eutſchen Bund auf⸗, noch ihm dieſes Land abnehmen: indes ein
Art von perſönlichem Vorwurf gegen mich ausgeſprochen, daß ich die 4. unſerer Truppen in Nikolsburg nicht hinreichend ausgenutzt deabe.
und Süddeutſchland bereits ſeit dem Friedensſchluſſe beſtehen. Viele ſuperkluge Leute wollten hinterher dieſes Factum längſt gewußt, mindeſtens als ſelbſtverſtändlich geahnt oder doch als in Bälde mit Nothwendigkeit eintretend vorausgeſehen haben. Der Reichstag war augenſcheinlich nicht in dieſem Fall; eine allgemeine frohe Bewegung ergriff die Abgeordneten, und zahlreiche Ausrufe zeugten von der tiefen Senſation und der mächtigen Bedeutung des Moments.— Mit dieſer Enthüllung glaubte Graf Bismarck aber auch genug ge⸗ than zu haben; nichts konnte ihn bewegen, ſich auch über Luxemburg auszuſprechen. Er behandelt Herrn von Carlowitz mit unverkenn⸗ barer Achtung und nennt ihn einen„einſichtigen, mit den Geſchäften vertrauten Politiker,“ weiſt aber ſeine Einwürfe nicht ohne Ironie
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Geſicht. zogin von Meiningen Platz genommen, und ſie müſſen es ſich gefallen laſſen, ihr Herzogthum von dem Miniſterpräſidenten in ſeiner Ant⸗ wort wegen Luxemburg als Beiſpiel eines ganz kleinen unwichtigen Ländchens hingeſtellt zu ſehen.
Es war ein heißer, ſehr heißer Tag für den Grafen Bismarck. Vergebens ſuchte ihm die Rechte des Hauſes zu Hilfe zu kommen, indem ſie drei⸗ oder viermal den Antrag auf Schluß der Debatte einbrachte: ſie wurde immer wieder überſtimmt, bis endlich Graf Schwerin dieſen Schluß errang, zum großen Verdruß der 15 Redner, die noch theils für, theils wider den auf der Tagesordnung ſtehenden Artikel 1 der Bundesacte eingeſchrieben waren.
Oſterfeuer in Weſtfalen. * Originalzeichnung von L. Becker in Düſſeldorf.
zurück.—„Der Herr Vorredner,“ ſagt er,„will weder den König der Niederlande wieder als Großherzog von Luxemburg in den nord⸗
Drittes gibt es nicht.“ Und weiter:„Der Herr Vorredner hat eine
Ich bedauere, daß mir ſein Rath nicht damals zur Seite ge⸗ fanden, vielleicht hätten wir dann mehr erlangt.“— Das ſchien nicht ganz ironiſch gemeint, es klang durch: ich ſtand wirklich ganz gllein da!—„Die Luxemburgiſche Frage,“ ſchließt er warnungsvoll, „kann der Herr Vorredner auch heute noch auf eigene Haud auf ſich nehmen und daraus vielleicht eine europäiſche Frage ſchaffen; ob etwas weiteres, das bliebe abzuwarten.“
Während dieſen, zwiſchen Sturm und Sonnenſchein abwechſeln⸗
e Verhandlungen ſitzt in der Hofloge Prinz Karl von Preußen und betheiligt ſich oft an der Heiterkeit des Hauſes, was ſeinem, 8 in den Reihen der Abgeordneten weilenden Sohne, Prinz ſüedrich Karl nie paſſirt: gleich ſeinem Vetter, dem Kronprinzen,
fist er ſtets daſſelbe ernſte, unwandelbare und undurchdringliche
Es war aber auch ein heißer Tag für den Präſidenten Simſon; die Ordnung in ſolchem Kampfgewühl aufrecht zu erhalten, nach ſolchen tumultuariſchen Scenen ſchnell wieder die Ruhe herzuſtellen, erforderte die Anſpannung ſeiner ganzen Kraft. Er kann doch auch die Geduld verlieren und ſogar recht empfindlich werden. Neulich drohte er, als Herr Lasker über die richtige Handhabung der Ge⸗ ſchäftsordnung Zweifel äußerte, mit einer ſofortigen Niederlegung ſeines Amtes; und heute läßt er ein etwas dictatoriſches Gelüſte durchblicken, indem er das Ziſchen ſtricte unterſagt.
Der Schluß der Debatte iſt glücklich erreicht, aber nun folgen die„perſönlichen Bemerkungen“, zu welcher ſich heute mehr Mit⸗ glieder als je melden.„Perſönliche Bemerkungen“ ſind nach ſolch heißen Debatten nichts weiter als parlamentariſche Injurien und mo⸗ raliſche Ohrfeigen, und weil das der Präſident am beſten weiß, ſteht er jetzt geſpannt lauſchend da, die Glocke in der Hand, und bereit, jeden Uebertreter niederzuſchmettern, was denn auch richtig faſt jedem Redner paſſirt.
Herr v. Kantak beſchuldigt den Grafen Bismarck, die katholiſche Geiſtlichkeit des Großherzogthums Poſen beleidigt zu haben——
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Neben dem Prinzen Karl haben der Herzog und die Her⸗


