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macht ſich die gepreßte Empfindung in lautem Redeſtrom Luft. Statt auf die an ſie gerichteten Fragen zu antworten, überhäufen ſie ſich mit Vorwürfen, überſchreien einander, und die Umſtehenden, um ſich nur verſtändlich zu machen, ſind zu gleicher Anſtrengung ihrer Stimm⸗ organe genöthigt, bis dann ein„Donnerwetter! ich bitte mir mehr Ruhe aus!“ die hochgehenden Wogen bannt und der Lärm einem friedlichen Gemurmel Platz macht.
So eben iſt die Vernehmung einer Reihe von Zeugen beendet. „Können Sie Ihre Ausſage mit gutem Gewiſſen beſchwören?“ All— ſeitiges Jawohl.„Nun, ſo folgen Sie mir nach.“ Und hinaus eilt im Sturmſchritt der dicke Rath, die Partei mit ihren Eideshelfern und dem Protocollführer. Ehrfurchtsvoll macht die Menge dem da— hineilenden Zuge Platz, der nach einer Minute in langſamerem Tempo ſich wieder hereinbewegt. Zufrieden ſchaut jedwedes Angeſicht, nur nicht das von Herrn Zerrwinkel, zu deſſen Ungunſten die Zeugen geſchworen.
„Sie werden nach dem Antrage verurtheilt, Herr Zerrwinkel. Bitte, unterſchreiben Sie.“
„Darauf unterſchreibe ich nicht. Das ſind ja alles ſchändliche Lügen. Warum laſſen Sie mich denn nicht ſchwören? Wenn Sie den Leuten alles glauben wollen und mir nichts, dann hätte ich ja gar nicht herzukommen brauchen. Aber jetzt ſoll der Staatsanwalt das Geſindel unter die Finger bekommen!“ ſchreit Zerrwinkel.
„Wenn Sie ſich nicht ruhig verhalten, ſondern die Verhand⸗ lungen ſtören, muß ich Sie entfernen laſſen.“ Dieſe Drohung be⸗ wirkt nur eine neue Flut von Schmähreden. Ein Ruck am Klingel⸗ zug, und Hein erſcheint, mit drohendem Blick inſtinctiv auf die richtige Perſönlichkeit losſchreitend.„O, ich gehe ſchon allein,“ meint dieſe kleinlaut, und den Gefürchteten ſcheu umkreiſend, ſchlüpft Zerrwinkel hurtig hinaus, unter dem ſchallenden Gelächter der Zurückbleibenden.
Manch ein gemüthlicher Zug miſcht ſich in die böſe Leidenſchaft der Rechthaberei..
Zwei wohlgekleidete ältere Herren erſcheinen. Sie ſind die beſten Freunde geweſen, aber ein Familienzwiſt hat ſie getrennt, und flugs iſt auch der Proceß da. Herr Ehrenthal hat Papiere mit Verluſt verſilbert, wie er ſagt, im Auftrag des Herrn Selig, der ihn um Geld gebeten. Herr Selig will den Verluſt nicht erſetzen, indem er meint, Herr Ehrenthal habe ganz aus freien Stücken verkauft. Beide Herren ignoriren ſich ſo viel wie möglich und ſprechen nur indirect mit einander, ſind aber deſto erregter. Herr Selig ſoll ſchwören.
„Wenn der Herr Selig ſo heftig ſtreitet, ſo mag er doch gefälligſt meine Anführung abſchwören,“ hatte Herr Ehrenthal ſpitzig bemerkt.
„Wenn der Herr Ehrenthal glaubt, aus meinem Widerwillen gegen das Schwören große Reichthümer zu ernten, ſo hat er die Rechnung ohne den Wirth gemacht,“ hatte Selig heftig erwidert.
Wieder zieht die Proceſſion ins Nebenzimmer. Aber hier wird Ehrenthals Herz warm.
„Lieber Herr Selig, ſchwören Sie doch ums Himmels willen nicht. Ich hätte keine ruhige Stunde mehr. Sie wiſſen ja ganz gut, was wir abgemacht. Aber ich will gern nachgeben.“
„Liebſter, beſter Herr Ehrenthal,“ erwidert verlegen Herr Selig. „Ich habe den Eid noch nicht recht verſtanden und weiß wahrhaftig nicht genau, ob ich ihn leiſten kann. Aber wie konnten Sie mich auch ſo weit treiben?“ fügt er vorwurfsvoll hinzu.
„Es hat mich zu ſehr gekränkt, wie Ihre Frau meine neuliche Einladung zum Diner ſo ſpöttiſch ausſchlug und Sie ſo ganz ein⸗ verſtanden damit ſchienen. Aber ich ſehe ein, es war eine Ueberei⸗ lung, die Sie mir altem Knaben wohl zu Gute halten.“
„Von Herzen gern, mein lieber, alter Freund. uns unter allen Umſtänden wieder vertragen.“ Auges ſchütteln ſich die alten Burſchen beide Hände.
Der Richter iſt erſtaunt. Solch Kotzebueſches Rührſtück ſpielt nicht alle Tage. Er fragt nach den Bedingungen der Einigung.
„Nun, ich will nur die Hälfte haben, wenn Herr Selig die Koſten trägt.“
Sclig nickt ſeufzend, und der Rückmarſch ins Terminzimmer erfolgt. Während das Protokoll aufgeſetzt wird, bückt ſich Ehrenthal unter der Barriere weg und zupft den Richter am Rocke.„Verzeihen Sie, Herr Rath, aber wenn es Ihnen keine Umſtände macht, ſo buchen Sie doch lieber ſämmtliche Koſten auf mich.“
„Sind Sie toll?“ fragt der Richter unwillkürlich.
