Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
246
Einzelbild herunterladen

gemacht hatte, die militäriſche Carriere zu verlaſſen und ſich einen andern Lebensberuf zu wählen. In aller Stille bereitete er ſich auf das Examen im Finanzfache der erſten Kategorie vor und legte es mit Glanz ab; doch eben die Studien, die er hierzu machen mußte, führten ihn unbemerkt auf den Gedanken, daß das militäriſche Fach ſelbſt einen ſo überaus reichen Studienkreis darböte, daß ein Men⸗ ſchenleben ihn nicht erſchöpfen könne. Er berührte die Frucht des Wiſſens kaum mit den Lippen, als er ſchon die Kraft nicht mehr fühlte, ſie von ihr zurückzuziehen; die Finanzen wurden aufgegeben und er ward Hiſtoriker.

Zu beachten iſt, daß trotz ſeines wiſſenſchaftlichen Strebens Koeniger nie aufgehört hat, ein äußerſt tüchtiger und praktiſcher Officier zu ſein. Man muß den Mann bewundern, der nicht allein Hiſtoriker war, ſondern, ſeinen Geiſt nach allen Richtungen des menſch⸗ lichen Denkens hin bewegend, den geiſttödtenden Garniſonsdienſt eines Kleinſtaates mit der ſtricteſten Pünktlichkeit zu verſehen wußte. Jetzt in den höchſten Regionen der Phantaſie verweilen und... eine Viertelſtunde ſpäter Rekruten einexerciren, gibt es wohl grellere, peinlichere Contraſte, und verdient der Mann, der auf beiden Seiten Bedeutendes, Außergewöhnliches leiſtet, nicht, daß ihm die Nachwelt die Gerechtigkeit erweiſe, zu welcher es der Gegen⸗ wart an Zeit fehlte?

Wir können nicht weiter gehen, ohne einer Seite in Koenigers Geiſte zu erwähnen, die auf ſein ganzes Denken, Wirken und Schaffen einen ſo bedeutenden Einfluß ausgeübt hat, daß man ſie kennen muß, um ihn zu verſtehen. Wir meinen die religiöſe Seite ſeines Charakters.

Der Leſer wird dem Laien verzeihen, wenn er hier andren das Wort gibt, aus deren Feder die folgenden Worte einen viel be⸗ deutungsvollern Werth erhalten. Die Allgemeine Kirchenzeitung ſchreibt:

Bei aller religiöſen Lebendigkeit und bei aller eifrigen Be⸗ theiligung an kirchlichen Dingen, war er doch eine von aller reli⸗ giöſen Manier völlig freie Natur. Nirgends war gefliſſent⸗ liches Zurſchautragen des Religiöſen, nirgends tendenziöſe Ab⸗ ſichtlichkeit bei ihm bemerkbar; und doch war das religiöſe Ele⸗ ment der durch alles bei ihm durchklingende Grundton und gab ſeiner ganzen Erſcheinung wie allen ſeinen Beſtrebungen auf den verſchiedenſten Gebieten den idealen Charakter und die Hoheit der Geſinnungen, die ihn ſeinen Freunden ſo unendlich theuer machten.

Es ſei uns erlaubt, dieſen Worten nicht das Geringſte hinzu⸗ zufügen; ſie ſagen alles über Koenigers Innerſtes, was zu ſagen erlaubt iſt. Das Heiligſte in des Menſchen Bruſt darf nicht öffent⸗ lich zergliedert werden; wie er in ſeinem Lebenfrei von allem Zur⸗ ſchautragen des Religiöſen war, ſo müſſen auch ſeine Biographen ihn behandeln; ſie müſſen dieſe hohe Seite ſeines Charakters conſta⸗ tiren, ſie als Leitfaden in ſeinem Leben nehmen, doch dabei, wie er, frei von jeglichertendenziöſer Abſichtlichkeit bleiben.

