sie zu verdienen— ich ergreife dieſe Gelegenheit bei den Haaren— und habe die Ehre, Ihnen hiermit den er Band eines Romans, den ich im Zeitraum von 14 Tagen geſchrieben hal
zu überreichen!“— Desnoyers lächelt— mit einem Lächeln, das nur Redacteur kennt, wenn ein unbekannter Schriftſteller ihm ein Manuſer anpreiſt— ſtreckt die Hand aus— wirft einen Blick auf das erſte Blatt.....l und fährt, als wenn ihn eine Natter geſtochen hätte, von n ſeinem Sitze auf 1.. „Herr!“ ruft er...„ſind Sie verrückt— was geben Sie mir da!“— da Manuſcript trug den Titel: Le veau d'or, Roman posthume de Frédori Soulié!“
„Mein Herr!“ ſagt Lespés mit ruhiger Stimme,„ich hatte erfahren, in welcher Verlegenheit Sie waren— leſen Sie das Manuſcript, es iſt ganz der Souliéſche Styl, ganz die Technik und die ganze Art und Weiſe der Ge⸗ dankenentwickelung des Verſtorbenen. Finden Sie ſich mit der Wittwe ah, C damit dieſe Ihnen das Geheimniß bewahrt— und in 14 Tagen haben Sie deu anderen Band, wenn Sie die Güte haben, mir 100 Franken auf mein Honorar vorzuſchießen, denn ich bin ganz ohne Geld!— Nur auf dieſe Weiſe könne Sie dem Sturm die Stirne bieten, der Ihnen droht!“
Beim Beginn des nächſten Quartals erſchien im Feuillan des Sièécele zum großen Aerger ſeiner Feinde der hinterlaſſene Roman Souliéh, den die Wittwe behauptete in den Papieren ihres Mannes gefunden zu haben. Er ſpann ſich bis zu drei Bänden aus, hatte einen fabelhaften Erfolg und Frankreich betrauerte noch mehr den ſo früh dahingeſchiedenen Schriftſteller!
Was Herrn Leo Lespés anbetrifft— ſo verdient er ſeit ein Paar Jahren ungefähr 30,000 Franken jährlich, indem er ein Journal redigirt, das täglich erſcheint— ſich nicht mit Politik beſchäftigt und neben einem fortlaufenden Romane nur kleine Novellen, Anekdoten, Plaudereien u. ſ. w. aus der Feder des Redacteurs enthält, die dem Jonrnal ſeinen beiſpielloſen Erfolg bereite haben. Es iſt das berühmte„Petit Journal,“ welches 250,000 Abonnente hat, 18 Franken jährlich koflet, deſſen das Daheim(S. 288) ſchon einn erwähnt, und in welchem der Redacteur Leo Lespéès... Timothée Tri zeichnet.— Das Publicum hat nie erfahren, auf welche Weiſe man es mit dem Veau d'or getäuſcht! Sa—w.
Im Hotel ſeenden unwide
Fiſett; denn
m ſſchiffe u ſrſeille oder
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Räthſel.
Ein Schmuck iſt e für 3 ung und Alt, Ein Pflänzchen draußen in dem Wald. Oft doctert's mancher Arzt nicht weg, Und oft erſcheint es als Gebäck.
II. Der erſte ſtürmt mit wildem Eilen Hin durch die Welt ohn' Raſt und Ruh Er mag zur Arbeit nicht verweilen Doch zwingt der Menſch ihn auch dazu; Und wehe, wenn die holde zweite In ſeinen rauhen Arm er ſchließt! Die zarte Schönheit wird zur Beute Ihm, der ſie ſtürmend nicht genießt. Dem Menſchenherzen gleicht das Ganze, So unruhvoll, ſo leicht bewegt Und doch im eng begrenzten Kranze Die ganze Welt es in ſich trägt.
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Auflöſung des Rebus in No. 31. ſauch Achte das Kleine nicht klein, es enthält die Keime des Großen.
Inhalt: Clelia. Von A. Müller.
Nov. v. A. Mels.(Fortſ.)— Hundecharaktere. Mit Illuſtr. von Deiker.— Reichstagsbilde as der Vogeſ
Briefe und Sendungen ſind zu richten au die Redattion des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. Mtr. 17.
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in gieleſe ld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen Klaſing in Bielefeld und Berlin.
ſchau. IX.(Schluß.) Von O. Glagau.— Bilder aus Luxen urg. III 15
Mit 4 Bürls von W. Semmler.— Meine kleine Hausapotheke. V. V.
Dr. Dyrenfurth.— Am Familientiſche. — Druck von Liſcher Wittig in Leipzig. e


