Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
398
Einzelbild herunterladen

2 Königs werden ſu 8

Du nicht an den Himmele? haſt Du nicht überlegt, daß dieſer ſündige Sohn Ahabs einige Stunden zur Buße haben müſſe? was eilſt Du mit ſeinem Ende? Du kannſt nie vergeſſen, daß Du Fleiſcher geweſen biſt, ehe Dir das Parlament den Degen in die Hand drlückte. Harriſon zog ſich brummend in eine Fenſterniſche zurück. Cromwell trat zwiſchen ſeine Officiere.Wir haben heute den ſiebenund⸗ zwanzigſten. Warten wir noch zwei Tage von heute an gerechnet. Das Parlament hat entſchieden, wir haben den Tag zu beſtimmen laſſen wir den Feind des Herrn fallen am dreißigſten dieſes Mondes. Amen, ſagten alle Anweſenden.Es iſt um die Mittagszeit, fuhr Cromwell fort,ruhet eine Stunde oder zwei, dann kommen wir wieder zuſammen und ſchreiben unſere Namen unter den Befehl. Wo ſoll er fallen? fragte Hacker. Cromwell ſchritt auf die Thüre zu und öffnete ſie mit einem Drucke. Man ſah einen ungeheuren Saal vor ſich, deſſen Fenſter ebenfalls auf den Platz hinausgingen. Der Verurtheilte wird hieher gebracht, fuhr er fort,dies iſt der Bankettſaal, in welchem ſie oftmals um das Kalb tanzten. Sehet Euch das dritte Fenſter an; bis unter dieſes Fenſter laſſe ich das Schaffot aufbauen, Karl Stuart wird durch dieſes Fenſter auf die Blutbühne ſchreiten. Er ſchlug die Thüre heftig zu und ging an den Tiſch.Hier verſammeln wir uns wieder, fuhr er fort.Geht jetzt und ſeid bereit. Wo iſt Fairfax? ſagte er, die Stirn runzelnd. Er. feßlt anch hier wieder, rief Harriſon.Es iſt ſeltſam, ſagte heute, als die Namen aufgerufen wurden, war er auch Eine Stimme von der Gallerie ſchrie: Fairfax iſt zu ug, un hier zu ein, bemerkte Martyn,achtet duf ihn, er iſt ver⸗ dächtig.Vekleumdet niemanden, mahnte Cromwell.Ich kenne den General gut genug.Wißt Ihr, wer zu dieſer Stunde bei ihm iſt? eiferte Harriſonich will's Euch ſagen: die Geſandten von Holland, der alte Albert Joachim und Adrian de Paw, ſie bitten um Stuarts Leben.Schreit nicht ſo laut, entgegnete Cromwell, wenn ſie bitten wollen, mögen ſie es thun. Was wird's helfen? hier hilft keine Bitte. Ich möchte den ſehen, der das Haupt des Karl Stuart vom Blocke retten wollte, ſelbſt wenn er es könnte. Wir ſind vor Fairfax ſicher und ich ſage: Das Schwert des Herrn und Gideons. Verlaßt mich. Die Officiere gingen, ſich verneigend, in die lange Galerie. Eromwell und Ireton blieben allein zurück. Haſt Du heute Fairfax geſehen? ſagte Ireton.Noch nicht. Meine Unruhe iſt geſtiegen. Ich fange an, in ihm einen Zweideutigen zu dermuthen. Wie ſieht es in der Stadt aus?Unruhig genug. Wir müſſen eilen, ehe man zur Beſinnung kommt.,Laßt niemanden aus dem Whitehall Palaſt, ehe nicht der Hinrichtungsbefehl unter⸗

