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in der Welt, wo ich mich am Weihnachtsabende beſſer unterhalten leuchten heute ganz beſonders hell, als wüßten ſie, welche Freude ſie würde, als auf einem großen Bahnhofe, wo Zug auf Zug heranbrauſt machen. Selbſt das ſchrille Pfeifen wird zur wohlklingendſten Muſik,
und lauter Weihnachtsgeſichter mitbringt. Und jetzt brauſt der Zug heran. Seine großen Feueraugen
es flötet:„Nun ſind wir da!“
(Schluß folgt.)
Sin Beſuch beim General von Goeben.
Von unſerem Berichterſtatter.*)
„Goebens Brigade „Der Danske Schade! „Goebens Diviſion „Die Feinde flohn!“
Ich bin zu meinem großen Bedauern nicht im Stande, dem Leſer den Namen des Verfaſſers dieſer claſſiſchen Verſe zu nennen. Ich hörte ſie von einem„Dreizehner“ mit ziemlich lauter Stimme auf der Straße ſingen, als ich am Tage, nachdem ich die Ehre gehabt hatte, vom General von Falckenſtein empfangen zu werden, in der Dämmerungsſtunde Sr. Excellenz, dem Generallieutenant von Goeben, meine Aufwartung machte. Münſter iſt nicht groß, dennoch hatte ich meinen Weg verfehlt und wandte mich an den Sänger, um ihn um Beſcheid zu fragen. Er ſah mich groß an,— ſchien etwas ver⸗ wirrt und ſagte mir dann... daß er es nicht wiſſe. Ich mußte ver⸗ ſuchen, meinen Weg ſelbſt zu finden, aber kaum hatte jener mich aus den Augen verloren, als ich ihn ſchon wieder daſſelbe ſingen hörte. — Es iſt wahrſcheinlich, daß ich mich im Kreiſe bewegte, um die Wohnung des Generals zu ſuchen, denn kaum war ich fünf Minuten gegangen, als ich von neuem jenem Soldaten begegnete, der dieſes Mal in Begleitung zweier anderer mir entgegenkam. Sie gingen an mir vorüber, und ich hörte den erſten zu ſeinen Kameraden ſagen: „Der will zu General Goeben!“— worauf die anderen den Kopf nach mir wandten und zu lachen anfingen.— Ich begriff das nicht; — was war denn da zu lachen?— Ein Vorübergehender wies mir endlich den richtigen Weg, und einige Minuten ſpäter ſtand ich vor der Thür des Commandeurs der 13. Diviſion, immer noch mit dem „Goebens Brigade ꝛc.“ im Ohr und an die erſtaunten Geſichter der Soldaten denkend, als ihr Kamerad ihnen ſagte,„daß der zu General Goeben wolle.“
Es war ſeit dem Beginn des Feldzuges mein ſehnlicher Wunſch geweſen, vorzüglich dieſen General zu ſehen, da er gerade nach allem, was ich von ihm gehört und geſehen hatte, eine ganz andere Schule durchgemacht hatte, wie unſere übrigen Führer, und ſich ſelbſt die eigentliche Grundkenntniß ſeiner ſo bedeutenden militäriſchen Fähig⸗ keiten in einem Lande— in Spanien,— erworben hatte, einem Lande, welches ich über alle anderen liebe, und wo ich ſo oft von den deutſchen Officieren mir hatte erzählen laſſen, die ihren Degen zur Verfügung des Infanten Don Carlos geſtellt und ſich dort ſämmtlich ausgezeichnet hatten. Man kennt bei uns nicht genug jenen Krieg, den die Carliſten ſieben Jahre lang gegen die Chriſtinos geführt haben; man hat mit Begier die Verläumdungen der engliſchen und franzöſiſchen Preſſe damals aufgenommen; jedoch alles, was helden⸗ müthig und groß war, hatte man entweder verſchwiegen oder durch Zweifel und Spöttereien zu verringern geſucht! Der Mann jedoch, — das wußte ich beſtimmt, der die Schule eines ſolchen Krieges mit Auszeichnung durchgemacht hatte, mußte, wenn ſich ihm die Gelegen⸗ heit bot, auch etwas Ausgezeichnetes in ſeinem Vaterlande leiſten. Wenn die ſo überraſchenden Siegesnachrichten der Mainarmee mir zukamen, freute ich mich jedesmal nicht allein über jene Siegesnach⸗ richten, ſondern ich fühlte auch eine innere Genugthuung, daß das, was ich vorhergeſehen, ſich ſo genau erfüllte und der Name des Generallieutenants von Goeben ſich mit jeder Siegesnachricht faſt ſelbſtverſtändlich vermiſchte.
Seit dem Beſuche, den ich am vorhergehenden Tage gemacht und nach den Worten, die der General von Falckenſtein mir geſagt, in denen er mit Enthuſiasmus, ich möchte ſagen, mit Bewunderung von den Leiſtungen des Generals von Goeben geſprochen, konnte ich meine Ungeduld, ihn kennen zu lernen, kaum zügeln und hatte nur die eine Furcht, daß die Empfehlungen, welche mir vorangegangen
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ſo von Herzen ee Redaction und Verlagshandlung des„Daheime.
waren, nicht genügen würden, um von ihm ſo freundlich empfangen zu werden, wie von den Generalen von Moltke und Falckenſtein.
