Männern ſeiner Zeit im vertraulichſten Verkehr geſtanden haben, und weil er die täglich weiter ausgeſchmückten Geſchichten ſchon jahrelang erzählt hatte, kam es denn, daß er ſelbſt an die Wahrheit ſeiner Phan⸗ taſien glaubte. Und wehe dem Zweifler,— ein Wort der Widerrede ſchloß ihn aus von der köſtlichen Unterhaltung. In einem verbotenen mecklenburgiſchen Kalender wird er redend eingeführt. Wir retten ſeine denkwürdigen Worte, auf daß ſie nicht im Dunkel provinzieller Beſchränkung verklingen. 1
„Ji Döſchköpp, weittt jo von'n helligen Dag nicks af; ji ward't ok woll nich weiten, wer denn eigendlich dei Slacht bi Auſterlitz gewunn'n hett. Dei Slacht bi Auſterlitz hett keiner anners gewunnen, as Peiter Lurenz ut Roſtock. Lat t juch vertell'n.
„T was Anno fif. Iklag dortomal husin un harr den utgereckten Dag nicks to dohn. Dat wörr mi äwer un ik kreg't bald ſatt. Da dacht ikin minen Sinn: ſaſt mal ſeihn, wat din Fründ un Dutzbroder Napoleon makt. Hei was dunntomal in Dütſchland un kloppt den Oeſtreicher dei Jack ut. Gedacht, gedahn! Ik mak mi upn Weg na't Böhmſche rin un noch äwer Böhmen rut. As ik bi Auſterlitz kam, hett de Düwel ſin Spill, un dei Franzos is in vullen Lopen.
„Himmeldunnerwedder!“ ſäd ik,„wat is hier los?“
„Wat hier los is?“ ſeggt'n Oberſtleutnant,—„wi hebben Släg kregen.— Wo Düwel, ſünd Sei nich Herr Peiter Lurenz ut Roſtock?“ ſäd hei. Säben grote Stierns harr hei up dei linke Boſt ſitten.„Wat fangen wi nu an?“ ſäd hei.
„Wat ji anfangt?“ ſäd' ik.„Wo is min Fründ un Dutzbroder Napoleon?“
As dei Oberſtleutnant mi ſo ſnacken hür', ſprüng hei von ſinen gehlen Schimmel mitn witten Bliß. Ik ſtig up, hei gifft mi'n Or⸗ dennanz mit, un wi jagen af.
„God, dat Du kümmſt, Peiter Lurenz!“ reep Napoleon ut vullen Halſ';„hier geiht't kunterbunt to. Dit is en wohren Hunn'ndanz up Söcken; äwerſt de Slacht is verlorn.“
„Wat is verlorn?“ ſegg ik.„Dei Slacht mag den Düwel verlorn ſin. Mal flink fifuntwintig duſend Mann Kavallerie her!“
„Du kannſt ok dörtig duſend kriegen,“ ſeggt Napoleon.
„Dat hölt man up!“ ſegg ik.
„Ne lütt Vittelſtunn, un ik rament mit fifuntwintig duſend Mann Kavallerie, hunnert Trumpeters vörup, vörrfötſch mank den Ruſſen un Oeſtreicher rin. God dreivittel Stunn', un dei Sak was klipp un klor.“
„Dat harr'k nich dacht,“ ſäd Napoleon to mi un wiſch ſik dei blanken Sweitdruppen von'n Kopp.„Nun kumm rin in't Telt un vernüchter Di.“—„Nen Happen et ik ſacht,“ ſäd ik.