ſchrieben iſt und ſieh mit mir darauf, daß alle deutlich unterſchreiben,

unter der Sentenz ſind viele Namen kaum zu leſen.Ich gehe, die Poſten in St. James zu revidiren, ſagte Ireton,laßt niemanden mehr vor, das franzöſiſche Geſandtſchaftsperſonal läuft zu allen, die eine Stimme in London haben.Ich bin einig mit mir, ſagte Cromwell finſter,ich habe vorgeſtern, ehe ich hieher kam, die ganze Familie, ſogar meine Mutter zurückgewieſen, ſie lagen vor mir auf den Knieen und flehten um des Königs Leben. Wo iſt Deine Frau? ich ſah ſie nicht.Sie trifft heut ein, Oliver. Ireton ging auf ſeinen Schwiegervater zu, faßte ſeine Hand und blickte ihm ſcharf in das Geſicht.Meine Frau, Deine Tochter, ſagte er,r Dein Liebling. Sie wird bitten wird Dich beſchwören, den Stuart zu retten ſei feſt, Oliver.Ha! ha! ha! lachte der Lord General. Lache nicht. Lady Brigitta iſt ein herrliches Weſen; ſie weiß Töne anzuſchlagen, weiß das Herz zu rühren höre ſie nicht an. Schon zweimal ward durch die Milde der Frauen Dein Entſchluß wankend gemacht, denke an Pamgtoncourt, wenig fehlte und Stuart war ge⸗ rettet.Er fiel ins Netz zurück, weil er mich betrog, rief Crom⸗ well heftig.Er würde Dich wieder betrügen, leeßeſt Du ihn frei. Wer könnte das mir abringen?Deine Tochter Brigitta, mein ſchönes, edles Weib vermag es. Höre ſie nicht an. Ich bin meiner Sache nicht ſicher genug ich fliehe die Verſuchung und habe Befehl gegeben, Brigitta nicht zu mir zu laſſen, ehe das Haupt dieſes Karl Stuart nicht vom Blocke gerollt iſt. Sei ein ſtarker Vater, wie ich ein ſtarker Gatte bin. Cromwell warf verächtlich lächelnd die Ober⸗ lippe auf.Gehab Dich wohl, ſagte er ruhig,in zwei Stunden unterzeichnen wir den Hinrichtungsbef ehl. 4

Er ging ſchnell durch die Thüre in den Bankettſaal. Gedanken⸗ voll blieb er an dem Fenſter ſtehen, welches die Fodespforte des

398

4

Hier hinaus geht der Träger dieſer Krone, murmelte er in die Höhe blickend, wo an der Decke des Saales unter Palmen und Wappen die Kronen der Stuarts glänzten.Welches wird die Pforte ſein, durch welche ich einſt zum Grabe ſchleich e? Vielleicht die Kerker⸗ thüre des Tower, das Seufzerthor, die eiſernen Gitter von Tyburn? Cromwell ſchauerte leicht zuſammen, ſeine Augen irrten zu den Dächern hinüber, die ſich ſchwarz in die Schneeluft emporſtreckten. Droben waren Menſchen beſchäftigt, Dachſteine auszuheben, die Luken zu er⸗ weitern.Sie machen ſchon Plätze zurecht, Stuarts letzte Stunde mit anſehen zu können. Es hat ſicherlich der Schwätzer, der Herbert geplaudert, man weiß, wo das Gericht ſtattfinden wird. Hinter des Lord Generals Rücken erſchallte ein halblautes Geflüſter.Wer iſt da? rief Cromwell zuſammenfahrend und mit der Hand an den Degen greifend. Er wendete ſich ſchnell um. Hinter ihm ſtand ein kleiner, ältlicher Mann in der Livree des Königs. Als er Cromwells bleiches Geſicht betrachtete, trat er zitternd zurück.Was wollt Ihr? Wer ſeid Ihr? herrſchte der Gefürchtete den Diener an.Sir William Herbert hat mir befohlen, Ew. Herrlichkeit die Zimmer an⸗ zuweiſen, welche Sie während der Zeit bewohnen wollen, bis Die Stimme des Alten verſagte.Gut ſo gut ſo, rief Crom⸗ well.Ich weiß es. Zeigt mir ein gutes Gemach, Alter zittert nicht. Ihr könnt nicht büßen für die Sünden Eures Herrn. Seid Ihr lange im Dienſte?Ich trat unter König Jakob dem Erſten in den Whitehall Palaſt und kenne genau die Geſchichte jedes Zimmers. Der nun in St. James gefangene Herr hat hier lange gewohnt. Gerade das Fenſter, vor welchem Ihr ſteht, Mylord, iſt ein für den König merkwürdiges. Cromwell wich ſcheu von dem Fenſter. Weshalb? fragte er.Als der verſtorbene Herzog von Bucking⸗ ham noch allmächtig war, vertrieb er plötzlich in einer böſen Laune die ganze Bedienung der Königin Henriette, welche franzöſiſch war, alle Damen und Herren, alle Diener und Dienerinnen, wenn ſie aus Frankreich ſtammten, mußten in einem Tage London verlaſſen. Die Königin war darüber höchſt unglücklich, aber Lord Buckingham kehrte ſich nicht daran, ſondern betrieb die Sache ſo ſchnell, daß die Königin Henriette nicht einmal Abſchied von ihren Freunden nehmen konnte; ſie mußte ſich begnügen, den Scheidenden ihren letzten Gruß aus dem Fenſter nachzuſenden, und das war gerade jenes Fenſter, vor welchem Sie ſtehen, Mylord.

