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darin ab;— wie feſtgezaubert heftet ſich ihr Auge auf die Thür des Ladens— ich werfe einen Blick dorthin... der Dominikaner... V der Marquis tritt ſo eben ein— ſchreitet auf den Ladentiſch zu— ſtellt ſich neben mich hin— und läßt ſein Taſchentuch fallen..... V Die Beſinnung kehrt mir wieder... die Rolle mit den hundert V Napoleons iſt in meiner Hand— ich bücke mich zur Erde— nehme
das Taſchentuch auf und gebe es dem Mönche wieder..... Dieſer V fühlt die Rolle in dem Tuche....„Grazie Signore!“— ſagt er— „tante grazie“— und dann ſich an den Commis wendend, fragt er, ob eine Ueberſetzung des berühmten Werkes des Cannonico Döl⸗ linger über die weltliche Macht des Papſtes exiſtire.
„Nur eine franzöſiſche,“ erwidert dieſer.
V„Kann mir nicht dienen,“ ſagt der Mönch... verneigt ſich leicht und verläßt den Laden.
V Dieſe ganze Scene hat kaum eine Minute gewährt, und ich habe V Clelia ſtets im Auge behalten... ſie iſt immer bleicher geworden— ihr Blick ſcheint ſich nicht von dem Geſichte des Mönches trennen zu können, und als dieſer den Laden verlaſſen hat, ſteht ſie wie eine Statue da.
„Haben Sie den nächſten Zug benutzen können?“ fragt mich die Tante, die von alledem nichts bemerkt hat.
„Ja, Madame,“ erwiderte ich nach einigen Augenblicken der Ver⸗ wirrung—„ſich bin am ſelben Abende noch abgereiſt.“
„Sieh, Mama,“ ſagt Paula—„hier haben wir, was wir ſichen,— die Beſchreibung der Straße von Spezia nach Piſa iſt ſo aausführlich, wie ich es wünſchte.“
Ich bemerke ein leiſes Zuſammenziehen der Brauen der alten Dame, doch im nächſten Augenblicke ſagt ſie eben ſo gelaſſen und freundlich wie immer:
„Nun, ſo nimm den Guide, liebes Kind, wenn es Dir convenirt, V aber beeile Dich— man erwartet uns zu Hauſe.“
Noch wenige Minuten, und der Guide iſt bezahlt, die alte Dame macht mir ein Compliment, wünſcht mir eine glückliche Reiſe, wenn ich Turin zu verlaſſen gedenke, und viel Vergnügen, wenn ich mich länger daſelbſt aufhalten ſollte.— Fräulein Paula macht eine huld⸗ volle Kopfbewegung— und Clelia ſcheint wie von einem ſchweren Traum zu erwachen, als ihre Tante das Zeichen des Auf⸗ bruches gibt.
„Au revoir, mademoiselle“... ſagte ich, mich ihr empfehlend, nieine Stimme mußte unſicher und tiefbewegt klingen, denn ſie inen langen Blick auf mich...
Dieu, Monſieur!“ ſagte ſie endlich...
„Adieu!“ und verließ
ch eine Macht hatte dieſes ſeltſam ernſte Mädchen ſchon errungen, daß mir dieſes„Adieu“ wie ein Todesurtheil ches man über mich gefällt!...
arf den Katalog auf den Tiſch, und ohne auf den moquan⸗ ack auf dem Geſichte des jungen Buchhändlers zu achten, ch ich den Laden.— Kaum ſah ich mich auf der Straße,
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als ich den Mönch bemerkte, welcher in einen Hausflur getreten war und mich zu erwarten ſchien. Ich ging auf ihn zu, und wir traten beide in das Innere des Hauſes.
„Ich ſagte Ihnen vorhin,“ ſprach er mit haſtiger Stimme,„daß Sie morgen ins Kloſter kommen ſollten— das geht nicht— ich er⸗ warte Sie, um Ihnen das zu ſagen.. wir wollen ein anderes Rendez⸗ vous beſtimmen— ich werde heute viel— wo möglich alles zu er⸗ fahren ſuchen— muß aber auf jeden Fall morgen früh mit Ihnen ſprechen— aber wo?— Haben Sie keine Idee— wiſſen Sie keinen abgelegenen Ort?“——— Ich ſann!...