Man führte mich in das Arbeitszimmer des Generals, in welchem er mich erwartete, und meine Befürchtungen ſchienen mir in den erſten Augenblicken vollſtändig gerechtfertigt, denn ſein Empfang hatte jenen Anſchein, den die Franzoſen politesse glaciale zu nennen pflegen und der nicht im geringſten aufmuntert. Er erzählte mir gleich, daß er am ſelben Tage einen Brief bekommen habe, in welchem irgend ein Verleger oder Schriftſteller ihn um Details aus ſeinem Leben ge⸗ beten hätte und das mit einer sans géne, die, wie er mir ſagte, wirk⸗ lich„bemerkenswerth“ wäre.
Ich glaube, daß ich bei dieſen Worten roth ward, denn ich bil⸗ dete mir ein— und die Vermuthung lag nahe genug— daß dies ein Seitenhieb auf den neugierigen Berichterſtatter des Daheim wäre, der mit ſolcher Indiscretion ſeit einiger Zeit ſich die Aufgabe geſtellt hatte, dem Publicum das Leben derjenigen Männer, welche ſich in dieſem Jahre unvergängliche Lorbeeren errungen haben, zu ſchildern.
Doch ich war mir meiner Aufgabe bewußt und glaubte, die An⸗ ſpielung des Generals nicht beachten zu müſſen. Ich beſchloß, einen reſoluten Angriff auf den Commandeur der 13. Diviſion zu machen.
„Wollen mir Excellenz erlauben,“ ſagte ich,„Ihnen das Ver⸗ gnügen zu ſchildern, mit welchem ich Ihr erſtes Werk„Vier Jahre in Spanien“ geleſen habe, ſowie Ihr letztes„Der Marokkaniſche Krieg?“
Der General machte eine ſtumme Kopfbewegung.
„Es iſt ſchade,“ fuhr ich fort,„daß dieſe Werke nicht mehr in die Oeffentlichkeit gelangt ſind, denn beide geben ein treffliches Bild über dieſes merkwürdige Land, welches noch faſt gar nicht bei uns bekannt iſt.“
Der General zuckte leicht mit den Schultern.
„Und wer bekümmert ſich denn in Deutſchland um Spanien?“ ſagte er,„ich meine, wer gibt ſich die Mühe, dieſes Land kennen zu lernen? In allen Zeitungen Deutſchlands herrſcht in Bezug auf Spanien eine merkwürdige Uebereinſtimmung im Verkennen der dor⸗ tigen Verhältniſſe. Zu welcher Partei auch die Zeitung gehören möge,— ſelbſt vom Standpunkte ihrer Partei beurtheilt ſie das Land falſch, oder beſſer geſagt, oberflächlich!“
„Ich bin erfreut,“— erwiderte ich—„ganz Ew. Excellenz Meinung zu theilen. Für diejenigen, die längere Zeit in Spanien
verweilt haben, iſt die Geringſchätzung, mit welcher deutſche und
ſogar franzöſiſche Zeitungen dies Land behandeln, wirklich auffallend.“
„Sehr richtig!“— erwiderte der General kurz und ſchwieg. Ich ſah ein, daß mein Angriff zurückgeſchlagen war, doch ich
fühlte mich noch zu ſtark, um mein Vorhaben als ein verlorenes auf⸗
zugeben.
„Dürfte ich Ew. Excellenz bitten,“— fuhr ich fort,—„mir zu ſagen, was Sie von dem Gerüchte der Vergiftung der Wunde Zuma⸗ lacarreguis, welches immer noch in Spanien curſirt, halten?“
„Unſinn!“— rief er, indem er eine brüske Bewegung machte, „heute müßte man darüber doch im Klaren ſein.— Ich weiß, damals erzählte man, daß der Held von der Hofpartei des Königs vergiftet ſein ſollte; es iſt dies die widerſinnigſte Verläumdung, die ich je gehört, doch“— fuhr er, ſich etwas beſänftigend, fort—„damals fiel man leicht in ſolchen Glauben. Ich ſelbſt habe ja jahrelang die Ueber⸗ zeugung gehabt, habe es ſogar drucken laſſen, daß die Chriſtinos die Energie Cabreras durch Gift gebrochen hätten. Später thut es einem leid, gegen die feindliche Partei ſolche Anklage ohne genügende Beweiſe gerichtet zu haben— aber ich habe geſchrieben, wie ich gefochten habe,
— mit glühender Verehrung für das Princip der Legitimität, mit glühendem Haſſe gegen die Chriſtinos!— Doch Pardon!— Sie ſcheinen ſich ſehr für ſpaniſche Verhältniſſe zu intereſſiren?“
„Außerordentlich, Excellenz, da ich lange Jahre,— die ſchönſten
Zugendjahre— dort verlebt habe!“—
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