„Ja, ſehen Sie, Herr Rath. Mein Freund iſt ein prächtiger
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Kerl. Aber die Finanzen, wiſſen Sie, führt ſeine Frau ganz ſelbſt⸗ ſtändig, und wenn die eine Zuſchickung erhält, daß ſie Koſten zahlen ſoll, ſo hat der arme Mann keine ruhige Stunde zu Hauſe.“
Ein Blick auf Herrn Selig, der zerknirſcht am Ofen auf der Bank ſitzt und ahnt, daß ſein eheliches Glück Gegenſtand ernſter Be⸗ rathung geworden iſt, überzeugt den Richter von der entſetzlichen Wahrheit, und lächeln? willfährt er dem gutmüthigen Ehrenthal, der nichts Eiligeres zu thun hat, als im nächſten Weinhaus die erneute Freundſchaft mit ſeinem Gegner nach deutſcher Art zu feiern.——
Endlich iſt das Zimmer leer. Nur eine Frau ſitzt noch auf der Bank.„Soll mich doch wundern, ob ich heute auch noch heran⸗ komme,“ murmelt ſie.
„Sind Sie vorgeladen?“
„Na, verſteht ſich.“ Sie reicht die Vorladung hin.
„Ja, liebe Frau, Sie ſind ſchon vor einer Stunde contumacirt. Doch was ſeh' ich! Sehen Sie, Herr College! Da hat das Bureau wahrhaftig die Frau um eine Stunde zu ſpät vorgeladen!“
Grenzenloſes Erſtaunen. Der Aſſeſſor, der Referendarius und ſämmtliche Auscultatoren ſtürzen herbei und ſtarren ſprachlos auf die hingehaltene Vorladung. Denn ſolch ein Verſehen iſt ein Ereigniß, das ſo gut wie niemals vorkommt.
„Meine liebe Frau, Ihnen iſt ein Unrecht geſchehen, das wir aber nicht mehr gut machen können. Ihnen bleibt nichts übrig, als das Erkenntniß durch das Kammergericht vernichten zu laſſen.“
Verblüfft ſieht die Frau den Sprechenden an, denn dunkel iſt ihr der Rede Sinn.
„Zudem iſt die Sache auch wohl unzweifelhaft. Sie ſollen dem Küſter 15 Silbergroſchen Taufgebühren zahlen. Das werden Sie doch thun müſſen.“
„Jott bewahre! Das Geſetz möchte ich wohl ſehen, in dem das ſtände! In der ganzen Welt koſtet das Taufen für den Küſter nur acht jute, und dazu iſt es noch ein Mädchen!“
Alles lacht. Aber ſchnell iſt der Frau geholfen. Der freundliche Auscultator veranſtaltet eine Groſchenſammlung, und feierlich wird der erſtaunten Frau die ſtreitige Differenz von 5 Sgr. ausgehändigt.
Was ſich nun weiter auf der Bagatellſtube zuträgt, entzieht ſich dem Auge des Beobachters, dem ein längeres Weilen hier nicht ge⸗ ſtattet iſt. Wir dürfen aber aus der heiteren Laune der Herren, die um 2 Uhr in lebhaftem Geſpräch das Stadtgericht verlaſſen, wohl ſchließen, daß harmloſer Frohſinn, gegenſeitige Neckereien, fröhliche Erinnerung an die Originale des Vormittags die fernere Actenthätig⸗ keit, das ſogenannte Decernat, gewürzt haben.
In der That ſind die 10 Commiſſionen für Bagatellſachen beim Berliner Publicum ungemein populär. Die Entſcheidung der Pro⸗ ceſſe bis zu 50 Thalern hinauf iſt faſt nur erprobten Händen anver⸗ traut. Der perſönliche Verkehr des Richters mit den Parteien, der ſehr oft gerechte Vergleiche bewirkt, die ſchnelle Entſcheidung der Pro⸗ ceſſe, die ſofortige Vollſtreckbarkeit des Urtheils, welches nur noch in einer Inſtanz angefochten werden kann, das ſind Vortheile, die den lebhaften Wunſch nach der Erhöhung der Maximalſummen von 50 Thlr. etwa auf das Doppelte erregt haben, und die manchen veran⸗ laſſen, von einer größeren Forderung vorläufig nur einen Theil einzu⸗ klagen, um die Vortheile des Bagatellverfahrens zu genießen.
Freilich entſprechen die hier geſchilderten Verhandlungen nicht den Anforderungen unſerer geſetzten Altvorderen, und vielleicht auch nicht ganz dem Bilde, das ſich der geehrte Leſer von einer Gerichts⸗ ſitzung gemacht hat. Ein Rechtsbuch aus dem Mittelalter verlangt, daß der Richter ein Bein über das andere ſchlage und ſieben Mal dieſe Stellung wechſele, ehe er entſcheidet, ein anderes verlangt von ihm, daß er ein Geſicht mache, ſo ernſt wie ein brüllender Leu. Wir Moderne ſehen von dieſen äußerlichen Garantien einer gründlichen Ueberlegung ab. Wir verlangen, daß der Richter etwas Ordentliches gelernt habe, daß er aus den Acten genau informirt ſei, und nament⸗ lich, daß er ein ganzer Mann ſei mit offenem Kopf und offenem Herzen für ſeine Gerichtsinſaſſen. Da iſt es ihm in der That mög⸗ lich, mit der ſchwachen Unterſtützung von wenigen ganz jungen Juriſten, die ſich hier erſt einarbeiten ſollen, und die ihm entzogen werden, ſobald ſie ſich einigermaßen eingearbeitet haben, im Laufe eines Jahres mehrere tauſende von Proceſſen zur Zufriedenheit des
Publicums zu Ende zu führen, ohne daß er nöthig hätte, ſein eigen Angeſicht mit dem des griesgrämigen Leuen zu vertauſchen.


