Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
182
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ſichere es Ihnen, eine reine Gefühlsſache, eine Art von nervöſem Enthuſiasmus, der mich zu Preußen hinzog, von dem ich mir ſelbſt ſo recht nie Rechenſchaft geben konnte; ja wahrlich, eine Gefühls⸗ ſache war es, denn meinen Kameraden, alles Hannoveraner, gefiel das nicht im geringſten, ſtets Preußens Lob aus allen Tonarten von mir zu hören bald wurde ich unbeliebt bei ihnen dann ſogar verhaßt... und ſchließlich endeten unſere Discuſſionen ſelten ohne handgreifliche Argumentationen, und dann wurden mir die Vorzüge Hannovers vor Preußen dermaßen draſtiſch beigebracht, daß ich mich wirklich oft, und im vollkommenſten Sinne des Wortes, als Märtyrer meiner Sympathie betrachten konnte. Daß meine Familie mit ſolchen Geſinnungen meinerſeits das größte Bedenken trug, mich in den hannoveriſchen Militärdienſt treten zu laſſen, nachdem ich meine Schulbildung vollendet, wird Ihnen begreiflich ſein, und da ich auch durchaus keine andere Carriere erwählen wollte, ſo wußte man ſich am Ende nicht anders zu helfen, als mir die Erlaubniß zu geben, als Freiwilliger in ein preußiſches Regiment zu treten.

Wie, Excellenz, unterbrach ichSie ſind der jüngſte Generallieutenant unſerer Armee, und gerade Sie haben von der Pike an gedient?

Ja! es iſt ſonderbar, nicht wahr? aber ich habe ein merk würdiges Soldatenglück, das, wenn es mich auch manchmal auf kurze Zeit zu verlaſſen ſchien, mir doch bald darauf wieder ſeine Treue bewies. Nachdem ich ein Jahr gedient, machte ich mein Fähnrichs⸗ examen und ward bald darauf Secondelieutenant. Jetzt war der Traum meiner Jugend erfüllt,

wo mein Wunſch, ein Preuße zu ſein, befriedigt war alle meine Gedanken nachhingen. Ich haßte England! Sie lächeln? o! wenn Sie wüßten, wie viel Pläne ich in meinen ſchlafloſen Nächten in jener Zeit zu Englands Verderben geſchmiedet habe!

Erlauben Sie mir, Excellenz, Sie zu unterbrechen, ſagte ich, mein Lächeln galt nicht Ihrem jugendlichen Haſſe, ſondern ich dachte daran, daß es wohl nie ein Land gegeben hat, ſelbſt Rom nicht, das ſo energiſch gehaßt worden iſt trotz aller ſeiner unbeſtreitbaren Eigen⸗ ſchaften, wie England. Es ſcheint mir für gewiſſe Charaktere ganz und gar unmöglich, Sympathien für England zu fühlen.

Sie haben Recht, unterbrach mich der General,es hat in allen Gegenden der Welt hunderttauſende von Menſchen gegeben, welche daſſelbe Gefühl wie ich in ihrem Herzen gehegt haben; es gibt deren noch, glaube ich, und wenn in den letzten Jahren die Zahl dieſer unerbittlichen Antagoniſten ſich vermindert hat, ſo glaube ich, iſt der Grund davon darin zu ſuchen, daß England ſolche ſchlagende Beweiſe ſeiner Machtloſigkeit gegeben hat, daß man es eines energiſchen Haſſes gar nicht mehr für werth hält. Doch mir tobte dieſes unheimliche Gefühl damals mit ſolcher Kraft im Hirn, daß ich es befriedigen oder darüber untergehen mußte. Fremde, meiſtentheils franzöſiſche Offi⸗ ciere hatten ſich nach Indien begeben, hatten leichten Zugang bei den auf ſo ſchnöde Weiſe von den Engländern hintergangenen Fürſten jener Länder gefunden und ſie überzeugt, daß nur eine Organiſirung ihrer Armee nach europäiſchem Muſter ihnen die Gewalt geben könne, dem verhaßten Feinde die Stirn zu bieten. Mehrere Napoleoniſche Officiere hatten an den Höfen von Lahore und Delhi hohe Würden und Aemter erhalten, und mehr noch, es war ihnen gelungen, wie man ſagte, ziemlich gut geſchulte Regimenter als Kern von neuen Armeen zu bilden. Dieſe Nachrichten gaben den Gefühlen, die mein Innerſtes durchtobten, einen Anhaltepunkt, mein Entſchluß war in wenigen Tagen gefaßt, nach Lahore wollte ich; dort konnte ich einen Wirkungskreis finden, wo ich beſſer als irgendwo dem verhaßten England ſchaden konnte! Und nun muß ich Ihnen von meinem Vater ſprechen, dem würdigſten und verehrteſten aller Väter; er kannte mich beſſer, als alle anderen und begriff, daß man einem Charakter wie dem meinen nicht mit einem ſchroffenNein! entgegentreten dürfe. Er kannte mich durch und durch, wußte, daß ich in der Politik ein Ultraroyaliſt war, und eine einfache Bemerkung ſeinerſeits zerſtörte den abenteuerlichen Plan meiner Reiſe nach Lahore, wie der leiſeſte Zug⸗

ſevön Dersetenhaus, welches ein 8 Kind mit une.

