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was ſchreit er?... was?... o... Schema Jisroeil, ſchreit er . nun nichts mehr... Ruhe... Schnee... Wind... er ſchreit nicht mehr!.“
Eine Pauſe trat ein.
„Meyer... Meyer!...“ riefen alle die Umgebenden;„denk an Gott!“
„Gott... Gott... Gott...“ ſtammelte er... Elias erhob ſich... und machte ein Zeichen!... eine convulſiviſche Bewegung des Kranken, und das Blut ſchoß aus ſeinem Munde...
„Schema Jiſroeil“... ſchrien die Anweſenden wie aus einem Munde...
.... Der Doctor ließ den Körper, den er aufgerichtet hatte, in
die Kiſſen zurückſinken.
Meyer war todt!...
Wie der zuletzt bei Meyer Eintretende es geſagt, war eine Bot⸗ ſchaft Eleazars an den Bürgermeiſter gelangt, in Folge deren dieſer das Gericht requirirt hatte, ihn nach Lobchow zu begleiten. Der Unterſuchungsrichter machte ein ziemlich unzufriedenes Geſicht, beſon⸗ ders da ihm der Bürgermeiſter ſagte, daß in Folge des Regens des vorhergehenden Tages der Fahrweg nach Lobchow faſt impracticabel geworden ſei und man daher den Fußweg längs des Sees einſchlagen müſſe... Der Kreisphyſicus rieb ſich vergnügt die Hände und ſchmunzelte vor ſich hin, wenn er an die verwaiſte Partie Phombre am Abende dachte, und verſprach ſich, daß, wenn, wie es vor⸗ auszuſehen war, ſein Gutachten bei dieſem neuen Falle ertheilt werden müſſe, er alles aufbieten würde, um dieſes ſo viel wie möglich in die Länge zu ziehen!
Der Fußſteig bis nach Lobchow kürzt den Weg dermaßen, daß man ihn in höchſtens einer Viertelſtunde gehen kann, und eine ganze Anzahl von Neugierigen— Chriſten und Juden, Jung und Alt war dem Gerichte gefolgt, denn die ſich ſeit ſo wenigen Tagen Schlag auf Schlag erneuernden und ſo ungewöhnlichen Ereigniſſe hatten eine mehr als fieberhafte Aufregung unter den Bewohnern des Städtchens hervorgerufen.
„Dumme Geſchichte...“ brummte der Richter vor ſich hin, „Gott weiß, um wie viel Uhr wir nach Hauſe kommen werden.“
„Wenn wir nur nicht ganz und gar hier über Nacht bleiben müſſen!“ ſagt der Kreisphyſicus.
„Was! über Nacht!... was reden Sie da, Doctor?“
„Nun, nun!... einen Leichnam zu unterſuchen, Thatenbeſtand feſtzuſetzen, Protocoll aufzunehmen und ſo weiter; das alles erfordert doch Zeit— was ſagen Sie dazu, Herr Bürgermeiſter...?“
„Ich ſage... ich ſage... daß ich mit dem Donnerwetter werde dazwiſchen fahren müſſen; ſehen Sie, meine Herren... da vor uns... die zwei Jungen, die ſich da prügeln... hol mich der Geier... und laſſen ſich auch gar nicht durch die Behörden, die ihnen entgegenkommen, abhalten... verwünſchte Rangen!“
„Wer ſind ſie denn... kennen Sie ſie, Herr Bürgermeiſter, aber, wenn ich nicht irre, hat ja der eine das Geſicht voller Blut...“
„Das iſt dieſer Ausbund, der Mendel... ein Berliner... ein zukünftiger Doctor... ich muß den Jungen züchtigen laſſen, oder er ſteckt mir ganz Ragiwen in Brand... ſehen Sie doch... aber ſehen Sie doch, wie er drauf loshaut... und der andere iſt auch voll Blut... Ha Mendel... Mendel... warte Du, Range... ich komme ſchon...“
Als Mendel den Ruf des Bürgermeiſters gehört, dreht er ſich plötzlich um, fixirt den Kommenden mit dem Blicke und ſtößt aus voller Kehle ein weithin ſchallendes„Hurrah“ aus.
„Ich werde den Jungen aufhängen laſſen“, ruft der Bürger⸗ meiſter entrüſtet,„ſehen Sie.„. er läßt nicht nach... wer mag aber der andere ſein... doch nicht mein Rudolph... von dem...“
„Es iſt Claus Nitſchke!“ ſagt einer der Nachfolgenden, die ſich den Behörden genähert haben.
„So lauft! lauft! trennt ſie von einander, die Jungen können ſich ja Schaden thun.“
Ein Paar Männer laufen eiligen Schrittes dem Kampfplatz zu, und während deſſen ſagt der Kreisphyſicus lachend:
„Vielleicht eine neue Unterſuchung... und wir werden viel⸗ leicht noch länger...“
..„Herr! reden Sie nicht ſolchen Unſinn“, ſagt der
Richter
entrüſtet.„Unterſuchung ſolcher Schlingel?... Fünfundzwanzig Hiebe!... ich muß fort... hab' nöthige Beſchäftigung zu Hauſe...“
Während deſſen ſind die beiden Männer bis zu den Kämpfen⸗
den gelangt und haben ſie mit Gewalt von einander getrennt. Men⸗ del hat es ſich ruhig gefallen laſſen, nur der ſtörriſche Claus Nitſchke ſchlägt mit Händen und Füßen um ſich und... droht, es ſeinem Va⸗ ter zu ſagen.