Und dennoch wird es uns ſchwer, nicht von dieſer Glanzſeite ſeiner innerſten Ueberzeugung zu ſprechen; wir möchten gar zu gern die Kämpfe ſchildern, die er als Officier inmitten junger, le⸗ bensluſtiger Kameraden auszufechten gehabt hat, um ſein Allerheilig⸗ ſtes, den Glauben ſeines Herzens im Treiben des ſo bewegten Sol⸗ datenſtandes aufrecht zu erhalten. Doch das zu loben, was er für ſeine unantaſtbare Pflicht hielt, hätte dem edlen Dahingeſchiedenen ſelbſt eine Entweihung ſeiner heiligſten Gefühle geſchienen. Er ver⸗ dankte es, wie man ſagt, in ſpäteren Jahren ſeiner ausgezeichneten militäriſchen Tüchtigkeit, ſo wie der Ehrenhaftigkeit und Liebens⸗ würdigkeit ſeines Charakters, daß ſelbſt die Andersdenkenden ſeiner Kameraden ihm jeneMarotte, wie ſie es nannten, nachſahen.

In den Jahren 18471852 bildete ſich in Darmſtadt eine Geſellſchaft von Philologen und Theologen, zu der ſich Koeniger hin⸗ gezogen fühlte und deren hervorragendſtes Mitglied wohl Wilhelm Bauer geworden iſt. Dieſe Geſellſchaft gründete eine eigene Wochen⸗ ſchrift:Die Politiſch⸗Kirchlichen Blätter, in welchen Koeniger ſeine erſten literariſchen Verſuche der Oeffentlichkeit übergab. Leider war die Zeit einem ſolchen Unternehmen ungünſtig, und das Blatt ging nach einiger Zeit ein; Koeniger hatte jedoch an der Thätigkeit als Publiciſt einen ſolchen Geſchmack gewonnen, daß er Jahre lang ein äußerſt geſchätzter Mitarbeiter ſüddeutſcher Zeitungen blieb. Eine

246

längere Reiſe, die er im Auftrage ſeiner Regierung durch ganz Deutſch⸗ land machte, um in Berlin, Dresden und Stuttgart das Turnweſen zu ſtudiren und es im Großherzogthum einzuführen, benutzte er neben⸗ bei dazu, ſich mit vielen Zeitſchriften in Verbindung zu ſetzen, von

denen jedoch diePreußiſchen Jahrbücher ſeinen Geiſt am meiſten

anzogen und in denen er, wie weiter oben erzählt, ſo viele und wohl⸗ verdiente Triumphe feierte.*)

Als es vor einigen Monaten keinem Zweifel mehr unterlag, daß der gordiſche Knoten der deutſchen Zerwürfniſſe mit dem Schwerte durchhauen werden würde, da ging es Koeniger, wie ſo vielen ehren⸗ werthen Süddeutſchen. Preußen war ihnen zu wenig bekannt, oder, um uns beſſer auszudrücken, war ihm nur von einer Seite bekannt, die in Wirklichkeit gar nicht exiſtirte und nur durch einen vorüber⸗ gehenden Conflict fictiv hervorgerufen worden war. Wie viele andere, neigte er zu dem Irrthum hin, daß Preußen, nur von einer kleinlichen Eroberungsſucht geleitet, die Waffen ergriffen hätte; aber als die preußiſche Action in ihrer ganzen unerwarteten Großartigkeit an den Tag trat, da begriff er, als einer der erſten, daß aus dieſem Titanen⸗ kampfe, wenn Preußen ſiegreich wäre, eine deutſche Macht hervorgehen würde, wie Deutſchland eine ähnliche in ſeinen Grenzen noch nicht geſehen, und als er das begriffen, da machte er kein Hehl daraus, daß ſeine Ueberzeugung ſich geändert und daß in Preußens Sieg Deutſch⸗ lands Hoffnung läge!

Und er war heſſiſcher Officier, er mußte, ſeiner Pflicht getreu, gegen die Macht fechten, welche ſeiner innerſten Ueberzeugung nach, ſein über alles geliebtes Deutſchland allein neu geſtalten konnte!

Gab es wohl einen herberen Seelenconflict für einen Mann wie

Koeniger? Doch Leute von ſeinem Guſſe heften in ſolchen Kata⸗ ſtrophen unveränderlich feſt den Blick auf den Leitſtern, der ſie durchs ganze Leben geführt hat die Pflicht und folgen ihm treu nach, wohin er auch immer führen mag, zum Leben und zum Sterben!