Cromwells Geſicht überzog eine Eiskälte. Er glaubte an Ahnungen und Prophezeiungen. Aus dem Fenſter, welches einſt die weinende Königin eingenommen, um Abſchied zu winken, ſollte der Gatte den letzten Schritt thun, wenn er Abſchied von dieſer Erde nahm. Crom⸗ well vergaß die Näte des alten Wieners, vergaß die Worte Iretons, er ſtarrte in die Luft hinaus. Von unten herauf tönten plötzlich Stimmen, die Zurufe rbeitender Leute weckten ihn aus den Träume⸗ reien; als er hinabſchaute, ſah er eben die Zimmerleute auf dem Platze beſchäftigt. Die Menge unſtand ſie gaffend. Die Arbeiter hatten Maßſtöcke und maßen einen Raum ins Gevierte, einen Raum dicht vor dem Whitehall Palaſte. Cromwell fuhr mit der Hand an ſeine Stirne, auf welcher ein leichter Schweiß perlte.Sie meſſen das Schaffot Karl Stuarts ab, murmelte er leiſe,die Thür dazu iſt der Königin Fenſter in Whitehall.

Er winkte dem alten Diener voranzugehen und folgte ihm durch die Gemächer, aus denen das Heer der Puritaner und des Parlaments die Stuarts und ihre Anhänger vertrieben hatte. Noch ſtand alles ſo, wie es die gekrönten Beſitzer verlaſſen hatten. An den Wänden prangten koſtbare Gemälde von Rubens und den Meiſtern der italieniſchen Schulen in reichen Rahmen, die ſeidengewirkten Tapeten mit ihren ſchweren Schnüren bewegten ſich, als die Thüren geöffnet wurden und rauſchten leiſe, die Möbel mit den Wappen der Stuarts in den Lehnen waren von der letzten Feſtlichkeit her noch auf den Plätzen, und die geſchliffenen Kryſtalle der Kronenleuchter warfen leichte Blitze durch das Halbdunkel. Cronwell überſah flüchtig die ganze Umgebung und ſchritt endlich hinter dem Diener in ein Zimmer des Flügels von Whitehall, der gegen die Themſe hinaus lag. Das trübe Licht des Wintertages kämpfte mit der Dämmerung, die in dem großen Raume herrſchte und ſuchte ſie vergeblich zu durchdringen.

Von den Wänden hingen große Vorhänge aus ſchwerem Utrechter Sammet gefertigt hernieder, Stühle aus ſchwarzem Ebenholz, mit Elfenbein eingelegt und mit gedrehten Füßen verſehen, ſtanden um⸗ her, auf dem Betpulte in der Ecke lag eine offene Bibel. Der Diener

ſchob die Fenſtervorhänge zurück und ſchickte ſich zum Gehen an.

in ein einen abgele hellte welch Ring Stief

ein a Male ruhig die W noch! zig Geiſt des?

erſte dieſe ſtatt weni mehr in der in der

Raſch einer führe ſchen ſtand goldb rief ernſ Gene mein Zim freu fand ders

Di

bin

wan ein; die G mor

Sti liere mit zierg ode das

ihn