ſich erbaut hat. Er fragte mich ganz einfach, ob ich vergäße, daß der König von England auch König von Hannover ſein, meiner Ge⸗ ſchwiſter und am Ende auch immer noch mein König wäre? Dies

genügte, ich war ſehr unglücklich, doch ich war überzeugt, daß es mir

nicht erlaubt ſein könnte, gegen den König von England zu kämpfen. Einige Zeit verging, da erfuhr man einen neuen Zug der Doppel⸗ züngigkeit der engliſchen Regierung; ſie wollte ſich nicht an dem ſpa⸗ niſchen Erbfolgekrieg betheiligen, ſie wollte keine Truppen, kein Schiff der von ihr protegirten Regierung der Infantin Iſabella officiell zu Hilfe ſenden, und dennoch erlaubte ſie dem Sir de Lacy Evans mit ihrem Gelde eine Freiwilligenlegion zu bilden und unter ihren Auſpicien damit den bedrängten Chriſtinos zu Hilfe zu eilen! Hier mußte mein Vater nachgeben, es war das die günſtigſte Gelegen⸗ heit, ſowohl meinem Royalismus, als meinem Haß gegen England Genugthuung zu verſchaffen; zumal da gar viele und bedeutende deutſche Officiere ſchon den Dienſt ihres Vaterlandes verlaſſen und dem Könige Karl V. ihren Degen zur Verfügung geſtellt hatten. Leicht erhielt ich die Erlaubniß der preußiſchen Regierung, welche dem heroiſchen Unternehmen Don Carlos die vollſte Sympathie zollte, aus der Armee auszuſcheiden, und am 31. Mai 1836 empfing mich der König von Spanien huldvoll als Officier in ſeiner Armee, nach⸗ dem ich, in Bauernkleidern und von Schmugglern geführt, die Grenze überſchritten hatte.

Der General hielt einen Augenblick in ſeiner Erzählung inne, dann fuhr er mit feſtem Tone fort:

Ich brauche Ihnen nichts von dem Rieſenkampfe und von dem Theil, den ich däran nahm, zu erzählen; ich habe beides ſo gut, wie es mir nur irgend möglich war, beſchrieben, nicht wie der ge⸗ wöhnliche Geſchichtsſchreiber ſagt:als unparteiſcher Augenzeuge, nein! ſondern ſo, wie ich gefochten habe, als Officier des Königs Karl V. Ich habe den Chriſtinos Gerechtigkeit widerfahren laſſen, aber das Werk iſt von einem Royaliſten und Carliſten geſchrieben, das kann man auf jeder Seite ſehen; ich begreife auch nicht, wie es möglich iſt, über einen ſolchen Gegenſtand in meiner Lage anders zu ſchreiben.*)

Vier Jahre, bis zum letzten Schuſſe, blieb ich im Dienſte, wurde zwei Mal gefangen, erlitt unendliche Qualen und verlor faſt das Augenlicht, wurde vier Mal im Gefecht verwundet und endlich nach der Beendigung des Krieges meuchlings überfallen und nur durch Gottes Fügung mit zerſchmettertem Arme von dieſem Ueberfall errettet. Ich verließ den Dienſt als Oberſtlieutenant im General⸗ ſtabe, und machte die Rückreiſe von Barcelona nach Frankreich zu Fuß, wobei ich Tagelang, da ich keinen Pfennig Geld hatte, mich von Brombeeren ernährte und von dem, was gutmüthige Weiber dem todesmatten, geſpenſterhaft bleichen Wanderer auf der Landſtraße un⸗ gefordert gaben, langte... ich weiß heute noch nicht wie, in Per⸗ pignan an, und als ich hier verweigerte, mit meinem Grade in die franzöſiſche Fremdenlegion einzutreten, da erlangte ich nicht einmal von der Regierung Louis Philipps die Erlaubniß, in Perpignan Briefe und Gelder meiner Familie aus Deutſchland zu erwarten, ſondern mußte, mit Zwangspaß verſehen, ſchon am nächſten Morgen meine Fußreiße nach Lyon antreten. Erlaſſen Sie mir die Erzählung dieſer ſchrecklichen Tour; die Heimat hat eine unbeſchreibliche An⸗ ziehungskraft. Der Gedanke, meinen Lieben zuzueilen, gab mir eine unbegreifliche Kraft!.... Ich habe alles erlitten, alles, was menſchliches Elend nur hervorbringen kann... alles!!... In Lyon erwarteten mich Briefe der Meinen!... Ich hatte Geld und konnte nun nach Hauſe eilen!... Alles war ja wie durch Zauber⸗ ſchlag jetzt vergeſſen, und als ich Deutſchlands Boden wieder betrat, da glaubte ich von einem phantaſtiſchen Traume erwacht zu ſein und ... doch, ich bin nicht fähig, zu beſchreiben, was ich empfand, als ich nach ſo vielen Gefahren, nach ſo unendlichen Leiden die Schwelle des Vaterhauſes wieder überſchritt. Ein ganzes Jahr gebrauchte ich, um mich zu erholen: dann erlangte ich von neuem die Erlaubniß, in die preußiſche Armee einzutreten mit meinem alten Grade als Seconde⸗ lieutenant.* 1

Wie Excellenz! rief ich erſtaunt,Sie haben ſogar noch vier Jahre Dienſtzeit verloren und dabei dennoch dieſes ſchnelle Avancement?

*) Das Werk, auf das wir jeden Le Generxal von Goeben intereſſirt, aufme .

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