Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
496
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Engagement zu erlangen. Niemals ging der ſeltſame Collectant aus, ohne ſein Heft in der Taſche zu haben; wenn er ſich in einem Salon befand, ging er umher und bewarb ſich um die Unterſchrift ſämmtlicher Anweſenden, bei einem Diner erwartete er den Nachtiſch, um den Gäſten dieſelbe Bitte vorzu⸗ legen. Wen er nur einmal geſehen, den verſuchte er auch gewiß, für ſeine Sammlung zu gewinnen.

So ließ er ſich eines Morgens bei Herrn Lombard einführen, einem ſechzigjährigen Rentier, den er Tags zuvor in einem Caffeehauſe bei einer Dominopartie hatte kennen lernen. Als Herr Lombard die 3 400. Unterſchriften erblickt, welche ſein neuer Bekannter ihm vorlegt, glaubt er, es handele ſich um eine Collecte für wohlthätige Zwecke, und gibt ihm mit kalter Höflichkeit das Heft zurück mit den Worten:Monſieur, ich ſorge nur für meine Hausarmen.

So leicht läßt Herr Burnier ſich indes nicht zurückweiſen, ſondern ſetzt den eigentlichen Zweck ſeiner Bemühungen auseinander und wiederholt ſchließ⸗ lich ſeine Bitte. Herr Lombard iſt ganz entrüſtet er glaubt, ſein Gaſt wolle ihn verhöhnen oder er habe den Verſtand verloren, doch hält er noch an ſich und erklärt, er werde niemals ein ſo lächerliches Verſprechen weder mündlich noch ſchriftlich geben.

Da geräth ſein Beſucher außer ſich.. er packt den Greis bei der Kehle.. ja, er hätte ihn gewiß erwürgt, wenn es ſeinem Opfer nicht gelungen wäre, den Klingelzug zu erreichen und ſeine Magd herbeizurufen. Dieſe, eine große, robuſte Picarderin, befreit mit kräftigem Griffe ihren Herrn aus den Händen des Wüthenden, verbietet ihm, das Zimmer zu verlaſſen und ſchickt den Portier nach der Polizei, wo Herr Burnier vorläufig vernommen, aber wieder ent⸗ laſſen wird.

Nach einigen Tagen erhalten beide Parteien eine Vorladung.

Meine Herren, ſagt Herr Lombard, aufgefordert, ſeine Klage näher zu begründen;der Unglückliche ich glaube, er iſt toll hat ſich um ſo übler an mich gewendet, da ich beiläufig bemerkt eine entſetzliche Angſt vor dem Tode habe... ich kann nicht eine Minute daran denken, ohne weiß, grün oder gelb zu werden, je nach der Jahreszeit... ich habe ihm das ge⸗ ſagt und beiläufig bemerkt ich habe hinzugefügt: Monſieur, ich bin 60 Jahre alt und Sie kaum 40; es iſt alſo nicht wohl anzunehmen, daß ich zu Ihrem Begräbniſſe gehen werde... um Gotteswillen verſchonen Sie mich und erinnern Sie mich nicht an das Sterben thun Sie mir den Gefallen und gehen Sie. Auf dieſe höfliche Einladung hat er durch den Verſuch, mich zu erwürgen, geantwortet.

Sind Sie in Folge deß krank geworden? fragt der Präſident.

Verſteht ſich, Monſieur, und beiläufig bemerkt man hat mir 20. Blutigel ſetzen müſſen.

Die Magd des Klägers beſtätigt dieſe Angabe.Als ich eintrat, war Monſieur im Begriffe zu verſcheiden hätte ich eine Minute gezögert, würde ich eine Mumie gefunden haben.

Der Angeklagte erwidert zu ſeiner Vertheidigung:Es war abſcheulich von Herrn Lombard, mir ſeine Unterſchrift zu verweigern, doch deswegen hätte ich ihn nicht angegriffen, aber er hat mich beleidigt, er hat geſagt, ich ſei ein Dummkopf und, wenn ich mich nicht packte, würde er mich zum Fenſter hinauswerfen laſſen.

Sie hätten ganz einfach ſich entfernen und nicht zu ſolchen Gewalt⸗ thätigkeiten gegen einen Greis ſchreiten ſollen, belehrt ihn der Präſident.

Der Gerichtshof verurtheilt Iſidor Burnier zu 150 Franken Strafe und zur Erlegung aller Proceßkoſten. Stillſchweigend und gleichgültig ver nimmt der Angeklagte ſeine Verurtheilung, aber bevor er den Saal verläßt, überreicht er ſein Heft dem Gerichtsactuar und bittet ihn um ſeine Unterſchrift. Derſelbe verweigert ſie lächelnd, und der Monomane zieht ſich achſelzuckend zurück. P. J.

Unterricht in der Bereitung guten Heringſalates.

Es gibt doch wirklich nichts Neues unter der Sonne! Selbſt der Recla⸗ menſchwindel iſt kein Produkt der Neuzeit, ſondern bereits etwas Altes. Oder hat unſere Annoncenliteratur etwas Blühenderes aufzuweiſen, als die folgende Oeconomiſche Anzeige, die wir einem Blatte aus dem Jahre 1784 wörtlich

entnehmen:

Da es für jedes Glied der menſchlichen Geſellſchaft Pflicht iſt, wenn es etwas entdeckt, ſo ſeiner Zeitgenoſſen wahren Nutzen und würkliches Ver⸗ gnügen befördern kann, ſolches bekannt und dadurch gemeinnützig zu machen; ſo kündige ich hiermit an, daß ich geſonnen bin, einen aufrichtigen Unterricht von der Art öffentlich in Druck bekannt zu machen, wie der ſo bekannte als beliebte Rußiſche Herings⸗Sallat bereitet werden muß, damit er ſeine Würkung in der Diaetetic kräftig äußern, und von Jedermann nach Be⸗ dürfen aufziemliche Zeit wohl und gut erhalten werden kann. Der Weg, den ich mir zu dem Ende vorgeſetzt, iſt die Praenumeration, und es ſollen, daferne ſich eine hinlängliche Anzahl Praenumeranten finden, dieſelben obgedachten Unterricht gegen Erledigung Eines Guldens, in Conventions Münze, binnen Dato und Michaelis ai. c. durch die nehmliche Hand wo ſie praenumerirt über⸗ kommen. Die allgemeine Achtung und Werthſchätzung, welche dieſes treffliche See⸗Product durch weſentliche Verdienſte um die Geſundheit genießt, läßt mich hoffen, daß dieſes Anerbiethen resp. Familien⸗ und Haus⸗Haltungen um ſo mehr willkommen ſein dürfte, da daßſelbige mit ſo geringer Mühe und Aufwand durch die Zubereitung vor die Geſundheit und den Genuß ſo vorzüglich ver⸗ edelt und angenehm verändert wird. Wer von geneigten Freunden ſich mit Colligirung der Praenumeration interessiren will, kürzt für gefällige Mühe 15 p. C., und 10 p. C. bekommt das Armuth jedes Orts, dafür aber die Quittungen hierüber bey Einſendung der Praenumeration an mich, der ich das Porto von den eingehenden Geldern ſelbſt trage, beyzufügen.

Dreßden, den 16. April 1784. Joh. Gottl. Pietzſch.

Leider ifl keine Nachricht über dieſes wunderſame Recept auf unſere Zeit gelangt, was gewiß höchlich zu bedauern iſt.

Auflöſung der Räthſel in Nr. 30. I. Maſt. Stamm. II. Baſalt.(Baß⸗Alt.)

Briefkaſten.

Herrn A. C. in D. Es war ein glückliches Zuſammentreffen, daß gerade beim Be⸗ ginn des Kriegsgeſchreis einiger franzöſiſcher Blätter jener Artikel:Der König der Journaliſten in Nr. 21 des Daheim erſcheinen mußte. Er gewinnt hierdurch eine er höhte Bedeutung, indem er den Haupthetzer in ſeiner ganzen Nichtigkeit, aber auch Gefähr⸗ lichkeit zeigt. Major W. in W. Die Verlagshandlung theilt uns auf Ihre Anfrage mit, daß die II. Abtheilung der beiden illuſtrirten Kriegswerke unſerer Berichterſtatter in ca. 4 Wochen erſcheinen werden. Leſer in Dresden. Wir werden genöthigt ſein, die Auf⸗ lage des Daheim wieder um mehrere tauſend zu erhöhen, wenn wir nicht erleben wollen, den III. Jahrgang gleich dem II. noch vor ſeiner Beendigung vergriffen zu ſehen. Daß uns dieſer ſtetig wachſende Erfolg die ſchönſte Belohnung aller Mühen und Anſtrengungen iſt, können Sie ermeſſen. Alter Freund in Stuttgart. Sie haben Recht, dieReichstags⸗ bilder waren ein glücklicher Griff, wie uns die zahlreichen Zuſchriften, weit über die Grenzen Deutſchlands hinaus, beſtätigen. Es iſt dem Daheim eine Genugthuung, auch auf dem parlamentariſchen Gebiet, wie früher auf dem Kriegstheater, weltgeſchichtliche Vorgänge verzeichnen zu können. Daß es dabei nicht ohne Schärfen abgeht, iſt unver meidlich; wir müſſen unſern Herrn Berichterſtatter ſo ſchon etwas ſcharf in den Zügeln halten, ſo daß er uns wegen unſerer vielen Streichun en und Milderungen die ſchönſten Grobheiten und anzüglichſten Dinge ſchreibt; das mögen ſich auchviele Wähler des Herrn Dr. Köſter geſagt ſein laſſen, deren warmes Eintreten für die ehrenhafte Perſönlichkeit ihres Erwählten wir übrigens mit Vergnügen conſtatiren. v. N. in 3. Glauben Sie nur, Verehrteſter, wir ruhten gern noch ein Jahr aus von Krieg und Kriegsgeſchrei. Die Sommercampagne des Jahres 1866 war auch für das Daheim keine Kleinigkeit. Wenn es aber ſein ſollte, wird man auch das Daheim an ſeinem Platze finden.

General von der Tann erſucht uns zu der in Nr. 26 veröffentlichtenBe⸗ rochtigung noch hinzuzufügen, daß die auf S. 343. Z. 20 v. o. links befindlichen Aeußerungen...und dann konnte ich nicht wiſſen, daß er(Vogel von Falkenſtein) den General Manteuffel erwartet und dieſer nicht zu rechten Zeit eingetroffen war; ferner: S. 314. Sp. 1. Z. 14. v. o.er(Beyer) erwartete die Ankunft der Diviſion Manteuffel ꝛc., auf einer irrthümlichen Auffaſſung ſeiner Worte ſeitens unſrers Berichterſtatters beruhen und in dieſem Sinne von ihm nicht gemacht wurden.

(Fortſetzung.) Reichs⸗ Mit vier Illuſtr. Neanders letzter Geburtstag.(Schluß.) Von A. Wellmer. Am Familientiſche.

Inhalt: Clelia. Erzählung von A. Mels.

tagsbilder aus der Vogelſchau. VIII. Von Otto Glagau. von L. Löffler. Bilder aus Luxemburg. I. Mit Illuſtration.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher Wittig in Leipzig.

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