„Ich halte die abgelegenen Orte für die gefährlichſten,“ ſagte ich dann;„wenn man uns bemerkte, würde man gleich Argwohn ſchöpfen; denn— Sie verzeihen Padre— Ihr jetziges Gewand iſt beim Volke nicht ſo beliebt wie das, welches Sie früher trugen!— Ich ſchlage im Gegentheil vor, daß wir uns an einem öffentlichen Orte vor den Augen aller Welt zu treffen ſuchen.... z. B. am Bahnhofe im Augenblicke vor dem Abgang eines Zuges— im Paſſa⸗ gierzimmer oder auf dem Perron— da wird es niemandem auf⸗ fallen, daß ein Touriſt ſich mit einem Mönche unterhält.“
„Sie haben vollkommen Recht,“ unterbrach mich Palla Caſſotti —„morgen früh um halb zehn Uhr geht ein Zug nach Genua— um neun Uhr bin ich da.“
„Und für heute haben Sie mir gar keine Rolle zuzutheilen?“
„Nein“— erwiderte der Mönch—„oder vielleicht doch— haben Sie Empfehlungen nach Turin?“
„Keine einzige!“
„Haben Sie einen Diener bei ſich?“
„Auch das nicht.“
„Dann warten Sie— Sie müſſen einen zuverläſſigen Men⸗ ſchen haben— gehen Sie in Ihr Hotel zurück, und in ein Paar Stunden werde ich Ihnen jemand ſchicken— er hat eine wenig einnehmende Phyſiognomie— kehren Sie ſich nicht daran; ich bürge für ihn.“— Er reichte mir die Hand zum Abſchiede.
„Padre!“ ſagte ich—„vergeſſen Sie nicht in Ihren Combi⸗ nationen, daß ich dem Cavaliere Salviati noch die Antwort auf einen gewiſſen Degenſtoß ſchuldig bin!“
„Schweigen Sie!“ ſagte der Mönch mit ernſter Stimme,„ſind Sie hierhergekommen, um Rache zu nehmen, oder um den letzten Wunſch Camillos zu erfüllen?“
„Letzteres gewiß— erſteres vielleicht!“ erwiderte ich.
„Nun dann wiſſen Sie, daß Sie zu letzterem all meine Hilfe beanſpruchen können— bei erſterem jedoch auf all meinen Widerſtand ſtoßen werden!“
„Wie haben Sie ſich verändert, Marquis?“
„Ja! Gott ſei Dank!“ doch laſſen wir das.... alſo in zwei Stunden Ihren Schützling, und morgen früh um 9 Uhr auſ dem Bahnhofe.“
„Ganz richtig— leben Sie wohl!“ 4
„Addio, Padre!“
(Fortſetzung folgt.)
Von Dr. W
dem Lande ſeines Jugendglücks, nach dem er mitunter eine doeh empfand, aus Holland wählte er ſeine Gattin. Luiſe die ſchöne und reichbegabte Tochter ſeines väterlichen drich Heinrich von Oranien, die Enkelin des Admirals ine Erkorene,— in dem ſchönen Kranz bedeutender hron unſerer Fürſten zierten, nicht die letzte, mit glotte und der Luiſe dieſes Jahrhunderts die dritte
eine Quelle des Segens für den Fürſten, für das eenleben iſt vorbildlich für das Volk geworden. Eine Prömmigkeit, ebenſo heimiſch in den höchſten Fragen argenheit ihres Glaubenslebens— ich erinnere nur ihrer Hand eine der Perlen unſeres evangeliſchen Lied„Jeſus meine Zuverſicht“, ſtammt— als rſtändiges Weſen die echte Holländerin, die auf
Brandenburg⸗Breußen vor 200 Jahren.
(Schluß.)
ilhelm Herbſt.
ihrem Lieblingsſitze Oranienburg eine Muſterwirthſchaft anlegt und überwacht, den Kartoffelbau in der Mark einführt, auf das ſorglichſte Buch führt über Einnahmen und Ausgaben; eine gewiſſenhafte Mut⸗ ter und Bildnerin ihrer zahlreichen Kinderſchar, und in manchem verwickelten Falle auch der Politik eine einſichtige, mitunter entſchei⸗ dende Beratherin ihres Gatten. Sie ſtarb gerade vor 200 Jahren, im Jahre 1667— ihr Verluſt iſt dem Kurfürſten nicht erſetzt worden.
Endlich, endlich ward der weſtfäliſche Friede geſchloſſen.
Was der Kurfürſt in erſter Linie erſtrebt hatte, der Beſitz von ganz Pommern— von Rechtswegen ſein Erbland— blieb ihm verſagt. Schweden ſtrebte nach der Herrſchaft über die Oſtſee und dazu war ihm Pommern unentbehrlich, ja auch Preußen wünſchens⸗ werth. Der Kurfürſt mußte ſich trotz aller Proteſte mit dem ſchlech⸗ teren Stück Pommerns begnügen und wurde für das Verlorene durch binnenländiſche Landſchaften, die weiland geiſtlichen Gebiete Magde⸗


