Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
81
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jalckenſtein.

ſelnden Friſche keit anſtreben.

um Theil de Werke durch Kriehuber, großen Menge ind ſein können. bte jener merk⸗ diſe jedenfalls

noch vor 4 6

ſich dann ſo

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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 18

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III. Jahrgang. Ausgegeben um 10. November 1866. Der Jahrgung lüuft vom October 1866 bis dahin 1867. 1867 No 6.

Das Weib des Karaiten.

Novelle von M. Ben Aron. (Fortſetzung.)

Die Männer ſtehen bedeckten Hauptes am oberen Ende des Bettes und murmeln die vorgeſchriebenen Gebete, von Zeit zu Zeit

einen Blick auf den Doctor werfend; denn im Augenblicke, wo nach

menſchlichem Gutachten die allerletzten Lebensaugenblicke eintreten, müſſen ſie alle, nach dem Geſetze, ihre Stimme erheben, und laut der entfeſſelten Seele bie Worte des Geleites auf ihre Himmelsbahn zu⸗ rufen jene Worte, die den Juden ſeit Jahrhunderten ſchon als

Troſt in all ihren Leiden, als Bundeszeichen in all ihren Verban⸗

nungen dienen jene ſacroſancten Worte, welche ſelbſt die ſogenann⸗ ten aufgeklärten Juden in den großen Städten mit einer gewiſſen religiöſen Scheu vernehmendas Schema Jisroeil jene Worte, die mit goldenen Buchſtaben an der Bundeslade glänzen und in ſchlichter Schrift an jeder Thür des Hauſes ſtehen, die ſie ſich alle

Morgen bei dem Tophilimgebete vor die Stirn binden; jene Worte,

das Alpha und das Omega ihres Glaubens, die Eſſenz ihrer Religion:

Höre Iſraell der Herr, Dein Gott iſt ein einiger Herr!

.... Reb Iſaak ſteht dem Bett am nächſten; ſein ehrwürdiges Geſicht iſt von tiefer Rührung ergriffen; er denkt, indem er die Ge bete ſpricht, daß der Sterbende in ſeinem ganzen Leben nie ſein Freund geweſen, daß er ihm nie wohl gewollt habe, wie jeder gläubige und wahre Jude es doch mit den Kindern ſeines Volkes thun müſſe; er fragt ſich, ob, wenn es in Gottes unerforſchlichem Rathſchluß geweſen wäre, daß er die Mittel in Händen gehabt hätte, dem Meyer etwas Schlechtes zuzufügen, er ſeine Antipathie hätte beſiegen können, und er dankt Gott in ſeinem Herzen, ihn nicht in ſolche Verſuchung geführt zu haben.

Und immer fort gehen die Gebete und immer aufgeregter wird der Kranke und immer vernehmlicher die unzuſammenhängenden Worte, die ſeine ſterbende Zunge hervorlallt!

Da öffnet ſich plötzlich die Thüre, und ein Mann tritt athemlos ein und nähert ſich dem Doctor Elias.

Eleazar hat das Gericht nach Lo ſagt er.

» beſcheiden laſſen!

... O wie es kracht... wie es kracht..

Wie... was? fragt der Doctor beſtürzt...iſt meinem

Bruder etwas paſſirt?

Nichts... ich weiß nicht... aber ihm iſt nichts paſſirt, ſo⸗ viel ich weiß...; das Waſſer läuft mit Macht ab... von oben der Mühle aus kann man ihn ganz genau ſehen inmitten der Ar⸗ beiter...

Aber wozu das Gericht?

Ich weiß nicht... ſagt jener mit lauter Stimme... ſie ſagen, man hätte im See etwas gefunden... ſie ſagen, einen Leich⸗ nam... der ſchon...

Ein greller Schrei unterbricht den Erzähler... alle wenden ſich entſetzt um, und ein haarſträubendes Schauſpiel bietet ſich ihren Blicken dar.

.... Mit geiſterhaft weitgeöffneten Augen ſtiert ſie Meyer an!... ſeine bebende, magere Hand hat ſich mit der letzten Kraftan⸗ ſtrengung erhoben... ſeine Lippe zuckt krampfhaft...

Herr Gott... Deine Gerechtigkeit... ſtammelt er,Lob⸗ chower See... Gnade... Gnade, Gott Iſraels... ich hab's ja nicht gethan... nein... nein... es iſt nicht wahr... ich ſah nur

Zu, wie er den... richtigen Weg im Schnee verfehlte... nein...

ich habe nichts gethan... Barmherzigkeit... o, ich bin unſchuldig

... war ich ſein Hüter 2...

Der Sterbende iſt erſchöpft... alle Anweſenden ſind wie ver⸗ ſteinert; Reb Iſaak hat ſich zuerſt gefaßt, er ergreift Meyers Hand. Meyer! ruft er mit erhobener Stimme,in wenigen Minu⸗ ten wird Dich der Gott Abrahams, Iſaaks und Jacobs richten... der Gott, der die Rotte Korahs in einem Augenblicke vernichtete und der immer wieder, und immer von neuem ſeinem reuigen Volke ver⸗ zieh... Meyer!...Schnee!... Schnee überall!... ſtammelt

der Sterbende...rechts geht der Weg... warum reiteſt Du links, Verruchter?... bin ich Dein Wegweiſer?... Rechts... Rechts! der Pfad links führt zum See!...

.Schnee!... Wind!... das Eis hält nicht... Rechts!

er ſchreit... O... o..