Koeniger war während des kurzen Feldzuges der Stolz der groß⸗ herzoglich heſſiſchen Diviſion: er zeigte allen, welche unerſchütterlich energiſche Thatkraft unter der Hülle des Gefühlsmenſchen verborgen war. Er fiel mit der Tapferkeit des Soldaten, den jeden Augen⸗

blick die tödtliche Kugel erreichen kann, mit der freudigen Zuverſicht

des Chriſten, der jeden Augenblick vor den Richterſtuhl ſeines Herrn

zu treten bereit ſein muß. .... Koeniger fand den Heltentod im Dorfe Fronhofen, eine

von den Preußen genommene Poſition des Gefechtes bei Laufach.

Der heſſiſche Commandirende hatte eine Ablöſung während des Ge⸗ fechtes, die ſchon ſo oft Verderben gebracht hat, jedoch zuweilen un⸗ vermeidlich iſt, anbefohlen, und Koeniger war mit ſeiner Compagnie gegen das Dorf vorgerückt, welches er noch nicht in preußiſchem Beſitze glauben konnte. Doch wenige Augenblicke genügten, ihn ſeinen Irrthum erkennen zu laſſen, er hätte ungehindert abmarſchiren können, aber er faßte den Entſchluß, das Dorf zu umgehen und die Preußen im Rücken anzugreifen. Einige Minuten gelang es ihm, ſich unbemerkt mit den Seinen hinter den Bauerhöfen hinzuſchleichen, da wurde er von preußiſchen Detachements entdeckt und mit einem lebhaften Gewehrfeuer empfangen. Er mußte jetzt eine feſte Stellung zu erlangen ſuchen und warf ſich mit ſeiner Compagnie in eine Kegel⸗ bahn. Hier hätte er ſich eine Zeitlang halten können, zumal da er ſah, daß heſſiſche Truppen im Vorrücken begriffen waren. Kaum glaubte er eine günſtige Poſition gefunden zu haben, als er vor die Front ſprang und mit kräftiger Stimme rief:

8

Nicht wahr, Soldaten, ich darf mich auf meine brave

Compagnie verlaſſen?

Kaum war der letzte Laut von ſeinen Lippen, als er mit beiden Händen nach der Bruſt griff, ſeinen Degen fallen ließ tau⸗ melte... und dann lautlos zu Boden ſtürzte.

Er war todt die Kugel hatte das Herz getroffen! Man

trug ihn unter dem fortwährenden Feuer der Preußen auf eine Bank ic

in der Kegelbahn, mußte ihn aber gleich darauf wieder verlaſſen;

denn die preußiſchen Fünfundfünfziger drangen mit donnerndem

*) Der Hauptmann Koeniger war ein warmer Freund des Daheim ſeit ee

ſeinem Entſtehen, und nur ſeine mannigfaltigen Beſchäftigungen waren daran Schuld, daß er nicht unſer Mitarbeiter geworden iſt. Er hatte noch vor

Daheim zu bearbeiten gedachte; und die Rückerinnerung an die Stunden, die wir im Redactionsbureau mit ihm verplaudert haben, wird uns theuer bleiben. D. Re

einiger Zeit literariſche Pläne und Stoffe mit uns verabredet, die er für ei.

I

uunih gagen von der rraij Es wer

be Eize, alle Art ihr es Generalm ſeine Schärpe, den Wittwe d nnit noch zwe⸗ Orte, wo er g.

Und imm wir an den llr patrin me vie am Anfa⸗

Nein, n Pomadenhengſt Euch, neulich! and als die all einer eine Geſu ſo lang und ſte und ſtieß mich ſonſt nimmts ich, ſonſt zankt Miädchen, und Singt ſie? Re Betty kann das Aler doch, mein Deinige. H ſagte er, und Bande, das h Hand, undalsi duftete mir ein tifel, ſogte ich, Leß, ſeWif u itt fein Welt, Geſchmack der ſnügt nit dem, Weſen und ſen usl Gm ſolche Rebendin angenehm ſein und iim ſei

Kͤtanubigket

dich vermocht ten ,₰ geleund ein alle wworden