Wi güngen rin in't Telt, un Coulaincourt müßt kamen, un Napoleon ſäd to em„Coulaincourt,“ ſäd hei,“ gehen Sie mal fortſen ſitzen un ſchreiben, was ich Sie in die Fedder dictir’!“
Coulaincourt gung an dat anner Enn von n Diſch ſitten, un Napoleon fung an:
„Die Schlacht bei Auſterlitz iſt gewonnen. Wir verdanken dieſen Sieg der Entſchloſſenheit und Umſicht Unſeres vielgeliebten Freundes und Dutzbruders Peter Lo——*
„Holt!“ ſegg ik, ſmet dat Metz upn Diſch un ſprüng up;„mit
ſonn Narrnsputzen bliw mi duſend Schritt von n Liw. Du weiſt, ik mag dat nich.“
„Is all god,“ ſeggt Napoleon,„'t kann ok nablieben.“
„Seiht, ji Döſchköpp, ſo is't togahn, dat dunntomalen von Peiter Lurenz nicks na de Affiſen rinn kamen is.———“
Ik was in Kopenhagen un harr't en beten hilt. Juſtement, as ik klor bün un an Burt gahn will, föllt mi in, dat ik noch'n Gang in de Stadt uttogahn heff. As ik ſo äwer den groten Platz ſtek, wo den König ſin Sloß ſteiht, liggt de König in'n Finſter un klickt ut. Dat mücht morgens hen to achten ſien. Ik dacht: Saſt di nicks marken laten un ſtill vörbidweren, denn ik hart'n beten ſihr hilt. Aewer as ik gegen t Sloß kamm, ward de König mi frod(gewahr) un röppt mi an:
„Wat, Peiter Lurenz, oll Fründ un Dutzbroder, Du wuſt ſo vörbigahn! Kumm n Ogenblick rup!“
„Holl mi nich up,“ ſäd ik,„ik heff't ſihr hilt!“
.„Ik will Di ok nich upholln, Du ſaſt blot min Fru mal goden Dag ſeggen.“ Ik wull oder wull nich, ik mößt rup. De König makt'ne grote
1 dubbelte Dör up.
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„Fru,“ rep he,„Peiter Lurenz ut Roſtock is hier un will Di goden Dag ſeggen.“
Wi gungen na n groten Saal rin, un wat den König ſin Fru was, de leg in'n Bett mit witte ſidne Laken un harr'ne grote Kron upn Kopp.
„Mrieken,“ ſeggt de König,„ſtah drieſt up un back Peiter Lurenzen'n Pannkoken; he hett't hilt.“
Neben dem vierſchrötigen alten Schiffer lief der lebendige Münchhauſen der Stadt, der Schreiblehrer W., einher, leichtfüßig wie ein Tanzmeiſter. In ihm ſchien franzöſiſches Blut zu pulſiren. Er ſcherzte mit aller Welt und war berühmt wegen ſeines großen Talents— zur Lüge. Ja, er hatte ſich in Wahrheit, weil er ebe n ein ſeltenes Geſchick dazu zeigte, ſo ſehr an dieſelbe gewöhnt, daß er kaum mehr ein wahres Wort vorbrachte. Er war Mitſtifter des ſogenannten Dämelclubs, und ſeine Stellung in demſelben ließ ſeinem Talent volle Gerechtigkeit und fördernde Anerkennung widerfahren. Neben dem Präſidenten des Vereins, welcher letztere principiell alle geſchriebenen Statuten verworfen hatte, fungirte im Vorſtand ein Secretär und ein ſogenannter„Wahrheitsredner“. Die letztere hohe Charge bekleidete unſer Schreiblehrer, der ſchon wegen dieſes ſeines Berufs von der Würde des Secretärs für immer ausgeſchloſſen war. Denn der Secretär des Vereins durfte nie auch nur ein Wort auf⸗ zeichnen, der Wahrheitsredner durfte bei Strafe nie ein wahres Wort aus ſeinem Munde gehen laſſen, und der Präſident hatte nach dem Herkommen der Vereinsordnung— gar nichts zu ſagen. Dabei beſtand ein herkömmliches Ceremoniell. Der