Endlich kommen die andern näher, und mit einem Ueberfluß von Kraftausdrücken, die der Bürgermeiſter für beſondere Gelegenheiten bereit zu halten ſcheint, fährt er die beiden Feinde an. Doch Mendel hört ihm kaum zu— faſt außer Athem wendet er ſich an den Richter und ſagt:
„Dieſer„Menſch“ weiß die Sache mit Ruben und Meyer beſſer, als alle anderen; er hat ſie ganz anders geſehen und will's nicht ſagen!“ 1
„Und warum ſchlagt Ihr Euch?“ fragt der Bürgermeiſt
„Ich wollte ihn zwingen, mit aufs Rathhaus zu gehen und die Wahrheit zu ſagen, und er wollte es nicht— wollte fortlaufen!...“
... Mendel triumphirt und die Ragiwener Behörde ſteht bla⸗ mirt da!... Der Richter hat ihm freundlich zugelächelt— der Kreisphyſicus hat ihm die Haare aus dem Geſicht geſtrichen und ſich überzeugt, daß er nur zerkratzt iſt, und alle Welt ſieht ihn theilneh⸗ mend an, während man den Verbrecher Claus Nitſchke vor den Rich⸗ ter führt...
„Iſt das wahr, was dieſer Knabe ſagt?“. den Delinquenten.
Claus Nitſchke fängt an zu heulen und ſtammelt unverſtändliche Worte aus denen die Umſtehenden jedoch deutlich die Drohung ent⸗ nehmen, es ſeinem Vater zu ſagen. Während man ihm gut zuredet, muß Mendel noch einmal den ganzen Vorfall erzählen, und er thut es mit einem merkwürdigen Gedächtniſſe.
Endlich haben die Anweſenden Claus beruhigt; der Bürger⸗ meiſter hat ihm verſtändlich gemacht, daß, wenn er nicht die Wahr⸗ heit ſage, er beſtraft würde, aber wenn er ordentlich und vernünftig ſein wolle, er ganz frei ausgehen würde: ja noch mehr, der Bürger⸗
.. fragt der Richter
meiſter verſprach ſogar, keine Nachforſchungen über die Pflaumen anzuſtellen, obgleich er ſich ſchon denken könne, wo ſie herkämen,
da die einzig reifen im ganzen Städtchen ſich in ſeinem eigenen Garten befänden.
Claus beruhigt ſich und fängt an, die Leute um ſich herum ziem⸗ lich dreiſt anzuſehen; ſchon hat er einen triumphirenden Blick auf Mendel geworfen und ihm von neuem die geballte Fauſt gezeigt, als ſich der Richter ihm nähert und zu ihm ſagt:
„Nun, mein Sohn, erzähle mir in einigen Worten, was Du weißt, damit ich ſehe, ob es der Mühe werth iſt, Dich zu vernehmen oder nicht.“
„Ich weiß nichts“... ſtottert jener...„mein Vater hat ge⸗ ſagt, ich ſoll ſtillſchweigen und kein dummes Zeug quatſchen....
„Wenn es dummes Zeug iſt, hat Dein Vater ganz Recht, mein Sohn; aber ſag mir, befandſt du Dich nahe bei Meyer?“
„Ja... ganz nahe...
„Und ſahſt, wie Ruben den Wurf that...“
„Ja, er holte ſo aus!“— und Claus machte die bezeichnende Geſte—„und ſchmiß mit aller Kraft...“
„Und hörteſt Du, was der Meyer zu Rebecca ſagte?“
„Ja; und ſie ſchimpfte, und da wollt er ſie ſchlagen...“
„Das iſt ja aber daſſelbe, was alle andern ſagen... weißt Du denn nichts Abſonderliches über den Fall?“
Claus ſchweigt, und Mendel iſt innerlich wüthend... ſo hatte er ihn dennoch belogen!... O welche Tracht Prügel verſpricht er in ſeinem Herzen dem Schändlichen!...
„Und ſahſt Du, wie Meyer getroffen wurde?“ fährt der Richter fort, der im Begriff ſchon, ſich zu entfernen, wie durch Zufall dieſe Frage thut.*
„Nee!...“ meint Claus mit verſchmitztem Lächeln,„er hat ihn ja gar nicht getroffen.“
„Wie! was!...“ ſchreien alle Umſtehenden durcheinander...
Claus triumphirt! Er, er allein hat dieſes Erſtaunen hervor⸗ gerufen; er thut ſich nicht wenig darauf zu Gute.
Der Richter tritt dem Knaben einen Schritt näher... Umgebung ſchweigt von neuem.
„Ich verſtehe Dich nicht recht, Kind!“ ſagt
und die
er,„Du meinteſt, der
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