Ceremonienmeiſter leuchtete z. B. die Mitglieder nach jeder Abendſitzung aus, mit⸗ telſt einer Leuchte, deren Licht zwar angeſteckt, aber ſogleich wieder ausgethan war. Während jedes ſonſtige Mitglied nur eine Geſchichte und immer dieſelbe wieder neu und beſſer erzählen mußte, wenn er dadurch das Wort bekommen hatte, daß der Präſident es ihm aus⸗ drücklich verweigert hatte, und nicht darauf geſehen wurde, ob ſich dieſelbe wirklich zugetragen hatte oder erfunden war, wurde dem Wahrheitsredner kraft der Würde ſeines Amtes die Verpflichtung auferlegt, nur Erfindungen und möglichſt unterhaltende Umgehungen der Wahrheit in Vorrath zu halten. Bei den ordentlichen Mitgliedern kam es auch wohl vor, daß einer dem andern ſeine Geſchichte abkaufte, ja, es iſt vorgekommen, daß der Verkäufer es demnächſt nicht ertragen konnte, ſeine Geſchichte im Munde des neuen Inhabers, wie er meinte, verhunzt zu ſehen, und daß der Handel mittelſt Reukaufs rückgängig gemacht wurde. Der Wahrheitsredner konnte ſich, ſo oft er wollte, das Wort für ſich erbitten. So bildete ſich denn ſein Talent in ſeltenſter Weiſe aus, und jede neue Geſchichte von ihm war ein Ereigniß, das die Stadt durchlief. Seine Erlebniſſe, auch außerhald des Clubs, waren amüſant genug. Denn ſeine Perſon genoß eines ſeltenen Nufes, einer weitverbreiteten Volksthümlichkeit. Wer ihm auch nur nahte, hatte Luſt, mit ihm zu ſcherzen, und war bereit, den eigenen Witz an ihm zu erproben. Wer ſich ſeinem Dialog gewachſen fühlte, ſuchte ihn zu gemeinſamem Scherz, und wer nicht mit aufgeben konnte, wurde gutmüthig von ihm gehänſelt. Denn unſer munterer Schreibkünſtler war bei allem Talent des Aufſchneidens ein gutmüthiger und braver Mann. Seine Unwahrheiten trugen niemals den Charakter des Böswilligen, ſeine Geſchichten waren vielmehr amüſante Hyperbeln, die in der Handgreiflichkeit der Erfindung nur den Dummen zu düpiren, den Verſtändigen aber wohl zu amüſiren geeignet waren. Sein Talent war mehr ein künſtleriſches, ſeine Uebertreibungen fielen in den Bereich des Scheins, der den Stoff aller Kunſtgebilde umhüllt. Geben wir inſofern der Wahrheit die Ehre, als wir einige ſeiner Späße durch die Erzählung einer Unterredung einleiten, die wirklich vorgefallen
war und deren Mittheilung ihm im Dämelelub eine Ordnungsſtrafe zuzog. Er erzählte nämlich:
„As ik giſtern na Bramow hento ſpatzier, begegent mi min oll Fründ, de Canzlidirecter v. G. As he mi anred't, wull ik mi en Spaß mit em maken, as ik woll to dohn plegg,— äwer dor keem ik ſchön an! Cigarrnſtummel un ſög un ſög, künn äwer keen Füer mihr ruter ſugen. So frögt he mi denn, as he mi gewohr ward:„Herr W., können Sie wohl ein wenig Feuer machen?“ Un widk nu ja ok ſo tämlich allens kann, ſmunzel ik woll ſonn beten un lang ok glik na Stahl, Steen un Tunner in de Weſtentaſch. Dabi ſegg ik ſo biher: „Ja, Herr Canzlidirecter, ik kann allens maken, blos keen lütte Medi⸗ cinbuddels. Dor harr'n ſe mal den Canzlidirecter ſehn ſullt! Kum
Nich mal utreden leet he mi. He kaut nämlich up ſinen
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